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Jugendnetzwerk Lambda Die Kürzungspolitik trifft Queers

Kommentar von

Nicole Opitz

Die Bundesregierung streicht dem queeren Jugendnetzwerk Lambda das Geld. Das ist ein Angriff auf gemeinnützige Vereine – und LGBTQI+ in Deutschland.

D ie Union verhält sich derzeit wie die Feuerwehr, die den Brandmelder ausschaltet und in unmittelbarer Nähe zuguckt, wie das Feuer weiterbrennt. Ab und zu schüttet sie selbst ein bisschen Benzin hinein und guckt fasziniert zu. Wusch! Eine beeindruckende Stichflamme nach der nächsten schlägt hoch; Hauptsache, der Brandmelder piept nicht mehr.

Denn wer die politische Berichterstattung verfolgt, kann live dabei zusehen, wie der Staat die Demokratie und zivilgesellschaftliches Engagement aushöhlt – getrieben von der AfD. Besonders im CDU-geführten Familienministerium ist das zu beobachten: Das neueste Öl im Feuer ist die Streichung der Finanzierung des bundesweit einzigen gemeinnützigen Jugendverbands für Queers. Lambda e. V. wird vom Familienministerium mit 379.954 Euro gefördert, nun wurde der Rahmenvertrag zum Ende des Jahres gekündigt.

Dass ein gemeinnütziger Verband gefördert wird, ist sinnvoll: Gemeinnützigkeit hilft der Allgemeinheit, nicht bloß den Einzelnen. Wie kann es der Gesellschaft gut gehen, wenn wir nicht sicher sein können, dass es queeren Jugendlichen gut geht? Wenn es in der Küche schon angefangen hat zu brennen, freut man sich ja auch nicht, dass es im Bad auf einmal schön warm ist.

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Eine Woche zuvor war mit der Kürzung beim Unterhaltsvorschuss klar: Die Jugendlichen von Alleinerziehenden sind im Familienministerium entweder egal oder zu vernachlässigen. Nun wird deutlich, dass das auf queere Jugendliche genauso zutrifft. Allen abseits einer vermeintlichen Norm wird damit signalisiert: So wichtig, dass ihr finanziell unterstützt werdet, seid ihr nicht.

Anlaufstellen fallen weg

Lambda e. V. organisiert Workshops, berät LGBTQI+, vernetzt sie und setzt sich für eine bessere rechtliche und medizinische Situation der trans* und inter* Jugendlichen ein. Jugendliche und junge Erwachsene, die Unterstützung bei einem Coming-out brauchen oder Hilfe benötigen, weil sie queerfeindliche Gewalt erfahren oder bedroht werden, haben ab dem kommenden Jahr möglicherweise keine Anlaufstelle mehr. Dabei liegt das Suizidrisiko von queeren Jugendlichen vier- bis fünfmal so hoch wie bei nicht queeren Jugendlichen.

Das Suizidrisiko von queeren Jugendlichen liegt vier- bis fünfmal so hoch wie bei nicht queeren Jugendlichen

Der Bundesvorstand schreibt in einer Pressemitteilung: „Unsere Beratungsanfragen steigen immer weiter an, ebenso die Zahl an Jugendlichen, die sich mit akuten Krisen an uns wenden. Immer öfter geht es dabei um Themen wie Suizid, selbstverletzendes Verhalten oder Gewalt in der Familie.“

Das ist in Zeiten des Rechtsrucks kaum verwunderlich. Ein beliebtes rechtes Feindbild sind Queers. So wurde unter dem Deckmantel des Kindeswohls schon in der vergangenen Legislatur gegen Lambda e. V. gehetzt.

