piwik no script img

Das Wasser wird knapp Nur die Vorboten

Nick Reimer

Kommentar von

Nick Reimer

Der Klimawandel sorgt nicht nur für Stürme und Dürre, sondern auch für Wasserknappheit. Das spüren seit einigen Jahren auch die Kommunen in Deutschland.

E s ist eine Binse: Bei Hitze steigt die Trockenheit. Es erhöht sich nicht nur die Zahl der Flüssigkeitsmengen, die von Menschen verbraucht werden. So meldete der Versorger Badenova in Freiburg im Hitzesommer 2018 mit täglich 63.000 verbrauchten Kubikmetern einen „absoluten Rekord“: Die Leute haben zwei- bis dreimal am Tag geduscht, das Planschbecken befüllt, feuchte Laken vor die Fenster gehängt.

Es steigt auch die Verdunstungsrate in der Natur. Bei zu großer Wärme werden beispielsweise Blattinhaltsstoffe der Buchen geschädigt, weshalb sie eine natürliche Klimaanlage besitzen: Je heißer es wird, umso mehr Wasser verdunsten sie.

Die Energie für diese Verdunstung entziehen die Bäume ihrer Umgebung, um bis zu 5 Grad kann eine Buche so lokal herunterkühlen. Das geht allerdings nur, wenn ausreichend Wasser vorhanden ist: Die Buche braucht mindestens 450 Liter Regen im Jahr – und so viel gibt es heute mancherorts in Deutschland nicht mehr.

Das Logo der taz: Weißer Schriftzung t a z und weiße Tatze auf rotem Grund.
taz debatte

Die taz ist eine unabhängige, linke und meinungsstarke Tageszeitung. In unseren Kommentaren, Essays und Debattentexten streiten wir seit der Gründung der taz im Jahr 1979. Oft können und wollen wir uns nicht auf eine Meinung einigen. Deshalb finden sich hier teils komplett gegenläufige Positionen – allesamt Teil des sehr breiten linken Meinungsspektrums.

Früher war mehr Wasser

Denn es regnet während großer Hitzewellen in der Regel nicht: Oft kommen Hitzewellen durch Hochdruckgebiete zustande, die Regen einfach nicht vorgesehen haben. Noch fahren Binnenschiffer auf dem Rhein, noch die Dampfschiffe der Weißen Flotte auf der Elbe, aber die Pegel gehen überall zurück und es gibt erste Restriktionen bei der Wasserentnahme, beispielsweise in 14 Landkreisen Brandenburgs.

Deutschland galt früher als wasserreiches Land. Das war zu Zeiten des mitteleuropäischen Klimas. Seit es hierzulande Temperaturen und Trockenheit wie früher am Mittelmeer gibt, gilt das nicht mehr. Immer häufiger kommt es zu Wasserknappheit – und Verteilungskämpfe sind die Folge.

Das hat man bei Wiesenhof im Oldenburger Land gesehen, bei Tesla in Brandenburg und aktuell im bayerischen Ort Solla, der per Tanklaster mit Trinkwasser versorgt wird. Es sind erst die Vorboten jener Wasserknappheit, die der Klimawandel mit sich bringt.

Die taz gehört zu 100 Prozent ihren Leser:innen und ist damit nicht nur konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung für taz zahl ich. Dank Ihnen haben wir nun die 50.000 erreicht. So viele unterstützen freiwillig und regelmäßig. Noch nicht dabei? Werden Sie jetzt Teil der Community! Jetzt unterstützen

Nick Reimer

Nick Reimer

Seit 1998 bei der taz (mit Unterbrechungen), zunächst als Korrespondent in Dresden, dann als Wirtschaftsredakteur mit Schwerpunkt Energie, Klima und Landwirtschaft, heute Autor im Zukunftsressort.
Mehr zum Thema

10 Kommentare

 / 
  • Das stimmt so pauschal nicht, in der Brandenburger Sandbüchse hält sich das Wasser in oberen Bodenschichten nicht, bei Gley oder Podsol hat man eher in den oberen Bodenschichten Staunässe oder aber bei Starkregen halt einen Oberflächenabfluss, und das ohne jegliche Bodenverdichtung.

  • Wie ein Forist hier schon anmerkte, es regnet nicht weniger, die Niederschläge verteilen sich anders.



    Was die Wasserverbraucher angeht, sind am problematischsten die Landwirtschaft und die Industrie, besonders der Tagebau für die Braunkohle. Die Landwirtschaft muss ganz anders bewässern und anders anbauen oder wir müssen direkt zu geschlossen Kreisläufen kommen. Kann ja auch nicht sein, dass diese Verbraucher das Wasser fast umsonst bekommen. Wenn wir Wasser verschenken, dann verschwendet man es auch, ist doch klar.

