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Todesstrafe in den USA Scheitern als Kalkül

Sean-Elias Ansa

Kommentar von

Sean-Elias Ansa

Dem Trump-Regime ist es nicht gelungen, Christa Pike hinzurichten. Das ist nicht überraschend. Die Risiken des eingesetzten Mittels sind bekannt.

T ennessee hat die Hinrichtung von Christa Pike abgebrochen: Das tödliche Mittel Pentobarbital geriet neben die Vene. Die Fehlinjektion verätzte das umliegende Gewebe schwer. Sie schnarchte, aber starb nicht. Pike liegt jetzt im Krankenhaus.

Das ist kein tragisches Schicksal, das niemand vorausahnen konnte. Kein Zufall. Keine Ausnahme. Es ist Kalkül.

Das hohe Risiko war bekannt, und der Staat entschied sich dennoch, die Hinrichtung zu versuchen. Hinrichtungen demonstrieren staatliche physische Gewalt. Sie passen nicht in eine Demokratie. Das sind mittelalterliche Methoden. Sie vermitteln Menschen: Habt Angst. Schaut her, wir töten sie vor euren Augen. Menschen zu töten, um sie für Mord zu bestrafen, ist grausam und kindisch. Nach dem Motto: Was du kannst, kann ich schon lange!

Im Fall von Christa Pike wählte der Bundesstaat Tennessee unter Gouverneur Bill Lee die Hinrichtung mit Pentobarbital, einem starken Schlafmittel. Grundlage dafür ist ein Protokoll, das eine „humane“ Hinrichtung ermöglichen soll. In einem Bericht des Obersten Gerichtshofs der Vereinigten Staaten (Supreme Court) kam vor der geplanten Hinrichtung befragtes medizinisches Fachpersonal zu Wort. Die Experten beschrieben, wie das Medikament grundsätzlich wirkt und wie es in Anbetracht von Pikes Gesundheitszustand bei ihr wirken dürfte.

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Demnach leidet die Todeskandidatin an einer Blutgerinnungsstörung, und sie ist übergewichtig. Sie ist durch frühen Missbrauch traumatisiert und leidet an einer Posttraumatischen Belastungsstörung. Dazu kommen schmale Venen, die sich schwer punktieren lassen. All das macht die Hinrichtung mit einer Injektion, angeschnallt auf einer Liege, problematisch: Das Blut kann verklumpen, die Venen sind nicht leicht zu finden, die Fixierung kann triggern, und selbst wenn die Venen gefunden sind, bleibt es schwer, sie zu punktieren. Wenn das Gift ins Gewebe statt in die Vene gelangt, kann es zu schweren Verätzungen kommen. Das alles beschreibt die Anästhesistin Gail Van Morgen im Bericht.

Ein Lungenödem tritt laut Joel Zivot, einem weiteren gehörten Experten, in über der Hälfte der Fälle auf. Das bedeutet, dass sich Wasser in der Lunge sammelt und ein Erstickungsgefühl einsetzt. Menschen ertrinken innerlich. „Diese Methode ist eindeutig grausam, und es ist an der Zeit, damit aufzuhören“, so der Bericht.

Nach dem Ethik-Kodex der amerikanischen Ärzteschaft dürfen Mediziner nicht an Hinrichtungen mitwirken. Daher kann unqualifiziertes Personal die Injektionen durchführen, was wiederum die Gefahr einer missglückten Punktion erhöht. Der Staat verschweigt, wer die Hinrichtung in Pikes Fall versuchte.

Christa Pike liegt nun auf der Intensivstation, nachdem alle Warnungen ignoriert und dann bestätigt wurden. Sie hat überlebt. Wie es weitergeht, ist unklar. Zumindest für dieses Jahr hat Gouverneur Bill Lee die Hinrichtungen ausgesetzt.

Nur wenige Tage nach der gescheiterten Hinrichtung gab die Trump-Regierung bekannt, dass der Inhaftierte Nidal Hasan im Dezember dieses Jahres öffentlichkeitswirksam erschossen werden soll – per Livestream übertragen. Diese absurde Form der Rache und die Erniedrigung der Betroffenen kann auch die Zuschauer traumatisieren. Es ist immer schrecklich, einen Menschen sterben zu sehen. Das alles hat nichts mit Gerechtigkeit zu tun.

