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CDU-Politiker unter DrogenverdachtJunge Union fordert Rücktritt von Crashfahrer Thomas Bareiß

Aufruhr im Wahlkreis Zollernalb: Nach den Drogenvorwürfen gegen den CDU-Bundestagsabgeordneten drängt die lokale Parteijugend auf Konsequenzen.

Benno Stieber

Aus Karlsruhe

Benno Stieber

Mit dem Staatsanwalt kommen die Rücktrittsforderungen: Nachdem vergangene Woche bekannt wurde, dass die Staatsanwaltschaft davon ausgeht, dass der baden-württembergische CDU-Bundestagsabgeordnete Thomas Bareiß bei einem Autounfall Mitte Juli unter Drogen gestanden haben könnte, folgen aus seiner Partei nun die ersten Rufe nach Konsequenzen.

So fordert die Junge Union in Bareiß' Wahlkreis Zollernalb den CDU-Mann auf, sein Bundestagsmandat zurückzugeben. Das wäre ein Zeichen des Respekts gegenüber den Wählerinnen und Wählern. „Ein Mandat im Deutschen Bundestag ist kein Besitzstand, sondern stellt in erster Linie einen Vertrauensvorschuss der Wählerinnen und Wähler dar“, so die Parteijugend. „Diesen Vertrauensvorschuss hat Thomas Bareiß restlos verspielt.“

Die Staatsanwaltschaft Hechingen ermittelt unterdessen weiter gegen den Christdemokraten wegen des Anfangsverdachts der fahrlässigen Körperverletzung und Gefährdung des Straßenverkehrs. Zuvor hatte der Bundestag seine Immunität aufgehoben.

Die Vorwürfe wiegen dann auch schwer, zumindest für einen dezidierten Konservativen: Am 12. Juli war Bareiß’ VW Tiguan auf der B27 zwischen Hechingen und Balingen mit einem Ford Fiesta zusammengestoßen, sein Wagen hatte sich überschlagen, Bareiß wurde schwer verletzt, auch die Insassen des Fiesta mussten ins Krankenhaus. Bei einer Blutkontrolle waren nach Angaben der Staatsanwaltschaft synthetische Betäubungsmittel „in relevanten Mengen“ festgestellt worden.

Junge Union will nicht locker lassen

Bareiß hatte in der vergangenen Woche in einer persönlichen Erklärung Fehler eingeräumt und angekündigt, nicht mehr als Vorsitzender seiner Partei für den Bezirksverband Württemberg-Hohenzollern zu kandidieren. Zudem wollte er die Parlamentspause für eine Auszeit nutzen, um sich seiner Gesundheit zu widmen. Zu seinem Bundestagsmandat hat sich der Abgeordnete noch nicht geäußert.

Das stößt der Parteijugend bitter auf. „Thomas Bareiß hätte in seiner Erklärung persönlich Größe beweisen und auch sein Bundestagsmandat niederlegen müssen“, heißt es in der Erklärung der Jungen Union Zollernalb. Man sei vom langjährigen Vorsitzenden des Kreisverbands zutiefst enttäuscht und werde die Rücktrittsforderung auch über die Sommerpause „mit allem Nachdruck bekräftigen“.

Den Nachdruck erklärt der Kreisvorsitzende der Jungen Union, Paul Haigis, vor allem mit Bareiß' hartem Kurs gegen die Teillegalisierung von Cannabis. Als verkehrspolitischer Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion hatte Bareiß im April 2024 getönt, „dass man Konsum und Verkehrssicherheit schwer unter einen Hut bekommt“. Haigis fragt nun: „Wir haben viele sehr junge Mitglieder, wie soll ich denen das vermitteln?“

Noch steht die Junge Union Zollernalb mit ihrer Forderung allein. Baden-Württembergs CDU-Chef Manuel Hagel wie auch die Partei lehnten es ab, sich „zu laufenden Ermittlungen“ zu äußern. Auch in Bareiß' Wahlkreis üben sich andere Parteifreunde gegenüber den Medien in Zurückhaltung.

Zollernalb droht Verlust der Vertretung im Bundestag

Das könnte auch daran liegen, dass die Region Zollernalb nicht mehr im Bundestag vertreten wäre, sollte Bareiß sein Mandat niederlegen. Nachrücken würde nach Angaben der Landeswahlleitung der Stuttgarter CDU-Abgeordnete Maximilian Mörseburg, der seinen Wahlkreis zwar direkt gewann, aber nach dem neuen Wahlgesetz nicht in den Bundestag einziehen durfte.

Die FAZ berichtet derweil, dass es in der Partei schon länger Gerüchte über persönliche Probleme von Thomas Bareiß gegeben habe, bis hin zu Spekulationen über Drogenprobleme.

Bareiß wäre der erste Abgeordnete, der wegen Drogenmissbrauchs sein Mandat niederlegt. Weder der Grüne Volker Beck, der 2016 mit Crystal Meth erwischt wurde, noch der frühere innenpolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Michael Hartmann, der 2014 zugab, die synthetische Droge konsumiert zu haben, waren aus dem Bundestag ausgeschieden. Hartmann kandidierte nach dem Ende der entsprechenden Legislatur nicht mehr, Beck mochten die NRW-Grünen keinen Listenplatz mehr geben.

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12 Kommentare

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  • DHM

    Werter Herr Stieber,

    eine kurz Replik zum letzten Absatz:



    Hier geht es doch nicht um den Drogenkonsum an sich!



    Sondern um eine (mutmaßliche) Straftat gegen Leib und Leben begangen unter dem Einfluß von einem Betäubungsmittel.

