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Debatte über europäische AtomwaffenBombige Partner gesucht

Europa diskutiert über eine gemeinsame nukleare Aufrüstung. Aber wie soll man so die übrige Welt glaubwürdig von Atomwaffensperrverträgen überzeugen?

Die Briten sind neben den Franzosen die einzigen Europäer mit Nuklearwaffen Foto: Kieran Doherty/reuters

Die USA sind kein verlässlicher Partner mehr für Europa: Eine Feststellung, die man spätestens seit dem Auftritt von US-Vizepräsident J. D. Vance auf der Münchner Sicherheitskonferenz 2025 treffen musste, und die man nach der Rede von US-Außenminister Marco Rubio vor wenigen Tagen ebendort nur erneuern konnte. Zugleich sind die USA aber die wichtigste atomare Schutzmacht innerhalb der Nato. Und so wird eine Frage auch nach der Sicherheitskonferenz am Wochenende weiterdiskutiert: Unter welchen atomaren Schutzschirm könnte Europa schlüpfen – sollte man weiter auf die USA setzen, und welche Alternativen gäbe es?

Die Briten sind neben den Franzosen die einzigen Europäer mit Nuklearwaffen. Laut Schätzungen des Friedensforschungsinstituts Sipri verfügen sie über 120 beziehungsweise 280 einsatzbereite Atomwaffen. Das britische Arsenal ist ausschließlich seegestützt, das französische zusätzlich luftgestützt. In beiden Fällen handelt es sich um strategische Abschreckung, nicht um taktische Waffen. Laut Experten ist das zu wenig für die Verteidigungsfähigkeit Europas.

Deswegen sind Schätzungen zufolge etwa 100 landgestützte US-Atomwaffen in Europa stationiert: in Deutschland, den Niederlanden, Belgien, Italien, der Türkei; hauptsächlich in Form von taktischen Fliegerbomben. Sie sind das Fundament des nuklearen Schutzes Europas durch die Nato.

USA keine verlässliche atomare Schutzmacht mehr

Doch schon im US-Wahlkampf hatte Präsident Donald Trump angedeutet, die Nato-Verbündeten im Fall eines russischen Angriffs nicht verteidigen zu wollen. Zugleich droht Russland immer wieder mit einer nuklearen Eskalation, sollte sich der Westen zu sehr zugunsten der Ukraine in den Krieg einmischen.

So werden in Europa Forderungen immer lauter, atomar aufzurüsten: Die Briten wollen ihr Arsenal immens aufstocken und modernisieren, die Franzosen ebenso, der polnische Präsident Karol Nawrocki brachte bereits die Idee für ein eigenes Atomwaffenprogramm für sein Land ins Gespräch. Bundeskanzler Friedrich Merz sagte auf der Münchner Sicherheitskonferenz vergangene Woche: „Ich habe mit dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron erste Gespräche über europäische nukleare Abschreckung aufgenommen.“ Die ehemaligen Kanz­le­r:in­nen Angela Merkel und Olaf Scholz hatten das noch abgelehnt.

Während Großbritannien seine nuklearen Fähigkeiten auch für Nato-Zwecke einsetzen würde – jedoch kein EU-Mitglied mehr ist –, gilt Frankreichs atomare Verteidigung nur für das eigene Territorium. Die Idee ist nun, dass Frankreich garantiert, seine Atomwaffen auszubauen und auch für europäische Interessen einzusetzen, die übrigen Länder sich im Gegenzug an den Kosten beteiligen. Die Rede ist von einer Summe im dreistelligen Milliardenbereich.

Das Problem: Man wäre in erster Linie Geldgeber, ohne jedes Mitspracherecht. Zumal die Gefahr besteht, dass die rechtsextreme und EU-feindliche Partei Rassemblement National von Marine Le Pen eine zukünftige Wahl in Frankreich gewinnt. Le Pen ist eine Gegnerin einer gemeinsamen EU-Verteidigung. Sollte Frankreich seine nukleare Abschreckung mit anderen Ländern teilen, schaffe es sich selbst ab, sagte sie im März vergangenen Jahres in der Pariser Nationalversammlung.

