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Krieg und TreibstoffpreiseWenn Öl und Gas zur Waffe werden

Ulrike Herrmann

Essay von

Ulrike Herrmann

Fossile Brennstoffe sind unverzichtbar. Daran ändert auch die Energiewende nichts. Das macht schwache Länder stark – und Donald Trump jetzt machtlos.

Öl und Gas sind immer noch unersetzlich, was sie zu potenten Waffen macht Illustration: Katja Gendikova

Ö l ist immer ziemlich knapp – auch zu Friedenszeiten. Nachfrage und Angebot gleichen sich fast aus. Sobald auch nur ein bisschen Öl fehlt, steigen sofort die Preise. Dieser Mechanismus zeigte sich etwa im März 2021, als das Containerschiff „Ever Given“ im Suezkanal havarierte und für sechs Tage diese wichtige Seeroute versperrte. Schon am ersten Tag stieg der globale Ölpreis um 6,4 Prozent, weil nun Knappheiten befürchtet wurden.

Öl und Gas sind immer noch unersetzlich, was sie zu potenten Waffen macht. Der Iran ist ein armes Land, aber die Chancen stehen gut, dass die Mullahs die Supermacht USA schlagen und ihr strategisches Ziel erreichen, in Teheran an der Macht zu bleiben. Denn der Iran hat die Straße von Hormus gesperrt, durch die etwa 20 Prozent der globalen Öl- und Gasförderung transportiert werden. Das ist eine gigantische Menge, die sich nicht so schnell ersetzen lässt.

Vor dem Irankrieg wurden pro Tag etwa 20 Millionen Barrel Öl durch die Straße von Hormus verschifft. Zum Vergleich: Russland exportiert täglich 7 Millionen Barrel, ist also ein relativ kleiner Player auf dem globalen Ölmarkt. Aber selbst auf das russische Öl kann die Welt nicht verzichten, wie zu Beginn des Ukrainekriegs deutlich wurde. Kaum ließ Präsident Wladimir Putin seine Truppen ins Nachbarland einmarschieren, schossen die Preise für Öl und Gas weltweit nach oben.

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Deutsche Autofahrer waren schockiert, als im März 2022 an den Tankstellen 2,26 Euro für einen Liter Benzin fällig wurden. Der Fall Russland ist lehrreich, um die jetzigen Probleme im Irankrieg zu verstehen. Da Öl so knapp ist, hat der Westen 2022 darauf verzichtet, ein Embargo gegen russisches Öl und Gas zu verhängen. Man wollte sich nicht selbst schaden. Stattdessen einigten sich die G7-Staaten, die Europäische Union sowie Australien auf eine „Preisgrenze“: Reedereien dieser Länder durften russisches Rohöl nur noch transportieren, wenn der Preis nicht höher als 60 Dollar pro Barrel lag. Auch Versicherungen durften Schiffe nur unter Vertrag nehmen, wenn dieser Höchstpreis eingehalten wurde.

713 Milliarden Euro für Moskau

Putin legte sich zwar eine „Schattenflotte“ aus alten und maroden Tankern zu, musste aber trotzdem Einbußen hinnehmen, weil das russische Öl weltweit mit Abschlägen gehandelt wurde. Die Preisdifferenz lag meist bei 10 bis 15 Dollar pro Barrel, was umgerechnet bedeutete, dass Russland pro Jahr rund 25 Milliarden US-Dollar entgingen. Das war durchaus ein Erfolg für den Westen, hat aber die russischen Öleinnahmen nur leicht geschmälert: Seit Beginn des Ukrainekriegs hat Russland geschätzte 713 Milliarden Euro durch seine Ölexporte kassiert. Davon stammten 107 Milliarden Euro aus der EU.

