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Todesstrafe in IsraelDie den Tod feiern

Kommentar von

Susanne Knaul

Israels Sicherheitsminister freut sich schon auf die ersten Hinrichtungen. Moralisch unterscheidet er sich wenig von den Sympathisanten der Hamas.

Mit goldener Schlinge am Revers: der israelische Minister für Nationale Sicherheit, Itamar Ben-Gvir, will die Todesstrafe zurück Foto: Abir Sultan/epa

I sraels Gründungsvätern würden sich vermutlich die Haare sträuben. Nicht, weil sie vielleicht grundsätzlich etwas gegen die Todesstrafe einzuwenden hätten. Schließlich gab es das schon einmal, als Adolf Eichmann im Sommer 1962 hingerichtet wurde. Mit derselben Methode übrigens, die auch künftig wieder möglich werden soll: Tod durch den Strang. Den alten Zionisten würde vielmehr die offene Diskriminierung übel aufstoßen, hatten sie doch einen Staat mit gleichen Rechten für alle Bürger vor Augen.

Das nun in der finalen Version vorliegende Gesetz sieht indes nur für PalästinenserInnen eine mögliche Verurteilung mit der härtesten aller Strafen vor. Juden und Jüdinnen müssen keine Hinrichtung fürchten. Nur ein Militärtribunal entscheidet. Dabei reicht eine einfache Mehrheit unter den 15 RichterInnen aus. Ein Konsens ist ebenso wenig nötig wie ein entsprechender Antrag der Staatsanwaltschaft. Eine Revision ist ausgeschlossen, ebenso eine Begnadigung. Die Hinrichtung muss binnen 90 Tagen vollzogen werden.

Süßigkeiten verteilte der Nationale Sicherheitsminister Itamar Ben-Gvir, als die Abgeordneten der Knesset den Gesetzentwurf in einer ersten Lesung billigten. Er und einige seiner Parteifreunde tragen seither eine goldene Schlinge mit dem Henkersknoten am Revers, was nur symbolisch gemeint sei. Ihm persönlich wäre erklärtermaßen auch der elektrische Stuhl oder eine Giftspritze recht.

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Bei so viel Zynismus und Menschenverachtung drängt sich die Assoziation zu den Bildern aus dem Gazastreifen auf, als jubelnde PalästinenserInnen am 7. Oktober die ersten Geiseln in Empfang nahmen, die die Terroristen der Hamas und des Islamischen Dschihads voller Stolz vorführten. Und als augenscheinlich unbeteiligte Passanten auf die völlig verängstigen Männer, Frauen und Kinder einschlugen. Es sind die rassistischen FanatikerInnen auf beiden Seiten, die der Zweistaatenlösung und damit einer Befriedung der Region immer wieder neue Hindernisse in den Weg legen.

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Redakteurin Meinung
1961 in Berlin geboren und seit 2021 Redakteurin der Meinungsredaktion. Von 1999 bis 2019 taz-Nahostkorrespondentin in Israel und Palästina.
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42 Kommentare

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  • Sinwar, Chef-Planer des Massakers vom 07.10.2023, verbüsste in einem israelischen Gefängnis der Negevwüste viermal «lebenslänglich» für die Hinrichtung von palästinensischen Landsleuten, denen man Kontakte zu den Israeli nachsagte. Todesart: Sinwar ließ kochendes Öl auf deren Köpfe tropfen.

    Sinwar betrachtete das israelische Gefängnis als einen Ort, an dem sich Sprache, Psychologie und Geschichte des Feindes aneignen liessen. Wie viele andere Palästinenser lernte er fliessend Hebräisch sprechen, las israelische Zeitungen, hörte Radiosendungen und deckte sich mit Büchern über zionistische Theoretiker, Politiker und Geheimdienstchefs ein. Obwohl er zu einer langen Haftstrafe verurteilt worden war, bereitete er sich auf eine Freilassung und Wiederaufnahme des bewaffneten Kampfes vor.

    So den 07.10.2023.

