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Analyst zur Zukunft Europas„Europa ist im Zangengriff“

Nur wenn Europa die Großmächte ausbalanciert, kann es sein Abseits verlassen, sagt Analyst Marc Saxer. Dazu könnte ein Ausgleich mit Russland gehören.

„Die Wolfswelt ist in allen Bereichen eine schlechtere Welt“ Illustration: Daniel Gomez Vega
Sabine am Orde

Interview von

Sabine am Orde

taz: Herr Saxer, Sie sprechen in Ihren Analysen davon, dass wir in einer „Wolfswelt“ leben. Was meinen Sie damit?

Marc Saxer: Die Welt ist auf dem Weg zum anarchischen Urzustand des internationalen Systems, ohne Weltregierung und ohne feststehende Rechtsordnung. Es ist eine Welt, in der Regeln nicht mehr gelten. Und in der sich im Zweifel der Stärkere durchsetzt.

Im Interview: Marc Saxer

Der Analyst und Publizist lebt und arbeitet seit knapp zwei Jahrzehnten in Asien. Er ist Mitglied der SPD-Grundwertekommission. Sein Buch „Geopolitical Conflict in the Wolf World. Great Power Competition and the Illiberal Revolt against the Liberal Order“ erscheint in Kürze bei Bloomsbury.

taz: Was bedeutet das für Europa?

Saxer: Europa ist unter dem Schutzschirm Amerikas entstanden und groß geworden, wir nennen das gern liberale oder regelbasierte Weltordnung. Europa ist gezimmert aus Verträgen und Recht. Das ist eine sehr verletzbare, fragile Ordnung, die jetzt in einer Umwelt aufwacht, die ganz anders funktioniert.

taz: Ist die Tragweite dieser Veränderung hier in Politik und Gesellschaft angekommen?

Saxer: Mit seiner Rede auf der Münchener Sicherheitskonferenz scheint Merz langsam in der Wolfswelt anzukommen. Mit der russischen Aggression gegen die Ukraine 2022 gab es bereits ein Aufwachen auch in der deutschen Öffentlichkeit, und seitdem hat sich ja einiges verändert: in der Verteidigungs- und Außenpolitik, der Energiepolitik, der Fiskalpolitik. Aber das strategische Ankommen in dieser Zeit, das ist noch nicht passiert. Das sieht man daran, dass Europa sich ins geopolitische Abseits manövriert hat.

taz: Inwiefern?

Saxer: Wir werden eine multipolare Weltordnung bekommen, in der China und die USA die Pole sind und Russland eine weitere Großmacht. In einer solchen Weltordnung darf man nicht gleichzeitig mit allen drei dieser Mächte über Kreuz liegen. Genauso ist es aber derzeit mit Europa.

wochentaz

Dieser Text stammt aus der wochentaz. Unserer Wochenzeitung von links! In der wochentaz geht es jede Woche um die Welt, wie sie ist – und wie sie sein könnte. Eine linke Wochenzeitung mit Stimme, Haltung und dem besonderen taz-Blick auf die Welt. Jeden Samstag neu am Kiosk und natürlich im Abo.

taz: Sie meinen, Europa muss flexibler zwischen diesen drei Mächten manövrieren – auch mit Russland, das die Ukraine seit vier Jahren mit einem völkerrechtswidrigen Krieg überzieht?

Saxer: Es gab über Jahrhunderte fünf Großmächte, die sich gegenseitig ausbalanciert haben, mit gewissen informellen Regeln, aber wenig Überbau. Die Welt von morgen wird relativ ähnlich aussehen. Wir werden mindestens drei Großmächte haben. Mit Indien und Europa könnten zwei weitere große Mächte heranwachsen. Europa muss sein Verhältnis zu den Großmächten ausbalancieren, sie idealerweise sogar gegeneinander ausspielen. Das funktioniert nicht, wenn man gegenüber jeder dieser Großmächte starr auf seiner Haltung beharrt. Die ist derzeit in Europa so: Russland ist eine existenzielle Bedrohung. China ist Konkurrent und systemischer Rivale. Und Amerika ein unverzichtbarer Sicherheitsgarant.

taz: Ist Russland aus Ihrer Sicht keine existenzielle Bedrohung?

Saxer: Ich würde nie bestreiten, dass Russland eine umfassende und aktive Bedrohung für Europa darstellt. Aber die Frage ist, ob es wirklich eine existenzielle Bedrohung für Kerneuropa ist, oder ob es möglich ist, mit Russland zu einem Interessenausgleich zu kommen.

taz: Sollte Europa versuchen, mit Russland zu einem solchen Ausgleich zu kommen, auch wenn Putin offenbar gar nicht verhandeln will?

Saxer: Europa ist derzeit im Zangengriff zwischen Russland und den USA, zwischen Putin und Trump. Wir werden dem amerikanischen Druck nicht entkommen können, wenn wir gleichzeitig einen endlosen Krieg gegen Russland führen. Europa muss also mehr als bisher tun, um den Krieg in der Ukraine durch eine diplomatischen Lösung zu beenden. Gleichzeitig brauchen wir eine Ausbalancierung der beiden Mächte durch China und Indien. Vielleicht ändert sich die Konstellation in Zukunft wieder. Wenn uns zum Beispiel die Chinesen unter Druck setzen, werden wir wieder eine Annäherung in Washington brauchen. Das ist die Idee der Balance.

taz: Und China? Was ist falsch an dem Dreiklang: Partner, Wettbewerber, Systemrivale?