Manche Oppositionspolitiker empfinden es als Skandal, dass die EU kein Embargo gegen russisches Öl beschlossen hat. Dazu gehört der linke Parteichef Jan van Aken, der in seinem Buch „Worte statt Waffen“ schreibt: „Das Argument, dass ein Ölembargo uns hier in Deutschland stärker getroffen hätte als Russland, trägt nicht. Es ist am Ende eine Frage des Geldes, und Geld war ja ganz offensichtlich genug da.

Die Bundesregierung hat direkt nach der russischen Aggression ein 100-Milliarden-Euro-Paket für Aufrüstung beschlossen, um Russland militärisch zu begegnen. Mit einem 100-Milliarden-Paket für eine nachhaltige Energiewende – und für die Dämpfung der Energiepreise für Verbraucherinnen – hätte man Russland den Geldhahn abdrehen und alle Folgen eines Ölembargos problemlos auffangen können. Es war eine politische Entscheidung gegen den zivilen und für den militärischen Weg.“

Jan van Aken begeht gleich drei Denkfehler. Zunächst einmal verwechselt er die Zeitebenen. Natürlich ist es unerlässlich, dass Europa auf nachhaltige Energie umstellt. Aber Solarpaneele und Windräder müssen erst einmal hergestellt und installiert werden, bevor sie Strom liefern. Bis dahin vergehen Monate bis Jahre, während Russlands Öl auf den Weltmärkten sofort fehlt, wenn es zu einem Embargo kommt. Zudem verwechselt van Aken die Energiearten: Solarpaneele und Windräder liefern Strom und könnten Öl kurzfristig gar nicht ersetzen.

Fein raus ist, wer einen Stromer fährt

Die meisten Europäer, zum Beispiel, fahren immer noch Verbrenner, die Benzin und Diesel benötigen. E-Autos sind leider selten. Und schließlich wäre es kontraproduktiv, die Ölpreise staatlich zu subventionieren. Wenn die Preise für die Verbraucher sinken, legt die Nachfrage zu – aber das weltweite Angebot wäre durch das Ölembargo trotzdem knapp geblieben. Also wären die Ölpreise weiter gestiegen. Die Subventionen hätten zwar sehr viel Geld verschlungen, ihre Wirkung wäre aber verpufft, und sie hätten nur die Kassen der Ölexporteure gefüllt.

Schon der Ukrainekrieg hat gezeigt, wie sehr die Welt auf jedes Barrel Öl angewiesen ist – und beim Irankrieg geht es jetzt um die dreifache Menge. Wenn die Straße von Hormus nicht bald wieder befahrbar ist, werden die Ölpreise in unbekannte Höhen schießen. Es ist erstaunlich, dass Trump nicht erkannt hat, dass Öl und Gas zu Waffen würden. Offenbar glaubte er an einen Blitzkrieg und dachte, dass es reichen würde, den iranischen „Revolutionsführer“ Ali Chamenei zu töten.

Zudem scheint es in seinem Denken eine große Rolle zu spielen, dass die USA der weltgrößte Ölproduzent und auf Importe nicht angewiesen sind. Ein typischer Post von Trump klingt so: „Die Straße von Hormus muss von den Ländern geschützt und kontrolliert werden, die sie nutzen – die Vereinigten Staaten sind das nicht!“ Trump scheint die USA für eine Insel zu halten, die sich ungestört ihrer gigantischen Öl- und Gasvorräte erfreuen kann. Ein verhängnisvoller Irrtum.

In Wahrheit gelten die Weltmarktpreise auch in den Staaten, sodass Autofahren in den USA rasant teurer wird. Zwar könnte Trump die heimischen Ölkonzerne zwingen, ihren Sprit zu Vorkriegspreisen zu verkaufen und sich mit den normalen Gewinnen aus Friedenszeiten zufriedenzugeben. Doch bisher zeigt der US-Präsident wenig Neigung, die Ölmilliardäre zu verärgern, die seinen Wahlkampf finanziert haben. Zudem wirken die globalen Ölpreise indirekt auf die US-Wirtschaft zurück.

