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Gestiegene Schwimmbadpreise Erfrischend ist anders

Anna Klöpper

Kommentar von

Anna Klöpper

Ein bezahlbares Schwimmbad ist Teil der öffentlichen Daseinsvorsorge. Die Bundesregierung muss den Zugang für alle möglich machen.

D ie gute Nachricht zuerst: Der Badeanzug ist billiger geworden. Die Preise für „Damenbadebekleidung“, wie das Statistische Bundesamt formuliert, sind im Jahr 2025 um 1,1 Prozent zurückgegangen. Aber was man bei der Bikinihose einspart, zahlt man woanders sofort wieder drauf: Der Eintrittspreis ins Schwimmbad, egal ob Sommer- oder Hallenbad, ist im vergangenen Jahr nämlich um 5,7 Prozent teurer geworden. Zum Vergleich: Die Verbraucherpreise haben insgesamt nur um 2,1 Prozent angezogen.

Schwimmen gehen muss man sich also leisten können, erst recht, wenn sonst auch alles teurer wird. Und die Bundesregierung zugleich keine Scheu hat, ärmere Familien noch stärker zu belasten, etwa mit Kürzungen beim Kinderzuschlag und beim Wohngeld.

Ein bezahlbares Schwimmbad ist öffentliche Daseinsvorsorge. Wenn aber die Teilhabe von Kindern aus ärmeren Familien schon an der Wasserrutsche nicht mehr gewährleistet ist, ist das nicht gut. Und nein, ein unbewachter See oder ein Fluss vor der Haustür ist keine gleichwertige Alternative zu einem bewachten, ungleich sichereren Schwimmbecken.

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Badeaufsicht nur noch für reiche Kinder, die von ihren Eltern sowieso in bezahlte Schwimmkurse gesteckt werden, falls der Schwimmunterricht in der Schule mal wieder ausfällt: Klingt falsch.

Wenn es überhaupt Schwimmbäder gäbe

Aber es sind ja, wo wir beim Thema Teilhabe sind, auch nicht nur die Preise. Beispiel Berlin: Da wollten die Bäderbetriebe die beliebte Sommerkarte – 20 Eintritte für 80 Euro – in diesem Jahr abschaffen, nach viel Protest wurde das zurückgenommen. Es hätte stattdessen Online-Abo-Modelle geben sollen, ähnlich günstig, aber für Menschen ohne Smartphone (also gerade für die ganz jungen und eher älteren) eben auch ausschließend.

Schön wäre übrigens auch, wenn es überhaupt mehr Schwimmbäder gäbe. Der Deutschlandatlas zeigt: In 80 Prozent der Gemeinden ist das nächste Hallenbad 18 Autominuten entfernt. Das klingt wenig, aber wer zum Beispiel 30 Kilometer pro Stunde fährt, braucht für einen Kilometer 2 Minuten. Neun Kilometer mit dem Fahrrad sind im Winter nicht so wenig.

Der Atlas zeigt übrigens, dass gerade ländliche Gebiete im Nordosten noch weitaus schlechter ausgestattet sind. Und im vergangenen Jahr warnte die DLRG, dass vor allem wegen Sanierungsstau jährlich rund 80 Bäder verloren gehen.

Das sind alles Steilvorlagen für Populisten, die bekanntlich gerne einfache Versprechungen machen. Nun helfen Schwimmbäder alleine nicht gegen Nazis, aber kein Schwimmbad für alle ist auch keine Lösung.

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Anna Klöpper

Anna Klöpper Leiterin taz.eins

Seit 2011 bei der taz. Leitet gemeinsam mit Sunny Riedel das Ressort taz.eins. Hier entstehen die ersten fünf Seiten der Tageszeitung, inklusive der Nahaufnahme - der täglichen Reportage-Doppelseite in der taz. Davor Ressortleiterin, CvD und Redakteurin in der Berliner Lokalredaktion. Themenschwerpunkte: Bildungs- und Familienpolitik.
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4 Kommentare

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  • Da Schwimmbäder aber auch irgendwie bezahlt werden müssen, lässt sich das Problem leider nicht so einfach lösen, wie im Artikel angedeutet.



    Statt mit der Gießkanne die Preise für die Schwimmbäder niedrig zu halten, wäre ich für entsprechende Gutscheine, die an alle Familien, aber in unterschiedlicher Höhe ausgeteilt werden können. Wenn jede Familie den Gutschein bekommt, fällt nicht auf, wenn er eingelöst wird und wie oft damit bezahlt wird, fällt nicht auf, wenn der Gutschein auf die schwimmbadeigene Wertkarte gebucht wird.



    (Selbst das absolut undigitale Freibad in meiner Nähe hat eine Wertkarte - aus Papier, auf der der Eintritt mit Kuli abgestrichen wird, das dürfte also kein Hindernis sein)

  • „ Der Atlas zeigt übrigens, dass gerade ländliche Gebiete im Nordosten noch weitaus schlechter ausgestattet sind“

    Der Atlas, übrigens schöne Zusammenstellungen von dem Bund, zeigt auch klar, dass die Schwimmbaddichte mit der Bevölkerungsdichte korreliert. Ist ja auch kein Wunder. Und da rentiert sich halt ein Spassbad für drei Leute nicht. Apropo Spassbad. In manchen gibt es kaum noch 10m freie und ausreichend tiefe Wasserstrecke zum Schwimmen. Rutschen, Wasserdüsen, Dampfbäder scheinen irgendwie wichtiger zu sein. Ein Bad mit einem rechteckigen Becken in dem man Schwimmen lernen könnte, gilt als sowas von altmodisch. Quertauchen verboten.

  • Es ist immer leicht zu meckern.



    Ja, es gibt oft zu wenig Schwimmbäder.



    Es gibt jedoch auch Menschen die nicht einfach zulassen das ein Schwimmbad einfach schliesst. Ne, die machen es einfach selber.



    Gründen einen Verein, nemen Mut und Willen in die Hand, in den Kopf und bauen selbst um. Liebe Eltern ob arm oder reich. Ihr könnt den Kindern auch selbst das schwimmen beibringen. Es muss kein teurer Schwimmkurs sein.

  • Friede den öffentlichen Schwimmbädern!



    Krieg den Palastpools (und den diversen Umverteilungen in diese Richtung)! Sag's mit Büchner.