Xavier Naidoo singt mit Bremer Hooligan: Gemeinsame Sache mit Rechtsextremen

Xavier Naidoo lässt den Sänger der Bremer Band Kategorie C bei seinem neuen Projekt mitmachen. Damit ist Naidoo in der militanten Rechten angekommen.

Der deutsche Sänger und Songwriter Xavier Naidoo bei einem Auftritt auf dem Blue Balls Festival im Juli 2019.

Im Boot mit langjährigen Rechtsextremen: Xavier Naidoo, hier bei einem Konzert 2019 in Luzern Foto: dpa/KEYSTONE/Alexandra Wey

„Sehr stabiler Mann“, schreibt jemand über Hannes Ostendorf auf Youtube. Das Kompliment dürfte dem Leadsänger der rechtsextremen Hooligan-Band Kategorie C aus Bremen gefallen, versichert der bullige Rechtsrocker doch ständig, durchtrainiert und handlungsfähig zu sein. „Die dritte Halbzeit“ war auch lange seine Zeit. Heute tritt der rechte Szenestar in zunächst überraschend klingender Gesellschaft in Erscheinung: beim neuen Projekt von Xavier Naidoo.

„Die Konferenz“ heißt das Projekt, wo Ostendorf in den Song „Heimat – Sprich mit uns“ einstimmt. „Spürst du mein Atmen“, legt Naidoo vor und Ostendorf übernimmt: „Ich höre dein Rauschen.“ Wenig später beschwört Ostendorf, dass es einen „Sinn“ gebe, dass er von „hier“ sei. „Deine Heimat gibst du so schnell nicht auf“, intonieren „Die Konferenz“ im Refrain. Im Musikvideo wechseln sich Bilder von Querdenken- und Coronaleugnungs-Demonstrationen mit Landschaften, Burgen, Denkmälern und Kindern ab.

Sie verdichten die Botschaften, dass Heimat diffamiert werde, nicht souverän sei und dass nur gemeinsam gegen den Feind anzukommen sei. Die Singenden seien der „letzte Widerstand mit Fackeln und Flammen“, der nicht „vergeben und nicht vergessen“ werde. Ob die Heimat „wert zu sterben“ sei, fragen sie und antworten gleich selbst: „Deine Heimat gibst du so schnell nicht auf.“

Naidoos Entwicklung über die Nähe zu Reichsideologiefragmenten bis zur Verfestigung von QAnon-Verschwörungsnarrativen ist seit Jahren zu beobachten. Attila Hildmann, den veganen Kochstar, der mit Kriegsrhetorik gegen Jü­d:in­nen und Po­li­ti­ke­r:in­nen hetzt, nennt er bei Telegram einen „Bruder im Geist“. Bei der „Konferenz“ überrascht auch weiter nicht, dass aus dem rechten Verschwörungsmilieu die Aktiven kommen, wie Jo Conrad, der aus Worpswede seit 2010 „Bewusst.TV“ betreibt, um vermeintlich alternativen Meinungen Raum zu geben.

Brandanschlag auf Flüchtlingsunterkunft

Mit ihm als Galionsfigur brachten fast 20 Rapper als „Rapbellion“ den Song „Ich mach da nicht mit“ heraus. Naidoo singt: „Ich mach da nicht mit / Es kann gar nicht sein / dieses Gift kommt niemals in unsere Körper rein / Die Geschwister und ich / Wir wagen den Schritt / Und machen nicht mit.“

In dem Video ist Rapper Skitekk vor einem Impfzentrum in Bremen zu sehen und rappt, „Ich mache da nicht mehr mit, stehe nicht Schlange nur für einen Stich“, versetzt einem Mitarbeiter einen Tritt und geht danach vor einer Explosion in Deckung. Bei der „Konferenz“ singt „Aktivist Mann“, alias Matthäus Westfal mit. Der Influencer arbeitete mit dem rechtsextremen „Volkslehrer“, Nikolai Nerling, zusammen.

Durch die Zusammenarbeit mit Ostendorf hat sich Naidoo nun aber dem militanten Rechtsextremismus angenähert. Der Popstar verschafft einem langjährigen Rechtsextremen, der 1991 an einen Brandanschlag auf eine Bremer Flüchtlingsunterkunft beteiligt war, neue Reputation – und Publikum. Über Jahre wirkte Ostendorf bei der sich selbst aufgelösten rechtsextremen „Standarte Bremen“ mit. „Hooligans gegen Salafisten“ unterstützte Ostendorf mit einem eigenen Song für das Netzwerk. Und dieses Umfeld ist auch für Naidoos Verhältnisse eine neue Qualität.

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Rechtsextremismusexperte, Jahrgang 1966. In der taz-Nord schreibt er seit 2005 die Kolumne „Der Rechte Rand“. Regelmäßig hält er Vorträge bei NGOs und staatlichen Trägern. Für die Veröffentlichungen wurde er 2007 Lokaljournalist des Jahres und erhielt den Preis des Medium Magazin, 2008 Mitpreisträger des "Grimme Online Award 2008" für das Zeit-Online-Portal "Störungsmelder" und 2012 Journalisten-Sonderpreis "TON ANGEBEN. Rechtsextremismus im Spiegel der Medien" des Deutschen Journalistenverbandesund des Ministeriums für Justiz und Gleichstellung des Landes Sachsen-Anhalt. Letzte Bücher: mit Andrea Röpke "Mädelsache" (2011), mit Martin Langebach "Europas radikale Rechte" (2013). Im Erscheinen begriffe „Blut und Ehre. Geschichte und Gegenwart rechter Gewalt“.

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