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Einigung bei Volkswagen Nur Sparen schafft keine Zukunft

Nanja Boenisch

Kommentar von

Nanja Boenisch

Der VW-Aufsichtsrat hat die Kahlschlagspläne des Vorstands überraschend abgesegnet. Was völlig fehlt, sind gute Ideen für die Zukunft.

S chon Tage vorher hatten VW-Vorstand, Gewerkschaft und Politik vergeblich um einen Kompromiss gerungen, auch am Freitag dauerte das Treffen des Aufsichtsrates bis in den späten Abend hinein an. Umso überraschender kam dann die Meldung, dass der drastische Sparplan von Volkswagenchef Oliver Blume beschlossen wurde – einstimmig sogar. Und das, obwohl er noch immer keinen mutigen Weg in die Zukunft des großen Autobauers ebnet – und die Krise schwer auf dem Rücken der Beschäftigten ablädt.

Volkswagen steht Kahlschlag bevor. Weltweit werden mehr als 100.000 Stellen gestrichen, rund doppelt so viele wie ursprünglich geplant. Das Ende der vier bedrohten Werke in Deutschland, in Emden, Hannover, Zwickau und Neckarsulm ist zwar nicht besiegelt, aber auch alles andere als vom Tisch.

Nun kann man sich wundern, dass der VW-Betriebsrat und Ver­tre­te­r:in­nen der IG Metall dem dennoch einfach zugestimmt haben. Sie geben sich alle Mühe, als verantwortungsvolle Akteure dazustehen, die eine Eskalation verhindert haben. Und hoffen offenbar auf eine gute Verhandlungsposition, wenn es um den Fortbestand der angezählten Fabriken geht.

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Ob das wirklich verantwortungsvoll war angesichts eines Konzernvorstands, der seine bedrohlichen Visionen allzu gerne bewusst in der Presse platziert, bevor er mit den Ar­bei­te­r:in­nen spricht? Der bisher kaum zu Zugeständnissen bereit war? Das wird die IG Metall noch beweisen müssen, wenn sie Zwickau, Emden, Hannover und Neckarsulm verteidigen muss.

Keine Impulse für Zukunftsmärkte und -technologien

Vor allem aber ist tragisch, dass bei allen Drohgebärden des Vorstands und aller Angst der Ar­beit­neh­me­r:in­nen noch kein plausibler Plan für ein zukunftsfähiges Geschäftsmodell aufgetan werden konnte. Wenn die Transformation der Standorte Jobs in der Produktion kostet, dann müssten dafür neue in anderen Bereichen aufgebaut werden. Und VW braucht Ideen für Zukunftsmärkte und -technologien, mehr denn je.

Nur lassen die Konzernmanager keinen, wirklich gar keinen solchen Ehrgeiz erkennen. Das muss sich ändern – und dabei sollten auch die Gewerkschaft und Po­li­ti­ke­r:in­nen in Bund und Ländern stärkere Impulse setzen.

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

Nanja Boenisch

Nanja Boenisch Redakteurin

Schreibt im Ressort Wirtschaft + Umwelt über Mobilität und Verkehrswende.
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4 Kommentare

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  • David Lejdar

    Ab 43.000 Euro für ID.4, ist halt schon heftig für viele Leute - und auch überdimensoniert für den Bedarf vieler Haushalte, wo nicht jeder 160 km/h für Hunderte an Kilometern braucht, um zu pendeln.

    Und das sehe ich als Verfehlung der Managemente mehrerer Konzerne, dass alle Plan hatten, Masse an Fahrzeugen für doch schon eher "Luxussegment" zu produzieren, während man mit einfachem eTrike schon Produkt hätte, das für Stadtnutzung und auch paar Kilometer ländlich, ausreicht.

    Und vom Bund finde ich es absurd, da so zu tun, als ob mit neuen Produktionslinien für Verbrenner alles wieder in Ordnung wird, während argumentativ eben die Tatsache vorliegt, dass sich die Managemente verfahren haben, und nicht mitkommen bei dem Fakt, dass es halt schon noch viel mehr Marktsegmente gibt, als nur bei Millionären im Country-Club - was bei VW eigentlich schon mal bekannt war, zu Zeiten als eher einfache Fahrzeuge, statt Straßenjachten, produziert wurden.

  • Tom Farmer

    Und was genau unterscheidet der fehlende Zukunftspläne bei VW vom gesamtgesellschaftlichen Zukunftsplan der Republik.



    Wir haben ein Problem mit unserem ganzen Mindset. Vertagen, verschieben, mutlos und ohne Ideen.



    Und nein, ich rede nix schlecht, eher eine nüchterne Zustandsbeschreibung.



    Wenn die Entscheider nichts für die Zukunft beitragen können und wollen, dann sollten sie das wenigstens sagen und externen Gremien , und seien das Wissenschaftler oder Technokraten oder Bürgerententscheide ..... denen eine Entscheidungsfunktion zuweisen und den Job machen lassen und hinterher eben aus dem Weg gehen. Gelähmte und erstarrte Politiker, erstarrtes Land.

  • Der dreckich Katz

    Ja, höchst erstaunlich, dass der Aufsichtsrat die Pläne einfach so abnickt, nachdem doch vorher scharfe Worte aus Richtung BR und IG Metall kamen.



    Und an Stelle von Audi wäre es vielleicht angebracht gewesen, das Formel 1-Engagement einzustampfen. Das wäre zwar ein Haufen verjubeltes Geld für ein halbes Jahr dabeisein, ja es mag auch einen Werbeeffekt haben, aber im Vergleich zu Massenentlassungen und Werksschließungen ist so ein "Luxushobby" nicht zu rechtfertigen. Toyota und BMW hatten im Angesicht der Finanzkrise 2008 wenigstens den Anstand zu sagen "Wir sind raus".

  • hsqmyp

    Ja, man wundert sich was aus der IG Metall und dem dortigen Betriebsrat geworden ist. Als Tiger gestartet und zum Bettvorleger mutiert.



    Vom Land ganz zu schweigen.

    Alle haben damals den Kurs von VW in der Dieselaffäre im Wesentlichen mitgetragen.



    Der war und ist eine wichtige Ursache für den Umsatzeinbruch weltweit, für den Verlust an Technologieführerschaft.

    Die fossilen, immergierigen und nie sattzukriegenden Führungskräfte, Aktionäre, Lobbygruppen und PolitikerInnen haben es damals verbockt und sich eigentlich nie bei denen entschuldigt, die jetzt wieder die Zeche zahlen müssen: die Belegschaft und leider auch die Volkswirtschaft Deutschlands.