Für Trump wird es enger

Es ist banal: Die meisten Länder rutschen in eine Rezession, wenn Öl knapp und teuer wird. Die amerikanischen Exporte würden sinken. Gleichzeitig gingen die globalen Aktienmärkte auf Talfahrt, was auch die US-Börsen hart treffen und die Rentenpläne vieler Amerikaner durcheinanderbringen würde, die ganz auf private Altersvorsorge gesetzt haben. Und wenn die Aktienkurse erst einmal fallen, könnte auch die KI-Blase platzen, die sich an den US-Börsen aufgepumpt hat.

Noch ist unklar, wann diese KI-Blase Luft ablässt und wie schlimm die Kurskorrektur wird. Falls aber die Straße von Hormus lange geschlossen bleibt, würde der Aktiencrash garantiert schon bald stattfinden und Trump die Kongresswahlen im November verderben. Inzwischen hat auch Trump bemerkt, wie gefährlich der Irankrieg für ihn ist. Systematisch testet er sein Wording aus. Wann immer er auf seinem Kanal „Truth Social“ verkündet, dass der Irankrieg „bald“ zu Ende sei, gehen die Aktienkurse steil nach oben und der Ölpreis fällt. Sobald er neue Attacken androht, ist es umgekehrt.

Bleibt nur ein Problem für Trump: Es liegt gar nicht mehr in seiner Entscheidungsgewalt, wann Öl und Gas wieder fließen. Das bestimmt allein der Iran. Das Land hat noch genug Seedrohnen, Seeminen, Drohnen und ballistische Raketen, um Tanker anzugreifen. Teheran wird einen hohen Preis dafür verlangen, die Straße von Hormus wieder zu öffnen – zumal die Mullahs genau wissen, dass schlechte Wirtschaftsdaten verlässlich dafür sorgen, dass Trumps Republikaner die Mehrheiten im US-Kongress verlieren.

Trump wollte einen Regime Change in Iran herbeiführen, doch stattdessen könnte die Führung in Teheran einen Regime Change in Washington provozieren

Trump wollte einen Regime Change im Iran herbeiführen, doch stattdessen könnte der Iran einen Regime Change in Washington provozieren. Er ist jetzt so verzweifelt, dass er den Iranern erlaubt, ihr Öl zu verkaufen. Ausgerechnet der Feind darf also Kasse machen, weil die Ölpreise noch weiter steigen würden, wenn auch das iranische Öl fehlen würde. Rohstoffarme Staaten wie Deutschland sind diesen Ölkonflikten hilflos ausgeliefert. Da bleibt nur die Energiewende – wobei Wärmepumpen besonders effizient sind.

Die Union steht nun blöd da mit ihrer „Heizungshammer“-Kampagne, die die Wärmepumpe faktenfrei verteufelt hat. Kompetenz sieht anders aus und wird jetzt bei CDU und CSU hoffentlich nachgerüstet. Allerdings wäre es übertrieben, die Energiewende als Allheilmittel zu preisen. Der Weg ist noch sehr weit, bis Deutschland ohne Öl und Gas auskommt. Derzeit decken Sonne und Wind nur 10 Prozent des deutschen Endenergiebedarfs ab. Und so bleibt als Erkenntnis aus dem Irankrieg: Öl und Gas sind Waffen, die man nicht ignorieren sollte.

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Ulrike Herrmann
Wirtschaftsredakteurin
Ulrike ist seit 2000 bei der taz. Nebenher schreibt sie Bücher. Das neueste heißt "Geld als Waffe. Wie die Wirtschaft über Krieg und Frieden entscheidet" und erscheint am 12. März 2026.
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25 Kommentare

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  • "Allerdings wäre es übertrieben, die Energiewende als Allheilmittel zu preisen."



    Wie wahr.