Sean-Elias Ansa

Sean-Elias Ansa CvD/ freier Redakteur

Gefördert durch die taz Panter Stiftung, wurde Sean-Elias Ansa in der taz ausgebildet. Sein Themenschwerpunkt ist Armut. Er recherchiert ausdauernd und hat seine Liebe für Datenanalysen entdeckt. Aktuell arbeitet er für taz.de als Nachrichtenchef und CVD. In dieser Funktion setzt er die Themen auf der Webseite und verantwortet die Ausspielung der Texte mit.
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24 Kommentare

  • Auweiowei

    In manchen Beiträgen ist vergleichend vom "finstersten" Mittelalter die Rede. Demzufolge wären wir jetzt in der 'finstersten' Neuzeit angekommen.



    Dann dürften wir aber wohl morgen nicht mehr einfach zur Tagesordnung übergehen.



    Und wie sollen wir uns denn verhalten, wenn Trumps und Putins blindwütige Exekutionskommandos und 'modernste' Hinrichtungsapparate erst hier bei uns angekommen sind?



    Etwa abwarten und Tee trinken...?

    • Perkele

      @Auweiowei:

      Nur zur Info: wir leben nicht in der "finstersten" Neuzeit. Nicht alles ist gut oder gar perfekt, doch wir haben die Möglichkeiten einer aufgeklärten Gesellschaft mit dem Zusammenleben umzugehen. Das gab's im Mittelalter nicht. Wer auch nur eine Quäntchen an Verantwortung und Charakter hat, die/der bemüht sich um die Errungenschaften die es ohne Zweifel seit den Zeiten der Aufklärung gibt.

  • Gartenfreundin

    Ich frage mich, ob sich das Trumpregime die Folgen eines Hinrichtungsstreams deutlich macht: ich möchte auf alle Fälle verhindern, dass meine Kinder diese Bilder sehen, aber die werden sich über das gesamte Netz ausbreiten und viele traumatisierte Menschen hinterlassen.

    • Martin Rees

      @Gartenfreundin:

      Genauso wird's kommen, das war auch mit den Enthauptung-Videos des IS so. Nicht umsonst ist die Dokumentation öffentlicher Hinrichtungen in Saudi-Arabien streng verboten, dort wird mit dem Schwert enthauptet, serienweise.



      Bei zeit.de 2014



      "Exekutionen:



      Die scharfen Klingen der Saudis



      Öffentliche Enthauptungen in Riad: Saudi-Arabien ist das einzige Land, das wie der „Islamische Staat“ Menschen köpft. Das sei menschlicher als der Tod durch die Giftspritze."



      Ich plädiere dafür, die Bereitstellung solcher Videos und ihre Verbreitung strafrechtlich zur Verantwortung zu ziehen und hohen Schadensersatz von Plattformen zu fordern, die sich daran beteiligen.



      Verbote in Europa sollten nicht unmöglich sein. Die Politik ist gefordert.

  • Jutta57

    Ich bin absolut gegen die Todesstrafe. Das nur vorweg. Aber das, was der Todeskandidatin widerfahren ist, ist Ausdruck einer Ethikkommission, deren "Protokolle" ich unethisch nenne. Dieses und viel andere entsetzlichen Leiden wären nicht nötig gewesen. Jedes Tier wird humaner eingeschläfert.

  • Horst Sörens

    Wenn man die Todesstrafe schon irgendwie begründen möchte, dann höchstens dadurch, dass von dieser Person keine Gefahr mehr für die Gesellschaft ausgeht. Dem widerspricht aber , dass man bevor der Durchführung die Person Jahrzehnte im Gefängnis sitzen lässt.

  • Franz Hofer

    Ich will Trump in keiner Weise reinwaschen, aber der Satz "Dem Trump-Regime ist es nicht gelungen, Christa Pike hinzurichten. " ist angesichts der Zuständigkeiten und Abläufe doch etwas weit hergeholt.

    • Perkele

      @Franz Hofer:

      Das ist keineswegs "weit hergeholt". a) Das Mittel in der Spritze war bekannt dafür, unzuverlässlich zu sein. Wieso hat der Justizminister den Gebrauch nicht verhinder? b) Nach dem ersten Fehlversuch einen zweiten zu wagen - mit derselben Substanz - das ist bewusste Folter. No less. Selbstverständlich ist das Regime dafür verantwortlich.

    • Martin Rees

      @Franz Hofer:

      Das steht hier etwas anders:



      "US-Justiz unter Trump



      Hinrichtungen durch Erschießen und Ersticken



      Donald Trump will mehr Exekutionen auf Bundesebene. Zudem soll die Bandbreite der Tötungsmethoden erweitert werden, heißt es in neuen Anweisungen des US-Justizministeriums."



      taz.de/US-Justiz-unter-Trump/!6173993/



      Weiter dort:



      "Das US-Justizministerium hat am Freitag (Ortszeit) Anweisungen erteilt, Todesurteile auf Bundesebene zügiger und auch mit selten angewendeten Methoden wie Ersticken und Erschießen zu vollstrecken. Die Neuerungen in dem 48-seitigen Dokument machten Maßnahmen von Trumps Vorgänger Joe Biden rückgängig. Bidens Justizminister Merrick Garland hatte 2021 ein nationalstaatliches Hinrichtungsmoratorium ausgesprochen und Biden hatte die Todesstrafen von 37 zum Tod Verurteilten in lebenslange Haft umgewandelt.



