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Einigung bei der Pflegereform Die Koalition betreibt Klientelpolitik – wieder einmal

Eva Fischer

Kommentar von

Eva Fischer

Die Pflegereform geht zu Lasten jüngerer Generationen. Dabei sind es vor allem junge Menschen, die weniger verdienen und höhere Kosten haben.

W ieder einmal wird den jüngeren Generationen mehr Geld abgeknöpft. Die Bundesregierung hat sich am Mittwoch auf eine Pflegereform geeinigt, die es in sich hat. So sollen Kinderlose künftig noch mehr in die gesetzliche Pflegeversicherung einzahlen als Beitragszahler:innen, die (bereits) ein Kind haben. Derzeit müssen Kinderlose ab 23 Jahren zusätzlich zum allgemeinen Beitragssatz von 3,6 Prozent einen Zuschlag von 0,6 Prozent ihres Erwerbseinkommens an die Pflegeversicherung abtreten. Dieser Zuschlag soll nun auf 0,9 Prozent angehoben werden.

Gewiss: Extrem viel Geld ist das nicht, bezogen auf das deutsche Medianeinkommen (rund 54.000 Euro Jahresbrutto) knapp 40 Euro im Monat. Dennoch trifft diese Zusatzbelastung vor allem die jüngeren Generationen, in ihren Alterskohorten gibt es die meisten Kinderlosen. Während in den 1970er Jahren eine Frau durchschnittlich mit 24 Jahren zum ersten Mal Mutter wurde, liegt das Durchschnittsalter heutzutage bei 30,4 Jahren. Männer werden durchschnittlich mit 33,3 Jahren zum ersten Mal Vater. Somit ist auch der Anteil kinderloser Thirtysomethings hoch. Nur rund die Hälfte der Frauen, die jetzt zwischen 33 und 38 Jahre alt ist, hat ein Kind.

Dass für Pflege Geld fehlt und es irgendwo herkommen muss, ist klar. Ebenso klar ist: Am schlimmsten trifft die Pflegereform natürlich jene, die gepflegt werden müssen oder Angehörige haben, auf die dies zutrifft. Die Pflegekassen werden Milliarden Euro in den nächsten Jahren einsparen müssen, Hilfen für den untersten Pflegegrad werden gestrichen, für die Verteilung der Pflegegrade sollen strengere Kriterien gelten. So sollen weniger Menschen Anspruch auf Leistungen aus der Pflegeversicherung haben.

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Dennoch demonstriert die Entscheidung der Politik, dass Kinderlose, ergo vor allem Angehörige jüngerer Generationen, zukünftig mehr in die Pflegekasse einzahlen müssen, mal wieder: Die Probleme der Jüngeren sind dieser Regierung offenbar egal. Dabei sind es insbesondere jüngere Menschen, die für kleine Wohnungen und WG-Zimmer extrem hohe Mieten zahlen. Die bisweilen ihr halbes Gehalt für eine Wohnung hinblättern müssen, sodass sie selber kein Vermögen und somit auch keine Altersvorsorge aufbauen können.

Die Probleme jüngerer Menschen sind dieser Regierung offenbar egal

Es sind die Jüngeren, die die steigenden Lebenshaltungskosten stärker treffen, da sie seltener von Tarifverträgen mit regelmäßigen Gehaltssteigerungen profitieren. Es sind junge Menschen, die keine sicheren Arbeitsverträge haben, in sachgrundlosen Befristungen festhängen, die das Kabinett Merz noch weiter ausweiten will.

Es hätte eine Möglichkeit gegeben, die Pflegereform fairer zu gestalten: Wenn nämlich die privaten Pflegekassen, die aufgrund ihrer gesünderen Mitgliederstruktur weniger Ausgaben haben, einen Ausgleich in die gesetzliche Pflegeversicherung zahlen würden. Aber dafür hätte die CDU Politik gegen ihr eigenes Klientel machen müssen.

