Warum Kampfsport wichtig ist: Linke, wehrt euch
Rechtsextreme Straftaten nehmen deutlich zu. Als Antifaschist:innen sollten wir lernen, uns zu verteidigen. Es geht um Selbstschutz.
A llein letztes Jahr wurden täglich 12 Menschen Opfer rechter Gewalt. Laut dem Verfassungsschutzbericht übersteigen die rechtsextremistischen Straftaten die linksextremen um knapp das Sechsfache, Neonazis werden gewaltbereiter, CSDs in mehreren Städten werden von Rechten angegriffen. Als Linke können wir nicht die Augen davor verschließen, wie rau die Zeiten sind und wie viel härter sie aller Voraussicht nach noch werden.
Frei nach der Politrock-Band Ton Steine Scherben „Macht kaputt, was euch kaputt macht“ ist es menschlich, sich gegen das zu wehren, was einen verletzen will. Denn bevor die Baseballschlägerjahre zurückkehren und sich der Faschismus wieder offen auf die Straße traut, braucht es zwingend eine linke, antifaschistische Gegenbewegung. Nein, das ist kein Plädoyer für die bürgerkriegsähnlichen Zustände in der sterbenden Weimarer Republik. Straßenschlachten gehören der Vergangenheit an, Selbstverteidigung hingegen nicht.
Es geht um grundlegende Dinge, die alle Antifaschist:innen wissen sollten: Wie lässt sich eine Situation verbal deeskalieren und wie behält man auch in hitzigen Momenten die Ruhe? Und sollte das nicht ausreichen: Wie ballt man eine Faust? Wie schlägt und tritt man richtig und vor allem wohin? Wie hält man einen Angreifer auf Distanz?
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VIDEO: Linke Selbstverteidigung
Allein letztes Jahr wurden täglich 12 Menschen Opfer rechter Gewalt. Laut dem Verfassungsschutzbericht übersteigen die rechtsextremistischen Straftaten die linksextremen um knapp das Sechsfache. 📽️ + ✍️ Martin Seng 👉 taz.de//!6107457/
— taz (@taz.de) 6. September 2025 um 16:02
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Kampfsport nicht den Rechten überlassen
Dafür ist ein professionelles Training absolut notwendig. Dabei muss niemand einem bestimmten Körpertyp entsprechen, ein festgelegtes Gewicht haben oder stemmen oder zig Kilometer am Stück laufen. Jeder sollte nach seinen Fähigkeiten trainieren und für das, was er erreichen will.
Dass Rechte den Kampfsport, besonders Boxen, Muay Thai und MMA, seit Jahrzehnten für ihre Zwecke nutzen, ist bekannt. Natürlich ist der Sport als solcher nicht rechts, genauso wenig wie jedes Gym offen für rechte Ideologie ist. Doch als Antifaschist:innen sollten wir das Wissen rund um Training und Kampfsport nicht dem gewaltbereiten rechten Spektrum überlassen. In Berlin und anderen Großstädten gibt es selbst organisierte linke Kampfsportgruppen, auf dem Land sieht es oft anders aus.
Und bevor jetzt jemand rechts der SPD diesen Text aus dem Kontext reißen möchte: Niemand plädiert für linke Gewalt. Im Gegenteil, es geht um Selbstschutz. Es geht darum, sich selbst und andere vor rechter Gewalt zu schützen, wenn Institutionen und Staat versagen. Sich selbst verteidigen zu können, ist der beste Schutz vor rechter Gewalt. Niemand sollte zum Opfer werden und sich diskriminieren lassen. Doch dafür ist ein bestimmtes Maß an Training nötig.
Um es mit den linken Rappern Kalaszniko und Admiral Klatsch zu sagen: „An den Tagen, wo du nicht trainierst, macht es ein Fascho.“
Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen
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