    Man erinnere sich z.B. an Habecks Suche nach "Wasserstoffpartnerschaften", die neue Abhängigkeiten schaffen. U.a. in der Golfregion...



    Vorsicht beim Ersatz von alten Abhängigkeiten durch neue Abhängigkeiten.

  • Mit der Rückkehr von Donald Trump ins Weiße Haus steuert die Welt auf einen energiepolitischen Suizid zu. Sein manisches „Drill, baby, drill“ ist kein Befreiungsschlag, sondern die totale Kapitulation vor der fossilen Abhängigkeit. Während er den Klimaschutz zertrümmert, liefert er uns schutzlos der nächsten Öl- und Gaskrise aus. Trumps Ignoranz gegenüber geopolitischen Realitäten macht die Straße von Hormus zum globalen Pulverfass: Ein Funke im Nahen Osten genügt, um die fossile Weltwirtschaft zu sprengen, während Trump den Brandschutz durch Deregulierung ersetzt hat.



    ​Jeder Cent, den wir in sterbende Industrien pumpen, statt massiv in nachhaltige Energien zu investieren, ist ein Kniefall vor den Öldiktatoren dieser Erde. Wer den Ausbau von Wind und Sonne aus ideologischem Trotz bremst, finanziert indirekt den nächsten Krieg um Ressourcen. Echte Souveränität gibt es nur durch Energieunabhängigkeit. Trumps fossiler Größenwahn ist das Gegenteil von Stärke – es ist die freiwillige Auslieferung an die Instabilität. Wir brauchen die Energiewende jetzt, nicht als grünes Projekt, sondern als einzige Brandmauer gegen das Chaos eines entfesselten fossilen Despotismus!

  • Lehrreicher Artikel für mich.

    Danke.

    Aber schwierig, wen man dann beim nächsten Mal wählen kann, wenn man will, dass es wirtschaftlich laufen soll.

    Die Linke hat das Problem gar nicht erst verstanden.

    Die CDU hat es vielleicht verstanden, ignoriert es aber aus strategischen Gründen.

    Bleiben nicht mehr viele Parteien übrig.

  • Jede internationale Krise zeigt auf wie verwundbar Deutschland aufgrund der fossilen Abhängigkeiten ist, und trotzdem wählen die Menschen genau die Parteien, welche nix dagegen tun. Muss man wohl nicht verstehen.



    Dummheit wird am Ende aber meist bestraft.

    • @Okti:

      Das zeigt doch aber auch, dass die Mehrheit der deutschen Bevölkerung keinen Tau von energiepolitischen Themen hat. Sie verlassen sich lieber darauf, dass die Politik (insbesondere die CDU) die Energiekrise schon meistern wird, setzen sich auch weiter in den Flieger, um schnell ins Urlaubsparadies zu kommen („Krieg im Golf? War da was?“) und fallen auf Anti-Heizungsgssetz-Kampagnen von Bild, CDU und AfD herein.



      Nur offensichtlich schaffte es der „große Meister“ Robert Habeck (als der er vielen Grünen-Anhängern immer noch gilt) auch nicht, dem Wahlvolk Sinn und Nutzen seines im Grundsatz in die richtige Richtung weisenden Gesetzes entsprechend zu kommunizieren. Meisterstück versaut.

    • @Okti:

      +1

  • „ Wenn die Straße von Hormus nicht bald wieder befahrbar ist, werden die Ölpreise in unbekannte Höhen schießen. Es ist erstaunlich, dass Trump nicht erkannt hat, dass Öl und Gas zu Waffen würden.“

    Was wäre denn, wenn Trump dies erkannt hat?



    Wenn er gesehen hat, dass die Übergewinne der fossilen Konzerne zu Beginn des Ukraine Kriegs zu 80% bei den reichsten 0,1% Menschen gelandet sind.



    Und wenn er gesehen hat, dass die EU ihre Übergewinnsteuer 2025 wieder abgeschafft hat?

