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Wahlen in Rheinland-PfalzFünf Lehren aus den Landtagswahlen

Kersten Augustin

Kommentar von

Kersten Augustin

Wähler sind nicht doof, Kulturkampf ist kein Wahlkampfhit mehr, und ohne die Union geht nix: Was von den beiden Landtagswahlen im Südwesten bleibt.

Schwarz dominiert, nicht nur in Rheinland-Pfalz Foto: Michael Brandt/dpa

G eschafft. Rechnet man die Bevölkerung von Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg zusammen, haben nun insgesamt 15 Millionen BürgerInnen einen neuen Landtag. Bis zum Herbst, wenn in Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt und Berlin gewählt wird, hat das Land ein halbes Jahr Verschnaufpause.

15 Millionen, das ist knapp ein Fünftel der Deutschen. Repräsentativ ist die Stichprobe aus dem Südwesten zwar nicht. Trotzdem lassen sich aus den beiden Landtagswahlen fünf Erkenntnisse gewinnen, die über den Wahltag hinausgehen.

1. Wähler sind nicht doof

Sollte selbstverständlich sein, muss man aber mal festhalten: Wählerinnen und Wähler wissen tatsächlich, worum es bei einer Landtagswahl geht: um Landespolitik, nicht darum, irgendjemandem einen sogenannten Denkzettel zu verpassen. Der Wahlsieg von Cem Özdemir hatte mit der grünen Bilanz in Berlin wenig zu tun. Ebenso sollte man die Niederlage von Alexander Schweitzer nicht einfach Lars Klingbeil anlasten oder gleich mit dem Ende der Sozialdemokratie verwechseln. Nach 35 Jahren mit SPD-geführten Regierungen fand eine Mehrheit der PfälzerInnen schlicht, dass es an der Spitze der Regierung „Zeit für eine andere Partei“ sei, so das Ergebnis der Nachwahlbefragung.

Nur, was für die Mehrheit der Wähler klar ist, dass Landtagswahlen eben keine kleinen Bundestagswahlen sind, gilt nicht für die Parteizentralen in Berlin (und auch nicht für ihre Beobachter in den Redaktionen). Dort wird jedes Ergebnis vor allem bundespolitisch interpretiert. Aber: Eine Landtagswahl ist eine Landtagswahl.

2. Kulturkampf ist kein Wahlkampfhit mehr

Ein Sohn türkischer Gastarbeiter hat die Wahl in Baden-Württemberg gewonnen, ein veganer Ministerpräsident die in Rheinland-Pfalz verloren. Und erstaunlich ist daran vor allem, dass beides bis auf ein paar Trolls niemanden interessierte.

In Thüringen plakatierte die CDU vor kurzem noch: „Grillen muss erlaubt bleiben“. Es hatte zwar niemand das Gegenteil behauptet, aber es funktionierte, weil die Union so wahrheitswidrig wie erfolgreich behauptete, eine kulturelle Minderheit gegen eine vermeintlich grüne Mehrheit zu verteidigen.

In Baden-Württemberg versuchte die Union nun zwar, die Grünen als Anti-Auto-Partei darzustellen, und in Rheinland-Pfalz warb sie dafür, das Klimagesetz zu kippen. Aber dominiert hat das diese Wahlen nicht. Die Wahl gewann im Gegenteil mit Gordon Schnieder ein Unions-Kandidat, der seinen Mitbewerber schonte und keine Fehler machte.

Das zeigt, dass wesentliche Teile der Bevölkerung womöglich liberaler, veganer und weniger rassistisch sind, als es manchmal den Eindruck hat. Und es zeigt, dass der Kulturkampf zwar nicht beendet ist, aber sich verändert.

Seit die Union die Bundesregierung anführt, lässt sich nur noch schwer behaupten, der Mainstream, das seien die Anderen. Der Kulturkampf kommt jetzt aus dem Kanzleramt, aus dem Büro von Wolfram Weimer. Das macht ihn zwar umso gefährlicher, als Mittel im Wahlkampf wird er dadurch aber unbrauchbar.