    Als Bitton (sein Gefängniszahnarzt) ihn fragte, ob es das Leben vieler unschuldiger Menschen, Israeli und Palästinenser, wert sei, seine Ziele zu erreichen, antwortete Sinwar: «Wir sind bereit, zwanzigtausend, dreissigtausend, hunderttausend zu opfern.»

    Wie viele zigtausend Palästinenser starben von der Hamas bewusst als Schutzschilde missbraucht?

    Man kann Ben-Gvir verstehen.

  • "Moralisch unterscheidet er sich wenig von den Sympathisanten der Hamas."



    Davon abgesehen,dass es lt. meinem Kenntnisstand um Militärgerichtsbarkeit geht und nicht um "normale Straftaten",sehe ich durchaus Unterschiede zu den Anhängern der gazan. Regierung und ihren Kämpfern/u.a. Hamas.Das Militärrecht ist in den meisten Staaten anders ausgestaltet als das "normale Strafrecht".Ob das gute/schlechte Gründe hat und gerechtfertigt ist,kann ich nicht einschätzen.Da müsste ich mich tatsächlich erst einlesen,um mich kompetent zu "Militärrecht" versus "Strafrecht" äußern zu können.Um auf die moralische Unterscheidung zu kommen,ohne die Todesstrafe befürworten oder rechtfertigen zu wollen.Ich bin gegen die Todesstrafe.Den moral. Unterschied sehe ich darin, dass die Sympathisanten der gaza. Regierung/ihrer Kämpfer/Hamas(auch Huthi,Hisb.,Iran) jeden jüd. u/o israel. Menschen tot sehen wollen,Baby bis Greis.Das ist für mich ein wesentlicher Unterschied.Ebenso gibt es für die Opfer der Sympathisanten der gaza.Regierung/ihrer Kämpfer usw. keine Gerichtsprozesse,nicht einmal vor einem Militärgericht.



    Keine Zeichen mehr.

  • Zum Nachdenken



    “…François Mitterrand versprach im Wahlkampf 1981 die Abschaffung der Todesstrafe und machte nach seinem Wahlsieg Badinter, der ihn bereits bei seiner ersten Präsidentschaftskampagne 1974 unterstützt hatte, zum Justizminister. Wenige Monate nach seiner Ernennung gewann er am 18. September 1981 mit einer engagierten Rede vor der Nationalversammlung eine Dreiviertelmehrheit für die Abschaffung der Todesstrafe:



    « Utiliser contre les terroristes la peine de mort, c’est, pour une démocratie, faire sienne les valeurs de ces derniers. »



    „Eine Demokratie, die gegen Terroristen die Todesstrafe vollstreckt, macht sich die Werte Letzterer zu Eigen.“



    – Robert Badinter: Rede vor der Assemblée Nationale“



    de.wikipedia.org/wiki/Robert_Badinter



    …anschließe mich &



    Einer der ersten der davon “ profitierte“



    War Klaus Barbie - der Schlächter von Lyon -



    Als Klaus Altmann auf der paytell des BND/ Gruppe Gehlen



    Robert Baninter - an dessen Festnahme in Südamerika - und dabei erfahren hatte - daß Barbie für die Ermordung seines Vaters persönlich verantwortlich war!



    Ob er mit Rücksicht darauf umdenke:



    “Nein. Ich bedaure das nicht!“



    (ps zu Staatsangehörigkeitsrecht Israels 👎 •

  • Was sollen die Mehrheit der Menschen mit hasserfüllten Menschen tun?

  • Die aktuelle Regierung in Israel braucht die Hamas, wie auch die Hamas die aktuelle Regierung in Israel braucht.



    Ohne den Konflikt hätten beide Seiten kaum Zuspruch/Macht. Darum hat Bibi die Hamas in Gaza auch unterstützt und um eine Einheit der Palästinenser von WJL und Gaza zu verhindern.



    Für beide Seiten ist nur die Auslöschung der anderen die Lösung.