    Ich finde bei Trump passt es einfach so gut wie immer, wenn man versucht eine Verbindung aus vermeintlich blöden Entscheidungen auf persönliche (oder familiäre) Bereicherung zu ziehen.



    Er kann zudem nicht wiedergewählt werden.



    Und er regiert hauptsächlich mit Dekreten am Kongress vorbei.



    Sogar die Midterms können ihm dann egal sein.

    Also wenn man davon ausgeht, dass es allein darum geht in den nächsten drei Jahren möglichst viel Geld für sich und seine Buddy’s zu erzielen, sind Trumps Aktionen alle recht zielgerichtet.

    • @KlausT15:

      Wenn Trump damit gerechnet hätte, hätte er - wie er selbst einst versprach - die US-Ölreserven auffüllen lassen. Und zwar vor dem Krieg.

      Denn auch Militär braucht Öl. im Kriegsfall sogar in rauhen Mengen.

  • „Russland exportiert täglich 7 Millionen Barrel,....."



    Was sich seit gestern auch erledigt hat, zumindest für die nächsten Monate.

  • Das Szenario war insgesamt vorhersehbar. Es wäre nicht verwunderlich, wenn wir, zum Beispiel zu dem Zweck der Selbstbereicherung, genau dorthin sollten, wo wir jetzt stehen.

  • Die Perspektive eines Regimechange in Washington durch den Iran stimmt mich hoffnungsfroh.Meinetwegen könnte



    auch das Militär in Amerika putschen, bevor wieder tausende Soldaten ihr Leben verlieren.Ehrlich gesagt ist mir fast jedes Mittel recht, um den Faschisten im weißen Haus loszuwerden.Wir brauchen wieder Demokraten im weißen Haus, um die Nato zu reaktivieren. Dafür bete ich sogar.

  • Das Eingangsstatement "Fossile Brennstoffe sind unverzichtbar. Daran ändert auch die Energiewende nichts." ist vollkommen falsch. Die Energiewende wird genau das ändern und entweder ist Deutschland vorne dabei oder muss die Technologien unter Verlust von Arbeit einkaufen.

    Genauso falsch ist die Behauptung "E-Autos sind leider selten." Nein, Elektrofahrzeuge kann man längst problemlos kaufen und schon seit 18 Jahren fahren, wenn man, das will und zB so wie ich, einfach macht.

    Und nachdem die Leser im Sinne der fossilen Abhängigkeit zum "Weiter so" animiert wurden, wird am Ende daraus ein Vorwurf an Regierung formuliert. Schade, der Vorwurf ist zwar vollkommen berechtigt, aber das könnte auch so formuliert werden, dass daraus eine positive Motivation für die Leser entstehen kann. Man kann zB beginnen, diese fossile Sackgasse im eigenen Bereich abzubauen. Und wenn es zB nur ein Balkonkraftwerk, ein Elektrofahrzeug oder eine Wärmepumpe ist.

    • @Bauer Gerry:

      „Das Eingangsstatement "Fossile Brennstoffe sind unverzichtbar. Daran ändert auch die Energiewende nichts." ist vollkommen falsch..... "

      Das sie als Brennstoffe verzichtbar wären - vielleicht.



      Ich weiß ja nicht, wie sie so Leben. Sie werden bestimmt irgend was mit Erdöl an haben, in ihrer Wohnung/Haus herumstehen haben, die sitzen vermutlich grad drauf, oder das „Futter" für uns muss gedüngt werden.



      In dieser Beziehung wird es wohl weiter unverzichtbar bleiben und in diesem Zusammenhang wird das Frau Hermann auch gemeint haben.

    • @Bauer Gerry:

      Frau Herrmann bezieht sich bei der Energiewende wohl auf den heutigen Stand und das, was in den nächsten Jahren realistisch erreichbar ist.

      Und ja. E-Autos sind noch selten. Auf der Straße.