Eva Fischer

Eva Fischer Themenchefin

Jahrgang 1989; seit Anfang 2025 bei der taz, derzeit als Themenchefin, Nachrichtenchefin und CvD bei taz.de. Vorherige Stationen: u.a. EU- und Nato-Korrespondentin in Brüssel beim Handelsblatt, Redakteurin für Internationale Politik beim Tagesspiegel, Redakteurin bei der ZDF-Talkshow "Markus Lanz". Wirtschaftspsychologie-Studium mit Schwerpunkt Arbeits- und Organisationspsychologie und dem Nebenfach Politikwissenschaft, Besuch der Holtzbrinck-Journalistenschule, gelernte Medienkauffrau Digital und Print beim Spiegel-Verlag. Und auch ausgebildete Yogalehrerin.
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10 Kommentare

  • Hans Dampf

    Jede Partei betreibt Klientelpolitik



    Die einen für die Besserverdiener, die anderen für die Geringverdiener, die einen für Ökobauern, die anderen für Konzernlandwirtschaft. Jede Partei betreibt Klientelpolitik, schon immer.

  • Josef 123

    Jede Regierung betreibt Klientelpolitik, wenn sie die Belange ihrer Wähler berücksichtigt. Das wird bei einer möglichen linken Regierung in Berlin nicht anders sein. Wenn nicht, muss sie sich Wahllügen vorhalten lassen.

  • Donald Duck

    In der gesetzlichen Pflegeversicherung ist der Ehepartner oder eingetragene Lebenspartner grundsätzlich beitragsfrei mitversichert. Solche Paare erhalten die gleiche Versicherungsleistung zum halben Preis je Person.

    In der gesetzlichen In der privaten Pflegeversicherung tritt genau ein Beitragszahler für eine Person ein.

    Bei einem Ausgleich zwischen den Versicherungsgruppen müßten zukünftig privat Versicherte zusätzlich gesetzlich Versicherte mitversorgen. D.h: Sie müßten für die Versicherungsleistung mehr als den einfachen Preis bezahlen, während auf der Seite der geförderten die Paare weiterhin fast nur den halben Preis zahlen müssen. (Für den Partner fallen jetzt geplant unter 1/6 der Beitragskosten an.)

    Ansonsten Ist der Autorin zuzustimmen. Die Pflegekostenreform geht zu Lasten der jungen Generation. Sie schützt Vermögen und Erbe.

    Wer Erbschaften ungerecht findet, wird dafür sein, den Eigenanteil an den Pflegekosten zu erhöhen, statt Erbschaften zu schonen.

    Früher waren Mehrbettzimmer im Pflegeheim üblich. Heute sind es Einbettzimmer. Solche Verbesserungen hat sich die nun alte Generation ausgedacht. Aber bezahlen sollen es die Jungen.

    Also: Bitte Eigenanteile erhöhen!

  • economista

    Ein Nebeneffekt der höheren Belastung für Kinderlose dürfte sein, dass noch weniger von ihnen die finanziellen Polster zur Familiengründung ansparen. Nach fest kommt lose, ist eine alte Klempnerweisheit, die durch die Werner-Heftchen populär wurde. Der Politik fällt trotzdem nichts mehr ein, als weiter an der Steuer- und Abgabenschraube zu drehen oder andere Quellen, die wie die privaten Versicherungen über Rücklagen verfügen, zu kassieren. Traurig, das alles.

  • Frauke Z

    Richtig ist, dass die Bundesregierung (wie meistens) die Älteren begünstigt. Das erste Holterdipolter-Rentenpaket spricht Bände.



    Nur hier passt der Vorwurf eben nicht. Jüngere sind nicht nur deshalb kinderlos, weil jeder kinderlos zur Welt kommt und der Rückweg versperrt ist (wer einmal Kinder hatte, gilt in der Versicherung nie mehr als kinderlos).



