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Bundeskongress „Generation Deutschland“AfD-Jugend liefert Verbotsgründe

In Magdeburg zeigt sich, dass die AfD mit ihrer Parteijugend eine klar rechtsextreme Organisation integriert hat. Das könnte noch zum Problem werden.

Gareth Joswig

Aus Magdeburg

Gareth Joswig

Die AfD hatte die „Junge Alternative“ (JA) wegen ihrer gerichtsfesten und rechtskräftigen Einstufung als gesichert rechtsextrem aufgelöst, um sie vor einem Verbot zu bewahren. Offiziell erklärte die Parteispitze den Schritt auch damit, um bei Grenzüberschreitungen besser durchgreifen zu können.

Eine Deradikalisierung fand danach allerdings nicht statt: Die neu gegründete sogenannte „Generation Deutschland“ (GD) mit knapp 3.000 Mitgliedern weist vielfach personelle Kontinuität zur JA auf und für Mäßigung gibt es keine Anzeichen. Vielmehr ist sie eine radikale Kaderschmiede für die Mutterpartei geworden, die deutlich mehr Einfluss hat als zuvor, zahlreiche ehemalige JA-Funktionäre mit dem Segen von Parteichefin Alice Weidel im Parteivorstand platzierte und mittlerweile bei Programmfragen mitspricht.

Die Parteijugend ist damit kein bloßes Scharnier zum Rechtsextremismus, sie ist eine rechtsextreme Organisation und fest in die Mutterpartei integriert. Besonders mit Blick auf das Verbotsverfahren dürfte sich die AfD damit langfristig ein Kukucksei ins Nest gelegt haben.

Besonders deutlich wurde das beim zweiten GD-Bundeskongress am Samstag. 300 Delegierte trafen sich im Alten Theater in Magdeburg, auch um den Spitzenkandidaten Ulrich Siegmund im Wahlkampfendspurt einen großen Auftritt zu verschaffen. Der Saal sah aus wie eine Versammlung von Burschenschaftlern: Scheitel und Schmisse dominierten das Bild – Frauen waren kaum anwesend.

Jahrmarkt der Völkischen

Distanzierung zu rechtsextremen Organisationen? Fehlanzeige. Der extrem rechte Verleger Götz Kubitschek verkaufte im Foyer seine Anleitungen für den Umbau des Staates, ebenso der rechtsextreme Jungeuropa-Verlag und der den Identitären nahe Verein „Ein Prozent“ mit dem rechtsextremen Aktivisten Phillip Stein. Hinzu kamen ein paar ebenfalls identitärennahe Organisationen, die KI-generierte Sticker mit faschistischer Ästhetik verkauften oder volkstümelnde bis rassistische Comics verlegen.

Auf der Parteitagsbühne fanden zuverlässig immer die deutlich radikalsten Forderungen den lautesten Applaus: Bei der Forderung nach rassistischer Vertreibungspolitik, oder wie sie hier heißt: „millionenfacher Remigration“, gar der „europaweiten Remigration“ johlte die AfD-Jugend lautstark. Bundesvorstand Dennis Hohloch gab zudem einen Eindruck davon, was die AfD tatsächlich jenseits von euphemistischen Pseudodefinitionen mit „Remigration“ meint: „Deutschland braucht keine 80 Millionen, es kann auch mit 60 Millionen leben“, rief er. Auch hier: großer Jubel. Völkische Sprüche gab es auch von der GD-Spitze: Der Vorsitzende der AfD-Jugend, Jean-Pascal Hohm, konstatierte: „Die AfD ist Ausdruck des Lebenswillens unseres Volkes“, und forderte, „Deutschland muss das Land der Deutschen bleiben“.

Den niedrigsten Niveaulimbo legte Martin Reichardt hin, der AfD-Landesvorsitzende aus Sachsen-Anhalt. Der donnerte: „Vater Staat ist leider ein nach Dope stinkender fauler Asi, der sein Geld von der Friedrich-Ebert-Stiftung bekommt und regelmäßig säuft, um die Internationale zu lallen.“ Und die Muttersprache „ein aufgedunsenes intersektionales Flittchen, die sich selbst mit fotzig und atzig charakterisiert“. Ihr Haar sei grün und zerzaust, „weil Vater Staat sie dreimal täglich durchgendert!“ Den Sexismus quittierte die AfD-Jugend mit derart lautem Johlen, dass die folgenden Worte von Reichardt untergingen.

Am frenetischsten aber wurde schließlich Ulrich Siegmund gefeiert, der sich auf die Presse einschoss und deren angebliche „Lügen“ und „Fake News“. Die Ankündigung, dass seine erste Amtshandlung die Kündigung des Rundfunkstaatsvertrags sein würde, führte zu Standing Ovations und zu nicht enden wollenden Applaus. Anschließend fotografierte sich Siegmund grinsend mit einem Delegierten, der auch als Neonazi-Rocker der „Ghost Gang“ aus Düsseldorf aktiv war.