  • Was hier als Kontext fehlt ist, dass die Hamas gerade mit der Geiselnahme nach ihrem Massenmord am 7.Oktober 2023 hunderte zu lebenslänglicher Haft verurteilte Terroristen freigepresst hat.

    Dass die Hamas also ihren Leuten erzählen kann: egal zu was sie euch verurteilen, wir holen euch wieder raus.

    Das rechtfertigt aus meiner Sicht keine Todesstrafe, macht mir aber verständlicher, warum manche Leute sie als nötig ansehen.

  • Wer eine goldene Schlinge mit dem Henkersknoten am Revers trägt, hat jeglichen Anstand verloren und sich für jede Diskussion disqualifiziert. Das ist nur noch ekelhaft und abstoßend.

  • Einem Volk wie den Israelis, Juden dem im Laufe der Geschichte so unendlich viel Leid und Elend geschehen ist, sollte man zutrauen den Rassismus zu kennen und beurteilen zu können. Doch Leute wie Smotrich und Ben Gvir sind Rassisten pur, ekelhafte, zynische und gefährliche Zeitgenossen. Es ist mir vollkommen unverständlich, wieso nicht mehr Widerstand gegen derartige Faschisten geleistet wird.

  • Dieses offen rassistische Gesetz zeigt deutlich, dass die Bezeichnung Apartheid für das israelische Rechtssystem zutrifft.



    www.deutschlandfun...che-morde-100.html

    • @Rinaldo:

      Apartheid? Also ehrlich. Das Gesetz, so wie in Ihrem Link erklärt, bedeutet, bringe ich einen Israeli um weil er ein Ar..loch ist, ist es normaler Mord. Bring ich ihn um, weil er Jude ist wird es strenger bestraft.



      Im übrigen in Deutschland ist es doch genauso, hier heißt es dann Hassverbrechen.



      Wo also ist hier die Apartheid???

  • Ja, Fanatiker auf beiden Seiten, nur die Kräfte sind verschieden und auch unser Umgang mit ihnen.

    • @Peter Teubner:

      Danke, genau das.

  • Sehr passender und angemessener Kommentar, finde ich. Religiöser Fanatismus ist zusammen mit Korruption das größte Problem für Frieden und Gerechtigkeit in der Welt.

  • Das verhindert dann wahrscheinlich vor allem, dass die Verurteilten noch gegen Geiseln oder sonstwie ausgetauscht oder frei gelassen werden können?

    Schwere Zeiten für einen Friedensprozess.

    • @ttronics:

      Es verhindert auch, dass Terroristen versprochen werden kann, dass sie mit der nächsten Geiselnahme wieder freigepresst werden.

  • Ist das eine Militärgerichtsbarkeit zur Aburteilung von Kriegsverbrechern? Da wäre eine Aufklärung im Artikel doch schön gewesen. Die Hamas wünscht jedem Juden den Tod, ein Militärtribunal verurteilt Kriegsverbrecher. Das ist auch moralisch nicht das Gleiche.

    • @Nachtsonne:

      Millitärgerichtsbarkeit befasst sich tatsächlich eher mit deserteuren und Soldaten, die sonstige Befehle nicht befolgen, als mit Kriegsverbrechen. Im Israelisch besetzten Teil des Gazastreifen kommen Palästinenser, aber nicht Istaelis, für sämtliche Regelverstöße vor Militärtribunale, welche natürlich nach einem härteren Strafmaß urteilen, das ist das Problem.

    • @Nachtsonne:

      Moralisch bewertet wurde hier das Verhalten von Ben-Gvir und anderen, nicht das Gesetz.



      Die Tötung von Menschen zu feiern.



      Darum geht es.

  • Das ist der Weg, den der Zionismus stets zu gehen drohte und den er gerade leider zu großen Teilen geht: Ein "jüdischer" Staat behandelt seine Menschen ungleich nach Ethnie/Religion, nicht gleich nach Pass und je nach Verhalten.

    Illegale "Todestrafe" durch Mossad- und IDF-Aktionen mit Ermordung als Ziel gab es ja schon länger und verdarb den Respekt vor Recht.