3. AfD-Wählern ist alles egal

Um nicht zu viel Optimismus aufkommen zu lassen: Die Wahlergebnisse im Südwesten zeigen auch, dass etwa jedem fünften Wähler offenbar alles egal ist. Ganz egal, wie mutmaßlich korrupt und nepotistisch die AfD noch wird – wer der Mainstream-Presse eh nicht traut, der lässt sich auch durch Berichte über die Verwandtschaftsaffäre nicht davon abhalten, die extrem Rechten zu wählen.

Um sich die Tragweite des AfD-Ergebnisses vor Augen zu führen, sollte man nicht nur auf Prozentsätze schauen, sondern auf die absoluten Wählerstimmen der AfD im Südwesten. Es sind mehr als im deutlich kleineren Sachsen-Anhalt, selbst wenn die AfD im Herbst dort 40 Prozent holen sollte.

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Die AfD ist nun in zwei großen westdeutschen Flächenländern die mit Abstand stärkste Oppositionspartei. Das sichert Gelder und stärkt die rechtsextremen Strukturen vor Ort. Im Parlament bedeutet es, dass die Kontrolle der Regierung durch die Opposition immer schwieriger wird. Untersuchungsausschüsse etwa können die Schrumpf-SPD in Baden-Württemberg und die kleinen Grünen in Rheinland-Pfalz nicht einberufen, ohne mit der AfD zusammenzuarbeiten, was sie nicht tun werden.

4. Die Linke bleibt Stadtpartei

Dass die Wahl in Rheinland-Pfalz für die Linkspartei nicht leicht werden würde, war klar: Das Bundesland ist ländlich geprägt, Mainz hat weniger Einwohner als jeder durchschnittliche Berliner Bezirk. Aber auch wenn sich die Linkspartei auf niedrigem Niveau verdoppelt hat, sind die Ergebnisse im Südwesten zusammen genommen eine Enttäuschung. Bei der Bundestagswahl war sie über 5 Prozent gekommen, und die Umfragen sahen lange so aus, als würde es für den ersten Einzug in den Landtag reichen.

Doch gegen einen ultramittigen Grünen hat es in Baden-Württemberg nicht gereicht – und in Rheinland-Pfalz nicht gegen einen ultramittigen SPD-Landesvater. Die Zahl der WählerInnen, die eine dezidiert linke Alternative dazu wollten, war nicht groß genug.

Woran hat es gelegen? Die bequeme Antwort: Die kleinen Parteien haben unter der Zuspitzung auf zwei Kandidaten gelitten. Die unbequeme: Der Anspruch, über das eigene, urbane und akademische Milieu hinauszuwirken, funktioniert nur im Ansatz. Die Zahl der Mitglieder in Rheinland-Pfalz hat sich zwar verdreifacht, aber das übersetzt sich nicht in Wählerstimmen. Der Fokus auf Mieten und bundespolitische Themen, aber auch die jungen KandidatInnen kam nicht an. Bei der Bundestagswahl profitierte die Partei von einer historischen Konstellation: Die Union hatte den Tabubruch begangen und mit der AfD eine Mehrheit gebildet, die Grünen konnten sich davon nicht glaubwürdig absetzen. Aber diese historische Konstellation ist nun vorbei.

5. Ohne die Union geht nichts mehr

Die Ampel-Koalition in Rheinland-Pfalz hat einige Fortschritte erreicht. Sie hat ein Klimagesetz verabschiedet, mit dem man bis 2040 klimaneutral werden will. In der Bildungspolitik hat das Land unangekündigte Tests abgeschafft, und Aufstiegschancen hängen laut einer Studie hier weniger von der Herkunft ab als anderswo.

Nun aber ist die vergangene Ampel Geschichte, in einem weiteren Bundesland wird die Union mitregieren. Deutschland wird damit immer schwärzer. Die einzigen Flächenländer, in denen die Union nicht mitregiert, sind Niedersachsen, das Saarland und Mecklenburg-Vorpommern, zumindest bis Herbst.

