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Kultur im Osten Mehltau des Verdachts

Künstler gelten in Ostdeutschland als Systemlinge, denen nicht zu trauen ist. Waren die Ziele partizipativer Kunst zu ambitioniert?

N eulich rief ein Freund an. Unsere Väter waren Kollegen an einer ostdeutschen Hochschule gewesen, beide Naturwissenschaftler. Jetzt rief er mich an, weil sein Vater, Professor im Ruhestand, einem organisierten Verbrechen auf der Spur war. Ja, ich hatte richtig gehört. Das heißt, nicht er selbst war auf der Spur, sondern Sonderermittler des Bundeskriminalamts. Sie hatten Kontakt zu ihm aufgenommen, weil sein Fachwissen hilfreich sein konnte.

Die Verbrecher, um die es ging, operierten europaweit und, wie oft in solchen Fällen, war es schwer, ihnen auf die Spur zu kommen. Sie hatten Verbindungen in staatliche Institutionen hinein, bekamen Hinweise aus Verwaltung, Justiz, Polizei. Die Sonderermittler operierten konspirativ und inzwischen auf eigene Faust. Unter dem Druck der Verbrecher nämlich, so der Vater des Freundes, waren vom Bundeskriminalamt alle Mittel gestrichen worden. Sie standen kurz davor, einen Mafiaring auszuheben, und jetzt war ihnen von einem korrupten Abteilungsleiter das Geld gestrichen worden.

Sein Vater, so erzählte der Freund, bot sofort seine Hilfe an. Er nahm einen Jutebeutel, ging zur Sparkasse, hob 15.000 Euro ab, begab sich zu einem konspirativen Treffpunkt unter einer S-Bahn-Brücke, übergab den Sonderermittlern das Geld, dankte ihnen von Herzen für ihre Arbeit und ging zufrieden nach Hause. Vielleicht war Deutschland ja doch noch zu retten!

Aljoscha Begrich

ist 1977 in Barby, DDR-Bezirk Magdeburg, aufgewachsen. Er ist Dramaturg und Kurator unter anderem des Festivals OSTEN, das er auch leitet.

Christian Tschirner

geboren 1969, aufgewachsen in Karl-Marx-Stadt, ist ein deutscher Theaterregisseur. Er ist unter anderem Kurator des Festivals OSTEN.

Dass ein kritisches Bewusstsein nicht davor schützt, Opfer eines Betrugs zu werden, lässt sich nicht nur in Ostdeutschland beobachten. Wenn die Opfer stolz darauf sind, sich eine eigene Meinung bilden und kausale Zusammenhänge scheinbar selbst erkennen zu können, findet der Betrug gerade im kritischen Bewusstsein ein ideales Einfallstor. Er keimt aus eins oder zwei Körnchen Wahrheit – echte Notlagen, Missstände, Ängste – und kann, bei entsprechender Pflege, als handfeste Paranoia erblühen.

Wetten, die Demokratie gewinnt? ​

Nach den Wahlen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern droht erstmals eine AfD-Regierung. Die taz berichtet, was auf dem Spiel steht – und wer jetzt die Demokratie verteidigt. Alle Texte zur Serie finden Sie hier.

Immer neue Einzelheiten können ans Licht gezerrt, neue Verbindungslinien und Zusammenhänge geknüpft werden – die Logik des Verdachts kennt keine Grenzen. Und je weiter sie um sich greift, je mehr Menschen, Ideen, Institutionen der Verdacht erfasst, umso befriedigender ist das Gefühl, das sich bei jenen einstellt, die ihn hegen. Wusste ich’s doch! Wie dumm doch alle anderen sind! Wie gut, dass wenigstens ich noch selbst denken kann!

Im Osten Deutschlands sind staatliche Institutionen, Behörden, Gerichte, Medien, Universitäten, Schulen, zivilgesellschaftliche Organisationen, kurzum: alles, was mit Öffentlichkeit oder Staat in Verbindung gebracht werden kann, vom Mehltau des Verdachts befallen. Lieber übergibt man Geld und Vertrauen im Jutebeutel unter irgendeiner S-Bahn-Brücke, als denen noch zu glauben. Dubiose Modalitäten sind inzwischen Qualitätsmerkmal für Seriosität und Anstand.

Das Logo der taz: Weißer Schriftzung t a z und weiße Tatze auf rotem Grund.
taz debatte

Die taz ist eine unabhängige, linke und meinungsstarke Tageszeitung. In unseren Kommentaren, Essays und Debattentexten streiten wir seit der Gründung der taz im Jahr 1979. Oft können und wollen wir uns nicht auf eine Meinung einigen. Deshalb finden sich hier teils komplett gegenläufige Positionen – allesamt Teil des sehr breiten linken Meinungsspektrums.