Saxer: Der Dreiklang ist richtig. Aber der Drang, China immer mehr als Systemrivalen, also als ideologischen Gegner hinzustellen, führt in die falsche Richtung: hin zu Moral, weg von Realpolitik. Selbstverständlich ist China ein hoch gefährlicher ökonomischer Konkurrent. Aber China exportiert sein System nicht.

taz: Sie haben Europa als weitere mögliche Großmacht erwähnt. Muss Europa aus Ihrer Sicht eine werden?

Saxer: Mittelfristig ist das kaum vorstellbar. Europa ist eine fragile Entität in der Defensive. Wirtschaftlich ist es in massiven Schwierigkeiten, insbesondere das deutsche Exportmodell funktioniert nicht mehr. Es hat nicht die Verteidigungsmittel, um sich von Amerika unabhängig zu machen. Und energiepolitisch ist es auch viel zu abhängig von den Großmächten. Diese Liste könnte man fortsetzen. Wir werden die nächsten 10 bis 20 Jahre in der Position großer Verletzbarkeit und Schwäche sein. In dieser Zeit muss Europa auf Zeit spielen, versuchen, sich aus diesen Großmachtkonflikten möglichst herauszuhalten. Europa wird sich auf die territoriale Verteidigung des eigenen Kontinents und die politische Stabilisierung des Krisenbogens von Osteuropa über den Mittleren Osten bis in die Sahelzone beschränken müssen. Das wird uns unsere gesamten Kräfte kosten. Insofern ist Großmacht nichts, was Europa im Moment anstreben kann. Aber es muss versuchen, mittelfristig strategisch autonom zu werden.

taz: Was heißt das für Europa konkret? Braucht es mehr Macht für Brüssel und beispielsweise eine europäische Armee?

Saxer: Es braucht den Umbau aller Systeme. Erster Punkt: Wir sehen seit 2013, dass die Europäische Währungsunion zu enormen Verwerfungen führt, zum Beispiel einer Deindustralisieung im Süden Europas, weil es keinen politischen Überbau gibt. Es muss aber unser strategisches Ziel sein, dass sich alle Teile Europas wirtschaftlich entwickeln können. Je mehr die Weltmärkte sich verschließen, umso mehr wird der europäische Binnenmarkt für uns strategisch überlebensnotwendig.

taz: Und der zweite Punkt?

Saxer: Die Außen und Sicherheitspolitik. Europa ist nicht handlungsfähig, weil es nach wie vor ein Einstimmingkeitsprinzip in vielen Fragen gibt. Das müssen wir ändern. Der dritte Punkt ist die Geldpolitik. Die EZB muss über Szenarien nachdenken für den Fall einer schweren Dollarkrise und wenn der Reservewährungsstatus des US-Dollars in Gefahr gerät. Das würde zu enormen Verwerfungen führen. Und, letzter Punkt: Wir müssen über gemeinsame Verteidigung sprechen. Wir brauchen eine Stärkung des europäischen Pfeilers der NATO und damit auch der europäischen Fähigkeiten. Und dann gibt es noch etwas, was mit Blick auf Deutschland wichtig ist.

taz: Und das wäre?

Saxer: Die Amerikaner hatten in der NATO die Funktion, die Russen draußen und die Deutschen unten zu halten. Exakt die selben Nachbarn, die uns im Moment bitten aufzurüsten, haben strategisch Befürchtungen vor einem überstarken Deutschland. Auch für den Zusammenhalt Europas wäre eine europäische Armee also sinnvoll, die auch den Grundgedanken der Vergemeinschaftung deutscher Macht symbolisieren würde. Ichglaube auch, dass Europa Atomwaffen brauchen wird. Wie man das organisiert, ist aber eine sehr schwierige Frage.

taz: Bundeskanzler Merz hat gerade strukturellen Veränderungen in der EU eine Absage erteilt. Sie klingen so, als würden Sie eine Stärkung Europas an der Spitze für notwendig halten.

Saxer: Ja, wir werden wir eine stärkere europäische Exekutive brauchen, dafür müsste man allerdings die europäischen Verträge ändern. Es ist nicht vorstellbar, dass man die dafür notwendigen Referenden jetzt gewinnen könnte, weil die europäischen Bevölkerungen viel zu europa-skeptisch sind. Man wird sie also überzeugen müssen, dass in einer stärkeren Schutzmacht Europa ein Mehrwert liegt. Dafür brauchen wir einen Gegenhandel, man wird im Gegenzug Kompetenzen an die Nationalstaaten zurückgeben müssen, zum Beispiel in Bereichen, die Kultur und Identität betreffen.

taz: Die Mehrheit in der EU könnte kippen – zur radikalen Rechten hin. Birgt eine Zentralisierung von Macht also nicht auch eine Gefahr?

