Politische Folgen des Coronavirus

China tauscht Köpfe aus

Wegen des Umgangs mit dem Coronavirus setzt China führende Funktionäre der Provinz Hubei ab. Die Zahl der Infizierten und Toten steigt weiter.

Zwei Männer im Anzug sitzen hinter einem Podium

Abgesetzt: Ma Guoqiang (l.), Parteichef von Wuhan, und Jiang Chaoliang, Parteichef der Provinz Hubei Foto: dpa

PEKING/MADRID afp/rtr | Die weiterhin rasante Ausbreitung des neuartigen Coronavirus in China hat zu ersten größeren personellen Konsequenzen im politischen Apparat der Volksrepublik geführt. Die obersten politischen Chefs der von der Epidemie besonders hart getroffenen Provinz Hubei und der dortigen Millionenmetropole Wuhan wurden abgesetzt, wie die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua am Donnerstag meldete. Kurz zuvor hatte die Provinzregierung einen besonders dramatischen Anstieg der Totenzahlen der Epidemie innerhalb nur eines Tages bekanntgegeben.

Der Sekretär der Kommunistischen Partei für Hubei, Jiang Chaoliang, wird laut Xinhua durch den bisherigen Bürgermeister von Schanghai, Ying Yong, ersetzt. Der Parteichef in Wuhan, Ma Guoqiang, wird durch Wang Zhonglin, einen früheren Mitarbeiter der Provinzregierung von Shandong, abgelöst. Bereits am Montag waren zwei Leiter der Gesundheitsbehörden in Hubei entlassen worden.

Die personellen Veränderungen seien „nach gründlicher Erwägung“ und „im Einklang mit den Bedürfnissen nach Kontrolle der Epidemie“ vollzogen worden, meldete Xinhua. In der chinesischen Bevölkerung hatte zuletzt die Kritik am Umgang der Behörden mit der Epidemie zugenommen. Die Kritik schwoll an, nachdem in der vergangenen Woche der junge Augenarzt Li Wenliang in Wuhan an der Infektion gestorben war, die er sich im Kampf gegen die Epidemie zugezogen hatte.

Li war einer der Ersten gewesen, die vor dem neuartigen Virus gewarnt hatten. Die Behörden hatten deshalb anfangs versucht, ihn zum Schweigen zu bringen. Von chinesischen Nutzern der Onlinenetzwerke wurde Li als Held und Märtyrer gerühmt.

Insgesamt fast 60.000 Erkrankungen in Festlandchina

Die nun vermeldeten 242 weiteren Toten in Hubei waren der mit Abstand stärkste Anstieg der Todesfälle innerhalb eines Tages seit Ausbruch der Epidemie. Die offizielle Gesamtzahl der Todesopfer in Festlandchina wuchs damit auf mindestens 1.355. Der Gesundheitsausschuss der Provinzregierung teilte ferner mit, dass in Hubei bei 14.840 weiteren Menschen eine Ansteckung mit dem Erreger bestätigt worden sei. Die offizielle Gesamtzahl der Krankheitsfälle in Festlandchina stieg damit auf fast 60.000.

Nur wenige Stunde vor Bekanntgabe der neuen Toten- und Krankenzahlen hatte Staatschef Xi Jinping die „positiven Ergebnisse“ der von den Behörden getroffenen Maßnahmen gegen das Virus gepriesen. Die allermeisten Todes- und Infektionsfälle treten weiterhin in Hubei auf. Die Behörden haben die Provinz weitgehend von der Außenwelt abgeschottet.

Die jüngste besonders deutliche Zunahme der Toten- und Infektionszahlen hängt nach Angaben der Behörden damit zusammen, dass die Mediziner inzwischen die Verfahren zur Diagnose des Virus Covid-19 ausgeweitet haben. Demnach wird mittlerweile nicht nur das Standardverfahren des Nukleinsäure-Tests angewendet, sondern auch sogenannte Bildgebungsverfahren zur Untersuchung der Lunge.

Außerhalb von China gibt es inzwischen mehr als 400 Infektionsfälle in rund 25 Ländern, darunter 16 nachgewiesene Ansteckungen in Deutschland. Die EU-Gesundheitsminister wollen sich am Donnerstag in einer Sondersitzung in Brüssel mit Covid-19 befassen. Sie wollen über mögliche einheitliche Einreisekontrollen im Falle einer weiteren Ausbreitung des Erregers sowie über die beschleunigte Entwicklung eines Impfstoffes beraten. Auf der Agenda steht auch die Frage, wie die EU mit möglichen Engpässen bei Medikamenten wegen Produktionsunterbrechungen bei Pharmaherstellern in China umgeht.

Wegen Corona: Mobilfunkmesse in Barcelona abgesagt

Die größte bekannte Verbreitung des Virus außerhalb von China gibt es bislang auf einem Kreuzfahrtschiff, das seit vergangener Woche in Japan unter Quarantäne steht. Unter den 3.711 Menschen, die mit der „Diamond Princess“ nach Japan gelangt waren, wurden inzwischen weitere 44 positiv auf den Erreger getestet, wie der japanische Gesundheitsminister Katsunobu Kato mitteilte. Die Zahl der bestätigen Infektionsfälle auf dem Schiff wuchs damit auf 218.

Wegen der Angst vor dem Coronavirus haben die Organisationen die weltgrößte Mobilfunkmesse MWC in Barcelona abgesagt. Die Epidemie und andere Umstände führten dazu, dass die Ausstellung nicht stattfinden könne, teilte die GSMA am Mittwochabend nach Beratungen mit.

Mehrere große Telekommunikationskonzerne, darunter auch die Deutsche Telekom, Vodafone, die britische BT ebenso wie der Netzwerkausrüster Nokia hatten im Vorfeld erklärt, der Messe fernbleiben zu wollen. Auch Konzerne aus den USA und aus Japan hatten bereits angekündigt, auf eine Teilnahme zu verzichten. Große chinesische Firmen wie Huawei wollten dagegen zu der Veranstaltung kommen.

Die Leitmesse der Branche, die in diesem Jahr für den Zeitraum zwischen dem 24. und dem 27. Februar angesetzt war, zieht in der Regel mehr als 100.000 Besucher an. Für Barcelona ist sie zudem ein wichtiger Wirtschaftsfaktor.

Bitkom-Präsident Achim Berg erklärte nach der Absage, dass gerade in diesem Jahr die Messe besonders wichtig gewesen wäre. Weltweit stehe der Aufbau der 5G-Netze an. Technologie und Markt seien extrem stark in Bewegung, es gehe um Milliardeninvestitionen. „Für dieses Thema fehlt nun die wichtigste Plattform. Netzbetreiber, Technologielieferanten und Endgerätehersteller werden nun andere Wege finden müssen, um die notwendigen Informationen zu beschaffen und ihre Investitionsentscheidungen solide vorzubereiten. Wir gehen gleichwohl davon aus, dass sich der Netzaufbau dadurch nicht signifikant verzögert“, teilte Berg mit.

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