Koalitionsmöglichkeiten der SPD: Nein zu R2G ist keine Option

Die Angst in deutschen Landen vor dem Kommunismus überwiegt bisweilen die Sorge vor der Klimakrise. Dennoch sollte Scholz R2G vorerst nicht absagen.

Die Parteiführung der LInken vor einem Wahlkampfplakat. Jetzt steht in großen Buchstaben neben den beiden PolitikerINnen

Ein Zusammengehen mit diesen zwei PolitikerInnen sollte die SPD jetzt noch nicht ausschließen Foto: Michele Tantussi/reuters

Für den zunehmend verzweifelten Kanzlerkandidaten Armin Laschet gibt es, Umfragenstand jetzt, nur noch einen letzten Hoffnungsschimmer: die Angst vor Rot-Grün-Rot. Laschets Last-Minute-Strategie zielt also darauf ab, dass sich genügend Leute so sehr davor gruseln, mit einem SPD-Kanzler Olaf Scholz auch die Linkspartei am Kabinettstisch zu bekommen, dass sie doch lieber wieder Union wählen. Kann das aufgehen?

Nur noch auf die Warnung vor dem alten, roten Schreckgespenst zu setzen, wie es Laschet jetzt seit Tagen tut, ist erbärmlich defensiv, rückwärtsgewandt und peinlich – gerade für einen Mann, der eigentlich einmal für relativ moderne, liberale CDU-Politik gestanden hat. Aber chancenlos ist diese Angstkampagne nicht. In ökobewussten und nach links offenen Großstadtkreisen wird oft unterschätzt, wie traditionell in anderen Kreisen nach wie vor gedacht und gefühlt wird.

Nicht alle lachen, wenn Laschet verspricht, dass er sich dem „Wind der Veränderung“ standhaft entgegenstellen werde. So grotesk das für Linke wirkt, entspricht es doch einer klassisch konservativen Grundhaltung. Es kann deshalb auch sein, dass sich selbst im Jahr 2021 noch viele Menschen mehr vor dem vermeintlich drohenden Kommunismus fürchten als vor dem real existierenden Klimawandel. Olaf Scholz könnte diesen Spuk beenden, indem er eine Koalition mit der Linken ausschließt.

Die Versuchung ist ihm anzumerken, doch ein finales Nein der SPD zu Rot-Grün-Rot wäre doppelt dumm. Langfristig betrachtet, weil Scholz dann nach der Wahl viel weniger Verhandlungsspielraum hätte. Womit soll er einem möglichen Ampelpartner Christian Lindner drohen, wenn er gar keine Alternativen zur FDP mehr hätte?

Vor allem aber würde Scholz mit dem voreiligen Verzicht auf wirklich linke Machtoptionen viele vergraulen, die das betont sozial ausgerichtete Wahlprogramm gerade erst zur SPD zurückgelockt hat. Die links angehauchte, sachte Aufbruchstimmung gleich wieder im Keim zu ersticken, wäre für die SPD unterm Strich gefährlicher als Laschets verzweifelte Warnung vor dem Kommunismus.

Einmal zahlen
.

Fehler auf taz.de entdeckt?

Wir freuen uns über eine Mail an fehlerhinweis@taz.de!

Inhaltliches Feedback?

Gerne als Leser*innenkommentar unter dem Text auf taz.de oder über das Kontaktformular.

seit 1999 bei der taz, zunächst im Inland und im Parlamentsbüro, jetzt in der Zentrale. Besondere Interessen: Politik, Fußball und andere tragikomische Aspekte des Weltgeschehens

Bei wieviel Prozent liegen die Parteien? Wer hat welche Wahlkreise geholt?

▶ Alle Zahlen auf einen Blick

Wir würden Ihnen hier gerne einen externen Inhalt zeigen. Sie entscheiden, ob sie dieses Element auch sehen wollen.

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de