Saxer: Wir müssen aus der populistischen Grundstimmung herauskommen. Das wird aber nur gelingen, wenn wir die neue Welt beschreiben, klar aufzuzeigen, wie wir darin überleben können und damit anfangen, dies auch umzusetzen.

taz: Dieser Umbau kostet Zeit und er ist sehr teuer. Es wird Verteilungskämpfe geben, die die radikal Rechten weiter stärken könnten. Wie geht man damit um?

Saxer: Allein die fünf Prozent des Bruttoinlandsprodukts, die in die Verteidigung fließen sollen, sind ein ökonomisches Erdbeben. Das wird man nicht nur mit Schulden finanzieren können. Das heißt, es geht um Gegenfinanzierung. Da gibt es drei schlechte Möglichkeiten: die Sozialtransfers in das untere Drittel der Gesellschaft stoppen, die arbeitende Mitte besteuern oder die Reichen. Ich glaube, dass keine dieser Möglichkeiten im notwendigen Ausmaß politisch umsetzbar ist. Wir müssen für diesen Umbau grundsätzlich neue gesellschaftliche Mehrheiten finden.

taz: Und wie?

Saxer: Wir brauchen eine Lösung, die wieder mehr Milieus mitnimmt. Wir haben in Deutschland die letzten Jahrzehnte Politik sehr stark aus dem Blickwinkel der gebildeten Experten-Milieus heraus gemacht und die Hoffnungen und Ängste großer Teile der Bevölkerung aus dem Blick verloren. Wir müssen die Interessen anderer Milieus stärker beachten.

taz: Sagen Sie mal ein Beispiel.

Saxer: Nehmen wir die Klimapolitik. Brauchen wir den Umbau? Ja. Brauchen wir andere Energiesysteme? Ja. Wird das viel Geld kosten? Ja. Gleichzeitig passiert viel zu wenig. Es geht viel zu langsam. Warum? Weil große Teile der Bevölkerung tatsächlich denken, es wird schlechter. Dass sie nicht die ganze Wahrheit gesagt kriegen und am Ende die Zeche zahlen.

taz: Und wie kann man das ändern?

Saxer: Wir brauchen eine Lösung, die auch für die arbeitende Mitte und für die Leute, die nicht viel haben, bezahlbar ist – und für sie auch was drin ist. Die Vokabeln gibt es ja schon: Green New Deal zum Beispiel oder Greenjobs. Wir dürfen diese Politik nicht von oben nach unten durchsetzen und dann auch noch mit einer gewissen Überheblichkeit und in der Sprache des progressiven Milieus.

taz: Sind wir jetzt beim Bashing von Robert Habeck und den Grünen angekommen?

Saxer: Nein, das betrifft schon weit mehr als die Grünen. Man kann das auch an anderen Politikbereichen durchdeklinieren: Migrationspolitik etwa oder die Ukraine oder Covid. Egal welcher Politikbereich, es ist immer dasselbe Muster: Ich habe einen radikalen Entwurf, der aus einem progressiven Milieu formuliert wird. Und der ruft die Gegner auf den Plan. Das Ergebnis ist Stillstand.

taz: Meinen Sie also, die progressiven Kräfte gehen zu weit? Das habe ich jüngst auch wieder bei der CDU so gesagt bekommen.

Saxer: Nein, es ist der Job der progressiven Kräfte, weit zu gehen. Aber sie müssen versuchen, die anderen mitzunehmen. Ich kann nicht sagen: So muss es sein und wenn das nicht alle so machen, hagelt es Verbote.

taz: Sondern?

Saxer: Ich muss fragen: Wie können wir das so ausgestalten, dass es für euch auch attraktiv wird?

taz: Für Deutschland und Europa waren der Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine und die zweite Amtszeit von US-Präsident Trump – von der Vance-Rede bei der Münchener Sicherheitskonferenz im vergangenen Jahr bis zu Annexionsplänen für Grönland – einschneidende Brüche. Sie waren für die Friedrich-Ebert-Stiftung in Indien, jetzt sind Sie in Thailand. Wie sieht man das in diesem Teil der Welt?

Saxer: Für Europa ist es existenziell wichtig, dass wir in einer regelbasierten Welt leben. Die gute Nachricht ist, dass ein großer Teil der Welt das genauso sieht. Im Globalen Süden würde die überwältigende Mehrheit der Staaten sagen: Wir brauchen Spielregeln, die uns gegen die Willkür der Großmächte schützen können. Aber sie sagen eben auch: Die multilaterale Institutionen wie die Vereinten Nationen sind okay, aber sie müssen für die Kräfteverhältnisse des 21. Jahrhunderts repräsentativ sein. Und das bedeutet, liebes Europa: Ihr steigt ab, und wir steigen auf. Europa müsste also auf Einfluss in der Weltbank, im Internationalen Währungsfonds, im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen verzichten, um die Mächte des 21. Jahrhunderts dort so zu repräsentieren, dass sie diese Ordnung mittragen. Der zweite Punkt ist fast noch schwieriger.

taz: Und der wäre?

