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Ulrich Siegmund droht Fabian KösterEin bisschen Spaß muss sein

Sachsen-Anhalts AfD-Wahlsieger Ulrich Siegmund versucht sich in der „heute-show“ an einem Scherz – und landet bei einer Drohung gegen den öffentlich-rechtlichen Rundfunk.

Wenn konservative und rechte Po­li­ti­ke­r*in­nen versuchen, lustig zu sein, geht das meist in die Hose. Das zeigte sich bei der „Inside CDU“-Doku, in der wenig aufregende Persönlichkeiten durch besondere Charaktereigenschaften wie die Liebe zum Operngesang interessanter gemacht werden sollten. Und es zeigt sich in der satirischen Umbenennung von Björn Höcke in Bernd Höcke durch die „heute-show“ – die laut Insiderberichten den AfD-Politiker zur Weißglut trieben.

Jetzt hat es den AfDler Ulrich Siegmund getroffen. In der vergangenen Ausgabe der „heute-show“ begleitete Moderator Fabian Köster die konstituierende Sitzung des Landtags in Sachsen-Anhalt. Während einige AfD-Politiker*innen versuchten, dem Reporter mit der Taktik des Weglaufens zu entkommen, ließ sich der AfD-Spitzenkandidat für Sachsen-Anhalt, Ulrich Siegmund, auf ein verbales Kräftemessen ein. Er begrüßt ihn mit einem Schulterklopfer und einem „Ach, Florian“.

„Haben Sie sich schon einen neuen Job gesucht?“, fragte Siegmund den ZDF-Reporter, falls die AfD den Medienstaatsvertrag noch in diesem Jahr kündige. Siegmund lacht im Interview, gibt sich offen für die Fragen des Journalisten und Satirikers. Köster konterte mit einem Kommentar zur Vetternwirtschaft bei der AfD und dass er ja nur herausfinden müsse, ob er nicht mit einem AfDler verwandt sei. Daraufhin wusste Siegmund im Grunde nichts mehr zu antworten. Und das ist dann natürlich nicht lustig, sondern ein bisschen entlarvend.

Parlamentarische Räume

Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) kritisierte Siegmunds Äußerung als Einschüchterungsversuch. Und ja, wenn Po­li­ti­ke­r*in­nen Jour­na­lis­t*in­nen mit dem Verlust ihrer beruflichen Perspektive konfrontieren, ist das besorgniserregend. Wenn eine Partei wie die AfD politische Macht gewinnt und zugleich die öffentlich-rechtlichen Medien infrage stellt, muss man sich mit der Frage beschäftigen, wie frei Jour­na­lis­t*in­nen dann eigentlich noch arbeiten können.

Hinzu kommen die Berichte, wonach Köster nach der Begegnung von einem Team des AfD-nahen Portals „Deutschland-Kurier“ durch die Gänge des Landtags verfolgt worden sein soll. Parlamentarische Räume müssten Orte sein, an denen Jour­na­lis­t*in­nen frei und sicher arbeiten können, betonte der DJV deshalb.

So einschüchternd ist die Aussage von Ulrich Siegmund im Interview eigentlich nicht. Denn die AfD könnte zwar den Medienstaatsvertrag mit den Verbundsländern Sachsen und Thüringen kündigen, aber das hätte dann nicht die von der AfD gewünschten Effekte, wie eine Verringerung oder einen Wegfall des Rundfunkbeitrags etwa, zur Folge.

Was ist Pressefreiheit wert?

Und schon gar nicht würde es bedeuten, dass ein ZDF-Reporter wie Köster sich deshalb einen neuen Job suchen muss. Somit hat das Format immerhin eins geschafft: Aufmerksamkeit darauf zu lenken, wie sich die AfD eine Zukunft vorstellt – witzlos, ohne „heute-show“ und ohne Öffentlich-Rechtliche.

Für dieses Vorhaben, das die AfD vielerorts in ihre Wahlprogramme geschrieben hat und das sie auch nicht müde wird in Sitzungen oder in Wahlkampfreden zu wiederholen, kann es natürlich nicht genügend Aufmerksamkeit geben. Denn so etwas darf nicht passieren, und vor allem nicht still und leise. Das „heute-show“-Video hat außerdem gezeigt, dass Siegmund keine Inhalte, nicht einmal Pointen liefern kann, wenn es darauf ankommt.

Und wenn wir schon bei der Frage nach einem neuen Job sind: Vielleicht sollten sich all jene, die Jour­na­lis­t*in­nen mit beruflichen Konsequenzen unter Druck setzen, fragen, was Pressefreiheit wert ist. Und wie sie gute Pointen dazu produzieren könnten. Dafür braucht es mehr als eine Drohung. Vor allem braucht es die Fähigkeit, über sich selbst zu lachen – und die Bereitschaft, kritische Fragen auszuhalten.

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13 Kommentare

  • FtznFrtz

    Nazis und Humor hat noch nie gepasst. Als Menschenfeind geht Humor nicht, denn dann braucht man auch etwas Liebe zum Menschen. Siegmund hat auch etwas von einer "neuen Zeit" gesagt, in der es Köster ja dann schwer haben werde.