    Ich hoffe immer noch, dass Israel nicht Südafrika II wird. Ein Blick auf universale Werte, wie ihn Teile des Zionismus ja auch probierten, hülfe dabei. Ein Tunnelblick auf "Stärke" und Hass jedoch wäre der Weg in ein ungutes Sparta, das so ängstlich wie rassistisch seine Heloten unterdrücken würde.

  • In diesem Kommentar lässt sich leider schwerlich entnehmen, ob das nur Pläne sind, wie realistisch die Gesetzwerdung überhaupt ist, und für wen es gelten soll.

    Etwas Recherche brachte heraus, dass es ein Tribunal für Terroristen des 7. Oktober sein soll, und nicht „pauschal“ für Palästinenser, dass macht es nicht besser, aber ich bezweifle generell, dass es in Israel die Todesstrafe unter welchen Gesichtspunkten auch immer geben wird. Es sind, so sehe ich es, reine Auswüchse und Machogehabe von rechtsextremen Regierungsmitgliedern. Etwas mehr Nüchternheit, und weniger Bauchgefühl und mehr Tiefe täte gut in der Berichterstattung.

    www.timesofisrael....er-7-perpetrators/

    • @Der gute Deutsche:

      Wen Sie das als Auswüchse und Macho Gehabe kleinreden, haben Sie vermutlich nicht viel von Israel in den letzten Jahren mitbekommen außer die Kriegsberichterstattung. Die Radikalisierung der israelischen Gesellschaft ist hoch wie nie.



      Und bereits jetzt werden Palästinenser als sog. Terroristen bezeichnet und ohne Beweise oder Chance auf einen fairen Prozess weggesperrt. Glauben Sie wirklich, dass wird durch diesesGesetz besser?

      Und Ihr Zweifel dass es keine Todesstrafe in Israel geben wird ist ja wohl mehr Bauchgefühl als alles was im Artikel steht….

    • @Der gute Deutsche:

      wenn selbst die stramm konservative jüdische allgemeine heftige kritik äussert, sollte man doch etwas stärker beunruhigt sein. zumal es schlicht nicht zutrifft, dass das gesetz ausschließlich auf die terroristen des 7. oktober anzuwenden ist. und angesichts der tatsache, dass ben gvir, immerhin der ranghöchste sicherheitspolitiker des landes und damit mit weitreichenden weisungsbefugnissen gegenüber militär- und polizeiapparat ausgestattet, im westjordanland schwer bewaffnete ultrareligiöse siedler mit allen tödlichen konsequenzen bereits in einem raum agieren läßt, der zwei unterschiedliche gerichtsbarkeiten vorsieht, sollte einem angst und bange werden.

    • @Der gute Deutsche:

      Danke für die Warnung!

  • Wer sich einen Henkersknoten an die Jacke pinnt ist wiederlich. Egal welcher sonstigen Gesinnung.

  • Gibt es einen Grund, warum man zwar Adolf Eichmann beiläufig erwähnt, aber nicht einordnet, dass er ein Nationalsozialist (ein Richtiger) war und mitverantwortlich für die Ermordung der 6 Millionen Juden der einzige Mensch in Israel (Laut Wikipedia) der nach einem Gerichtsverfahren Hingerichtet wurde?

    Wenn man es nicht wüsste könnte man meinen, dass das ein "normaler" Verbrecher gewesen ist und auch viele andere Menschen in Israel die Todesstrafe zu der Zeit bekommen haben.

    • @Wayko:

      Ich stimme Ihnen zu und kann nur jedem empfehlen, die Eichmann-Protokolle zu lesen. Soweit ich das überblicke, hat sich die israelische Seite in einem enormen Maß um Fairness bemüht, das ich persönlich nicht aufgebracht hätte.

    • @Wayko:

      Was für eine Frage. Sowohl der Fall Eichmann als auch die Tatsache, dass Israel seit Staatsgründung die Todesstrafe zweimal vollstreckt hat, sollten hinlänglich bekannt sein.