Saxer: Die Rede vom Universalismus der Werte. Von wertebasierter Außenpolitik, internationalem Recht und Menschenrechten. Viele im globalen Süden sagen: Militärische Interventionen und Regime-Changes werden vom Westen als Wertepolitik verkauft. Sie sind aber nur kaschierte Interessenpolitik. Das geht nicht mehr. Aber Europa mit seiner Geschichte kann natürlich auf die universellen Werte nicht verzichten.

taz: Wie sollte man mit diesem Dilemma aus Ihrer Sicht umgehen?

Saxer: Man muss anerkennen, dass es die kritisierte Doppelmoral gab und heute noch gibt. Und trotzdem darauf bestehen, dass diese Werte universell sind. Wir brauchen eine Kompromissformel wie es sie mit der Helsinki-Schlussakte bei der Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit 1975 schon einmal gab, zwischen dem sich liberal demokratisch verstehenden Westen und dem sozialistisch autoritären Osten. Zusammengefasst hieß das: Universalismus ohne Einmischung, Universalismus ohne Intervention. Damit könnte eine große Mehrheit von Ländern heute auch leben.

taz: Marc Carney, der kanadische Premier, sprach in seiner vielbeachteten Rede beim Weltwirtschaftsgipfel in Davos davon, dass Länder wie Kanada „prinzipientreu und pragmatisch“ sein müssten. Prinzipientreu im Bekenntnis zu grundlegenden Werten und pragmatisch in der Anerkennung, dass Interessen auseinandergehen und nicht jeder Partner all unsere Werte teilt.

Saxer: Carney hat sogar noch etwas draufgepackt, was ich auch unterschreibe: Dass Mittelmächte wie Kanada oder Europa ganz bewusst auch mit Ländern wie zum Beispiel den Golfstaaten oder Singapur manche Fragen gemeinsam anpacken müssen, weil sie zentrale Spieler sind, wenn auch nicht unbedingt demokratisch verfasst. Diese Partnerschaften in der Mitte sind eine der Handlungsoptionen, die wir in der Wolfswelt haben. Aber das wird nur funktionieren, und auch das hat Carney in Davos gesagt, wenn wir uns von erhobenen Zeigefingern und Belehrungen verabschieden. Sondern schauen: Wo sind unsere gemeinsamen Interessen? Das kann beim Thema Klima diese Gruppe der Länder sein, bei der künstlichen Intelligenz oder der Pandemie eine andere. Und wenn es eine Lösung gibt, laden wir China, Russland und die USA gern ein, mitzumachen.

taz: Heißt also: Schluss mit wertegeleiteter Außenpolitik, so es sie in der Praxis überhaupt gegeben hat?

Saxer: Es heißt eher: Schluss damit, sie als Monstranz vor sich her zu tragen. Aber nicht Schluss mit einem Bekenntnis zu universellen Werten wie Demokratie und Menschenrechten für uns. Allerdings mit der Einschränkung, dass wir kein Militär vorbeischicken, um sie durchzusetzen.

taz: Das heißt, wenn Merz in Saudi-Arabien von herzlichen Gesprächen spricht und der Mord an dem Journalist Jamal Khashoggi, den der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman nach allen Indizien selbst angeordnet hat, unerwähnt bleibt – dann ist das okay?

Saxer: Okay ist gar nichts. Die Wolfswelt ist in allen Bereichen eine schlechtere Welt. Aber wenn Europa nicht untergehen will, muss es in der Lage sein, mit Staaten umzugehen, die nicht unsere Werte teilen. Man muss auf Basis von Interessen zu Kooperationen kommen.

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36 Kommentare

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  • "Aber die Frage ist, ob es wirklich eine existenzielle Bedrohung für Kerneuropa ist, oder ob es möglich ist, mit Russland zu einem Interessenausgleich zu kommen."

    Einfach einen Abend lang Putin-TV schauen, dann beantwortet sich die Frage von selbst.

  • ""Wir brauchen eine Kompromissformel wie es sie mit der Helsinki-Schlussakte bei der Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit 1975 schon einmal gab, zwischen dem sich liberal demokratisch verstehenden Westen und dem sozialistisch autoritären Osten.""



    =



    Die Grundlagen für das Tauwetter nach dem kalten Krieg kam zustande indem Deutschland die Gebietsgewinne Russlands resultierend aus WW2 unwiederruflich anerkannte - dafür gab es das Einverständnis Russlands, das die neuen Grenzen, die nach WW2 gezogen wurden, nie wieder durch militärische Gewalt verändert werden dürfen. Das war der Kernpunkt der zu den Vereinbarungen des Gewaltverzichtes in der KSZE Schlussakte führte.



    =



    Die dahinter liegende geopolitische Realität war eine starke verteidigungsbereite NATO und das Gleichgewicht des Schreckens durch Atomwaffen gegenüber einem zusammenbrechenden Warschauer Pakt.



    =



    Geschichte wiederholt sich nicht - Europa hält an der KSZE Formel



    der Unverrückbarkeit von Grenzen in Europa durch militärische Gewalt fest. Das bedeutet militärische Stärke ist der Hebel die Ukraine siegreich mit allen Mitteln zu unterstützen um einen befürchteten Dominoeffekt weiterer Staaten zu verhindern.