Matthias Helferich, AfD-naher fraktionsloser Bundestagsabgeordneter, brachte Lambda e. V. bei der ersten Lesung zum Selbstbestimmungsgesetz im November 2023 im Bundestag ein und unterstellte dem Verein, für die „aktiv-kämpferische Simulation von Sexualpraktiken bei Minderjährigen“ zu werben. Er nannte den damaligen Queerbeauftragten Sven Lehmann (Grüne) wegen dessen Fördermitgliedschaft im Verein einen „Beauftragten der Bundesregierung für die Akzeptanz staatlich begleiteten Kindesmissbrauchs“.

Es ist das alte Narrativ: Queer gleich pädophil. Ein Feuer war gelegt. In einer schriftlichen Frage im Juni 2025 stellte derselbe Abgeordnete – mittlerweile wieder Teil der AfD – die Gemeinnützigkeit von Lambda e. V. infrage. Ein weiteres Feuer gelegt.

Stärkung der Demokratie

Dass die AfD die Gemeinnützigkeit von zivilgesellschaftlichen Projekten bekämpft und die Union diesen Projekten seit ihrer Regierungsbeteiligung die Gelder kürzt, ist verheerend.

Dass seit Bestehen des Vereins (1990) öffentliche Gelder an den Verein fließen, ergibt Sinn. Für queere Jugendliche ist es niedrigschwellig, sich an einen Verein zu wenden. Außerdem fördert es indirekt die Demokratie: Bin ich Teil eines Verbands und erfahre, dass die eigene Stimme etwas verändert, festigt sich das Demokratieverständnis. Entweder ist Prien sich dieser Effekte nicht bewusst. Oder sie weiß um die Effekte, ignoriert sie aber. Beides ist fatal und einer Familienministerin unwürdig.

Der damalige Queerbeauftragte Lehmann war im Bundestag übrigens aufgestanden und hat Lambda e. V. verteidigt. Und die heutige Queerbeauftragte Sophie Koch (SPD)? „Für die Kündigung der Rahmenvereinbarung habe ich kein Verständnis“, sagt sie auf taz-Anfrage. Ob ein Gespräch mit Prien notwendig sei, werde sich zeigen, so ihr Sprecher.

Während es brennt und die Union munter Öl ins Feuer gießt, steht die SPD daneben, hält einen Wasserschlauch in der Hand, macht ihn nicht an und stampft beleidigt mit dem Fuß auf: „So geht das nicht!“

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Nicole Opitz Redakteurin

seit 2019 bei der taz, interessiert sich vor allem für Gesundheit, Feminismus und soziale Ungleichheit. BVHK-Journalismuspreis 2023, Nina Grunenberg Fellow 2025.
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5 Kommentare

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  • Persönlich habe ich nichts gegen Queere und andere LGBTQxx,



    sie sollen ihr Leben geniessen, aber als Familienvater und Opa frage ich mich schon, wo wir denn bleiben, gibt es für uns auch Unterstützung?



    Ich mag allen ihr Leben gönnen, aber wieso braucht es da immer staatliche Unterstützung?



    Als normaler Familienvater zahle ich Steuern und erhalte keine Unterstützung und habe manchmal erhebliche Zweifel für was meine Steuern verwendet werden.

  • Warum muss die SPD so ein peinlicher Reinfall sein? Es ist einfach tragisch...

  • Ja das sind so die NGOs, die das absolute Feindbild der CDU sind und der SPD sind die auch nicht ganz geheuer. Der willkürliche Förderstopp trifft aber doch sowieso alle und dann müssen alle und die neuen dazu wieder Anträge schreiben. Im Bewusstsein das die Zahl der Bewilligungen sinkt und die Beträge auch und so weiter... Was passiert bei der nächsten Haushaltskürzung?

  • Es ist nicht Aufgabe des Bundeshaushaltes jeden Verein zu unterstützen. Dies sollten Privatpersonen im Rahmen ihres Privatvermögens tun.

  • Die Bundesregierung kürzt bei allen Jugendlichen, die keine Yacht haben. Also auch bei LGBTQI+.

    Die Zukunft ist der Regierung egal.