Die Union ist damit die einzige demokratische Partei im Parlament, die bei beiden Landtagswahlen zugelegt hat. Es ist nicht irgendeine Union, sondern die konservativste seit Jahren. Eine Union, die eine restriktive Migrationspolitik will, die liberale Kultur und engagierte Zivilgesellschaft skeptisch beäugt.

Für Mehrheiten ohne die Union wird es aber immer schwerer. In Stadtstaaten mag Rot-Rot-Grün eine Option sein. In allen anderen Ländern ist es kompliziert. Das kann man als Stärkung der sogenannten Mitte verstehen. Oder als einen Mangel an politischen Alternativen, von dem am Ende die AfD profitieren könnte.

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Kersten Augustin
Ressortleiter Inland
Kersten Augustin leitet das innenpolitische Ressort der taz. Geboren 1988 in Hamburg. Er studierte in Berlin, Jerusalem und Ramallah und wurde an der Deutschen Journalistenschule (DJS) in München ausgebildet. 2015 wurde er Redakteur der taz.am wochenende. 2022 wurde er stellvertretender Ressortleiter der neu gegründeten wochentaz und leitete das Politikteam der Wochenzeitung. In der wochentaz schreibt er die Kolumne „Materie“. Seine Recherchen wurden mit dem Otto-Brenner-Preis, dem Langem Atem und dem Wächterpreis der Tagespresse ausgezeichnet.
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29 Kommentare

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  • "Das zeigt, dass wesentliche Teile der Bevölkerung womöglich liberaler, veganer und weniger rassistisch sind, als es manchmal den Eindruck hat." - Wie kann man nach diesen Wahlergebnissen auf so eine absurde Schlussfolgerung kommen (mal davon abgesehen, dass das Wählen anderer Parteien als die Linkspartei nichts mit Rassismus zu tun hat)? Die Afd hat ihr Ergebnis mehr als verdoppelt. Die Linkspartei ist in beiden Parlamenten nicht vorhanden (ebenso wie die zumindest gesellschaftlich liberale FDP). In BaWü hat Cem Özdemir gewonnen, indem er (wie weiland Angela M.) erfolgreich so tat, als wenn er mit seiner Partei garnichts zu tun hat. In RP regiert jetzt die CDU. Realität anyone?

  • KULTURKAMPF: War das jemals ein "Gewinnerthema"? Oder eher eine Ablenkung von den echten Fragen unserer Zeit?

    AFD: Hat jetzt alles mobilisiert, was Wut - nicht Überlegung - mobilisieren kann, von Nichtwählern, zu Unzufriedenen, zu Proteswählern anderer Kleinparteien.

    Könnte sein, dass damit das Plateau des Wählendenpotenzials erreicht ist.

    LINKE NUR IN STÄDTEN ERFOLGREICH: Vorerst ja, aber bei Fortführen von Hausbesuchen, Sozialberatung und Nichtabdriften in inhaltslose Gespensterdebatten über Außenpolitik bedeutet "mehr aktive Mitglieder" langfristig auch "mehr Parlamentssitze", siehe Grüne.

    CDU: Es gibt (derzeit) keine Mehrheit ohne sie, doch sie ist auch nur ein Schatten früherer Zeiten, und überhaupt: "Die Konservativen sind die Pausenzeichen der Geschichte" (Norman Mailer).

  • Der Autor schreibt "Es ist nicht irgendeine Union, sondern die konservativste seit Jahren".

    Das mag auf der Bundesebene zutreffen, auf der Landesebene profitieren häufig zum Glück Vertreter des kulturell liberalen Flügels der Union, so wie Daniel Günther, Hendrik Wüst oder auch der vom Autor schon angesprochene Gordon Schnieder.

  • Das Spiel geht auf, "Verboten gut" "gesichert vernünftig", das plakatierte die AfD im hessischen Kommunalwahlkampf.



    Marketingmäßig natürlich genial, das Narrativ der anderen zur dreist-unverschämten Mittelfingergeste genutzt.