Auch die meisten Kultureinrichtungen gelten inzwischen als systemkonform und ideologisch verstrahlt. Ein Verdacht, der von den politischen Sonderermittlern (neuerdings auch von politischen Mandatsträgern) nach Kräften geschürt wird.

Die Kultureinrichtungen reagieren oft mit einer Art Wagenburgmentalität: Sie schließen sich enger zusammen und verteidigen umso entschlossener die bestehenden – liberalen, demokratischen, rechtsstaatlichen – Verhältnisse. Was Verdacht und Misstrauen natürlich erhärtet – ein Teufelskreis. Eine andere Strategie kann man von trotzkistischen Kadergruppen lernen: Ein Verdacht lässt sich ausräumen, wenn man sich selbst an die Spitze der vermeintlichen Aufklärer stellt. Zum Beispiel, indem man – wie jüngst auf einer Fachtagung vorgeschlagen – ein paar völkische Stoffe auf die Theaterbühnen bringt. Während es so durchaus gelingen kann, den Verdacht von sich selbst abzuwenden, bedient die Strategie doch die Steigerungslogik allgemeinen Misstrauens.

Alles ist Hinweis

Nicht, dass es keinen Grund gäbe, kritisch oder misstrauisch zu sein – es gibt zu viele. Und der Versuch, gesellschaftliche Öffentlichkeit herzustellen, und sei es nur die bescheidene Öffentlichkeit eines Festivals für Kunst und gegenseitiges Interesse, gerät in einem solchen Klima zur Herausforderung. Sprache, Kleidung, Essen, Frisur – alles ist Hinweis, alles erhärtet den jeweiligen Verdacht.

Es ist, als versuche man einen Ort des Austauschs und Dialogs zu schaffen und befinde sich dabei in einem conspiracy room, wie man ihn aus alten Kriminalfilmen kennt, wenn die Polizei endlich den Unterschlupf des paranoiden Täters gefunden hat: Alle Wände sind mit Bildern, Zeitungsschnipseln, Studien, Parolen, Fakten und einem wirren Netz von Zusammenhängen bedeckt.

Wenn wir auf dem Festival OSTEN (Kulturfestival in Bitterfeld-Wolfen, das diesen September wieder stattfindet; d. Red.) trotzdem versuchen, Menschen miteinander ins Gespräch zu bringen, dann mit dem Hinweis, den Blick doch bitte immer schön auf den Boden zu richten. Auf das Naheliegende. Wo stehen wir, was ist der gemeinsame Grund?

Wie Schafe zusammenstehen

Und dann: Immer schön einen Fuß vor den anderen setzen, so weit der gemeinsame Boden eben reicht. Vielleicht eine Wasserrutsche bauen, weil es im Sommer heiß ist und ein Freibad fehlt. Oder auf der alten Industriebrache gemeinsam Schafwolle spinnen und färben. Oder auf einem rückgebauten Plattenbau gemeinsam einen Kartoffelacker anlegen. Oder einfach „wie Schafe in der Gefahr dicht beisammenstehen“ (Ece Temelkuran).

Das alles wird nicht verhindern, dass wir als Propagandisten des Systems wahrgenommen werden, als Systemlinge. Die Sonderermittler kann man nicht täuschen. Aber, hey, auch wenn man nicht der gleichen Verschwörungstheorie anhängt, kann man doch gemeinsam Spaß haben. Sogar Hoffnung schöpfen. Zugegeben, die Demokratie wird das nicht retten. Und auch die Klimakatastrophe nicht stoppen. Vielleicht waren die pädagogischen Ziele partizipativer Kunst in letzter Zeit auch ein bisschen zu ambitioniert. Oder?

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

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25 Kommentare

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  • Mickey

    Danke tolle Reflektionen. Passen sehr gut!

  • Deep South

    "Künstler gelten in Ostdeutschland als Systemlinge, denen nicht zu trauen ist."

    Was für eine platte und in seiner Pauschalität auch völlig falsche Verallgemeinerung. Ich hab in "Ostdeutschland" auf zig Kulturveranstaltungen gearbeitet, in kleinen Clubs, auf großen Festivals, in Jugendzentren, auf Stadtfesten. Erst letztes Jahr hab ich in Chemnitz im Programm der Kulturhauptstadt gearbeitet und mir im Zuge dessen auch einige Veranstaltungen dort angesehen. Ich war da ganz im Gegenteil von Resonanz und Stimmung sogar ziemlich positv überrascht. Ich hab mit meiner Band etliche Gigs in ostdeustchen Clubs gespielt und dabei nicht einmal das erlebt, was die Autoren hier schildern.