Also doch eine eigene deutsche Atombombe, um sicherzugehen? Das wäre mit Blick auf historische Abkommen wie den Zwei-plus-Vier-Vertrag eine Scheindebatte, wie auch Kanzler Merz betonte: „Wir halten uns an unsere rechtlichen Verpflichtungen.“

Eine weitere Idee ist daher eine EU-eigene Atombombe. Doch darauf müssten sich alle 27 Mitgliedstaaten einigen. Und: Damit sie als wirksame Abschreckung taugt, müsste man die langen Entscheidungswege der EU aushebeln – und das Einstimmigkeitsprinzip in der Außenpolitik abschaffen. Der Versuch für Letzteres läuft seit vielen Jahren ins Leere, da insbesondere die außenpolitisch neutralen EU-Staaten dies kategorisch ablehnen.

„Unsere Expertengruppe ist der Meinung, dass leider alle Optionen schlecht sind“, sagte Tobias Bunde, Direktor für Forschung und Politik bei der Münchner Sicherheitskonferenz, kürzlich in einem Podcast der Süddeutschen Zeitung. „Die schlechteste Lösung ist aber ganz klar, das Problem einfach zu ignorieren.“

Die schlechteste Lösung ist aber ganz klar, das Problem einfach zu ignorieren

Tobias Bunde, Direktor für Forschung und Politik bei der Münchner Sicherheitskonferenz

In der Politik erntet Merz’ Vorstoß, gemeinsame Sache mit Frankreich zu machen, dagegen Kritik: Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) sprach von einem „falschen Signal“, sein Parteikollege, der Außenpolitiker Rolf Mützenich, von einer „gefährlichen Farce“: „Wie wollen wir uns im April auf der Atomwaffensperrkonferenz als Europäer präsentieren gegenüber den Ländern, die wir überzeugen wollen, auf Atomwaffen zu verzichten?“, fragte er am Dienstag im Deutschlandfunk.

Ein neues Glaubwürdigkeitsproblem

Tatsächlich bedeutet die Debatte für Europa ein neues Glaubwürdigkeitsproblem. Seit Jahren versuchen die Europäer, die Iraner zu überzeugen, ihr Atomprogramm zu stoppen. 2015 wurde zwischen Iran und den USA sowie Großbritannien, Frankreich und Deutschland unter Vermittlung der EU-Kommission ein entsprechendes Abkommen geschlossen. Die Europäer hielten bis zum vergangenen Sommer an dem Deal fest; erst ab dann verhängten sie wieder Sanktionen.

Das und die verstärkten Drohungen der USA brachten Teheran wohl wieder an den Verhandlungstisch. Diesen Teilerfolg könnten die Europäer nun durch ihre Atomüberlegungen selbst torpedieren.

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22 Kommentare

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  • Atomwaffen sind tödlich für alle, die keine haben. Um Charles de Gaulle zu zitieren: "Eh bien je crois qu’on n’attaque pas volontiers des gens qui ont de quoi tuer 80 millions de Russes" Niemand greift mal so eben ein Volk an, das 80 Millionen Russen töten kann.

  • Trump zwingt den Europäern die Frage auf, wie sie sich unabhänging von den USA nuklear schützen wollen und sollen.



    Tatsächlich sind die Atomwaffen von UK und Frankreich durchaus sehr wirksam.



    Und es wäre ein gangbarer Weg US-amerikanische Atomwaffen durch britische und französische Atomwaffen zu ersetzen.



    Was allerdings die Machtverhältnisse in der EU und in der NATO beeinflussen wird.



    Gerade Großbritannien müsste langfristig in die EU geholt werden. Und es wäre eine berechtigte Frage, ob die NATO als NATO so bleiben kann, wie sie ist, nämlich so, dass die USA sie mehr oder weniger führen, sie aber in Europa gar nicht anführen wollen, bzw. von den Europäern die wesentlichen Beiträge verlangen, während die NATO eigentlich immer noch US-dominiert ist.



    Für mich ist es nach wie vor seltsam, dass die Zukunft von Sicherheit und Verteidigung wenig öffentlich diskutiert wird.



    Ich würde mal platt sagen: Wenn alle EU-Staaten eine Wehrpflicht einführen, sagen wir mal sechs Monate, drei Monate Grundausbildung, drei Monate Dienst, wäre das an Russland ein sehr deutliches Signal. Aber es bleibt aus.



    Und Frankreich-Deutschland: Was gibt es Neues. Nichts.



    =So kann das nicht weitergehen.