    Deshalb befremdet es mich wirklich, dass Sie hier den



    "Drogenmissbrauchs" in den Vordergrund stellen bei der Frage des "Mandatverzichts".

    Maßgelblich sollte hier der Begriff "Verantwortung" sein.

    Die Entscheidung unter dem Einfluss von Betäubungsmitteln ein Fahrzeug zu führen und dadurch Verletzungen oder Tod anderer in Kauf zunehmen ist hier "der Punkt": Ein Ausweis für den Mangel an Verantwortungsbewustsein.

    Letzteres darf / sollte man von einem Bundestagsabgeordneten aber im hohen Maße erwarten (eher höher als in "Normalbevölkerung").

    • Il_Leopardo

      @DHM:

      Der Autor kritisiert die Doppelmoral des Abgeordneten:



      "Bundestagsfraktion hatte Bareiß im April 2024 getönt, „dass man Konsum und Verkehrssicherheit schwer unter einen Hut bekommt“.

  • Bolzkopf

    Ich habe den Eindruck dass viele C*U Politiker wahre Teflonpfannen sind - da prallt alles ab und nichts brennt an.

    Leider geht mit jedem Teflonkrümel ein weiteres Stück Vertrauen in die Politik verloren.

    • Schildkröte

      @Bolzkopf:

      Leider betrifft das die gesamte Politik zur Zeit. Auch die Linkspartei: Kritisiert die CDU wenn vermeintlich die Brandmauer gegen die AfD fällt, was zum Glück nicht eingetreten ist - kritisiert aber andere Parteien (z.B. Grüne, SPD) die Brandmauern gegen Antisemitismus und verfassungswidrige Gesetzesvorhaben der Linkspartei errichten.

  • Janix

    Nebenpunkt: V. Beck war mal ein sehr fleißiger Kämpfer für gleiche Bürgerrechte. Nach dem Konsumfall schob Sven Lehmann ihn im verheißungsvollen Wahlkreis gleich mal zur Seite, suchte Volker Beck nur noch Aufmerksamkeit und Akzeptanz mit teils seeehr seltsamen Manövern in einem neuen Posten. Aber ein Bareiß war er nie.

    Bareiß sollte sich einen sinnvollen Job suchen. Dass er politisch die Kurve bekommt, erscheint wenig wahrscheinlich. Dass die Junge Union vielleicht da auch den Posten sieht, sollte diese Erkenntnis nicht trüben. Bareiß hatte sich mehrfach politisch angreifbar gemacht.

  • Il_Leopardo

    Der Unfall ist am frühen Morgen passiert. Bareiß sagte der Schwäbischen Zeitung, dass er sich nicht an den Unfall erinnere.



    Und ich sage in Anlehnung an den Begriff "hackevoll" - da muss er aber "hackezu" gewesen sein, wenn er sich nicht mehr erinnert.



    Was ist mit den anderen Unfallopfern, die durch seine Schuld schwer verletzt wurden. Dieser Mann scheint eine ziemlich laxe Moral zu haben.

  • Wanderin

    Alle Schlagzeilen, die ich zum Thema gesehen habe, lassen das Wesentliche aus, das erst ab ca. der Mitte der Meldungen erwähnt wird. Es sollte eigentlich heißen: "CDU Politiker verursachte Auto-Unfall auf Drogen - 3 Schwerverletzte noch im Krankenhaus"

    Stattdessen heißt es: "CDU Politiker Bareiß schwer verletzt" (SWR)

    Dieses Framing ist auffällig empathisch gegenüber dem Unfall-Verursacher und banalisiert die Konsequenzen.

    Der Unfallhergang wirft zudem weitere Fragen auf. Offensichtlich soll Bareiß auf der falschen Fahrspur gefahren sein.

    • Schildkröte

      @Wanderin:

      Damit implizieren sie, dass es so wäre, dass drei Schwerverletzte noch im Krankenhaus sind. Das ist glücklicherweise schlichtweg falsch - die drei weitern Verletzten sind leicht verletzt und wurden lediglich ambulant in einer Klinik behandelt. Woher wollen Sie Ihre Information haben?

      • Il_Leopardo

        @Schildkröte:

        "Der 51-Jährige wie auch die drei Insassen des anderen Wagens wurden schwer verletzt." (taz vom 6.8.26, 9:32 Uhr)

    • Janix

      @Wanderin:

      Wahrscheinlich war es so, doch wenn es doch anders war, wollen wir alle Herrn Bareiß nicht hierfür durchs Dorf gejagt haben - er hat dafür ja schon andere Gründe in seinem politischen Leben geliefert.

    • Il_Leopardo

      @Wanderin:

      Aus dem Schicksal von normalen Bürgern lässt sich halt keine Schlagzeile bilden - wohl aber aus dem eines Abgeordneten. Armselig!

  • Martin Rees

    Interessant wären ggfs auch seine Verlautbarungen zu den jungen Wilden und der Rentenfrage, als angeblich Einzelgespräche anstanden in und mit der Fraktionsführung zum "Einnorden". Die Reaktionen aus der eigenen Partei jetzt sind schon vglw heftig für ein laufendes Verfahren. Wer kommt als nächstes in eine derartige Erklärungsnot zu persönlichem Verhalten, das der öffentlich vorgetragenen "anständigen Haltung" signifikant widerspricht?



    Fehlen eigentlich noch einige schillernde Themenfelder des sensationslüsternen Boulevard...



    O Sommerloch, ich mag dich doch🤔