  • Guter Einstieg ins Interview, aber ab der Mitte ist der Herr bei der außenpolitischen Quadratur des Kreises angekommen. Besonders entlarvend ist ja seine Feststellung, dass es 3 strukturelle Segmente der Bevölkerung gibt und keine politische Mehrheit dafür eines vor allem zur Finanzierung der Probleme heranzuziehen. Ab dem Satz ist alles weitere Wunschdenken. Man darf also niemanden überfordern und alle mitnehmen. Wer aber zahlt denn dann was? Und wo kommt denn dann das Volkseinkommen denn her in der derzeitigen Lage, dass über Steuern zur Finanzierung der Großaufgaben verwendet werden könnte? Insbesondere wenn wie er auch sagt kein deutlicher Aufschwung derzeit absehbar ist?



    Nächster Widerspruch: Die Progressiven sollen (müssen) also fordern, aber folgen können wir ihnen ja nicht weil viele Menschen da nicht mitgehen (siehe Finanzierung). Aber wie geht es denn dann vorwärts? Und an der Stelle nochmal: Wer bezahlt denn dann den (benötigten) Fortgang nun?

    Und zum Ausgleich mit Russland ist zu sagen: Es gibt dann so Punkte, an denen man nicht nachgeben kann ohen gefressen zu werden oder ohne sich aufzugeben. Unter gewissen Umständen müssen Prinzipien strikt aufrecht erhalten werden.

  • Aha! ruzzland ist also eine Großmacht und Europa nicht? Was für ein realitätsfremdes Gewäsch. Genau diese Selbstverzwergung Europas ist das Problem.

    Wir brauchen eine europäische Armee und müssen endlich aufhören im nationalen Klein-Klein uns gegeneinander ausspielen zu lassen und dann müssen wir vor mittelmächten wie dem wirtschaftlich, technologischen Zwerg ruzzland auch nicht mehr vorführen lassen.

    • @spaltarsch:

      Wer würde dann über mögliche Einsätze einer solchen europ.Armee entscheiden? Im Turnus-Wechsel Meloni, Tusk, Orban, Stubb usw.? Oder müssten die sich alle vor einem Einsatz erst einigen?

    • @spaltarsch:

      "Wir brauchen eine europäische Armee und müssen endlich aufhören im nationalen Klein-Klein uns gegeneinander ausspielen zu lassen..."

      Dann könnte sich die EU vielleicht als Großmacht bezeichnen. Vorher nicht.

  • Die EU bzw. die EU-NATO-Staaten befinden sich bereits in einem hybriden Krieg mit Russland und für die Baltischen Staaten, für Finnland, für Polen ist das vielleicht schon mehr als ein hybrider Krieg. Und deswegen mag es sein, dass es eine multipolare Weltordnung jetzt gibt, aber in Europa, muss die EU / NATO Russland in die Schranken weisen. Ob das mit Ungarn, mit rechtsextremen entpatriotisierten Parteien wie der AfD wirklich geht?



    Und viele EU_Staaten haben Oberschichten, die nicht ausreichend besteuert werden, haben zunehmende Ungerechtigkeit, wachsende Armut und dabei wachsende Verteidigungsausgaben. Die EU macht gerade keine gute Figur, ganz besonders Deutschland, wenn es um nachhaltige Lösungen geht. Und zu diesen Lösungen gehören Entscheidungen, die nicht populär sind, die viel Ärger erzeugen: Steuern für Reiche raus, junge Menschen müssen militärisch geschult und ausgebildet werden, alte Menschen müssen eventuell auf einige Sachen verzichten, mancherort länger arbeiten und der Lebensstandard bleibt vielleicht gleich.



    Die Schuldenbremse kann nicht bleiben und die Investitionen müssen rauf.



    Frankreich muss seine Atomwaffen für den Schutz Europas zur Verfügung stellen.

  • Danke für dieses Interview.



    Die Welt, das ist ein weites Feld.



    Grundsätzlich ist das Wachrütteln die zentrale Botschaft.



    Es ist nicht "alles wieder gut", weil trump Grönland gerade doch



    ( noch) nicht besetzt hat.



    Die Tatsache, dass die USA uns nicht weiter beschützen wird, ist aber noch nicht so richtig angekommen.



    Da wird weiter gegen einen "Zwangsdienst " demonstriert, den es übrigens noch gar nicht gibt.



    Wir werden uns wohl von einigen sicher geglaubten Gewohnheiten verabschieden müssen...



    Interessant ist die Kritik am erstrebten Ausgleich mit Russland, von Seiten der Kommune.



    Ganz nebenbei: Russland ist ein Teil Europas.



    Das können wir kaum ignorieren. Ein endloser Krieg nutzt Niemandem. Dass uns hierfür finanzielle und militärische Mittel fehlen, sollte mittlerweile eigentlich deutlich geworden sein.



    Der Artikel enthält eine Menge unbequemer Wahrheiten.



    Es ist Realpolitik, auch mit Staaten, die nicht in Allem die gleichen Werte teilen, Projektbezogen zusammen arbeiten zu müssen.



    Ist doch eigentlich gar nicht so ungewöhnlich: ich habe auch öfter mit Menschen zu tun, mit denen ich vielleicht berufliche Verknüpfungen habe, privat aber nichts zu tun haben will.



