Berichterstattung über Coronavirus: Wo bleibt die Empathie?

Die europäische Berichterstattung über Corona macht viele Chines*innen wütend. Ihnen fehlt es an Mitgefühl.

Passanten tragen Atemschutzmasken

Passant*innen tragen Atemschutzmasken in der Innenstadt von Hongkong Foto: Geovien So/dpa

Als der Spiegel letzte Woche seine Cover-Story mit der Schlagzeile „Made in China“ anpries, zeigten sich viele Chines*innen enttäuscht und wütend. Sie halten solche Berichte für Belege westlicher Scheinheiligkeit. Oder wäre vor zehn Jahren ein Medium auf die Idee gekommen, bei der Vogelgrippe „Made in USA“ zu titeln?

Insbesondere bei den Artikeln der Peking-Korrespondent*innen aus dem englischsprachigen Raum schimmert nicht selten Schadenfreude darüber durch, dass die Kommunistische Partei in Peking nun angesichts des Virusausbruchs politisch in Bedrängnis gerät. Natürlich gibt es genügend Grund zur Kritik: Die chinesische Regierung sorgt durch Unterdrückung der Meinungsfreiheit und unabhängiger Berichterstattung für ein Klima der Verunsicherung. Die Parteikader aus Wuhan haben gar durch Verschleierungsaktionen den Virusausbruch deutlich verschlimmert.

Und dennoch ist der Mangel an Empathie gegenüber der Bevölkerung geradezu erschreckend: Für das Gros an Chines*innen ist die Situation belastend bis existenziell gefährdend. Die Quarantänemaßnahmen und massiven Einschränkungen der Bewegungsfreiheit zerren an den Nerven, rauben Kleinunternehmern und Arbeitsmigrant*innen die wirtschaftliche Grundlage. Die Opfer, die die Leute mit teils beeindruckender Disziplin erbringen – auch weil die Regierung sie mit ihren drastischen Maßnahmen angeordnet hat –, sollten gewürdigt werden.

Die Quarantäne einer Provinz mit rund 60 Millionen Menschen ist schließlich einmalig in der Menschheitsgeschichte. Allzu schnelle Schuldzuweisungen sind da unangebracht.

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Seit 2019 China-Korrespondent mit Sitz in Peking. Arbeitete zuvor fünf Jahre lang als freier Journalist für deutschsprachige Medien in Seoul, Südkorea. 2015 folgte die erste Buchveröffentlichung "So etwas wie Glück" (erschienen im Rowohlt Verlag), das die Fluchtgeschichte der Nordkoreanerin Choi Yeong Ok nacherzählt. Geboren in Berlin, Studium in Wien, Shanghai und Seoul.

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