  • Merz ANTWORTETE auf den Vorschlag von Macron, der eine europäische Debatte über nukleare Abschreckung in Gang gesetzt hat. Merz betonte, dass die Idee der französischen Regierung in der aktuellen geopolitischen Lage nicht ignoriert werden dürfe: „Ein solches Angebot der französischen Regierung kann man in diesen Zeiten nicht ungeprüft liegen lassen.“



    =



    Merz hält es für denkbar, die atomwaffenfähigen Flugzeuge der Bundeswehr künftig auch für den Einsatz britischer und französischer Nuklearwaffen bereitzustellen. Bereits JETZT sind Tornado-Kampfjets im Rahmen der sogenannten nuklearen Teilhabe der NATO auf dem Fliegerhorst Büchel in der Eifel für den Transport von US-Atomwaffen stationiert. "Theoretisch wäre möglich, dass auch für die britischen und für die französischen Atomwaffen gelten zu lassen“, erklärte Merz.



    =



    Zu einem souveränen Europa gehören Atomwaffen - siehe atomare Bedrohung durch Putin und seine Folgen seit 2022. Bekanntermassen sind diese Atomwaffen in Europa bereits vorhanden.



    =



    Nur ein vereintes Europa ist verteidigungs - und vor allen Dingen abschreckungsfähig. Putin wird auch weiterhin mit Atomwaffen drohen - ein souveränes Europa benötigt dafür eine Antwort.

  • "Laut Schätzungen des Friedensforschungsinstituts Sipri verfügen sie über 120 beziehungsweise 280 einsatzbereite Atomwaffen."

    Was alleine schon reichen würde um den kompletten Planeten Erde zu zerstören! Wofür genau brauchen wir noch mehr davon???

  • Die Gefahr, die von einer allgemeinen atomaren Bewaffnung ausgeht, ist doch der ungewollte Atomkrieg.

    • @Peter Teubner:

      Die Gefahr ist faktisch nicht existent. Das war ein Problem im Kalten Krieg, aber heutzutage ist das außer bei Ländern wie Nordkorea kein Problem.

  • Das „französische Problem“ müsste sich doch durch langfristige bilaterale Verträge lösen lassen. Man sollte nur nicht mit der Unterschrift warten bis Le Pen regiert.

    • @vieldenker:

      "Man sollte nur nicht mit der Unterschrift warten bis Le Pen regiert."



      Ach ja, die Hoffnung, dass sich Rechte an Vereinbarungen halten...



      Was sich diesbezüglich gerade so in den USA tut, haben Sie mitbekommen, oder?

      • @Encantado:

        Das ist ja nicht nur ein Problem der „Rechten“, sondern aller Extremisten. Aber wenn es wohl möglich ist, die EZB - Spitze rechtzeitig neu zu besetzen, sollte auch für solche befürchteten Problemlagen eine proprietäre Lösung gefunden werden können. Oder wollten Sie sich gleich aus Angst vor drohenden Veränderungen vorab schon verkriechen?

  • Der britische Premier Starmer erklärte kürzlich seine Zurückhaltung gegenüber der Trump-Regierung: Ohne deren Mitwirkung sind die britischen Atomwaffen nicht einsetzbar. Über die U-Boote und Atombomben haben zwar die Briten die volle Kontrolle, nicht aber über die zum Einsatz erforderlichen Raketen aus US-amerikanischer Produktion. In Deutschland träumt man seit den 1950er Jahren davon, über die "atomare Teilhabe" wieder einmal zur Weltmacht werden zu können. Da ist es nur gut, dass die USA auch hier bei möglichen Trägerwaffen das letzte Wort haben. Und wenn sich nun die Deutschen und Franzosen über ihr gemeinsames Kampfflugzeugprojekt in die Haare bekommen, ist das eine gute Nachricht für den Frieden. Kaum auszumalen, welche Folgen es haben könnte, wenn Leute wie Merz oder Söder über den Einsatz von Atomwaffen entscheiden dürften. Mit Trump und Putin ist das Risiko schon hoch genug!

    • @Rudi Lipp:

      Also wer Merz und Söder mit einem Trump und Putin in einen Hut wirft, der hat den Schuss nicht gehört.



      Man kann ja alle politisch für Blöd halten, aber wenn Merz oder Söder Zugriff auf Atomwaffen hätten, dann hätte ich wirklich keine Probleme zu schlafen. Das wären von allen Präsidenten/Kanzlern mit Atomwaffen noch die humansten und freundlichsten (Macron und Starmer ggf. ausgenommen).

    • @Rudi Lipp:

      "welche Folgen es haben könnte, wenn Leute wie Merz oder Söder über den Einsatz von Atomwaffen entscheiden dürften. Mit Trump und Putin ist das Risiko schon hoch genug!"



      Ich mag die Genannten ja allesamt nicht, aber wenn Merz statt Trump zu entscheiden hätte, wäre ich geringfügig beruhigter.