    Der Zug Richtung AfD-Verbot scheint im Bahnhof zu bleiben, mit der Union als eingeschlafenem Lokführer. Dass sich die Schwarzen mal nicht zu sicher sicher sind wegen der Zuwächse, die AfD schluckt derzeit die letzten Reste der FDP, saugt große Wählergruppen aus CDU und SPD (!) ab, und das ohne wirkliches Aufhängerthema, weder Verbrenneraus noch Migration dominieren die Schlagzeilen, zu allen relevanten Problemen erzählt die AfD entweder nichts oder blanken Unsinn.

  • Die These "Wähler sind nicht doof" wird hier anhand von grünen und SPD-Ergebnissen gestützt. Was ist also mit AfD-Wählern? Kann man nicht einmal klar konstatieren, dass wer so eine Partei wählt, nicht zu den hellsten Köpfen gehören kann? Die AfD hat weder überzeugende Inhalte noch anständiges Personal. Eigentlich hat sie gar nichts Wählbares vorzuweisen. Es ist doof, sie zu wählen!!

    Um was ging es also AfD-Wählern? Vielleicht doch Denkzettel? Oder war es reine Doofheit?

    • @Winnetaz:

      Interessant ist folgendes, was auch in einem anderen taz-Artikel schon angesprochen wurde: die meisten AfD-Wähler waren vorher Nichtwähler. Das hat man auch bei ganz vielen anderen Wahlen schon gesehen.

      Aus der zuvor oft beklagten "Demokratieverdrossenheit" ist nun immer mehr ernsthafte Feindschaft zur Demokratie geworden.

      Ich denke auch, das sind größtenteils nicht die allzu hellsten Kerzen auf dem Kuchen. Vorher waren sie nur apolitisch, nun fühlen sie sich durch Social Media und internationale Erfolge rechter Parteien geradezu ermächtigt.

  • "Ganz egal, wie mutmaßlich korrupt und nepotistisch die AfD noch wird – wer der Mainstream-Presse eh nicht traut, der lässt sich auch durch Berichte über die Verwandtschaftsaffäre nicht davon abhalten, die extrem Rechten zu wählen."

    Im Gegensatz zur TAZ haben zumindest Teile der lokalen Medien in Rheinland-Pfalz über echte Korruption berichtet. Und die Enthüllungen über den SPD-Filz, durch den hohe Beamte freigestellt wurden um für die SPD zu arbeiten haben vielleicht dazu beigetragen, daß das angekündigte Kopf an Kopf-Rennen ausgefallen ist.

  • Die Fehler der SPD, weshalb ich sie wohl nicht gewählt hätte: Versagen in der Aartal- Katastrophe, starke Be- oder Verhinderung des Strassenkarnevals mittels hoher Sicherheitsforderungen, Unfähigkeit, die Gemeindefinanzen zu bereinigen: mittels überhöhter Kreis- und Großgeneinde- Umlagen wird die Grundsteuer massiv angehoben.

  • Es bleibt abzuwarten wie es in RLP weitergeht.



    Fakten sind:



    -ca. 30% der (Nicht-)Wähler können denken und haben bei dieser durch die etablierten Parteien dominierten Wahl nicht mitgemacht.



    -19,5 % der Wähler können denken und wählten eine Partei, welche vorgibt für die arbeitende Bevölkerung einzustehen. Ob sie es tun wird bleibt noch abzuwarten.



    -der Rest wählte die kulturelle und die wirtschaftliche Zerstörung Deutschlands mit den Märchenstunden: "wir retten die ganze Welt, kommt alle zu uns wir füttern euch alle durch, ihr brauch bei uns nur die Sozialhilfeanträge auszufüllen !! " und "Seht her: der Klimawandel ist hier, er ist wirklich schlimm. Wir werden daran alle bald sterben" .



    Wie der Einstein schon mal sagte : zwei Dinge sind unendlich.......

  • Noch eine Lehre, wenn man sich den Stimmenanteil unter den Jungwählenden anschaut:



    Junge Menschen wählen nicht automatisch links.