    Kompromiss muss!

    • @Philippo1000:

      Noch sind in Deutschland und Europa US-Truppen und US-Atomwaffen sind auch für Deutschland und die EU ein Schutzschild gegen Russland. Die USA nutzen das Bündnis und die damit entstandene Abhängigkeit ziemlich direkt aus. Ob das ein Ende des Bündnis bedeutet? Ob es zukünftig Schutzlosigkeit bedeutet, da wäre ich mir nicht so sicher.

    • @Philippo1000:

      "Russland ist ein Teil Europas.



      Das können wir kaum ignorieren. Ein endloser Krieg nutzt niemandem. "



      Falsch. In der Regel nutzen Diktatoren Kriege gern, um von inneren Problemen abzulenken und sich an der Macht zu halten.



      Siehe auch Russland, das übrigens zum größten Teil in Asien liegt, wenn wir hier schon Allgemeinplätze klopfen wollen.

  • Wer ist eigentlich das viel genannte Europa?



    Orban ganz sicher nicht, Italien nicht mehr, die Slowakei auch nicht mehr, Niederlande und Österreich tummeln am rechten Rand, Schweden und Dänemark sind auch schon eher rechte Kandidaten.



    Welches Europa sollte denn nun einige sein? Denn so weit auseinander wie jetzt war Europa noch nie. Und Brüssel mag alles mögliche sein, aber ganz sicher nicht mehr die Stimme Europas.

  • Früher hatten die SPD-Außenpolitikers mehr Lametta.



    Ich schüttle mal eben eine andere Analyse aus dem Ärmel.

    Falls kein höh'res Wesen, kein Tribun Europa rauspaukt wie früher die USA (wir wissen es noch nicht) plus ein Feind wie Putins Russland ist für alle eine Bedrohung, dann kommt eine europäische Koordination und Einheit plötzlich sehr rasch. Wer das will, sollte Putins Manöver auch realistisch als Bedrohung ansehen.

    Zweitens: Nach Putin und dem Zusammenbruch der fossil finanzierten Kriegswirtschaft dort sollten wir gerne wieder mit Russland reden. Es hilft, wenn das sich aus den besetzten Gebieten zurückzieht, wie wir es ja auch von Marokko und Israel verlangen.

    Denn dann geht das anzunehmende US-Spielchen nicht auf, sich die Gegenküsten billig abzusichern, indem dort jeweils zwei gleichstarke Blöcke sich teuer neutralisieren.

    Die Freundschaft mit der USA ist und bleibt dabei das Ziel und das Beste, was Deutschland geschehen konnte.

    • @Janix:

      "Die Freundschaft mit der USA ist und bleibt dabei das Ziel und das Beste, was Deutschland geschehen konnte."



      Die Mixtur aus Vergangenheits- und Gegenwartsformen zeigt genau das Problem. Für die Vergangenheit stimme ich Ihnen zu. Für die Gegenwart nicht, da diese Freundschaft in der Politik derzeit schlicht nicht vorhanden ist. Und die Zukunft ist völlig offen. Ab einer gewissen Menge an zerschlagenem Porzellan lassen sich Dinge nicht mehr kitten.

      • @Encantado:

        Mmmh,



        ich halte in einer Post-Trump-Welt eine Partnerschaft durchaus für zu kitten, mehr Geschichtsunterricht hier wie dort wäre ein kleiner Schritt fürs Langfristige; doch bis eine Liebe wieder kommt, sind wir Heutigen nicht mehr auf diesem Globus. Europa wird einfacher sein, wenn sich denn hier die Rechts-Tumben die Zähne ausbeißen.

  • "Wir werden eine multipolare Weltordnung bekommen, in der China und die USA die Pole sind und Russland eine weitere Großmacht".

    Bei derartigen Aussagen bin ich dann raus. Großmacht Russland? In welchen Bereichen? Die Wirtschaftskraft ist mit der Italiens vergleichbar, die militärische Stärke, wie in der Ukraine zu bestaunen, wenn nur auf dem Papier vorhanden. Was bleibt? Russland ist eine Atommacht und ansonsten global gesehen ein Player aus der zweiten Reihe.

    Und auch vor den anderen beiden globalen Polen braucht Europa sich nicht verstecken, wenn es geschlossen auftritt, die Defizite im militärischen und digitalen Bereich aufarbeitet, aber vor allem einmal anfängt seine faulen Äpfel in den eigenen Reihen auszusortieren. Dazu gehört eine Reform der EU u.a. hinsichtlich des Stimmrechts inklusive Ablösung des Einstimmigkeitsprinzips durch einen einfachen Mehrheitsbeschluss.

    Und natürlich ist es möglich mit Putin zu einem Interessenausgleich zu kommen. Da braucht es nur Gebietsabtretungen und das vorherige Ja aus Moskau bei Beschlussfassungen der EU.

    Fazit, eine Analyse die in Moskau, Peking und Washington Anklang finden dürfte, aber unterm Strich Europa nur unnötig kleinredet.

    • @Sam Spade:

      "wenn es geschlossen auftritt"

      Wenn das Wörtchen "wenn" nicht wär ...