    Sicher wirds das auch an verschiedenen Stellen geben, das "Mißtrauen", die "Wagenburgmentalität" und die "Paranoia". gegenüber Künstlern und Kulturschaffenden. Genauso wie es das ganz offensichtlich auch gegenüber "den Ostdeutschen" gibt.

  • Kaboom

    Teile der Gesellschaft entwickeln sich zu sektenartigen Gebilden. So wie alles, was in den USA passiert, mit Zeitverzögerung irgendwann auch hier aufschlägt, so auch die deutsche Entsprechung von MAGA.

    "Wenn die Opfer stolz darauf sind, sich eine eigene Meinung bilden und kausale Zusammenhänge scheinbar selbst erkennen zu können, findet der Betrug gerade im kritischen Bewusstsein ein ideales Einfallstor. "

    Größenwahn ist eine der Komponenten der ganzen Geschichte. Leute glauben, ein paar Minuten "Recherche" mittels Suchmaschine oder das Lesen von Posts von irgendwelchen Hanseln in den sozialen Medien erlaubt ihnen, sich qualifizierter zu einem Thema äußern zu können, als Leute, die das Thema studiert haben.



    Inkompetenz wird zum Asset, wie die Popularität der "ungescripted"-Sache vom Influencer Ben beweist.

    Wir sind auf dem Weg zu "Idiocracy".

    • Philippo1000

      @Kaboom:

      Ja! Muss man auch mal sagen 😉

  • economista

    Die Geschichte vom Jutebeutel klingt nach Demenz. Und Ganoven, die bestehende Vorurteile, wie die von der korrupten Polizei, geschickt für sich zu nutzen wissen. Das gestiegene Misstrauen kann ich aber aus zwei Begegnungen, die ich kürzlich mit Polizisten hatte, bestätigen. Erstens ein Verhör wegen Brombeerpflückens im Park, weil es verdächtig ausgesehen hätte. So ganz aus der Luft gegriffen sind Verschwörungstheorien zu racial profiling dann nicht. Zweitens fragte ich Polizisten, die gerade einen Radfahrer wegen Falschparkens belästigten, ob sie schon auf die Sportwagen mit Auspuffklappen aufmerksam geworden seien, die in den Abendstunden unbekümmert durchs Quartier kurven. Solche ausländerfeindlichen Sprüche solle ich mir sparen, hieß es. Wohlgemerkt, die Verbindung zu Ausländern zogen sie, nicht ich.

  • Frauke Z

    Wie schafft man im Privaten Vertrauen?



    Sich zuverlässig verhalten, vor allem jedoch: Sich auf die Personen, deren Vertrauen man möchte, einlassen, ernsthaft zuhören und Verantwortung für die persönliche Reaktion darauf übernehmen.



    Das ganze kostet natürlich Zeit, in der man dieses Verhalten auch durchhalten muss. Und wir sprechen hier von Personen, die einem zunächst misstrauen.



    Nun stellt sich unweigerlich die Frage: Gibt es unter Institutionen, staatlich oder privat, überhaupt eine Bereitschaft dazu, sich länger und verantwortlich auf die Misstrauischen einzulassen?

  • Šarru-kīnu

    Die NS-Zeit hatte ihre Aufrufe der Kulturschaffenden. Die DDR setzte diese Tradition fort mit den Briefen der Kulturschaffenden, die uns in salbungsvollem Ton in der Sonntagsausgabe zu besseren Menschen machen sollten.



    Ich ziehe hier explizit keine direkte Linie zu den heutigen Akteuren, aber ihr wundert euch wirklich warum dieser Spin hier im Osten nicht mehr funktioniert? Künstler die sich politisch äußern werden hier aus der Erfahrung der beiden Diktaturen eben als Berliner Vorfeldorganisation interpretiert. Wer glaubt mit Aufrufen von Künstlern hier was erreichen zu können, zeigt nur seine völlige Ignoranz gegenüber der Geschichte der DDR.

    • Der olle Onn

      @Šarru-kīnu:

      Vorsichtig interpretiert: Ziemlicher Unfug. Sieht man von einigen durchaus bekannten namhaften "Staatskünstlern" ab war die Szene der Kulturschaffenden und Künstler sehr um vorsichtige Distanz und Eigenständigkeit bemüht. Zwar gehörte ich selbst nur zum Kreis der Amateure aber für irgendwelche hohlen Parolen hätte ich mich keineswegs hergegeben. Ja: Bloß Amateur. Und trotzdem hatte man uns eine lebende "Wanze" in den Kreis implantiert...