  • Bitte mal etwas präzisieren, da stellt man eine Zahl von 63.000m3 bezüglich Freiburg in den Raum mit der man kaum was anfangen kann. Teilt man die auf die Einwohnerzahl auf so kommt man auf ca. 230 L pro Tag und Einwohner, Rechenwerte für die Planung liegen so bei 120 L. Jetzt muss man berücksichtigen, dass das ein Mittelwert ist, also im Sommer höher im Winter niedriger. Um Ansatzpunkte zum Sparen zu finden muss man u.a. die Differenz zu den ca. 230 L aufklären. Gibt es viele Pendler die nur tagsüber zum Arbeiten kommen, was entfällt auf das Gewerbe und wo befinden sich die Grundstücke wo Gärten bewässert und Pools befüllt werden.



    Sehr wichtig auch wo und in welcher Menge erfolgen die oft ungezählten und kaum vergüteten direkten Grundwasserentnahmen der Industrie.



    Es muss hier um zielgerichtete Massnahmen gehen, denn sonst kommt wenn die Not größer wird aus der neoliberalen Ecke der Ruf einfach der Ruf die Wasserpreise zu erhöhen und am unteren Ende wo der Verbrauch ohnehin niedrig ist wird gespart damit oben verplempert werden darf.

  • Wasser ist ein Menschenrecht. 70% ist die Erde von Wasser bedeckt. 0,5 % ist nutzbares Trinkwasser.

    Seit 2020 wird Wasser als Handelsware an der Börse gehandelt.



    Es wird nicht Wasser direkt sondern die Versorger, Aufbereitungstechnologien oder Bewässerungssysteme gehandelt.

    Das machen die Unternehmen um vom globalen Megatrend Wasserknappheit zu profitieren.

    Hautverbraucher sind:

    Landwirtschaft (ca. 70 %): Hauptsächlich für die Bewässerung von Nutzpflanzen.



    Industrie und Energie (ca. 20 %): Industrielle Produktion und Kühlwasser für Kraftwerke.



    Kommunaler Bereich (ca. 10 %): Haushalte und öffentliche Einrichtung

    Die zu erst aufgefordert zu sparen, sind die privaten Verbraucher.

    4,4 Milliarden Menschen haben kein Zugang zum sauberen Wasser.

    Diese Probleme wird sich durch den Klimawandel in Zukunft verstärken.

    Immer mehr Menschen werden den Zugang zum sauberen Waseer verlieren.

    Es werden uns in Deutschland auch keine Meerwasserentsalzunganlagen helfen.

    Deutschland schafft es ja noch nicht mal eine Stromtrasse für eneuerbare Energien aus dem Norden in den Süden zubekommen.



    Wie soll das mit einer Wasserleitung klappen.

  • Große Wälder generieren ein Mikroklima und reagieren auf Hitze-Stress: sie machen ein nicht unerhebliches selbstregulatives aber komplexes System für Wassersparen möglich.



    Ein zunehmender Faktor für Störungen ist u.a. die Bodenverdichtung. Peter Wohlleben bei swr.de:



    "Kann es für einen Wald zu viel Regen geben? Eigentlich nicht, sagt Peter Wohlleben, denn der Boden saugt sich wie ein Schwamm voll und gibt das restliche Wasser nach unten ab. So wird unser Grundwasser aufgefüllt. Doch wenn der Boden verdichtet ist, kann das Wasser nicht ablaufen – im Zweifel fehlt es uns im nächsten Sommer"



    Dass Bäume mit der Aussendung von Bakterien selbst Regen machen, ist allerdings umstritten und in der Forstwirtschaft nicht als wissenschaftlich belegt anerkannt.

  • "Früher war mehr Wasser"



    Also bei uns regnet es sogar mehr als früher 🤷



    Allerdings fällt der Regen komprimierter.



    'Früher war mehr Landregen' wäre aus meiner Sicht der bessere Satz gewesen.



    Deutschland hat immer noch genügend Wasser. Man schaue sich mal die ganzen Tagebaulöcher an, die hier im Osten die letzten Jahrzehnte vollgelaufen sind und immer noch volllaufen...



    Gäbs wirklich zu wenig Wasser, würde das wohl kaum funktionieren.



    Wir haben hinterm Haus seit jeher eine 8.000 Liter Zisterne, letztes Jahr vor dem Haus nun noch eine mit 4.000 Liter eingegraben.



    Der Brunnen fiel die letzten Jahre öfter mal trocken. Als vor einigen Jahren die Kanalisation kam, haben die eine Schicht durchbrochen, seither ist das Grundwasser mehrere Meter tiefer. Wir haben nachgebohrt, gleich auf 24 Meter, seither wieder Wasser satt.