      .



      Das Einstimmigkeitsprinzips kann nur durch eine einstimmige Abstimmung beendet werden. Wird nie passieren.



      .



      Ein Mechanismus um faule Äpfel zu entfernen existiert nicht, nicht einmal ausreichend wirksame Sanktionen.



      .



      Um das zu ändern müssten auch die faulen Äpfel zustimmen.



      .



      Die EU in ihrer derzeitigen Form ist schlicht und ergreifend nicht reformierbar.



      .



      Realistischer wäre die Gründung einer Art 2te EU und diese dann mit reiner Mehrheitsabstimmung und gemeinsamer Verteidigungspolitik und so weiter.

      • @sociajizzm:

        Ihre Punkte sind zum Großteil richtig, wenn es um das EU Recht geht. Über dem steht aber das Völkerrecht. Das Völkergewohnheitsrecht gibt den EU Staaten die Möglichkeit, Länder wie Ungarn komplett aus der EU auszuschließen.

        Und auch im EU Vertrag gibt es die sogenannte Passerelle-Klausel nach Art. 48 Abs. 7 EUV, die in bestimmten Bereichen das Einstimmigkeitsprinzip durch einen Mehrheitsbeschluss ersetzt, wurde auch schon desöfteren angewendet.

        Unmöglich ist eine Reformierung der EU unter den heutigen rechtlichen Gegebenheiten daher keinesfalls.

        • @Sam Spade:

          Art. 48 Abs. 7 EUV wurde bisher noch kein einziges Mal in der Praxis genutzt.



          .



          Warum? Weil das einstimmig beschlossen werden muss. Stimmt innerhalb von 6 Monaten auch nur 1 einziges Parlament dagegen, wird es nicht angewendet.



          .



          Diskutiert wurde es, zum Beispiel bei der Steuerpolitik.



          .



          Ein Ausschluss ist zwar theoretisch möglich, muss aber ebenso einstimmig beschlossen werden.



          .



          Sind es 2+ faule Äpfel ist auch das praktisch aussichtslos.

    • @Sam Spade:

      "natürlich ist es möglich mit Putin zu einem Interessenausgleich zu kommen. Da braucht es nur Gebietsabtretungen..."



      Nur die Ukraine, oder werfen wir das Baltikum und Finnland direkt mit hinterher?



      "...und das vorherige Ja aus Moskau bei Beschlussfassungen der EU."



      Ich wittere hier Sarkasmus, oder?

      • @Encantado:

        "Ich wittere hier Sarkasmus, oder?"

        Korrekt.

        Wenn ein Analyst bei seinen "Analysen" zu dem Ergebnis kommt, ein Interessenausgleich mit dem heutigen Russland würde die Probleme beseitigen, dann ist meine Antwort darauf Sarkasmus statt Kritik.

    • @Sam Spade:

      Vollkommen richtig!

      Russland ist genau das, was die UdSSR ihrerseits nach dem berühmten Diktum Helmut Schmidts war:

      Obervolta mit Atomwaffen.

      Nichts, absolut gar nichts außer Rohstoffen kann Russland der Welt bieten. Genau deswegen gibt es ja die irrsinnige Lehre von der Russkij Mir als mystischem Zentrum der Welt und die faschistoide Anbetung russischer Gewalttätigkeit und rücksichtsloser Macht: weil sowohl der Kreml als auch das russische Volk wissen, dass Russland einfach nichts anzubieten hat und niemand sich diesem Staat von selbst annähern würde. Wer, außer Diktatoren wie Lukaschenko oder korrupten Möchtegerndiktatoren wie Orbán hat etwas davon?

      • @Suryo:

        Land Land Land



        Bodenschätze



        Rohstoffe



        Nahrungsmittelherstellungszonen



        ziemlich viele Menschen



        Know-How im Militärbereich



        keine effektive Opposition mehr

        Diese Punkte sind nicht "Nichts". Russland hat einiges zu bieten. Zum Beispiel als Lieferant und als geostrategischer Partner.

        Und zu Sam Spade: Sie schreiben Russland zu weit herunter. Sehen sie sich die Kaufkraftäquivalente pro Kopf an, das BIP von Russland gibt dessen Wirtschaftskraft nicht richtig wieder, die ist um einiges höher (aber natürlich nicht europäischer Standard). Und einige urbane Zentren haben eine ziemlich hohe Wertschöpfung.

        • @JK83:

          Russland ist für China eine Billigtankstelle und ein Kettenhund, der für einen den Westen in Schach hält.

          Ansonsten hat China vor wenigen Monaten still und leise die Namen mehrerer ehemals chinesischer, nun russischer, Städte auf offiziellen Landkarten und in Schulbüchern in die chinesischen Originalnamen geändert. Das zeigt schon, wie China Russland einordnet. In den betreffenden Städten leben übrigens jetzt schon tausende Chinesen, die dort die gesamte Wirtschaft am Laufen halten - von den Russen kommt nämlich nicht mehr sehr viel.

          Technisch ist Russland dem Westen und China massiv unterlegen, es gibt schlicht keine nennenswerten Innovationen aus Russland.