      Donald Trumps amtierender Justizminister Todd Blanche erklärte am Freitag, Biden habe Opfern von Verbrechen „unsagbaren Schaden“ zugefügt. Das Justizministerium bewilligte die in vielen Bundesstaaten gebräuchliche Giftspritze als Hinrichtungsmethode."



      Offensichtlich doch im Weißen Haus zu adressieren als "in die Köpfe der Justiz gepflanzt"!😳



      Im Namen des...?

  • Perkele

    Bei Hinrichtungen, die im ersten Versuch gescheitert waren, wurden selbst im finstersten Mittelalter die Opfer sofort begnadigt. Man sah das als ein Zeichen des Himmels an. Das war zu einer Zeit, als man von Zivilisation und Aufklärung noch nichts kannte. Heute, im Jahr 2026 werden bewusst !!! in einer hochchristlichen Nation -wie sich die USA sehen- Menschen gefoltert. Die Erwägung, Hinrichtungen demnächst direkt im TV zu zeigen, unterstreicht die Barbarei dieses Regimes. Die zunehmende Verkommenheit der US-Gesellschaft, die solche Perversitäten offenbar schweigend duldet, wird immer deutlicher. Eine schöne Christenheit ist das.... Ekelhaft!

    • Ingo Bernable

      @Perkele:

      "Bei Hinrichtungen, die im ersten Versuch gescheitert waren, wurden selbst im finstersten Mittelalter die Opfer sofort begnadigt."



      Das würde natürlich erklären warum gern zu Methoden wie aufs Rad flechten oder Pfählen griff. Wer nicht unmittelbar an den zugefügten Verletzungen starb, was oft auch gar nicht gewollt war, verendete dann eben erst nach einigen Tagen durch Wettereinfluss, Dehydrierung, Blutverlust, ...



      Und selbstverständlich stand all das auch gar nicht in Widerspruch zum christlichen Glauben, denn schließlich konnte die unsterbliche Seele des Delinquenten nur durch endliche irdische Qualen vor endlosen Höllenqualen gerettet werden. Die zugefügten Martern waren also letztlich praktizierte Nächstenliebe.

      • Perkele

        @Ingo Bernable:

        Ach so ist das!? Und dahin wollen die Maga-Typen zurück?!

  • Troll Eulenspiegel

    Ich verweigere hier übrigens den Pluralismus, wenn Menschen die Todesstrafe tatsächlich als gerechtfertigt ansehen. Christa Pike ist ein Beispiel, wie grausam die Prozedur verlaufen kann.

  • Martin Rees

    Am 25.04.26 appelliert Leo XIV., der 1955 als Robert Francis Prevost in Chicago geboren wurde:



    "In einer Rede für eine US-Universität hat Leo XIV. die weltweite Abschaffung der Todesstrafe gefordert - sie sei nach der Lehre der Kirche unzulässig. Kurz zuvor hatte die US-Regierung angekündigt, die Todesstrafe auszuweiten.



    Papst Leo XIV. dringt auf eine weltweite Abschaffung der Todesstrafe. In einer Videoansprache an die DePaul University in Chicago sagte das Oberhaupt der katholischen Kirche, die Todesstrafe sei nach der Lehre der Kirche unzulässig, "weil sie einen Angriff auf die Unverletzlichkeit und Würde der Person darstellt". Anlass für die Rede war der 15. Jahrestags der Abschaffung der Todesstrafe im US-Bundesstaat Illinois, aus dem der Papst stammt."



    Quelle tagesschau.de



    /



    Todesstrafe ist inhuman.



    Todesstrafe ist unchristlich.



    Todesstrafe ist keine Lösung, sondern ein Problem.



    "Wenn Tradition durch den "Geist der Heiligen Schrift" revidiert wird



    "Musterbeispiel" Todesstrafe: So ändert sich Kirchenlehre"



    Der Vorgänger laut katholisch.de



    "In "Fratelli tutti" hat Papst Franziskus seine Ablehnung der Todesstrafe erneuert. Ihre Ächtung ist seit 2018 Kirchenlehre – nachdem..."

