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Hamburger Schwimmbäder an HitzetagenSchlange stehen bei 39 Grad

Kaija Kutter

Kommentar von

Kaija Kutter

Während der Hitzewelle ließen Hamburgs Freibäder viele Gäste nur „verlangsamt“ ein. Kein Wunder, denn viele Freibäder wurden für immer geschlossen.

S amstagmittag, 39 Grad im Schatten. Die Luft draußen ist dick und steht. Schnell die Tür schließen. Ins Freibad zu gehen, ist keine Option. Schon gar nicht in Rahlstedt. Auf Facebook notiert eine Anwohnerin: „Samstag 14.50 Uhr. Schwimmbad-Rahlstedt lässt keinen mehr rein!“ Und sie fügt hinzu: „Da zeigt sich, wie unnötig der Abriss des Freibades Rahlstedt war.“ Darunter frustrierte Kommentare von anderen Rahlstedtern, die ihr altes Freibad vermissen.

Denn bis vor vier, fünf Jahren hatte dieser Stadtteil, der mit über 90.000 Einwohnern zu den größten Hamburgs gehört, ein richtiges Freibad am Wiesenredder, mit einer riesigen Wiese und einem 50-Meter-Becken, Rutsche, Planschbereich und Pommesbude.

Nur wurde das geschlossen. Und als Ersatz wurde neben das Hallenbad im Zentrum des Viertels ein kleines 25-Meter-Becken gebaut und daneben ein kleines Stückchen Wiese zum Liegen eingezäunt. Mickey-Maus-Bad wird es im Volksmund auch genannt. Da kann man schon mal schwimmen gehen, aber um Gottes willen nicht, wenn es heiß ist und man Abkühlung nötig hat.

Nach dem Wochenende fragen wir die städtische Bäderland-Firma: Wieso und wie lange wurde dort in Rahlstedt kein Badegast mehr reingelassen? Bäderland-Sprecher Michael Dietel verweist darauf, dass es in Hamburg fast 40 Grad waren. Da sei es in vielen Freibädern voll gewesen. Nicht nur in Rahlstedt, auch im Niendorfer Bondenwald-Bad, in Bergedorf, in Wilhelmsburg beim Inselparkbad, beim Kaifu-Bad in Eimsbüttel und in Altona beim Festland-Bad habe es vorübergehend einen Einlassstopp gegeben.

Es habe keinen Einlassstopp gegeben, Gäste seien lediglich verlangsamt ins Bad gelassen worden, sagt ein Bäderland-Sprecher

Wobei der Sprecher später präzisiert: Nicht den ganzen Tag, nur für anderthalb Stunden sei der Einlass „verlangsamt“ worden. Dietel: „Verlangsamt bedeutet, dass wir langsamer kassieren, also nicht mehr schnellstmöglich anstehende Gäste einlassen.“

Das Problem bei der Hitze am Wochenende sei gewesen, dass die Badegäste, die früh am Tag kamen, länger blieben als sonst. Da verlangsame Bäderland den „Prozess“ an der Kasse, um wieder „einen stetigeren Durchlauf zu erreichen, anstelle alle schnell ins Bad zu lassen“. Und sollte der „Ablauf“ der frühen Gäste stocken, dann käme es im Extremfall zu einem Einlassstopp, bei dem nur neue Gäste reindürfen, wenn alte rausgehen. Aber „ausverkauft“, wie in anderen Städten, sei Bäderland nicht gewesen.

Immer weniger Freibäder

Hm. So ein längeres Anstehen bei 39 Grad im Schatten ist aber auch keine Freude. Da möchte man einfach nur rein ins Bad – oder doch besser zu Hause bleiben. Und dass Kinder und Eltern, die in Wohnungen leben, im Sommer den ganzen Tag im Freibad verbringen, war früher ganz normal. Da gab es in Hamburgs Osten auch noch mit Lattenkamp, Dulsberg, Ohlsdorf und Aschberg vier weitere Freibäder, die inzwischen alle weggeplant sind. Dass man nun derart Gäste „verlangsamt“ einlässt, scheint neu. Als es 2025 einen Hitzetag mit 35 Grad gab, blieb das Rahlstedter Minibad zu.

„Die Anzahl der Tage mit extremer Hitze nimmt zu“, sagt der Linkenpolitiker Stephan Jersch, der nun zu Freibadkapazitäten eine Anfrage erwägt. Denn dass gleich sieben Freibäder bei Hitze an ihre Kapazitätsgrenze stoßen, zeige, dass Hamburg eigentlich mehr davon braucht. „Das ist auch allen Akteuren bewusst“, sagt der Umweltpolitiker. Denn Freibäder spielten für die Klimagerechtigkeit eine große Rolle.

Apropos Klima. Die taz fragte auch die für Bäder zuständige Umweltbehörde, wie groß die Kapazität der in Hamburg am Hitzewochenende geöffneten Freibäder war. Und ob es Pläne gibt, die Kapazitäten zu erweitern. Mit der Antwort dauere es etwas, bat man uns am Mittwoch um Verständnis. Das Haus ist mit einem anderen wichtigen Thema beschäftigt. Zuletzt steigende CO2-Emissionen erschweren Hamburgs Ziele der Klimaneutralität.

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Kaija Kutter

Kaija Kutter Redakteurin taz-Hamburg

Jahrgang 1964, seit 1992 Redakteurin der taz am Standort Hamburg für Bildung und Soziales. Schwerpunkte Schulpolitik, Jugendhilfe, Familienpolitik und Alltagsthemen.
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