Neue Omikron-Variante : Mit BA.5 durch den Sommer
Während die Politik auf den Herbst schaut, breitet sich jetzt schon die neue Corona-Untervariante aus. Vorbereitet auf eine neue Welle ist niemand.
D er Herbst war mal eine schöne Jahreszeit. Inzwischen ist er zum Alibi der deutschen Gesundheitspolitik degeneriert. Im kommenden Herbst, so heißt es, könne Corona zurückkehren. Man müsse sich also auf den Herbst vorbereiten, Schulschließungen im Herbst vermeiden, den Ländern etwas für den Herbst an die Hand geben, um der im Herbst nahenden Gefahr zu begegnen. Mit Blick auf den Herbst soll es eine Impfkampagne geben, dann aber richtig!
Am Mittwochnachmittag hat zudem der Expertenrat eine Empfehlung abgegeben, angekündigt wurde sie als Vorbereitung auf den Herbst. Mal sehen, was von den qualifizierten Ratschlägen dann noch übrig sein wird, wenn die FDP erst einmal wieder unqualifiziert dagegen geätzt hat.
Das Tolle am Coronaherbst ist, dass er Deutschland sorglos durch den Sommer segeln lässt. Oder ließe, denn da ist ja noch BA.5. Die neue Omikron-Variante zeigt, dass Corona gar nicht wiederkehren muss. Das Virus ist immer noch da. In Portugal breitet es sich rasant aus. In Deutschland steigt die Inzidenz ebenfalls – ausgehend von einem Niveau übrigens, das über dem Höhepunkt der ersten Welle liegt. Der Anteil von BA.5 an den Neuinfektionen hat sich dabei binnen einer Woche verdoppelt. Und fragt man die Expert:innen statt nach dem Herbst nach dem Sommer, dann ist auf einmal von einer Sommerwelle die Rede.
Wie schlimm diese Welle werden wird, ist noch offen. Fest steht aber, dass BA.5 es nach dem Fall der Reisebeschränkungen, der Test- und Maskenpflichten, nach der Totalaufgabe aller Vorsicht sehr leicht haben wird, sich schon im Sommer ausgiebig zu verbreiten. Zusätzlich hilft dem Erreger, dass eine allgemeine Impfpflicht komplett vom Tisch ist und aktuell nur knapp 19 Prozent der über 60-jährigen Deutschen einen umfassenden Impfschutz mit zweifacher Auffrischung haben.
Es wird deshalb wieder mehr schwere Verläufe geben, mehr Todesfälle, mehr Dringlichkeit zum Handeln. Nicht erst im Herbst. Sondern jetzt.
Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen
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