      • @warum_denkt_keiner_nach?:

        Der heutige Stand der Energiewende ist eine Folge der (teuren) Verschleppung. Wenn man die Ausbaukurven von Windkraft und PV anschaut, dann sieht man riesige Einbrüche zwischen 2013 und 2023. Wir wären schon viel unabhängiger von fossiler Energie, wenn man das wenigstens konstant, geschweige denn dynamisch wie zB in China ausgebaut hätte.

        Und noch ein Irrtum. Elektrische Energie ist 3-5 Fach effizienter als fossile Energie. Das gilt zB sowohl für Wärmepumpen wie auch für Elektrofahrzeuge. Der Vergleich von Frau Herrmann hinsichtlich der Primärenergie ist daher auch falsch. Mit einem Drittel elektrischer "Primärenergie" kann die gesamte fossile Primärenergie ersetzt werden.

        Kein Auto und kein Haus braucht einen Schornstein, außer Häuser mit Holzheizung. Das müsste unser Anspruch sein. Und am besten bei sich selbst anfangen, anstatt mit dem Finger auf andere zeigen. Das ist zumindest mein Motto. Und daher habe ich mir vor 18 Jahren schon ein TWIKE gekauft, das bis heute noch elektrisch und mit Pedalen fährt. Natürlich sind auch andere Elektrofahrzeuge in der Familie dazu gekommen, so dass seit 3 Jahren die gesamte Verwandtschaft elektrisch fährt. Und alle sind darüber glücklich.

        • @Bauer Gerry:

          Inwiefern ist elektrische Energie 3-5 fach effizienter? Sie spielen wahrscheinlich auf die Waermepumpe an. Eine Luft-Waerme-Pumpe hat im Gesamtsystem eine realistische JAZ von 2,5 -3,5 und das nur, wenn das Haus "luftdicht" verpackt ist, was kostet. Wenn der Strom im Winter hauptsaechlich aus Gas und Kohle kommt, verlieren Sie wieder, da Kraftwerke eine Effizienz von 35 bis 65 % haben, aber zB eine moderne Gasheizung von grosser 95%. Wandeln Sie stattdessen im Sommer Strom in Wasserstoff um, haben Sie ebenfalls enorme Verluste durch die Umwandlung. Genauso haben Sie Verluste wenn Sie mittels Akkus Strom speichern, die werden nicht umsonst beim Laden heiss und entladen sich mit der Zeit dazu noch von selbst.

          Es bringt einfach nichts elektrische Energie an den physikalischen Gesetzen vorbei blind zu bejubeln und deren Probleme zu ignorieren, sonst passiert das, was wir in Deutschland beobachten koennen: Enorme Kosten bei geringer CO2-Reduzierung.

        • @Bauer Gerry:

          Ist alles richtig, was sie anführen. Aber wir können die Zeit nicht zurückdrehen und Fehler korrigieren. Wir müssen vom heutigen Stand ausgehen. Und der ist schlechter, als er sein könnte.

          Der traurigste Teil ist, dass Politiker, die fossil predigen, gerade Oberwasser haben.

  • Für die meisten Deutschen machen sich die gestörten Lieferketten bzgl Öl aktuell vor allem an ca 20% höheren Spritpreisen bemerkbar.



    Das ist allerdings bei Weitem nicht die größe Herausforderung. Öl ist auch Rohstoff für Kunststoffe und viele essentielle Chemieprodukte.



    Da drohen momentan noch ganz andere Herausforderungen, in Asien (wo vielfach Öl aus der Golfregion bezogen wird) rechnet man momantan mit ernsthaften Produktionsengpässen in ca 6 Wcohen. Und dann geht es um ganz andere Dinge - Lebenmittelverpackungen, Medizinprodukte, Ersatzteile usw.



    Bei aller Sympathie für E-Mobilität - am Öl hängen momentan noch ganz andere Dinge als der deutsche Individualverkehr.