  • Berliner99

    Ich bin gegen die Todesstrafe, auch weil ich die Aussicht, das restliche Leben im Gefängnis zu sitzen, eher für eine noch härtere Bestrafung halte. Aber wenn man sie schon durchführt, wäre die Guillotine eine sehr viel humanere Variante, wenn man davon in dem Zusammenhang sprechen kann. Die kann man nicht überleben und es ist definitiv direkt vorbei.

  • Nanuni

    Wir sind längst in der Dystopie angekommen wenn Menschen vom Staat im Livestream erschossen werden sollen.

  • Martin Rees

    Aus ärztlicher und humanistischer Sicht, in dieser Einordnung bin ich mit vielen Kolleg:innen derselben Meinung, geht es kaum grausamer als in diesem abgelieferten Horrorszenario: Hier entmenschlicht sich eine Gesellschaft mit ihrer Rechtsprechung, die demnächst auch noch öffentlich erschießen lassen will, auf das Schlimmste.



    Meiner Meinung nach ist 'Hinrichtung' als Bezeichnung für diese staatliche Schandtat eine völlig ungeeignete Bezeichnung, die auch im Kontext der Medien vermieden werden sollte.

  • Agarack

    Man darf eines nicht vergessen: Die "Giftspritze" (Lethal Injection) wurde nicht eingeführt, um die Todeskandidat*innen zu schonen, sondern die Zuschauer*innen. Alle tödlichen Injektionsmethoden sind bei halbwegs gesunden Menschen potenziell extrem qualvoll.

  • Tinus

    "... der Inhaftierte Nidal Hasan soll im Dezember dieses Jahres öffentlichkeitswirksam erschossen werden – per Livestream übertragen."

    Natürlich zur besten Sendezeit ... mit Werbesekunden, die Millionen kosten ... und Superbowl Pausenclown! ... Es ist abscheulich und man kann nur hoffen, dass sich kein Sender dafür findet!!! ... wahrscheinlich vergeblich.

    • TerryX

      @Tinus:

      Fehlt nur noch die Exklusivausstrahlung bei Trump TV, natürlich hinter der Bezahlschranke.....

  • passthedutchie

    Das hat auch nichts mit Strafe oder Abschreckung zu tun. Daß das BS ist, beweisen zig Studien, und lässt sich schon allein dadurch zeigen, daß Länder, die die Todesstrafe praktizieren, keine niedrigere Verbrechensquote haben.



    Das ist politisches Kalkül. Die zum Tode Verurteilten werden auf Vorrat gehalten. Oft, wie in diesem Fall, für Jahrzehnte. Wenn eine Wahl für Rechtskonservative ungünstig auszugehen droht, wie in diesem Fall, werden die hervorgeholt. Der im öffentlichen Bewußtsein längst vergessene bzw. unbekannte Fall wieder wieder aufgewärmt, all das Leid der Opfer nochmals durch die Mediengülle gezogen, Hass hochgekocht, um dann in vereinter Wut die Selbstbefriedigung einer "harten Strafe" zu erleben, so, wie man sie nur von den Bürgerlichen kriegt: "streng aber gerecht."

    Gegen die Todesstrafe spricht noch ein ganz pragmatischer Grund: Wer weiß, zum Tode verurteilt zu werden, lässt sich doch nicht aufhalten, sondern ballert ohne Vorwarnung los. Man kann nur einmal hängen. Also auch Maschinengewehre im Anschlag bei Routinepolizeikontrollen. Super Konzept!

    "Schön", daß die Deppen, die dies nicht kapieren, gerade wieder massiv auf dem Vormarsch sind.



    ...pass the dutchie!

    • PeterArt

      @passthedutchie:

      " und lässt sich schon allein dadurch zeigen, daß Länder, die die Todesstrafe praktizieren, keine niedrigere Verbrechensquote haben." Da würde ich die Kausalität eher andersherum sehen, wenn überhaupt eine vorliegt.

  • SJG

    Der Artikel an sich beschreibt das Vorgehen der Regierung und ihre Motivation recht gut.



    Die Überschrift, dass es nicht tragisch wäre ist schon etwas zynisch angesichts des Leids der Personen die hingerichtet werden sollten. Ungeachtet ihrer Straftaten bleiben sie weiterhin Menschen und das zugefügte Leid ist sehr wohl als tragisch zu bezeichnen.

    • Strolch

      @SJG:

      Ich glaube, Sie missverstehen den Autor. Er möchte unterstreichen, dass es vorhersehbar und bekannt war, dass dies mit hoher Wahrscheinlichkeit passieren kann. Ich habe diesen Satz zumindest nicht als zynisch empfunden.