    Hatte man zwar damals gehofft, als man das Wahlalter gesenkt hat, aber junge Menschen sind von der Tendez her oft in Richtung "Abgrenzung von den Alten" unterwegs. Und da ist AfD momentan deutlich mehr "Rebellion" als andere Parteien.



    Das nächste Erwachen kommt, wenn vermehrt Menschen mit Migrationshintergrund wählen werden. Je nach Stadt haben damals z. B. bis zu 80% der DeutschtürkInnen den Erdogan gewählt. Die Hoffnung, dass das alles mal linke Stimmen werden könnten, wird sich teilweise als trügerisch erweisen.

  • zu 1: Die Wähler waren noch nie dumm, das wurde nur von einer sehr kleinen lauten gruppe behauptet die meinte die Weisheit zu besitzen wie jeder Bürger denkt.



    zu 2: Einen Kulturkampf kam von links und ist mittlerweile verpönt



    zu 3. den AFD Wähler ist das auch nicht egal, einige reagieren mit der AFD Stimme da die Politik der kleinen linken Gruppe hinterher rennt



    zu 4: Die Linke wird immer eine Stadtpartei bleiben so lange Sie weiterhin nur Themen machen, die nur die Großstadt betrifft. Ohne die Rede von Heide wäre die Partei nie in den Bundestag gekommen.



    zu 5: Die Mehrheit der deutschen Wähler sind halt Mitte Rechts und auch wenn einige Linke was anderes sagen aber genau da ist die CDU beheimatet.

  • Wenn man sich die Mühe macht, die deutschen Regierungen und ihre Arbeit seit Gründung der Bundesrepublik zu analysieren, dann ist der ganz klare Trend, es geht immer weiter nach rechts. Und das unabhängig von den regierenden Parteien.

  • "In Thüringen plakatierte die CDU vor kurzem noch: „Grillen muss erlaubt bleiben“...." Aber der Wähler ist ja nicht doof.

  • ""Eine Union, die eine restriktive Migrationspolitik will, die liberale Kultur und engagierte Zivilgesellschaft skeptisch beäugt.""



    =



    Mit Sicherheit waren das nicht die Themen über die in Rheinland Pfalz abgestimmt wurden - spielten keine Rolle bei der Landtagswahl.



    =



    ""In Stadtstaaten mag Rot-Rot-Grün eine Option sein. In allen anderen Ländern ist es kompliziert.""



    =



    Die Grünen erholen sich gerade bundesweit und sind nach dem Tiefpunkt bei der letzten Bundestagswahl wieder in einem leichten Aufwärtstrend.



    =



    Die Linke - egal ob SPD oder die Partei die Linke stagnieren auf niedrigem Niveau und nehmen sich gegenseitig die Wähler - Stimmen weg. -



    In Rheinland - Pfalz gewann die agd ihre Stimmenzuwächse aus dem Potential der vormaligen Nichtwähler und aus ehemaligen entäuschten SPD - Wählern.



    Krieg zwischen der Partei die Linke und der SPD HILFT NIEMANDEM - und die Radikalisierung der Linken auch nicht wie man selbst in Berlin an den Umfrageergebnissen erkennen kann. -



    Trendwende der Linken ist angesagt - möglichst fix und lange vor den Wahlen im September.

  • Die ersten Punkte konnte man schon lange beobachten, widersprechen aber gerne mal hiesigen Narrativen.

    - "Wähler sind nicht doof". Stimmt. Wird umgekehrt auch gerne gegen "den Wähler" verwendet, wenn die Richtung nicht passt.

    - "Zeit für eine andere Partei". Ist leider auch das Motto für viele A.. Wähler.

    - "Kulturkampf ist kein Wahlkampfhit mehr" . Stimmt auch schon längst. Klar gibt es immer einige Trolle und Gestrige, aber migrantische Wurzeln oder auch sexuelle Orientierung (jüngstes Beispiel OB Wahl in München) spielen eine recht geringe Rolle. Das ist längst auch in cis-bürgerlichen Kreisen akzeptiert (im Gegensatz zu lauten Forderungen der entsprechenden Aktivista).

