piwik no script img

Investorendeal der FifaAbstimmung oder Erpressung?

Die Fifa will die Zustimmung der Verbände zu ihren Investorenplänen bis zum 19. September erzwingen. Protest dagegen gibt es nicht nur aus Europa.

„Yours in football – Gianni Infantino.“ So unterschreibt der Präsident des internationalen Fußballverbands seine Briefe. Über diesen Gruß aus der Fifa-Zentrale durften sich am Mittwoch die Präsidenten der 211 in der Fifa organisierten Verbände freuen. Aber wie gut sind die Zeilen über der Grußbotschaft bei den Verbänden angekommen? Darin geht es um die Pläne der Fifa, die großen Turniere über eine Gesellschaft zu organisieren, an der sich private Kapitalgeber beteiligen können. Bis zum 19. September sollen sich die Verbände zu dem Vorhaben äußern, die Organisation der Fußball-Weltmeisterschaften in eine Gesellschaft namens Fifa Forward Enterprise auszugliedern.

Sollte sich die Mehrheit der Nationalverbände für das Investorenmodell aussprechen, gilt es als verabschiedet. Das Fifa Council würde dieser grundsätzlichen Neuausrichtung des Fußballs dann im Schnellverfahren zuzustimmen haben. Infantino spricht von einem durch und durch demokratischen Verfahren. Im Fifa-Schreiben ist von der Einhaltung „unserer demokratischen Prinzipien“ die Rede.

Der europäische Kontinentalverband Uefa zeigte sich in einer Stellungnahme irritiert von diesem Vorgehen. „Wir haben heute erfahren, dass die Fifa den Verbänden eine Frist gesetzt hat, innerhalb derer sie ihre Vorschläge unterstützen müssen, andernfalls wird das Angebot einer einmaligen Auszahlung zurückgezogen. Das sagt bereits alles, was man über diesen Plan wissen muss.“ Am Donnerstagnachmittag hat Uefa-Präsident Aleksander Čeferin die 55 Mitgliedsverbände zu einem Onlinemeeting zusammengerufen, um eine gemeinsame Haltung zu den Fifa-Plänen abzustimmen.

Dort wird es auch um das Schreiben gehen, in dem die Fifa-Verbände vor eine Wahl gestellt werden: Stimmen sie gegen die Fifa-Pläne, bleibt alles so, wie es bis dato geregelt ist. Dann würde die Fifa über ihre Programme 10 Millionen US-Dollar an jeden Verband auszahlen. Bei einer Zustimmung dagegen können die Verbände mit Zahlungen von bis zu 40 Millionen US-Dollar im selben Zeitraum rechnen.

Kritik am Vorgehen der Fifa

Was in dem Schreiben nicht erwähnt wird, sind die finanziellen und organisatorischen Erwartungen der Investoren an die Fifa. Solche wird es gewiss geben. Immerhin soll es insgesamt um eine Investitionssumme von 10 Milliarden US-Dollar gehen. Dass nicht einmal die 8 Vizepräsidenten der Fifa über die Pläne informiert wurden, die Infantino nun in einem Videostatement erläutert hat, ohne Details zu nennen, sorgt nicht nur bei der Uefa für Verwunderung.

Auch der asiatische Kontinentalverband AFC veröffentlichte eine Stellungnahme, in der er seine Enttäuschung äußert „darüber, dass eine Angelegenheit von solcher Tragweite an die Öffentlichkeit gelangte, noch bevor die AFC-Familie Gelegenheit hatte, sie über die entsprechenden und etablierten Gremien zu prüfen und zu erörtern“. Wie die einzelnen Verbände letztlich entscheiden werden, ist nicht absehbar. Grundsätzlich hat die AFC nichts gegen die Vermarktung des Weltfußballs. „Die AFC setzt sich weiterhin für das stetige Wachstum des Weltfußballs ein“, heißt es am Ende des Statements.

Auch bei der Kritik der Concacaf, des Verbands für Nord- und Mittelamerika, an den Fifa-Plänen geht es nicht um den Inhalt der Infantino-Ideen, sondern um deren mangelhafte Kommunikation. „Wir sind zutiefst besorgt über das Fehlen eines ordnungsgemäßen Verfahrens“, teilt der Verband auf seiner Website mit.

Während Max Eberl, der Chef des deutschen Rekordmeisters FC Bayern München, die Fifa-Pläne mit den Worten: „Es ekelt mich“, deutlich kritisierte, äußerte sich der Verband der europäischen Profiklubs EFC inhaltlich überhaupt nicht zum Verkauf von Anteilen an WM-Turnieren an private Investoren. „Als eine Organisation, die mehr als 850 Fußballvereine vertritt, wäre es nur angemessen, wenn die EFC bei einem Vorhaben von solch weitreichender Bedeutung umfassend konsultiert würde“, heißt es in dem Statement, in dem sich der Verband beleidigt zeigt, dass er erst aus den Medien von den Fifa-Plänen erfahren hat.

Die taz gehört zu 100 Prozent ihren Leser:innen und ist damit nicht nur konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung für taz zahl ich. Dank Ihnen haben wir nun die 50.000 erreicht. So viele unterstützen freiwillig und regelmäßig. Noch nicht dabei? Werden Sie jetzt Teil der Community! Jetzt unterstützen

Mehr zum Thema

2 Kommentare

 / 
  • Na toll - die meisten Verbandsbonzen sind primär verschnupft, weil sie nicht VORHER gefragt wurden (und rechtzeitig über Preise reden konnten?). Mich würde an deren Stelle mindestens interessieren, wieso von den 10 Milliarden, die Infantino angeblich über den Deal (der nebenbei einen Gutteil seines Tafelsilbers verhökert) realisieren will, nur etwas über 6 Mrd. an die Mitglieder fließen sollen. Was hat er mit dem Rest vor?



    Ansonsten: Es mag ein wenig raubeinig klingen, aber die UEFA sollte - insbesondere im Verbund mit den (hier vornehmlich Süd-)Amerikanern - mal die Muskeln spielen lassen: "Caro Gianni, womit willst Du in Zukunft eigentlich Stimmen kaufen, wenn die Investoren, Fernsehsender und Sponsoren nur noch für eine FIFA-"Welt"meisterschaft OHNE all jene Verbände zahlen, die dem Turnier die das Prädikat "Weltklasse" verleihen?" wäre meine Frage nach Lausanne. Ein Finale "Marokko v. Japan" z. B. würde sicher Viele freuen. Aber ernsthaft ZAHLEN würde für ein Turnier, das so endet, doch nur Jemand, wenn die dafür erst einmal die Europäer und Südamerikaner hätten aus dem Weg räumen müssen (und die nicht gleichzeitig den "Atlantic Cup" o. ä. unter sich austragen würden...).

  • Die Mafia ist ein kleines Licht, geradezu sympathisch verglichen mit diesem Mann...