      Nicht umsonst waren unter den Unterzeichnern der ersten Wendeflugblätter sehr viele bekannte Künstler.

    • Axotono

      @Šarru-kīnu:

      So ein Unsinn, in der DDR waren es in den 70er- und 80er-Jahren vor allem die Künstler, die sich dem Regime widersetzten. Wie erfolgreich das war, sei natürlich dahingestellt. Was die Kritiker doch tatsächlich stört, ist nicht die "Linientreue", sondern die Tatsache, dass viele Kunstschaffende humanistische und solidarische Werte teilen. Unabhängig von der jeweiligen Diktatur/Regierung.

    • EDL

      @Šarru-kīnu:

      Es gab in der DDR eine sehr lebendige Oppositions- und Underground-Kulturszene, die sich gegen den Staat stellte. Diese Szene nutzte offizielle Kanäle (Briefe, Petitionen, veröffentlichte Werke) – mit hohem persönlichem Risiko (Zensur, Berufsverbot, Ausbürgerung, Überwachung). Ferner ist auch in der DDR schon in den 70ern eine alternative Musikszene entstanden ... auch die Kirche bot Schutzräume für alternative Kultur.

      Meine Familie kam seit den 70ern in engen Kontakt mit Theaterleuten, Filmschaffenden und Künstlern etc. ... niemand war da pro DDR. Sie alle litten unter den Repressionen - an der Unfreiheit hinischtlich ihrem Schaffen. Die Artikel in der staatlichenPresse wurden nicht von Kulturschaffenden verfasst, sondern von systemtreuen Propagandisten.

      Das Volk der DDR war mitnichten durchweg systemtreu und naiv. Mit Sicherheit finden sich aber die naiven systemtreuen von damals und deren Kinder in der AfD-Wählerschaft wieder.

    • Klabauta

      @Šarru-kīnu:

      "Künstler die sich politisch äußern werden hier aus der Erfahrung der beiden Diktaturen eben als Berliner Vorfeldorganisation interpretiert."

      Das finde ich witzig. Denn andererseits wird das Vorgehen eines Herrn Weimer oder einer Frau Prien, die Misstrauen gegen kritische Kulturschaffende kultivieren und eifrig Mittel kürzen, von genau denselben Leuten beklatscht.



      Sind politisch denkende Künstler*innen nun Lakaien des Systems oder nicht? Und wenn ja, warum wollen ihnen Leute wie Weimer oder Prien dann die Mittel kürzen?



      Und von was für einem "Spin" reden Sie genau, der da im Osten nicht mehr funktioniert?

  • Machiavelli

    Das Problem ist das Menschen zu Recht in Frage stellen wie unabhängig NGOs sind die von staatlichen Geld leben, Künstler die von staatlichen Geld leben und Journalisten die das selbe tun. Während Steuern immer weiter nach oben gehen und jegliche staatliche Hilfe (Klimageld, tankrabbat) nach kurzer Zeit gestrichen werden.

    • Ingo Bernable

      @Machiavelli:

      Welche Journalisten oder Medien leben denn von Staatsknete? Ein solcher Vorgang wäre mutmaßlich als Eingriff in die Pressefreiheit zu werten und damit verfassungswidrig. In diesem Bereich gibt es allein eine staatliche Strukturförderung, etwa Projektförderung an Journalismusschulen.



      Staatliche Fördermittel für für zivilgesellschaftliche Arbeit und Umwelt-, Sozial- und Entwicklungsorganisationen mag man kritisieren und sie werden ja auch schon zurückgefahren. Da die sich meist nicht aus Spenden allein finanzieren können werden primär die NGOs übrig bleiben die Wirtschaft und Kapital nahe stehen (Bertelsmann, INSM, Familienunternehmer, ...)



      Die staatliche Kulturförderung von Bund, Ländern und Kommunen beläuft sich auf rund 15 Mrd. €. Davon ließe sich vermutlich schon ein dauerhafter Tankrabatt finanzieren, wenn man denn meint, dass die Subventionierung fossiler Energie das Ende nahezu aller Bibliotheken, Theater, Stadtfeste, Chöre und Orchester, Musik- und Filmfestivals, Museen, Musikschulen, öffentlicher Archive, Tanzensembles, denkmalgeschützter Orte, Filmförderung, Stadtteil- und Jugendzentren ... rechtfertigt. Übrig bliebe auch hier das was sich kommerziell selbst trägt.

