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Empörung über KI-PolizeibildBlaulicht vom Bot

Martin Seng

Kommentar von

Martin Seng

Eine Polizei-Gewerkschaft bebildert eine Mitteilung mit einem blutenden Polizisten – nur ist das Foto KI-generiert. Die Kritik ist groß.

Ein gepromtetes Opfer (Mitte) Foto: Screenshot 28. Januar 2026: gdp sachsen

Z wei Polizisten in schwerer Montur stützen einen verletzten Kollegen. An seiner Stirn klafft eine große Wunde, das Blut rinnt ihm durch den Kurzhaarschnitt und das Gesicht herunter. Im Hintergrund erkennt man unscharf eine große, schwarz gekleidete Menschenmenge, auf dem Boden liegen Flaschen.

So sah das Titelbild einer Pressemitteilung vom 25. Januar der Gewerkschaft der Polizei Sachsen aus. Dazu die Überschrift: „Schwere Ausschreitungen in Magdeburg – GdP Sachsen verurteilt Gewalt“ zu Ausschreitungen bei einem Fußballspiel. Das Bild suggeriert: Die Polizei ist Gewaltopfer von diesen Ausschreitungen. Das Problem: Das Bild ist nicht echt, sondern KI-generiert. Die abgebildeten Polizisten gibt es nicht, das Gezeigte hat in dieser Form nicht stattgefunden.

Dass die Polizei gerade bei Einsätzen in Stadien in Situationen wie auf dem Bild gerät, ist unbestritten. So auch bei dem Fußballspiel zwischen dem 1. FC Magdeburg und Dynamo Dresden. Die Polizeigewerkschaft Sachsen spricht von „64 verletzten Polizeibeamtinnen und Polizeibeamten“, die teils schwer verletzt im Krankenhaus landeten.

Screenshot mit dem mittlerweile gelöschten Foto Foto: gdp sachsen

Die Frage ist jedoch, warum in der Mitteilung dazu ein ultimativ falsches Bild mit einem leicht zu übersehenden Hinweis in der unteren rechten Ecke „KI: ChatGPT“ genommen wurde, um die reale Situation vor Ort darzustellen. In der Mitteilung selbst findet sich kein Hinweis darauf, dass man hier ein ultimativ falsches Bild benutzt hat.

„Konstante redaktionelle Maßnahme“

Heute, am 29. Januar, wurde das irreführende Bild entfernt und durch die simple, unspektakuläre Abbildung eines Blaulichts ersetzt. Die Änderungen im Fall des blutüberströmten Polizisten zu der Gewalt im Stadion gehörten zu „einer konstanten redaktionellen Maßgabe“, teilte ein Sprecher der Gewerkschaft der Polizei der taz auf Anfrage mit. Reale Fotos kämen wegen Persönlichkeitsrechten, Ermittlungen und dem Schutz der Betroffenen nicht infrage. Der Sprecher fügt hinzu, dass die Änderung „keine inhaltliche Neubewertung“ sei, sondern eine „Reduktion der Visualisierung“. Warum man sich zuerst für so ein drastisches Bild entschieden hat, bleibt offen.

Gerade die drastistische Darstellung des verletzen Polizisten hatte nach der Veröffentlichung in sozialen Netzwerken und Medien für Kritik gesorgt. Aber auch zu anderen Polizeieinsätzen wurden schon KI-generierte Bilder verwendet, wie etwa von der Gewerkschaft der Polizei Sachsen-Anhalt in einer Pressemitteilung vom 24. Januar 2026.

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Narrative durch künstliche Intelligenz

Es ist leicht, sich generierte Bilder mit klischeehaften Darstellungen von Linken mit „Hammer und Sichel“-Patch an der Jacke und gefärbten Haaren vorzustellen, in denen diese auf Po­li­zis­t:in­nen einschlagen. Dank der künstlichen Intelligenz lässt sich jedes Narrativ herstellen oder bewusst verfälschen. Über die Tragweite von solchen generierten Bildern muss sich eine Polizeigewerkschaft im Klaren sein.

Es untergräbt die verbleibende Seriosität der Polizei, wenn sie neben den Vorwürfen massiv überzogener Härte wie Ende letzten Jahres bei den Demonstrationen in Gießen nun auch noch mit KI-Bildern aktiv falsche Eindrücke vermittelt. Dass dazu auch noch regelmäßig Polizei-Chatgruppen mit nationalistischen wie rassistischen Inhalten auftauchen und kaum Konsequenzen haben, zeigt den Charakter der Institution. Immerhin stimmt in der Magdeburger Pressemitteilung wenigstens folgender Satz: „Gewalt darf im Fußball keinen Platz haben.“

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Martin Seng
Autor
Hat Politik- und Literaturwissenschaft in der ältesten Stadt Deutschlands studiert. Journalistische Zwischenstationen bei Der Spiegel, dem WDR, SWR und weiteren. Schreibt für diejenigen, die es interesseiert, darunter die Frankfurter Allgemeine Zeitung & Sonntagszeitung, Die Zeit und natürlich die tolle taz. Beschäftigt sich mit Politik und Propaganda in den Medien und im Sport, das Neuland namens Internet und Extremismus. Liebt Hemingway und Arendt, bewundert Tarr und Miura, kritisiert Musk und Peterson. Wurde mal von Maximilian Krah verbal diffamiert. Schreibt (wie vermutlich alle Journalist:innen) an einem Buch.
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5 Kommentare

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  • Mir graut es vor einer Welt, in der lauter vermeintlich intelligente Menschen herumlaufen, die gar nicht intelligent sind.

  • Klar, seriöse Publikationen verwenden keine Symbolbilder - gilt das auch für die Presse?

    • @FraMa:

      »Klar, seriöse Publikationen verwenden keine Symbolbilder«

      Die sind aber auch klar als solche gekennzeichnet.

  • Das Foto ist eindeutig als KI-generiert gekennzeichnet.



    Kritik wäre nur berechtigt, falls es nicht auch eine vergleichbare Tat gegeben hat.



    Ich finde auch das die Persönlichkeitsrechte der Beamten gewahrt werden müssen und sie nicht verletzt zur Schau gestellt werden sollten.



    Das Bild kann man natürlich kritisieren, aber das wir jetzt von vielen genutzt um abzulenken und die Gewalt im Stadion zu verharmlosen.



    Zitat Berliner Morgenpost: "Die Beamten werden unter anderem mit Steinen, Absperrgittern, Mülltonnen, Stühlen, Toiletten, Gehwegplatten und einem Gullydeckel beworfen.



    Das ist einfach nur widerlich und muss bekämpft werden.

    • @Thomas2023:

      »Das Foto ist eindeutig als KI-generiert gekennzeichnet.«

      Ja, so eindeutig wie das Kleingedruckte in vielen Verträgen. Der Rest deines Kommentars fällt in die Kategorie Whataboutism.