    -"Den AFD Wählern ist alles egal". Nun, das ist oft auch das Motto der Wähler anderer Parteien. Die leider mittlerweile manifesten 20% sind für einen Wechsel, weil denen die anderen nicht egal sind. Wenn zwei dasselbe machen, ist es nicht das Gleiche.

    • @fly:

      Der letzte Absatz ist schlicht unverständlich. Die Nicht AfD-Wähler sind den AfD-Wähler nicht egal? Hä? Warum wählen sie dann AfD?



      Ich weiß, keiner liest Programme, alles wurscht, aber irgendwo zwischen dem ganzen Getöse ist doch irgendwo eine Agenda, die zwischen Faschismus, Rechtspopulismus und rechtem Konservatismus mäandert.



      Ich glaube, den AfD-Wähler ist alles wurscht, Hauptsache kaputtmachen, also das was die Union so will nur ohne Sozis im Schlepptau und noch bösartig-dreister dabei grinsend.



      Die Wähler sind superschlau, klar, deshalb natürlich auch die AfD, die am Ende alles besser machen wird in diesem Land, ja klar...

  • "Um sich die Tragweite des AfD-Ergebnisses vor Augen zu führen, sollte man nicht nur auf Prozentsätze schauen, sondern auf die absoluten Wählerstimmen der AfD im Südwesten"

    Genau. Wenn in Kleinkleckersdorf weniger Wähler die NeuBraunen wählen als in SimCity, sollte man auf gar keinen Fall Kleinkleckersdorf thematisieren.

  • Ein schöner Beitrag, der um so schöner wird da man sich trefflich über ihn streiten kann. Kudos im Übrigen an die taz, dass sie Gegenstimmen hier zulässt, zumindest vereinzelt.

    "Im Parlament bedeutet es, dass die Kontrolle der Regierung durch die Opposition immer schwieriger wird."

    Nun, wenn man auf Gedeih und Verderb die größte Oppositionspartei von der Oppositionsarbeit abhalten möchte, dann wird Regierungskontrolle schwieriger. Das haben Sie schon ganz gut erkannt. Nur über die Schuldfrage dürfte noch zu diskutieren sein.

    Und durch ist der Kulturkampf? Der im Übrigen erst so heißt seit sich zaghafter Widerstand von rechts regt nach Jahrzehnten der Freifahrt für progressive Umerzieher? Und das zeigt sich daran, dass die Wähler einem türkischen Erzrealo vertrauen? Nun ja.

    Richtig und wichtig ist aber, dass der Wähler gar nicht mal so rassistisch ist wie gern behauptet. Leider hält diese Erkenntnis nicht einmal bis zum nächsten Absatz wo direkt suggeriert wird, ein Fünftel der Wählerschaft wäre rechtsextrem.

  • Die "Mitte" der Union ist schon wirklich sehr "sogenannt".

  • .... der lässt sich auch durch Berichte über die Verwandtschaftsaffäre nicht davon abhalten, ....

    weil es schlicht nicht relevant ist. Welcher Grünwähler hat sich vom Minister und seinem Trauzeugen abhalten lassen, welcher SPD-Wähler von den dortigen Verwandtschaftsversorgungen? (Hier jetzt zu sagen, alle, halte ich persönlich für leicht übertrieben). Wer von den Maskenskandalen der CDU? Oder den ollen Kamellen einst bei den bairischen FW?



    Interessant, wichtig und wahlentscheidend sind ganz andere Themen.

  • Kein Wort zu den Erfolgen der Brandmauer? Das ist vielleicht auch besser so. Deutlicher kann ein Rechtsschwenk kaum sein. "Etwa jedem fünften Wähler offenbar alles egal ist". Tolle Erklärung, sehr hilfreich. "Offenbar" steht für eine Vermutung. Wie wäre es die Wähler der AFD konkret zu befragen warum sie AFD wählen und ob ihnen wirklich alles "alles egal ist". Gerade der SPD stünde es gut zu Gesicht sich um ihre ehemalige Wählerschaft zu kümmern und die Meinungen demokratisch zu kanalisieren. Ich kann es kaum abwarten, wie die Berliner SPD-Zentrale argumentativ mit der Situation umgeht . Wer jetzt immer noch nicht verstanden hat, dass die Brandmauer langfristig äußerst kontraproduktiv ist, dem ist nicht zu helfen. Aber bitte, macht einfach weiter die Praxis mit der Theorie zu widerlegen.