    • Edgar

      @Machiavelli:

      Das mit den Steuern kann man zurzeit überall lesen. Ohne Frage, ich kann verstehen, dass diese ganze Bürokratie nervt. Ich bin selbst Einzelunternehmer. Aber welchen Steuern sind denn in den letzten Jahren hochgegangen? Die letzte Steuererhöhung, an die ich mich erinnern kann ist die von MwSt.-Erhöhung unter Schröder. Hab ich danach was relevantes verpasst? Bisschen CO2-Steuer aber das sind doch wirklich Peanuts wenn wir ehrlich sind.

      • Strolch

        @Edgar:

        Die kalte Progression ist wichtiger. Und die Sozialabgaben (ja, keine Steuern, aber das werfen die meisten Menschen in einen Topf) sind gestiegen. Einmal durch ständige Erhöhung der Beitragsbemessungsgrenze und zum anderen durch erhöhte Beitragssätze.

      • bananenkiste

        @Edgar:

        Verpasst, evtl. die Mehrwertsteuererhöhung unter Fr.Merkel 2007 um 3% (Bankenrettung).

    • Klabauta

      @Machiavelli:

      Journalist*innen leben von staatlichem Geld? Da können Sie sich eigentlich nur auf den ÖRR beziehen. Würden Sie es vorziehen, dass Journalist*innen von Leuten wie Murdoch oder Bezos bezahlt werden?

      • Machiavelli

        @Klabauta:

        Nein und ich finde auch den Großteil der Förderungen der anderen Sachen gut. Aber ich versuche hier darzustellen wie die Menschen denken. Vermutlich inzwischen eine Mehrheit.

  • SGouldo

    Na ja, Sie stellen es zwar etwas übertrieben dar, allerdings hängen mittlerweile so ziemlich alle Kulturbetriebe und -schaffende am Subventionstropf, weshalb eine gesunde Skepsis angebracht sein sollte.

    • EDL

      @SGouldo:

      Kultur in Deutschland wurde schon immer stark staatlich gefördert. Es fing bereits im 19. Jahrhundert an. Der Geldbedarf ist gestiegen weil die Vielfalt geförderter Bereiche zugenommen hat und die kosten heute einfach ungleich höher sind. Und wir sprechen hier nicht nur von Theater ... Museen, Historische Immobilien - all das gehört zur Kultur und kostet verdammt viel Geld.

      • SGouldo

        @EDL:

        Sie sagen es. Und daher ist eine gesunde Skepsis angebracht.

      • Rohek

        @EDL:

        Tatsächlich hat eher die Vielfalt der Aufgaben zugenommen. Die Subventionen sind nicht in gleicher Weise gestiegen. All die, den Kunden aufsuchenden Sonderformate und pädagogischen Begleitprogramme der Theater beispielsweise sind zum Teil auch Bedingung dafür, dass die Häuser weiter subventioniert werden. Die Idee dahinter ist in etwa (ein bisschen verkürzt dargestellt): In Zeiten knapper öffentlicher Haushalte muss der öffentlich finanzierte Kunstbetrieb eben einige staatliche Aufgaben mit übernehmen. Darunter fällt eine erstmal unspezifische ästhetische Bildung, aber eben auch der Wunsch dass bspw. zentrale Unterrichtsinhalte theatral bebildert werden sollen. Die Theater haben, bei abnehmenden Zuschauerzahlen, teilweise darin ihre Relevanznische gefunden. Eine enge Verflechtung was Finanzierung und Erwartungshaltung zwischen Kunst und Politik anbelangt, hat es vor ca. 30 Jahren in der Weise noch nicht gegeben. Da machten die Theater das ihrige und die Politik zahlte.

  • Bommel

    Sorry, aber bei derartigen Verallgemeinerungen "...Künstler gelten in Ostdeutschland als Systemlinge..." muss man nicht weiterlesen. Das ist unterste Schublade.

    • EDL

      @Bommel:

      Im AfD-Wahlprogramm muss man bzgl. Kunst und Kultur auch nicht weiterlesen, nach 3 Seiten um und über eine deutsche Leitkultur fällt denen ansonsten nur noch die Abschaffung des Öffentlichen Rechtlichen Rundfunks und die Filmförderung im Sinne deutscher Klassiker (= Propaganda-Filme) ein.

  • Axel Schäfer

    "... gelten inzwischen als systemkonform und ideologisch verstrahlt ..." Also ich finde die freiheitlich demokratische Grundordnung mit parlamentarischer als System und die den zugrunde liegende Ideologie ganz gut. Was haben die "Systemkritiker" denn für ein System mit welcher Ideologie auf der Pfanne?