Selbstauflösung

Rechte Hooligans kneifen

Nach einem BGH-Urteil prüfen Innenminister eine Strafverfolgung rechtsextremer Hooligan-Gruppen. Die „Standarte Bremen“ ist schon mal weg.

Mit Hasskappe auf Bootstour: Standarte-Hools beim Nordderby im März 2014 in Bremen. Bild: Thomas Humboldt

HAMBURG taz | Zum 25. Jubiläum hat sich die „Standarte Bremen“ aufgelöst. Das erklärt der „Fußball-Fanklub“ auf seiner Internet-Seite. Die rechtsextreme „Standarte“, die lange „88“ als Code für „Heil Hitler“ im Namen führte, befürchtet eine strafrechtliche Verfolgung. Denn Bremens Innensenator Ulrich Mäurer (SPD) will nach einem Urteil des Bundesgerichtshofes (BGH) jetzt gegen Mitglieder von Hooligan-Vereinigungen vorgehen.

Grundsatzurteil vom BGH

In der vergangenen Woche hatte der BGH in Karlsruhe ein Urteil des Landgerichts Dresden bestätigt, mit dem fünf Angeklagte der früheren rechtsextremen Gruppe „Hooligans Elbflorenz“ wegen Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung verurteilt wurden. Das Landgericht verurteilte die Angeklagten auch wegen schweren Landfriedensbruchs und gefährlicher Körperverletzung zu Haftstrafen von bis zu vier Jahren. Im Sommer 2008 sollen sie mit knapp 80 Anhängern nach dem EM-Halbfinalspiel zwischen Deutschland und der Türkei türkische Gaststätten angegriffen haben. Mit dem Urteil des BGH vom 22. Januar können nun feste Hooligan-Gruppen als „kriminelle Vereinigung“ angesehen werden.

Über „die klaren Worte aus Karlsruhe“ zeigte sich auch Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius (SPD) erfreut. „Immer wieder werden Hooligans auch als vermeintlich subkulturelle Gruppe innerhalb des Fußballs glorifiziert, durch Filme, Magazine und im Netz“, sagte Pistorius der taz. „Dabei geht es denjenigen, die Sportveranstaltungen nur dafür nutzen, für Randale und Gewalt zu sorgen, zu allerletzt um den Sport.“

Von Ermittlungen will sein Ministerium noch nicht sprechen. „Wir müssen das Urteil erst einmal in Ruhe bewerten“, sagt Pistorius. Man müsse sehen, ob „Straftaten in diesem Milieu zukünftig durch dieses Urteil noch konsequenter“ verfolgt werden könnten.

Offen rechtsextrem

Die „Standarte“ um Henrik Ostendorf hat ihre rechtsextreme Ausrichtung seit ihrer Gründung hat nicht verheimlicht. Mit der Selbstauflösung ist sie den Bremer Behörden allerdings nicht entwischt. „Die ’Standarte Bremen‘ wird überprüft“, sagt Rose Gerdts-Schiffler, Pressesprecherin des Innenressorts. Gleiches gelte für die Hooligan-Gruppen „City Warriors“ und „Nordsturm Brema“. Weitere könnten folgen.

Die rechtsextremen Anhänger der drei Gruppen sind in der Vergangenheit regelmäßig durch Gewalttaten aufgefallen. Seit 1990 hatte die „Standarte“, die eng mit NPD und Freien Kameradschaften verbunden war, immer wieder linke Fangruppen und Feiern angegriffen.

Den Sound dazu liefert die bundesweit erfolgreiche Hooligan-Band „Kategorie C – Hungrige Wölfe“ (KC). Henrik Ostendorfs Bruder Hannes ist der Sänger der Band. Die Bremer Szene ist stark bei den „Hooligans gegen Salafisten“ involviert.

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