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Bilger für Handyblitzer Das Problem am falschen Ende angepackt

Klaudia Lagozinski

Kommentar von

Klaudia Lagozinski

Der Verkehrsminister will mit Monocams gegen Handysünder vorgehen. Geht es um Sicherheit oder um eine PR-Aktion und den KI-Trend?

D ass Verkehrsminister Steffen Bilger mit Monocams verstärkt gegen Personen vorgehen will, die das Handy am Steuer benutzen, ist angesichts der Zahl von gut 1.000 Unfällen im Jahr schon plausibel. Der Blick auf die gesamten Unfallstatistiken lässt den Plan allerdings schon eher wie ein pseudohippes „Schaut mal her, wir machen auch was mit KI“ erscheinen. Ginge es primär um die Sicherheit, müsste zuallererst das Problem im Zentrum stehen, das zu mehr als 14 Mal so vielen Unfällen auf den Straßen führt wie Smartphones: Alkohol.

Laut Statistischem Bundesamt kam es im Jahr 2024 alle 15 Minuten zu einem Unfall, bei dem hochprozentige Getränke im Spiel waren. Bilgers geplante Einführung der Handyblitzer setzt an der falschen Stelle an. Dazu kommt das Problem, dass – anders als beim Tempoblitzer – schon fotografiert wird, bevor ein Verstoß überhaupt feststeht. So könnte schon ein verdächtig in der Hand gehaltener Kaffeebecher den Blitzer auslösen. Solche Aufnahmen müssen dann händisch von Beamten geprüft werden. Es wäre also weiterhin menschliches Zutun nötig.

Anstelle der Handyblitzer wäre es viel sinnvoller, eine weit größere Stellschraube auf die Agenda zu schreiben und verdachtsunabhängige, verpflichtende Alkoholtests einzuführen. Rechtlich ist das aktuell leider bisher nicht möglich, wäre aber ein großer Gewinn für mehr Sicherheit auf den Straßen. Denkbar wäre Random Breath Testing nach australischem Modell. So würde die Polizei auch weniger Daten sammeln.

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Das Smartphoneproblem wird sich auf kurz oder lang von selbst lösen, denn in Neuwagen lässt sich das Handy leicht mit der vorhandenen Freisprechanlage koppeln. Aber wenn schon die Handysünder ins Visier genommen werden, dann doch bitte richtig. Im Monocam-Land Niederlande kostet das Smartphone am Steuer 440 Euro, nicht wie hier nur rund 130 Euro. Eine Bußgelderhöhung hätte auch eine abschreckende Wirkung auf die Handynutzung beim Fahren, und das ganz ohne KI-Label und Datensammlungen.

Klaudia Lagozinski

Klaudia Lagozinski Nachrichtenchefin & CvD

Immer unterwegs. Schreibt meistens über Kultur, Reisen, Wirtschaft und Skandinavien. Meistens auf Deutsch, manchmal auf Englisch und Schwedisch. Seit 2020 bei der taz. Master in Kulturjournalismus, in Berlin und Uppsala studiert. IJP (2023) bei Dagens ETC in Stockholm.
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15 Kommentare

  • Günter Picart

    Mit KI wird es bald möglich sein, Ladendiebe nahezu 99%ig zu erwischen. Gesellschaftlich ist das ein schlimmer Rückschritt, Freiräume für unangepasstes Verhalten werden systematisch durch die Denkmaschine eingeschränkt und es drohen Szenarien wie in China.

  • Gerhard Krause

    Wem wird damit wieder ein Gefallen getan? Oder bestimmt hilft es dem Wirtschaftsstandort. Vielleicht auch einem fremden Wirtschaftsstandort, der im Gegenzug Europa mit Atomraketen beschützt? Man könnte die Kästen später womöglich umrüsten, falls wir doch in eine Überwachung des Sozialverhaltens hineinlaufen. Freuen würde ich mich, wenn Vögel dadurch ein neues sicheres Zuhause bekämen. Was machen wir, wenn in den Kästen Menschen einziehen und es sich um Begleitinfrastruktur für Versammlungen handelte?

  • Iamthesword

    Schön, dass sich die Merz-Regierung jetzt auch noch ihre eigene Anti-Flock-Bewegung basteln möchte...

  • Mathias_0815

    Es wäre echt super, wenn wir überall mit Tempolimit endlich Section Control einführen würden, so wie unsere Nachbarn das längst tun. Man wird ja heute nur noch bedrängt, wenn man sich an die Regeln hält.

  • fly

    Das die TAZ sich an dem Thema soaufhängt, dritter Artikel?, verwundert etwas. Aber man kommentiert es gerne.

    Man soll es etwas nicht machen, weil es noch etwas anderes gäbe, was man machen könnte? Dann kann man gleich alles lassen. Und nein, das Problem erledigt sich leider nicht mit Freisprecheinrichtungen. Die sind in jedem neueren Wagen vorhanden und doch ist der Griff zum Handy zu verlockend.