    Sondern weil sie eben auch noch viel weniger Kinder bekommen als die mittlere und ältere Generation. Das erzeugt gesamtgesellschaftliche Kosten, die in der Pflegeversicherung auch nach der Reform immer noch sehr dezent Niederschlag finden.



    Rein volkswirtschaftlich wäre ein 50%iger, nicht leistungserhöhender Zusatzbeitrag für Kinderlose ab einem bestimmten Alter in der Rentenversicherung angemessen. Das ist eine ganz andere Größenordnung.

  • Ingrid Schleyer

    All die vielen alten Menschen haben vorher in die Pflegeversicherung eingezahlt. Nun gehen sie bald in Rente. Wo ist all das Geld geblieben, das sie eingezahlt hagen. Vorher gab es ja viel weniger Rentner. Ich bin selbst mittlerweile Rentnerin und habe mein Leben lang eingezahlt. Wieso heißt es jetzt immer, ich belaste die Jugend oder gebe die Probleme an die nächste Generation weiter? Das ist doch die verfehlte Politik und nicht meine Schuld.

  • taz.manien

    Das gehört doch zur DNA der CDU, die ärmsten der ärmsten für Ihre verfehlte Politik seit Jahrzehnten weiter bluten zu lassen. Die CDU hat die deutsche Bundespolitik seit 1949 in insgesamt 26 Bundesregierungen maßgeblich mitgeprägt. Die CDU hat hat den größten Anteil daran, unser Land genau dahin gebracht zu haben wo wir heute stehen, mehr als eine andere Partei.

  • Ricky-13

    taz: *Die Probleme jüngerer Menschen sind dieser Regierung offenbar egal.*

    Natürlich, denn CDU und CSU sind in erster Linie Rentnerparteien. Allerdings wird die treueste Wählergeneration der Union – die traditionell christlich-konservativ geprägten Jahrgänge der Vorkriegs- und Nachkriegszeit – biologisch immer kleiner. Aus dem Grund betreibt die CDU/CSU jetzt noch mal ordentlich Klientelpolitik für die Reichen und Mächtigen, bevor die Union auch verschwindet.

    Warum habe ich jetzt die (S)PD nicht mit aufgeführt? Nun ja, ein merzscher Steigbügelhalter gehört für mich nicht wirklich der momentanen Regierung an.

  • Jalella

    Bitte bitte nicht schon wieder diese Jung/Alt Geschichte aufmachen! Es geht weder hier noch bei irgendeinem anderen Thema - nicht mal der Rente! - um jung gegen alt. Es geht um unten gegen oben. Wer verdient an welchen Dingen und wer bezahlt sie? Das ist die entscheidende Frage.

    Es ist übrigens auch in Fragen der Klimakatastrophe nicht anders. Denn nicht "die Boomer" haben die Zukunft "der nächsten Generation" zerstört. Sondern der Teil der Boomer, der entweder seine fetten Gewinne damit gemacht hat, oder einfach gedankenlos und dämlich war. "Die Boomer" haben aber z.B. die Anti-AKW-Bewegung, die Bürgerinitiativen, die Umwelt-Bewegung hervorgebracht - trotz cdU/csU Regierungen. Und "die nächste Generation" gehört auch nur zum kleinen Teil zu FFF, der größere Teil fliegt sinnlos dreimal im Jahr nach Thailand, USA, oder sonstwo hin und bestellt 5 Pakete bei Amazon pro Woche und zehn T-Shirts dazu.

    Es ist immer der Kampf unten gegen oben, der umso erfolgreicher für "die da oben" läuft, je dümmer und gedankenloser die Menschen sind.

  • Vic Merz

    Tja, eine 'Kommision' wird helfen, wie immer... Hauptsache Zeit gewonnen um weiter rumschustern zu können, weiter Stillstand auf Kosten von unten..



    So hat's die Lobby diktiert, so wird's gemacht...



    Grosses Zeugniss für 'unsere' Regierung...