Belarussischer Oppositioneller: Festnahme nach Notlandung

Ein belarussischer Oppositioneller war auf dem Weg nach Vilnius, als der Flieger in Minsk notlanden musste. Die Opposition spricht von Kidnapping.

Flughafenterminal von MInsk mit Kontrolltower

Schauplatz einer staatlich gelenkten Flugzeugentführung? Der Flughafen von Minsk Foto: Vasyatka1 via Wikimedia Commons

KIEW taz | Auf dem Flughafen der belarussischen Hauptstadt Minsk ist am Sonntagnachmittag der oppositionelle Journalist Roman Protasewitsch festgenommen worden. Protasewitsch, der 2019 aus Angst vor einer Verhaftung aus Belarus nach Polen geflohen war, befand sich auf einem Flug von Athen nach Vilnius, als das Flugzeug wegen einer Bombendrohung in Minsk notlanden musste.

Die Piloten hätten um Landeerlaubnis in Minsk gebeten, berichtet die staatliche Nachrichtenagentur Belta. Das Flugzeug von Ryanair sei auf Befehl von Alexander Lukaschenko nach Bekanntwerden der Bombendrohung auf den Flughafen Minsk beordert worden, so Belta. Dabei sei es von einem Abfangjäger, einer MiG-29, eskortiert worden. Bei einer Durchsuchung des Flugzeuges habe sich der Verdacht einer Bombe an Bord indes nicht bestätigt.

Doch sofort nach der Notlandung wurde ein Passagier der Boeing 737-8AS, nämlich Roman Protasewitsch, verhaftet. Protasewitsch steht auf der Fahndungsliste der belarussischen Machthaber ganz oben. Im November hatte Belarus an die polnischen Behörden ein Auslieferungsgesuch übermittelt. Der belarussische KGB hat Protasewitsch als Terrorist eingestuft. Er wird des Aufrufs zu Massenunruhen beschuldigt.

Der Mitbegründer des oppositionellen Telegram-Kanals Nexta gehört zum Mitarbeiterstab der belarussischen Oppositionsführerin Swetlana Tichanowskaja. Nexta hatte von Polen aus live über die Proteste in Belarus nach den gefälschten Präsidentschaftswahlen vom 9. August berichtet. An den Ankündigungen von Nexta orientierte sich die Protestbewegung.

„Das Regime hat die Landung erzwungen“

Noch kurz vor dem Abflug in Athen hatte Protasewitsch Freunden berichtet, ein weiterer russisch sprechender Passagier habe sich vor dem Ticketschalter in merkwürdiger Weise für ihn interessiert und auch versucht, seinen Pass zu fotografieren, berichtet das belarussische Portal euroradio.fm.

Swetlana Tichanowskaja will nicht glauben, dass eine Bombendrohung das Flugzeug zur Landung genötigt habe. „Das Regime hat die Landung erzwungen, um den Journalisten und Aktivisten Roman Protasewitsch festzunehmen. Ihm droht die Todesstrafe. Wir fordern die sofortige Freilassung von Roman“ twitterte die Oppositionspolitikerin am Sonntag.

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Gleichzeitig erklärte sie, sie erwarte sich von der Internationalen Zivilluftfahrtorganisation eine genaue Aufklärung des Vorfalles. Die Organisation müsste Maßnahmen ergreifen bis hin zu einem Ausschluss von Belarus. Tichanowskajas Mitarbeiter Franak Viačorka bezeichnete den Vorfall als Flugzeugentführung.

Unterdessen wurde bekannt, dass am Freitag ein Aktivist der oppositionellen „Belarussischen Volksfront“, Witold Aschurok, in der Haft an Herzversagen gestorben ist. Dessen Ehefrau, Olga Aschurok, will dieser Version jedoch nicht glauben. Ihr Mann, so zitiert sie das Portal belaruspartisan.by, habe nie Herzprobleme gehabt.

Witold Aschurok war im Januar diesen Jahres zu fünf Jahren verurteilt worden. Was ihm vorgeworfen wurde, ist nicht bekannt, da der Prozess hinter verschlossenen Türen stattfand. Aus der Haft hatte Aschurok mitgeteilt, dass Häftlinge, die der Protestbewegung zugerechnet werden, gelbe Aufnäher tragen müssten.

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Mehr Geschichten über das Leben in Belarus: In der Kolumne „Tagebuch aus Minsk“ berichten Janka Belarus und Olga Deksnis über stürmische Zeiten – auf Deutsch und auf Russisch.

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