          "...das BIP von Russland gibt dessen Wirtschaftskraft nicht richtig wieder..."

          Sie sollten vielleicht schon was von der Kriegswirtschaft in Russland gehört haben, und dass Rüstungsausgaben, speziell während eines Krieges, rein konsumptiv sind.

  • "Wolfswelt" - lesen Sie Marshal Rosenberger, der seine Methode der Non-Violent Communication unter anderem aus seinen Erfahrungen in der Verständigungsarbeit im Nahen Osten gewonnen hat. Im Feld seiner Methoden und seiner Ethik spricht man von "Wolfssprache" und "Giraffensprache".

    • @ja wirklich?:

      Marshal Rosenberger meint wohl Marshall B. Rosenberg und seine Gewaltfreie Kommunikation, die auch in deutsch erhältlich und gut lesbar ist.

  • Dieses Interview halte ich für gut gelungen, das ist gues Denkfutter. Nicht nur für den linken Flügel der SPD.

    • @ja wirklich?:

      Und @vieldenker.



      So viel Dissenz zum linken Flügel der SPD sehe ich bei Saxer nun auch nicht.



      Es war immer Position von SPD-Linken, die europäische Kooperation gegenüber der transatlantischen stärker zu betonen. Über Jahrzehnte wurde das von den Pragmatikern (auch in der SPD) als utopisch diskreditiert, im schlimmsten Fall als Antiamerikanismus.



      Und dann kam ein Klaus v. Dohnanyi - nicht gerade als linker Sozialdemokrat verschrien - und formulierte die Idee einer europäischen Sicherheitsarchitektur, unter Einschluss Russlands übrigens. Man muss dabei nur klar sagen, dass es ohne Russland aus geopolitischen Gründen nicht funktioniert, nicht, weil man sich so lieb hat oder Russland für die reinste Friedensmacht hält.



      Ich denke, das wurde auch von den Stegners und Mützenichs nie anders behauptet. Es bedeutet nur eine seit 2022 komplett verlorengegangene (Re-)Rationalisierung der europäisch-russischen Beziehungen, eingedenk der Gefahren, die vom russischen Imperialismus ausgehen,



      Aussenpolitisch könnte die SPD mit einem solchen sicherheits- und friedenspolitischen Konzept durchaus punkten und sich damit zwischen Union und Grünen einerseits und der Linken andererseits positionieren.

      • @Abdurchdiemitte:

        Danke für diese überfällige Versachlichung. Insbesondere von Dohnanyi hat mehr Gehör verdient.

  • Aha, ein Interessenausgleich zwischen Russland und "Kerneuropa" schwebt ihm vor.



    Damit muss sich Randeuropa wohl dann abfinden. Nicht unser Problem, dass die Balten und Ukrainer so weit weg wohnen.

    • @nihilist:

      “Grundwerte” eben.

      Aber mal ehrlich: diese arrogante Haltung ist in Deutschland sehr weit verbreitet. Jedes Mal, wenn Russland als “Nachbar” Deutschlands bezeichnet wird, scheint sie wieder auf: die deutsche Anmaßung und Arroganz gegenüber Polen, Baltikum, Ukraine und Co. Die existieren gar nicht bzw. haben sich gefälligst dem deutschen Nachbarn Russland zu fügen, auf dass der uns Deutsche in Ruhe lasse und uns sein billiges Gas liefere. Besonders verbreitet ist diese tödliche Arroganz in Ostdeutschland.

  • Am Ende ist Europa nur ein "Wolf im Schafspelz".



    Politiker, die den großen Konzernen den Weg zur Ausbeutung der Menschen rund um den Globus bereiten.



    Umweltkatastrophen, die diese verursachen.



    Dritte-Welt-Länder, die als "Müllkippe" für giftige Stoffe herhalten müssen.



    Kinderarbeit usw.



    Die Devise "Let's go shopping" muss um jeden Preis durchgehalten werden. Das ist doch der einzige "Wert", der zählt.



    Die Zeche zahlen zuerst die Menschen in der Dritten Welt, später dann auch wir - wenn nämlich Luft, Wasser und Land endgültig verseucht sind.



    Die Monstranz "wertegeleitete Außenpolitik" taugt höchstens, um sich damit den Rück zu kratzen.

  • Hat er das schon mal mit dem linken Flügel seiner Partei durchdiskutiert? Könnte spannend werden.

    • @vieldenker:

      Wieso? PL-Typen wie Stegner sind doch gerade für den Ausgleich mit Russland, während es wohl viel eher die Seeheimer sind, die Widerstand leisten wollen.

  • Himmel, lasst doch mal die armen Wölfe mit solchen absurden und wissenschaftsfernen Vergleichen in Ruhe. Ist es denn nicht möglich, auf einem Gebiet Expert:in zu sein und auf anderen Gebieten halbwegs auf dem Stand der Dinge?!

  • Man kann natürlich einen Ausgleich mit dem faschistischen Russland zu Lasten von Millionen für wünschenswert halten. Aber dann sollte man vielleicht nicht gerade in der Grundwertekommission der SPD sein.

    • @Suryo:

      Von welchem Ausgleich faselt er eigentlich? Putin beansprucht schließlich ganz Europa.