Appell von Rechten und Konservativen: Was denkt Lisa Eckhart?

Ausgeladene Kabarettisten, zensierte Karikaturisten und verfolgte Whistleblower: Im Netz kursiert eine Unterschriftenliste voller Verfolgungswahn.

Lisa Eckhart beim Kabarett-Preis 2018.

So wird sie geschrieben: Lisa Eckhart Foto: dpa

Rumms. Haben Sie das gehört? Das war die Tür zum Debattenraum da hinten rechts, die zugeschlagen ist. Denn der freie Zugang zum öffentlichen Debattenraum ist bedroht und mit ihm die Demokratie. So steht es zumindest in einem Internet-Aufruf, der das „freie Denken aus dem Würgegriff“ befreien möchte: mehr Argumente, weniger „zur Schau gestellte Haltung“. Über 100 Menschen aus Kultur, Wissenschaft und Politik haben den „Appell für freie Debattenräume“ bisher unterschrieben. Am 25. September soll die vollständige Unterzeichnerliste veröffentlicht werden.

Der Appell erinnert an den „Letter on Justice and Open Debate“, der im Juli im US-Magazin Harper’s erschien und eine Debatte über Cancel Culture lostrat. Der deutsche Abklatsch bekommt nicht annähernd so viel Aufmerksamkeit. Warum?

Vielleicht wegen der Unterzeichner. Während unter der US-Variante auch linke und liberale Intellektuelle stehen wie der Politikwissenschaftler Noam Chomsky und die Schriftstellerin Margaret Atwood, stehen unter dem deutschen vor allem Rechte und Konservative, die seit jeher über Sprechverbote klagen: Grünen-Politiker Boris Palmer, Schriftstellerin Monika Maron, der Satiriker Dieter Nuhr. Dass die Unterzeichner des US-Briefs vielfältiger sind, dürfte am Inhalt liegen. Der Harper’s Letter grenzt sich gegen rechts ab, warnt vor „Demagogen aus dem rechten Spektrum“ und „illiberalen Kräften“ mit „ihrem starken Verbündeten Donald Trump“. Im deutschen Brief sind es die „lautstarken Minderheiten von Aktivisten“, die die freie Debatte bedrohen.

Mich erstaunt, wie viele Journalisten den deutschen Appell unterschrieben haben: Götz Aly, Kolumnist der Berliner Zeitung. Harald Martenstein, Kolumnist des Zeit Magazin. Alexander Kissler, ehemaliger Kultur-Ressortleiter beim Cicero, nun in der NZZ Berlin-Redaktion. Frank Lübberding, Autor beim Cicero und der FAZ. Peter Hahne, Moderator beim ZDF. Günter Wallraff, der bei RTL gelandet ist. Initiiert wurde der Aufruf übrigens von einem Journalisten und einem Schriftsteller: Milosz Matuschek, Autor der NZZ, und Gunnar Kaiser.

Verstehen Sie mich nicht falsch

Das sind alles Leute, die sehr wohl sehr viel sagen dürfen. Ständig und überall. Besonders absurd sind ihre Beispiele für die angeblich fehlende Debattenfreiheit: ausgeladene Kabarettisten, zensierte Karikaturisten und verfolgte Whistleblower. Der im Exil lebende Edward Snowden soll also das Gleiche sein, wie die von einem Literaturfestival ausgeladene Komikerin Lisa Eckhart.

Verstehen Sie mich nicht falsch: Ich möchte wissen, was diese Frau denkt und was sie unter Satire versteht. Ich bin mir da nämlich selbst unsicher. Nur muss es doch in einem – Tür wieder auf – Debattenraum möglich sein, eine Debatte zu führen. Und zu sagen: Fand ich nicht so gelungen, Eckharts Satire. So zumindest stelle ich mir diesen Raum vor. Da sollte schon eine Couch drin stehen, auf der man sich unterhalten kann und nicht nur eine Kanzel, von der aus ein paar wenige predigen.

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