Trump, Venezuela und Grönland: Weihnachtliche Allmachtsfantasien
Trump wünscht sich Grönland und einen Machtwechsel in Venezuela. Ob er all das kriegt, hängt davon ab, ob demokratische Staaten Widerstand leisten.
E ine Überraschung ist das neueste Trump’sche Gepolter wahrlich nicht, sondern eher der nächste Moment der radikalen Ehrlichkeit. Da sind zum einen die Begehrlichkeiten des US-Präsidenten nach Grönland, der weltgrößten Insel mitten in der Arktis. Aus sicherheitspolitischen Gründen meldet Trump Gebietsansprüche an. „Wir müssen es haben“, lässt Trump verlauten. Und aus Haben-Wollen soll ein Wir-werden-es-Bekommen werden.
Der ehrenamtlich tätige Sondergesandte Jeff Landry, Gouverneur von Louisiana, soll sich kümmern und die Insel zum Teil der Vereinigten Staaten machen. Egal, dass Grönland eigentlich autonom und politisch selbstverwaltet ist und Bestandteil des Königreichs Dänemark. Um zu zeigen, dass Trump es ernst meint, zieht er die Dealstrategie, sprich die wirtschaftliche Druckschraube, mächtig an. Prompt setzten die USA Pachtverträge für fünf große Offshore-Windprojekte vor der US-amerikanischen Ostküste aus. Zwei davon laufen über dänisch kontrollierte Unternehmen.
6.500 Kilometer entfernt liegt der zweite Schauplatz der Trump’schen Allmachtsfantasien. Vor der Küste Venezuelas werden seit September sogenannte Drogenboote attackiert. Die USA beschlagnahmen Öltanker, haben ein Großaufgebot an Militär in der Karibik stationiert. Die Trump-Regierung fordert den Rückzug des venezolanischen Präsidenten Maduro, einen Regimewechsel – und setzt offenbar auf die Ölvorkommen des Landes. Schließlich besitzt Venezuela eine der größten Ölreserven der Welt.
Hinzu kommen Seltene Erden. Rohstoffe, die die USA benötigen für die heimischen Tech-Größen. Es geht ums Geld, um die Neuordnung der Welt, um internationale Machtansprüche. Und darum, sich entsprechend unabhängig zu machen von China und Russland.
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Donalds Wunschliste
Pünktlich zum Fest der Liebe liegt also Trumps Wunschliste auf dem Tisch. Für Moskau und Peking sind die Trump’schen Ansprüche ein Grund zur Freude, bestätigen sie doch die eigenen Anstrengungen, die Welt unter den Großmächten aufzuteilen. Und Europa? Dänemark bestellt erst mal den US-Botschafter ein.
So macht man das eigentlich, wenn diplomatische Regeln gelten. Die EU sagt Grönland und Dänemark Solidarität zu, besteht auf einer Weltordnung, gegründet auf dem Völkerrecht. Dieses Konzept geht nur auf, wenn die Mächtigen sich daran halten. Leider hat Europa derzeit wenig zu melden, verhakt sich in internen Streitereien.
Ob aus den US-Wünschen Gaben der Superlative werden, hängt 2026 vom Zusammenhalt und Widerstand demokratischer Staaten ab – und davon, wie ernst die US-Machtbestrebungen genommen werden. Denn ein Irrläufer sind sie nicht.
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