      • @Flix:

        Fragen Sie mal auf der Straße. Ich zweifle das "hinlänglich bekannt" stark an.

  • Dazu die Meldung von vorgestern aus dem Innenministerium: "Deutschland und Israel verstärken ihre enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit im Sicherheitsbereich". Da wird wohl auch der Minister für Nationale Sicherheit dazugehören. Grauenhaft!

    • @HRMe:

      "Deutschland und Israel verstärken ..."

      Die wahre Bedeutung ist eher, D. bekommt weiterhin Informationen aus I.

      Wenn mal ein Anschlag o.ä. aufgedeckt wird, heißt es doch immer, Informationen stammen von befreundeten Diensten. Was also könnte die D. den I. liefern?

  • Wenn das Gesetz so durchkommt ist es zu 100% Diskriminierung, da es nur für eine Personengruppe gilt, Golda Meir würde im Grab rotieren.

  • Das ist wohl Geschichtsklittierung "Den alten Zionisten würde vielmehr die offene Diskriminierung übel aufstoßen, hatten sie doch einen Staat mit gleichen Rechten für alle Bürger vor Augen." Deshalb haben sie auch gleich kräftig vertrieben und die verbleibenden Palästinenser bis 1966 unter Ausnahmerecht gestellt. Die Argumentation imArtikel ist einfach unsauber und nicht haltbar.

  • Die israelische Regierung will offenbar unbedingt das Niveau von Hamas und PIJ erreichen.

  • Die taz verkennt die Realität: Israel diskutiert keine Todesstrafe aus Rache, sondern als Reaktion auf beispiellosen Terror. Nach dem 7. Oktober, an dem über 1 200 Zivilisten ermordet wurden, geht es um den Schutz der eigenen Bevölkerung. Die Debatte richtet sich gegen verurteilte Terroristen – nicht gegen „Palästinenser“. Wer gezielt Kinder, Familien und Festivalbesucher abschlachtet, verlässt den Bereich normaler Kriminalität.

    Lebenslange Haft ist in der Praxis keine Garantie: Gefangenenaustausche und politische Erpressung haben wiederholt Terroristen freigebracht. Abschreckung und Prävention sind legitime Aufgaben eines Rechtsstaates. Israel hat die Todesstrafe faktisch seit Jahrzehnten nicht angewandt – das zeigt Zurückhaltung, nicht Brutalität.

    Wer Israel moralisch mit der Hamas gleichsetzt, ignoriert den Unterschied zwischen einem demokratischen Staat und einer genozidalen Terrororganisation. Diese Gleichsetzung ist nicht humanistisch – sie ist zynisch.

    • @Zippism:

      "Die Debatte richtet sich gegen verurteilte Terroristen – nicht gegen „Palästinenser“.

      Für diese Debatte würde kein neues Gesetz über die Einführung der Todesstrafe benötigt, das existiert nämlich bereits und war Grundlage für die Hinrichtung von Adolf Eichmann.

      Bis heute ist es in Israel möglich die Todesstrafe für Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit zu verhängen.

      Das neue Gesetz hat als Motiv für die Anwendung der Todesstrafe das Töten aus rassistischen Gründen als Grundlage. Mit der passenden Urteilsbegründung lässt es sich auf alle Tötungsdelikte anwenden, die an der jüdischen Bevölkerung von Ausländern getätigt werden.

      Da die Todesstrafe für Mord landesweit abgeschafft wurde, haben die "Demokraten" in Israel den Zugang zu den gerichtlichen Distanzen abgeschnittenen und durch ein Militärtribunal ersetzt.

      Das hat keine Bezüge mehr zu unserem Verständnis von Rechtsstaatlichkeit in Demokratien und verstößt zudem gegen internationales Recht.

      Mit dem Etikett Terrorist haben schon die USA, nicht nur im Irak, unliebsame Zeitgenossen versehen und auch israelische Gefängnisse sind belegt mit Personen die ohne rechtsstaatliches Verfahren diesen Status erhalten.