  • Die Idee das unsere Bewaffnung mit Atomwaffen irgend einen Einfluss darauf hat ob der Iran nach Atomeaffen strebt ist quatsch und teil des alten Denkens, dass glaubt solche Vergandlungen würden auf allgemeinen Prinzipien beruhen und nicht auf Machtpolitik.

    Wenn dem so wäre hätte der Iran kein Atomprogramm.

    Das wissen auch Mützenich und co. Wenn Sie gehen europäische oder Deutsche Atomwaffen sind, dann ist das OK, aber Sie sollten nicht den Iran vorschieben.

  • Ganz ehrlich... der Atomwaffensperrvertrag ist im Prinzip eine gute Sache. Nur ist dieser Artikel irgendwie weltfremd.



    Ja genau, soll sich Deutschlands atomare Abschreckung auf ein Frankreich von Le Pen verlassen? Auf Trumps MAGA Bewegung kann es das sowieso nicht...und auf die Nuklearwaffen der Briten?



    Erst recht wenn Farage da wieder an Einfluss gewinnt?



    Ich wünschte die Welt wäre eine andere... aber wenn Putins Russland uns mit Atomwaffen droht...und Trumps Amerika ebenfalls... was bleibt uns eigentlich übrig?



    Entweder wir setzen uns dem entgegen und emanzipieren uns, oder akzeptieren eben, dass jedes mal wenn wir was tun was Putin oder Trump nicht passt....die damit drohen und wir den halt kuschen müssen. Ob das die bessere Alternative ist...die uns die AfD, BSW und Linke versprechen... ich wage das sehr stark zu bezweifeln.

    • @Duplozug:

      Ich gebe ihnen Recht. Der Atomwaffensperrvertrag war Teil der Weltordnung nach dem 2. Krieg. Trump wirft diese Weltordnung über den Haufen, damit ist auch der Atomwaffensperrvertag obsolet. Keiner will das, aber die neue Realität zwingt Europa zum umdenken. Wünschenswert sind aufgrund der neuen Gegebenheiten Atomwaffen unter europäischer Kontrolle -nicht einzelner Nationen.

  • Die Frage ist nicht "WIE soll man die Welt von Atomwaffensperrverträgen überzeugen" sondern warum. Welches Land glaubt denn noch, dass es ohne eigene Nuklearwaffen sicherer wäre?

  • Atomare Abschreckung wirkt nur, wenn sie glaubhaft vermittelt werden kann. Das darf bezweifelt werden, wenn die Entscheider aus 27 Staaten bestehen, ebenso wenn die Entscheidungsgewalt im Falle einer atomaren Bedrohung für Deutschland mit bei Frankreich, Italien oder Spanien liegt.

    Für Deutschland wie auch für die EU scheint es da keine befriedigende Lösung zu geben und der Jurist Merz weiss sehr genau, das man den Atomwaffenspeervertrag kündigen, aber nicht gegen den 2 plus 4 Vertrag verstoßen kann. Da es sich um einen völkerrechtlichen Vertrag handelt, würde Putin einen deutschen Verstoß zum Anlass nehmen für eine Rückabwicklung der Wiedervereinigung, besonders in territorialer Hinsicht. Deutschland wäre dann rechtlich kein voller Souverän mehr und der Osten würde zur Disposition stehen. Daher wird Deutschland wohl in jüngerer Zeit keine eigenständige Atommacht werden.

    Weiter sind da die Skandinavier, die sich des europäischen Problems bewusst sind. Norwegens oberster Befehlshaber Kristoffersen hat jüngst im Guardian zu einer skandinavischen Atombewaffnung erklärt, die Pläne wären vorhanden und aufgrund der Ereignisse in den USA sei eine Umsetzung wahrscheinlicher geworden.

    • @Sam Spade:

      Selbst wenn die Analyse korrekt ist, ein Staat mit Atomwaffen muss sich nicht an internationale Verträge halten. Das hat Russland mit dem Einmarsch in der Ukraine sehr deutlich vor Augen geführt.



      Außerdem, wie sollte der Osten zur Disposition stehen? Russland war nur Besatzungsmacht, die DDR war nie Teil des Staatsgebietes der UdSSR, oder Russlands. Die DDR als Staat existiert auch nicht mehr, das heißt es gäbe keinen Ansprechpartner der eventuelle Russische Forderungen umsetzen könnte.

      • @Bmit:

        Kurz erläutert: Mit dem Beitritt am 3 Oktober 1990 erlosch die DDR als Völkerrechtssubjekt.