    In den rechtspopulistisch/rechtsextrem regierten Ländern sieht man was nach der Machtübernahme passiert, Ungarn, USA, Italien, die Repressionen gegen die freie Presse nehmen zu, auch wenn die totale Gleichschaltung wie im Dritten Reich (vorerst) nicht droht.

  • Woodbine

    Die Frage von U. Siegmund nach Kösters beruflicher Zukunft fiel bereits vorher schon einmal, da ging es aber um den Wegfall "der GEZ". www.youtube.com/watch?v=2GBPb58lNX0



    Richtig Sorge bereiten muss einem aber die Einstellung vieler Mitbürger zum so genannten "Staatsfernsehen". Ist wohl zu anstrengend, sich auch mit den Hintergründen von Schlagzeilen zu befassen. Oder auf Leute zu treffen, die das dennoch tun und einem widersprechen.



    Ich bin auch nicht immer einverstanden mit den "Öffentlich Rechtlichen", - aber froh, dass wir sie (noch) haben (dürfen).

  • aujau

    Kritische Fragen aushalten und über sich selbst lachen: Ist das Gegenteil von AgD und so.

  • Deep South

    Ich finde, hier werden zwei Dinge vermischt. Was gar nicht geht und das Gesicht dieser Partei zeigt, sind irgendwelche Einschüchterungsversuche, die wohl am Rande stattgefunden haben.



    Dass Siegmund aber auf polemische Fragen polemisch antwortet, ist Teil des Spiels. Das haben eine ganze Reihe anderer Politiker ebenso getan. Und ich glaube, dass Fabian Köster das auch sehr gut einzuschätzen weiß. Selbst wenn es der AfD möglich sein sollte, den Medienstaatsvertrag in SA zu kündigen, würde das Kösters Job nicht mal im Ansatz gefährden und seine Sendung wäre auch in SA nach wie vor empfangbar.



    Die AfD ist an ganz vielen anderen Stellen gefährlich. Aber über dieses Stöckchen muss man nicht springen.

  • Wilfried Bergmann

    Köster ist schon lange nicht mehr komisch. Immerhin war er es einmal.

  • amigo

    Ein Vorgeschmack auf die Diktatur



    ​Ulrich Siegmunds angeblicher „Scherz“ in der heute-show ist kein Ausrutscher, sondern eine unverhohlene Drohung gegen die Pressefreiheit. Wer Satire und Medien mit Vernichtung oder Gleichschaltung droht, zeigt ungeniert, wofür die AfD wirklich steht: eine Aushöhlung unserer Demokratie nach autoritärem Muster.



    ​Man muss sich klar vor Augen führen, was eine AfD-Herrschaft bedeutet: die Zerschlagung einer freien Presselandschaft, die Ausschaltung kritischer Stimmen und den systematischen Umbau des Staates zur Parteidoktrin. Wer Journalisten einschüchtert, bereitet den Weg für die Zensur. Siegmunds Rhetorik entlarvt den Wahn, mit dem diese Partei Machtansprüche stellt: Freiheit gilt nur für die eigenen Getreuen, der Rest wird mundtot gemacht.



    ​Diese Maske fällt nicht zum ersten Mal. Wer jetzt noch von harmlosem Protest spricht, verharmlost die konkrete Gefahr eines totalitären Staates. Wer die Freiheit nicht verteidigt, wird sie unter einer AfD-Herrschaft rasch verlieren!

  • T-Rom

    Ich fand das Inerview aufschlussreich.



    Wobei man dem AFDler eingestehen muss, dass wenn er nach dem Zeitplan für eine "Machtergreifung" gefragt wird, er auch den Interviewer fragen darf, ob der sich schon nach einem Neuen Job umsieht. Quid pro quo.



    Interessanter war, dass er vielen Dingen (wie eben der "Machtübernahme") gar nich widersprochen hat.

  • Hierjetzt

    Lustig, dass die AFD noch glaubt man müsste Mitarbeitern des ZDF noch drohen... Das ZDF hat gerade beschlossen mit Florian Schroeder rechter Satire eine festen Platz einzuräumen und tut sich sehr bei der Kampagne gegen die Berliner PDL hervor, wâhrend über die Proteste in Spanien und Frankreich eher vorsichtig und zurückhaltend berichtet wird.

  • Gerhard Krause

    Drohen und mit dritten Kräften weitere Einschüchterungshandlungen ausüben, so könnte ein realistisches Bild dieser Leute aussehen.

  • XXX

    Ich persönlich fand Siegmund im Interview mit Köster gar nicht schlecht. Immerhin verweigert er das Interview nicht wie andere.

    • Earnhard

      @XXX:

      Geht Yandex wieder??

    • Christian Lange

      @XXX:

      Stehenzubleiben statt wegzulaufen reicht Ihnen schon, um den gut zu finden?



      Und was ist mit Gesprächsinhalten? Geht es hier um Popmusik oder Politik?

    • Perkele

      @XXX:

      Im Ernst???