    Man muss sich halt ein bisschen anpassen - dafür ist der Pfirsichbaum proppe voll🤷👍



    Jedes Minus trägt auch ein Plus in sich.

  • Die Gesamtniederschlagsmenge in Deutschland ist über das Jahr gesehen bisher nicht signifikant gesunken. Allerdings verändern sich die Verteilung und die Intensität drastisch.

    Das wird sich auch nicht umkehren lassen. Wir können dem aber mit Investitionen begegnen. Stichworte sind Schwammregion, Agroforst, Renaturierung, Zisternenpflicht bei Neubauten usw...

    Insofern mein Appell an alle: Hört auf rumzuposaunen wie schlimm alles ist und dass wir Verbrenner schneller verbieten müssen. Fordert stattdessen Lösungen um die Folgen zu beherrschen.. Sonst übernimmt das demnächst die CDU und dann fließt auch das Geld dahin.

    • @Petzi Worpelt:

      Wir kennen Leute in San Diego, da werden einfache Massnahmen gefördert, z.b. dicke Mulchschichten statt Rasen, in denen das Wasser versickern kann bevor es verdunstet und auch Umleitung von wenig verschmutztem Wasser aus Waschmaschinen* oder anderes Grauwasser zur Bewässerung von Bäumen im Garten.



      Da gibt es viele kleinteilige Möglichkeiten. Es wäre ja schön, wenn die zuständigen Bundes- und Länderministerien und -behörden sowie die Umweltverbände mal ein paar Experten zusammenbringen, die dann mal solche Massnahmen beschreiben und mit einer Checkliste, unter welchen Bedingungen was wo gemacht werden kann. Wenn man konkret was machen kann fördert das auch das Verständnis für solche Massnahmen.

      *) da gibt es wohl sogar schon Waschmaschinen mit einer Sensorik die bei wenig verschmutztem Abwasser ein Ventil umschaltet und das Abwasser in eine andere Leitung pumpt.

    • @Petzi Worpelt:

      Die Anpassung an den Klimawandel ist nur bedingt möglich. Das Schwammstadtprinzip nützt ihnen bei monsumartigen Witterungsverhältnissen wenig, gleiches gilt für den Deichbau bei einem kontinuierlich steigenden Meeresspiegel und auch Zisternen sind bei länger anhaltenden Dürreperioden nur ein Tropfen auf den heißen Stein.

      Ab einem gewissen Punkt werden Landschaften und Städte halt überflutet, Küstenstädte im Meer versinken, andere Landstriche unfruchtbar und ein Verteilungskampf um Trinkwasserresourcen setzt ein.

      Anpassung in diesem Zusammenhang ist auf allen Gebieten oberstes Gebot, ersetzt aber nicht die Verpflichtung zum kurzfristigen Ausstieg aus fossilen Energien. Dazu gehören auch Verbrennermotoren, die aufgrund der E Mobilität in den meisten Bereichen ebenso überflüssig geworden sind wie Öl oder Gasheizungen. Das zu ignorieren ist genauso naiv, wie zu glauben Hitzewellen allein durch Klimaanlagen bewältigen zu können.

      Der Mensch und seine Technik bewegen sich innerhalb von Grenzen, die Natur nicht. Sie setzt sich über alle Grenzen hinweg und die Zeichen deuten darauf hin, das der Mensch auf dem besten Wege ist seinen angestammten Lebensraum auf langer Sicht zu verlieren.

    • @Petzi Worpelt:

      Genau meine Meinung. Niemand muss z.b. auf seinen Vermieter warten.



      Sonne nicht in die Wohnung lassen. Fenster und Türen in Treppenhaus und Wohnung tagsüber zu und nachts auf. Kletterpflanzen aufs Fensterbrett und den Balkon.

      Wasser aus Flüssen ist Oberflächenwasser. Das ist stark mit Nährstoffen belastet. Das gleiche gilt für Brunnenwasser. Wie kriegen wir die Nährstoffe raus aus dem Wasser? Wir gießen (füttern) Pflanzen mit diesem Wasser. Die wachsen aufgrund der Nährstoffe. Geben Schatten. Sorgen durch den Sog ihrer Wurzeln dafür den Grundwasserstand anzuheben. Sorgen für Kühlung durch Verdunstung. Das verdunstete Wasser regnet wieder ab. Null Verlust. Dank natürlichem Wasserkreislauf.



      Das Handeln unserer Verwaltungen sorgt durch ihre Entnahmeverbote dafür, dass Deutschland zur Wüste wird. Das Wasser rast vom Gebirge in die Flüsse, von dort ins Meer und dann ist es weg.



      Wenn die Bäume erstmal weg sind, regnet es nicht mehr. Das kann man in jeder Wüste beobachten.