Ende der Coronanotlage: Das kann heiter werden

Nach bald zwei Jahren Corona sind alle müde – auch die Politiker. Doch die Pandemie beendet man so nicht.

Eng zusammen sitzende junge Menschen mit Masken

Wieviel Abstand brauchen wir demnächst? Unistart in Münster im Oktober Foto: Rolf Vennenbernd/ap/dpa

Man hatte ein wenig die Hoffnung gehabt, dass die künftige Regierung mit Experten und Intensivmedizinern spricht, die aktuellen Zahlen betrachtet. Doch die Ankündigung von Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU), die epidemische Notlage von nationaler Tragweite Ende November zu beenden, ist zur sich selbst erfüllenden Prophezeiung geworden. Nach bald zwei Jahren Pandemie ist nicht nur die Bevölkerung müde, auch die Bundespolitiker sind es offenbar leid. Die Wahl hat eh gezeigt, dass man für Corona nur Prügel erntet.

Man wüsste dennoch gern, in welcher Kristallkugel die Ampelparteien eigentlich erblickt haben, was sie in ihrem Papier als Begründung anführen: Die Voraussetzung für die epidemische Lage ist in vier Wochen nicht mehr gegeben. Die Beteiligten stellen damit praktisch jetzt schon fest, dass es Ende November kein dynamisches Infektionsgeschehen über mehrere Bundesländer hinweg geben wird.

Oder aber, dass die Weltgesundheitsorganisation (WHO) die Pandemie im November für beendet erklärt, was angesichts der globalen Coronasituation jedoch nahezu ausgeschlossen sein dürfte.

Und damit zurück in die Gegenwart: Seit zehn Tagen steigt die 7-Tage-Inzidenz in der Bundesrepublik, und zwar so deutlich, dass man das Infektionsgeschehen bereits jetzt dynamisch nennen kann. Der im Ampel-Papier erneut geplante Impffortschritt dagegen wird kaum wie geplant eintreten.

Durchseuchung in Sachsen, Schulschließung in NRW?

Dazu tragen nicht zuletzt Fußballspieler bei, die für ihre Impfverweigerung sogar Verständnis ernten. Deutschland hat eine schlechtere Impfquote als Großbritannien, wo die Zahl der schweren und tödlichen Covidverläufe übrigens wieder zugenommen hat.

Mehr als 25 Millionen Menschen in Deutschland werden dem Virus deshalb ausgeliefert sein, wenn der Bund die Verantwortung Ende November zurück an die Länder gibt. Die Länder dürfen dann entscheiden, was oder ob etwas zu tun ist, wenn Corona aus dem Ruder läuft.

Durchseuchung in Sachsen, aber Schulschließung in NRW? Das kann heiter werden. Die Pandemie beendet man so aber sicher nicht.

Einmal zahlen
.

Fehler auf taz.de entdeckt?

Wir freuen uns über eine Mail an fehlerhinweis@taz.de!

Inhaltliches Feedback?

Gerne als Leser*innenkommentar unter dem Text auf taz.de oder über das Kontaktformular.

Wir würden Ihnen hier gerne einen externen Inhalt zeigen. Sie entscheiden, ob sie dieses Element auch sehen wollen.

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Wir würden Ihnen hier gerne einen externen Inhalt zeigen. Sie entscheiden, ob sie dieses Element auch sehen wollen.

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Die Coronapandemie geht um die Welt. Welche Regionen sind besonders betroffen? Wie ist die Lage in den Kliniken? Den Überblick mit Zahlen und Grafiken finden Sie hier.

▶ Alle Grafiken

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de