    Und das vermeintliche Problem mit der Datensammlung ist nicht wirklich ein Problem. Zumal es nur um Autofahrende geht, im ÖPNV kann man ungestört scrollen (mit Videoüberwachung in jedem UBahn Wagen).

    • PartyChampignons

      @fly:

      Natürlich erledigt sich das Problem mit Freisprecheinrichtungen, warum sollte es das nicht tun? Ich bekomme von einem modernen Auto auch meine Whatsapp Nachrichten vorgelesen und kann, wenn ich möchte, über Sprachsteuerung antworten, das Problem wird sich aber sowas von erledigen. Dafür zig Millionen für dämliche KI-Blitzer bereitzustellen (denn so viel werden die Dinger kosten) in einer Zeit an der gerade an jeder Ecke gespart werden muss halte ich für mehr als fragwürdig. Es gibt in der Tat sehr viel bessere Stellschrauben an denen man drehen kann, wie die hier genannten Bußgelder.

  • HaKaU

    Diese Blitzer erinnern mich an China, wo schon heute permanent das Wohlverhalten der UNTERTAN*innen mittels Kameras und KI ausgewertet wird. Wollen wir uns wirklich komplett und freiwillig der Herrschaft der KI unterwerfen? ... weil dann alles smoother läuft ...?

  • Perkele

    Ein Tempolimit wäre die allerbeste Massnahme für mehr Sicherheit. Aber das lässt die Lobby nicht zu und die Regierung kann nix machen, also vergessen wir's....

    • Tom Tailor

      @Perkele:

      Wieso wäre? Außer auf Autobahnen gelten für alle Straßen Deutschlands (innerhalb geschlossener Ortschaften wie außerhalb) Tempolimits. Vor alkoholisierten Fahrern schützen die aber nichts.

    • sollndas

      @Perkele:

      Ja, dann fährt das Auto mit Tempomat und Spurhalteassistent weitgehend von allein, da hat man dann Zeit für das Handy...

  • Martin Rees

    Viele benutzen an den smarten Geräten die Navigationsfunktion, oft, aber nicht immer, mit entsprechenden Halterungen. In staureichen Regionen ist das im Berufsverkehr dann vielfach essentiell. Die Vernetzung ist hier die Zukunft der Verkehrsführung. Die gelebte Praxis wird sicher spannend.

  • Rolf Jansen

    "Ginge es primär um die Sicherheit, müsste zuallererst das Problem im Zentrum stehen, das zu mehr als 14 Mal so vielen Unfällen auf den Straßen führt wie Smartphones: Alkohol."



    Das ist der Vergleich mit Äpfeln und Birnen.



    Alkohol ist seit Jahrzehnten eine Unfallursache - Smartphone alleine dagegen nicht! Der Vergleich ist also mehr als fragwürdig.



    Smartphones gehören zu den Ablenkungen, die mit Sicherheit zu Unfällen beitragen. Statistische Daten gibt es es dazu nicht.



    Klar ist aber, das Ablenkung bei Hauptunfallursachen eine Rolle spielt!

    • Krumbeere

      @Rolf Jansen:

      Ich Stimme ihnen zu. Wenn auf der Autobahn vor ihnen ein Fahrzeug grundlos immer langsamer wird, oder im Stadtverkehr der Fahrer vor ihnen plötzlich mühe hat, die Spur zu halten ist meist das Handy am Ohr die Ursache. Und wenn ich Berichte über schwere Unfälle lese, in den es heißt: "Aus unbekannten Gründen auf gerader Strecke von der Fahrbahn abgekommen..... " , dann denke ich mir meinen Teil dazu.



      Das Problem mit betrunkenen Autofahrern können sie nur durch unsichere Fahrweise von aussen bemerken und nicht mit ?Alkoholblitzern?

  • So,so

    Überhöhte Geschwindigkeit.



    Das sollte mal kontrolliert werden.



    1 mobiler Blitzer im Landkreis.



    Schon beim Aufstellen wissen ALLE Taxiffahrer Bescheid und rasen überall, nur nicht da. Dazu kommen regelmässige Vorwarnungen in der Lokalzeitung.



    NUR DA fahren dann alle regelgerecht.



    Überall sonst NICHT.



    Sollte man dann nicht auch Einbrecher entsprechend warnen? "Heute Streifenwagen in Kleindummdorf- Bitte brechen sie in den nächsten Tagen woanders ein!"

    Ich kann nicht mehr.

    Steuerdiebstahl (im Großmaßstab!) wird FAST GAR NICHT verfolgt.

    Übrigens: Weiß jemand, dass die gesetzliche Höchstgeschwindigkeit für LKW (> 7,5t) auf Bundes- und Landstraßen bei 60 km/h liegt?



    Nein?



    Komisch.



    Wird auch NULL kontrolliert.

    Rechtsstaat?



    Ist abgebaut.



    Der Traum der Neoliberalisten ist nach 50 Jahren wahr geworden.

    • Mathias_0815

      @So,so:

      Null Kontrolle, Leider wahr. 😔