Norddeutsch-dänische Strompreiszone: Am Ende siegt die Physik
Schleswig-Holstein und Hamburg wollen sich vom deutschen Strommarkt lösen und mit Dänemark zusammentun. Die Idee ist gut, müsste aber ausgeweitet werden.
E in interessantes Gedankenspiel: Schleswig-Holstein und eventuell auch Hamburg lösen sich aus dem einheitlichen deutschen Strommarkt heraus und bilden zusammen mit Westdänemark eine gemeinsame Preiszone.
Schon lange sucht der windreiche Norden nach Wegen, um von seinem reichlich vorhandenen Windstrom auch preislich stärker zu profitieren. Heute trifft ein hohes Angebot im Norden allzu oft auf hohe Nachfrage in der Mitte und im Süden.
Beim herrschenden bundeseinheitlichen Börsenpreis des Stroms, der sich in jeder Viertelstunde aufs Neue aus Angebot und Nachfrage ergibt, bleibt der Preisvorteil für den Norden damit gering. Würde man hingegen regionale Preiszonen schaffen, würden stets zuerst jene Landesteile profitieren, die über viel eigene Erzeugung verfügen. Somit verfolgt Schleswig-Holstein mit seinem Vorschlag ein legitimes Eigeninteresse. Genau, wie die Südbundesländer, die ihn ablehnen – Baden-Württemberg und Bayern.
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Gleichwohl sollten derartige Regionalinteressen nicht entscheidend sein, wenn es um den Zuschnitt des deutschen Strommarkts geht. Viel wichtiger ist, dass der Vorstoß aus dem hohen Norden auch dem Gesamtsystem zugutekäme. Denn seit im Norden immer mehr Strom erzeugt wird, der die großen Verbrauchszentren aufgrund von Netzengpässen nicht erreicht, provoziert das aktuelle Marktsystem unnötige Kosten.
Anschaulich gesagt sind die Strommärkte so angelegt, als sei Deutschland eine Kupferplatte – als könne jeder Erzeuger seinen Strom jederzeit an jeden beliebigen Verbraucher liefern. Entsprechend wird der Strom an der Börse gehandelt. Wenn er dann geliefert werden soll, die Leitungen das aber gar nicht bewerkstelligen können, müssen die Übertragungsnetzbetreiber das aufwendig ausbügeln.
Es siegt am Ende eben immer die Physik. Weil die Schieflage zwischen der Organisation des deutschen Strommarkts und der Physik längst auch die Nachbarländer umtreibt, gibt es auch auf europäischer Ebene Pläne, die deutsche Gebotszone zu teilen.
Diese Debatte wird nun durch den Vorstoß aus Schleswig-Holstein neu entfacht. Das ist zu begrüßen – gleichwohl sollte man nicht den Fehler begehen, das Ansinnen separat zu betrachten; alleine die Tatsache, dass ein Land aufgrund seiner Partikularinteressen einen Sonderweg gehen möchte, rechtfertigt einen so umständlichen Eingriff in die europäische Strommarktarchitektur nicht. Deswegen sollte der Vorschlag aus dem hohen Norden jetzt zur Initialzündung werden für eine grundsätzliche Neuordnung des deutschen Strommarkts. Idealerweise mit mehreren Preiszonen.
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