  • Drei Punkte möchte ich zu Ihrer Analyse beifügen:



    1. Die Linke ist nicht nur eine Stadt-Partei, wie sie richtig anführen, sondern hat sich durch die offensive Antisemitismus-Debatte in Niedersachsen und die fehlenden, klaren Worte dazu aus Berlin für weite Teile der Bevölkerung schlicht unwählbar gemacht.

    2. Ich denke, die AfD gehört auch zur Opposition, und mit ihren Stimmanteilen kann die Regierung durchaus kontrolliert werden.

    3. Gerade bei den Oppositionsparteien muss ein Umdenken in Bezug auf die glorifizierte Brandmauer stattfinden, denn sonst ist die Opposition gerade im Bundestag bald obsolet. Die Zustimmung zu einem Untersuchungsausschuss oder zu einer Normenkontrollklage ist kein „Zusammenarbeiten“ im Sinne der Brandmauer. Wenn die Grünen und die Linken das nicht begreifen, hat die Bundesregierung ganz leichtes Spiel.

  • ...,die Schrumpf-SPD in Baden-Württemberg und die kleinen Grünen in Rheinland-Pfalz nicht einberufen, ohne mit der AfD zusammenzuarbeiten, was sie nicht tun werden."



    Doch, das werden Sie. Wie an anderer Stelle auch; weil es ja um die gute Sache gehen wird. Oder aus vorsätzlichem Versehen, wie auch bereits geschehen.

  • "2. Kulturkampf ist kein Wahlkampfhit mehr"

    Das würde ich so nicht sagen. Cem Özdemir hat schlicht den Bedenken von Mitte bis Rechts wenig Angriffsfläche gegeben, in dem er sich (schon lange) als mittig und zu den Deutschen zugehörig präsentiert.

    Hätte er wie andere migrantische Politiker des linken Spektrums seine Andersartigkeit und Distanz zu den Deutschen betont und dezidiert migrantische (also letztlich auch nationalistische!) Interessen verfolgt, hätte das Ergebnis gänzlich anders ausgesehen...

  • 1. Es gibt keine "Mehrheit links der Mitte".



    Vielleicht hat es diese auch nie gegeben. Die Wähler will offensichtlich eine Mehrheit rechts der Mitte.



    2. Der Wähler ist nicht dumm.

    • @Colonius:

      Es hat wie Sie schon sagten, nie eine Mehrheit Links der Mitte gegeben, der Eindruck wurde nur erweckt, das diese Gruppe halt sehr laut und aufdringlich ist. Das gefällt viele Wähler Rechts der Mitte nicht, das die so aufdringlich und fordernd sind

    • @Colonius:

      Mitte Links hört sich sehr viel erfolgreicher an



      =



      Die SPD mit Brandt bei der vorgezogenen Bundestagswahl zum 7. Deutschen Bundestag errang einen historischen Sieg. Mit 45,8 Prozent der Zweitstimmen wurde sie im November 1972 erstmals stärkste Fraktion. Die Wahlbeteiligung lag bei 91,1 Prozent.

      • @zartbitter:

        Die hatten damals auch Brandt! Heute hat die SPD, äh der Bundestag keinen Politiker dieses Formates.

  • Einerseits schreibt ihr zu Recht, daß die Wähler klar zwischen Bundes- und Landespolitik bzw. zwischen Bundes- und Landesparteien unterscheiden können, andererseits macht ihr den Fehler selbst, wenn ihr von der konservativsten CDU seit langem schreibt. In Berlin stimmt das, in Mainz nicht.