        Die vereinigte Bundesrepublik erhielt damit völkerrechtlich ihre volle Souveränität zurück.

        Grundlage hierfür war der Zwei plus Vier Vertrag in dem die Alliierten den Verzicht ihrer Rechte als Besatzungsmacht erklärten.

        Bei einem Verstoß oder gar einer Auflösung des Vertrages würde der Rechtsrahmen wegfallen, bedeutet konkret, die Rechte der Besatzungsmächte könnten wieder eingefordert werden.

        Dieses könnte aus russischer Sicht bedeuten: Forderungen nach Reparationszahlungen wären wieder möglich, die Aussengrenzen Deutschlands könnten in Frage gestellt werden, beträfe besonders die Oder - Neiße Grenze. Der Status der Gebiete der ehemaligen DDR wäre vakant, da der Staat als eigenständiges Völkerrechtssubjekt aus der völkerrechtlich anerkannten SBZ hervorgegangen ist.

        Es steht wohl ausser Frage, das ein deutscher Verstoß gegen den Vertrag für Putin den Jackpot schlechthin bedeuten würde.

        Der Vertrag kann zwar nicht einseitig gekündigt werden, aber ein schwerer Verstoß Deutschlands würde dazu berechtigen ihn völkerrechtlich zu beanstanden.

        • @Sam Spade:

          Der 2 + 4 Vertrag ist mittlerweile Schall und Rauch. Das was Sie hier skizzieren mag zwar Papierrechtlich so stimmen, praktisch hat es aber keine Relevanz. Was hilft es Russland danach Ansprüche auf Reparationszahlungen zu stellen? Richtig, gar nichts, denn niemand würde Ihnen bei der Durchsetzung helfen. Versuchen Sie den Anspruch militärisch durchzusetzen, greifen Sie die Nato an. Keine gute Idee.



          Frankreich oder die England werden ohnehin keine Ansprüche stellen, ist doch Deutschland mittlerweile Verbündeter und diese Länder in erheblichem Maße auf Deutschland angewiesen.



          Trumpf würde ein Bruch des 2+4 Vertrags feiern und fast schon hervorheben.

          Der 2+4 Vertrag hat sich aufgrund der weiterentwickelten Geopolitischen Lage selbst erledigt. Verträge haben halt keine Ewigkeitsgarantie und wirken nur, wenn diese auch durchsetzbar sind, bzw. durchgesetzt werden.

          Zumal der Kern des Abkommens ohnehin ist, dass Deutschland keine Ansprüche mehr auf die verlorenen Gebiete aus dem 2. WK erhebt.



          Alle anderen sind doch eher deklaratorisch und werden mal mehr und mal weniger offen gebrochen.

  • Die jüngste Geschichte zeigt, dass man nur durch den Besitz von Atomwaffen nicht zum Spielball anderer Atommächte wird.

    Wer keine Atomwaffen hat, ist erpressbar.

    Eine Begrenzte Anzahl wird sich jedes Land beschaffen wollen, jetzt wo man sieht, wie die Atommächte die Welt unter sich aufteilen wollen.

  • Dass die USA innerhalb Nato mit ihrem atomaren Schirm nie in dem Sinne wie es sich Westeuropäer wünschten verlässlicher Partner sein wollten, zeigt sich beim Berliner Mauerbau 13. August 1961, Kuba Krise1962, Nato Doppelbeschluss 1982, Stationierung von Mittelstreckenraketen Cuisse Missiles, Pershing II, der auf Druck SPD Kanzlers Helmut Schmidt zustande kam, der eine Mittelstreckenraketenücke entdeckte, von der US Präsident Jimmy Carter zunächst nichts wissen wollte, erst nach UdSSR Afghanistan Invasion Dezember 1979 zustimmte als Reaktion Khomenis Mullah Revolution im Iran. D. h. dass sog System atomarer Abschreckung systemimmanent hoher Grad der Unzuverlässigkeit zugrunde liegt. Warum trotzdem am System festgehalten wird ist ein anderer, Grund über die Finanzierung atomarer Bewaffnung, Teilhabe, Handel mit atomwaffenfähig angereichertem Plutoium, Uran als atomarer AKW Brennstoffelemente Abfall durch Kreditvergabe gegenseitige langfristige Abhängigkeiten zu schaffen. Wenn nun EU mit einem Parlament ohne Initiativrecht für Gesetzesvorlage noch EU Haushaltskontrollrecht mit Projekt atomaer EU Rüstung konfrontiert wird entsteht das was Robert Jungk 1978 als Atomstaat definerte