Förderung neuer Gaskraftwerke : Saurer Apfel
Wer elektrische Sicherheit gewährleisten will, kommt an fossilen Kraftwerken nicht vorbei. Der Stromverbrauch ist von den Netzen nicht zu schaffen.
Foto: Jochen Tack/imago
N atürlich ist die aktuelle Entscheidung bitter, wenn man die Energiewirtschaft zügig auf Klimaneutralität umrüsten will: Da werden nun fossil betriebene Kraftwerke gefördert und sie werden laut Ausschreibungsbedingungen noch bis mindestens 2046 in Betrieb sein. Dass die Anlagen ab 2045 klimaneutral, also ohne Ausstoß von CO2 laufen sollen, ist bei der ganzen Geschichte nur ein schwacher Trost.
Trotzdem muss man, so schwer es fällt, konstatieren: Willkommen in der Realität! In der industriellen Produktion, im Wärmemarkt und im Verkehr soll das gesamte Leben mit großem Pomp elektrifiziert werden – und plötzlich stellt man fest, dass der viele Strom gar nicht in der gewünschten Stetigkeit verfügbar ist. Sei es, weil Wind und Sonne gerade schwächeln, oder sei es, weil der Strom grundsätzlich zwar irgendwo vorhanden ist, aber wegen fehlender Netze nicht dort ankommt, wo der Kunde ihn braucht.
In der gesellschaftlichen Debatte sind nun einfache Lösungen gemeinhin schnell gefunden: Dann muss man eben die Netze ausbauen. Und man muss mehr Speicher bauen. Alles richtig. Doch mit dem projektierten Anstieg des Stromverbrauchs werden die Netze in den kommenden Jahren beim besten Willen nicht mithalten können. Der Bau von Infrastruktur dauert eben in einem dicht besiedelten Land. Und die Speicher? Die wirken netztechnisch allzu oft wie schlichte Verbraucher und scheitern somit ebenso am fehlenden Netzanschluss.
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So bleiben aus rein physikalisch-technischer Sicht für die kommenden Jahre nur zwei Optionen. Entweder man baut steuerbare Kraftwerke, die einspringen, wenn die erneuerbaren Energien nicht ausreichen. Oder aber es müssen sich zumindest größere Stromverbraucher damit abfinden, dass die gewünschte elektrische Leistung nicht jederzeit gesichert ist. Es ist eine Frage der Ehrlichkeit: Wer gegen fossile Kraftwerke ist – und dagegen zu sein, dafür gibt es gute Gründe –, muss sich aber auch fragen lassen, welche Einschränkungen er dafür zu tragen bereit ist.
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