  • Liebe taz, bitte verbreiten Sie diesen Kommentar mal in RIchtung unseres bundesdeutschen Wirtschaftsministeriums: Frau Reiche, Wirtschafts- und Energieministerin, plant nun, die Pendlerpauschale zu erhöhen. Sollte sie nicht vielmehr e-Autos auch für Menschen mit einem geringen Einkommen erschwinglich machen, für viel mehr Ladepunkte auch an Wohnblöcken sorgen, den Weg weg von der fossilen Energie zum Heizen einfacher machen? Hilf, Herr, schick Hirn vom Himmel. So sind das alles trübe Aussichten für Deutschlands Normalos.

  • "...erstaunlich, dass Trump nicht erkannt hat...



    Trump bemerkt...Trump wollte..."



    Es ist erstaunlich, dass Ulrike Herrmann überhaupt davon ausgeht, dass dieser gemeingefährliche Schwachkopf irgendetwas durchdachtes tut und dabei irgendwelche strategischen Überlegungen anstellen könnte.



    Wahrscheinlicher ist, dass er und seine Entourage Dinge tun und absondern, von denen sie wissen, wie die Aktienkurse darauf reagieren und die Selbstbereicherung am drehen halten.



    Wir haben es wohl eher mit einer Horde Affen zu tun, die gelernt haben Hebel zu ziehen und damit Leckerlis zu bekommen. Wenn aber jemand anderes als sie an die Hebel will, gibt es richtig Ärger.



    Und diese Affen haben sogar Atomwaffen. Wirklich rosige Aussichten...

    Was von dieser Truppe zu halten ist, sagt die strunzdämliche Geschichte um von Trump die verschenkten Schuhe.

    • @Nansen:

      Eine Weitfunktion wäre auch nett hier

      • @Nansen:

        Edit statt Autokorrektur 😵‍💫

  • Wir sollten viel dafür tun, damit Kriege ums Öl nicht mehr unsere Wirtschaft bedrohen. Erneuerbare Energie ist nicht nur Klimaschutz, sondern schützt auch unsere Ökonomie - zumindest ein Stück weit. Das Bedrohungspotential wird erst wegfallen, wenn auch die Länder, mit denen wir Handel treiben, unabhängig vom Öl sind.

  • Ein sehr guter Kommentar zum Energiekrieg.

    Ich möchte noch ergänzen:

    Erstmal denkt Trump sicher nicht langfristig und auch nichts vom Ende her. Es wird einen Grund haben, dass alle US-Administrationen beginnend mit Jimmy Carter von Angriffen auf den Iran absahen.

    Donald Trump mag sich rühmen, als erster die "guts" gehabt zu haben, es zu tun, aber natürlich ist es gesamtwirtschaftlich extrem kurzsichtig und dumm.

    Anders sieht es bei individuellen Akteuren aus: Es wird auch bekannt gewesen sein, welchen Geldregen ein Krieg gegen den Iran für die Kassen von Trumps Öl- und Gasbuddys bewirken würde.

    All die Abhängigkeiten, in denen sich die deutsche Wirtschaft befindet, sind seit Jahrzehnten bekannt. Spätestens seit der Ölkrise in den 70ern.

    Da hätten doch lange vor Habecks Wärmepumpen Maßnahmen ergriffen werden müssen, das Land resilienter zu machen: bei Heizung, Infrastruktur für Elektromobilität, Schiene vor Straße usw.

    Nicht nachvollziehbar, warum sich hier nicht viel früher um Diversifizierung gekümmert wurde.

    • @Stavros:

      Die Diversifizierung gab es schon einmal. Aber Kernkraft und Steinkohle (mit Förderung im eigenen Land) wurde abgeschafft, Braunkohle wird gerade abgeschafft, Wind weht nicht immer und nachts scheint keine Sonne... vielleicht doch einen Generator mit Tretantrieb anschaffen und dann fleissig strampeln?