    • @Zippism:

      Niemand setzt Hamas mit Israel gleich, aber zur Wahrheit gehört auch, dass Israel deutlich mächtiger ist als die Hamas. Also selbst wenn Israels Absichten nicht ganz so schlimm sind wie die der Hamas, so kommt Israel doch deutlich näher daran diese umzusetzen, weshalb man Israel nach anderen Maßstäben bewerten muss.

    • @Zippism:

      Natürlich geht es um Rache, ganz objektiv und ohne Wertung betrachtet.



      .



      Auch vor dem 7 Oktober gab es ja die Maßnahme Häuser von Familienangehörigen von Terroristen zu zerstören. Teilweise sogar von Verdächtigen und nicht rechtskräftig verurteilen. Natürlich soll das als Abschreckung dienen. Rache als Abschreckung.



      .



      Die Zerstörung der Olivenheine, wie die Siedlergewalt ermöglicht und teilweise direkt unterstützt wurde?



      .



      Die Verhinderung von Hilfslieferungen, die nachweislich völlig wahllose Flächenbombardierung in den ersten Tagen des Krieges, die auch danach erfolgten teilweise gezielten Angriffe auf Kinder und Rettungskräfte, die gezielte Zerstörung von Agrarland und medizinischer Infrastruktur ohne Alternativen zu schaffen, die systematische Folter von Gefangenen und noch vieles mehr. Das trieft nur so vor Rachegelüsten.



      .



      Auch fast alle andere demokratische Staaten haben das Problem, dass es in der Rechtsprechung um Rache geht. Rein sachlich betrachtet gibt es deutlich bessere Konzepte um mit Kriminalität umzugehen, als die bloße Abschreckung durch harte Strafen. Deren Hauptfunktion ist es die Rachegelüste der Bevölkerung zu befriedigen.

    • @Zippism:

      Sie kennen ja vielleicht die einleitende Bemerkung in Die verlorene Ehre der Katharina Blum: manche Vergleiche sind weder zufällig noch beabsichtigt, sondern unvermeidbar. Zynisch ist es jedenfalls, wenn man eine eindeutig rassistische Gesetzgebung zur Todesstrafe in einer von Rechtsextremen reagierten Besatzungsmacht, die vermutlich gerade einen Völkermord begeht und auch davor schon seit Jahrzehnten systematisch gegen internationales Recht verstoßen hat, immer noch relativiert - Tanz den Von Trotha...

    • @Zippism:

      Kurze Korrektur: Es wurden NICHT 1200 Zivilisten ermordet. Ca. die Hälfte der Opfer des Angriffs waren Militärangehörige oder Sicherheitskräfte.

    • @Zippism:

      Alles angeführte rechtfertigt keine Mord durch den Staat, ob man ihn nun Todesstrafe nennt und durch ein Gesetz ermöglicht oder auch nicht. In Israel nicht, im Iran und den USA nicht und auch sonst wo auf der Welt nicht.

      • @Flix:

        Ihre Position ist moralisch konsistent, aber sie blendet die reale Schutzpflicht eines Staates aus. Die Todesstrafe wird hier nicht aus „Mordlust“ diskutiert, sondern als ultima ratio gegen Täter, die Massenmord geplant und durchgeführt haben und bei denen Haft faktisch keinen endgültigen Schutz bietet.

        Zwischen staatlicher Gewalt im Rahmen eines Rechtsverfahrens und willkürlichem Töten durch Terrororganisationen besteht ein qualitativer Unterschied. Wer diesen Unterschied negiert, erklärt Abschreckung, Prävention und Verantwortung gegenüber der eigenen Zivilbevölkerung für illegitim.

        Man kann die Todesstrafe aus grundsätzlichen Gründen ablehnen – aber sie pauschal als „Mord durch den Staat“ zu etikettieren, verweigert jede Auseinandersetzung mit außergewöhnlichen Bedrohungslagen und historischen Erfahrungen.

      • @Flix:

        Das stimmt -- und die Gleichsetzung bleibt trotzdem falsch.