Die Radikalität spiegelte sich auch in Personalfragen wider: Nur einmal hatte die Parteispitze versucht, in der neuen Jugendorganisation durchzugreifen, und sich dabei eine blutige Nase geholt. Sie hatten ein Parteiausschlussverfahren gegen Kevin Dorow angestrebt, weil dieser als „Leitstern“ eine Parole verwendet hatte, die auch die Hitlerjugend einst benutzte. Das Parteiausschlussverfahren scheiterte am Widerstand der GD, aber Dorow musste von seinen Ämtern als Beisitzer im GD-Bundesvorstand zurücktreten.

GD-Chef scheitert mit Pro-Euro-Resolution

Für ihn nachgewählt wurde Tim Demuth aus Baden-Württemberg. Der bedankte sich unter großem Applaus der Versammlung demonstrativ beim anwesenden Dorow, der sich seinerseits für die Solidarität bedankte. Danach zog der in der extremen Rechten gut vernetzte Demuth nicht weniger radikal vom Leder, hetzte gegen den „Brüsseler Apparat“, der von Linken mit „antieuropäischer und antiweißer Gesinnung“ besetzt sei. „Wir sind Europäer, geprägt von Römern und Germanen.“ Dazu gehöre für Demuth mehr als der Besitz der Staatsangehörigkeit. Demuth wurde als Beisitzer in den GD-Bundesvorstand gewählt mit knapp 87,8 Prozent.

Seine radikale Rede verwundert nicht: Demuth hatte ein Treffen von Rechtsextremen in der Schweiz im Beisein von AfD-Politikern moderiert. Damals netzwerkten auf Einladung der rechtsextremen Gruppe „Junge Tat“, die für militante Aktionen und Kampftrainings bekannt ist, neben Verschwörungsideologen auch Neonazis bis hinein ins rechtsterroristische Spektrum. An dem Treffen sollen auch mehrere Männer aus der in Deutschland verbotenen rechtsterroristischen Organisation „Blood & Honour“ teilgenommen haben, aus deren Umfeld sich auch das Kerntrio des NSU rekrutierte.

Die Wucht der radikalen Basis bekam am Ende auch der Chef der AfD-Jugend, Jean-Pascal Hohm, zu spüren. Kleinlaut zog er seinen proeuropäischen Antrag zurück, in dem er sich dafür ausgesprochen hatte, den Euro beizubehalten. Vermutlich keine blöde Idee, wenn man die Jugendorganisation angesichts mickriger Mitgliederzahlen professionalisieren und attraktiv für Jugendliche sein will, die von EU-Freizügigkeit, Erasmus-Programmen und einer starken Binnenwirtschaft profitieren. Aber Hohm hatte die Rechnung ohne den D-Mark-Nationalismus gemacht, der seit Gründung Teil der AfD-DNA ist – auch in der Jugend.

Anmerkung, 31.8.: In einer früheren Version war ein Zitierfehler, den wir korrigiert haben.

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13 Kommentare

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  • David Lejdar

    In anderen Worten, es geht wieder um eine "Endlösung", wo es damals so war, dass sich paar Typen einig waren, dass "diese Juden, bzw. alle nicht-Arier", die Wurzel von allem Übel waren, usw.

    In dem Kontext sehe ich da auch Verbotsgründe. Aber, die Typen sind weiterhin da, und lassen sich wie ersichtlich von Verbot nicht davon abbringen. Und da macht Sinn, wenn unabhängiges Preußen, und Deutsche können sich bei Alpen ihr Ding machen.

    Also, dies natürlich nicht so toll, wie Märchen davon, alle zum Humanismus zu bekehren (wovon sich übrigens ableitet, dass selbst Bauern was sagen dürfen, usw.). Aber solche Typen hätten da, was sich wünschen, in wie großer Sippe zu existieren. Und wir alle anderen bleiben im 21. Jahrhundert, und können da eher vernünftige Politik machen, wie z.B. Zivilgesellschaften durch Unterstützung von Journalisten-im-Exil zu fördern, statt System an Sklavenplantagen als ob ordentliche Staaten.

  • Matt Gekachelt

    Eine Partei, die die Monarchie wieder herstellen will, wäre längst verboten, oder gar nicht erst zu gelassen worden.



    Warum es in fast allen Parteien da überhaupt noch Diskussion gibt, kann nur mit grassierendem Nationalismus, Angst vor dem echten Fortschritt und Fremden.



    Die Vergangenheit kommt aber nicht zurück. Die Globalsierung ist Fakt und die Probleme müssen global gelöst werden!

    • Comerade Aardvark

      @Matt Gekachelt:

      Ich weiß nicht so ganz, worauf Sie hinauswollen. Ein monarchistische Partei würde verboten, wenn sie einerseits das Grundgesetz durch eine absolutistische (oder etwas "mildere" monarchistische Verfassung ersetzen wollte, und andererseits auch starkten zuspruch fände (diese Relevanzklausel). Wenn jetzt aber eine ansonsten demokratische Partei vorschlagen würde, den Bundespräsidenten durch einen König zu ersetzen, der (wie z.B. in den nordischen Ländern) im wesentlichen die Rolle eines Staatsnotars erfüllt, dann wäre das kein Verbotsgrund.

      Die AfD gehört verboten,wenn sie weiterhin in Richtung der NS-Wiederbetätigung abdriftet. Das ist eine ganz andere Sache.

  • Kaboom

    Die AfD steht genau da, wo ihre Jugendorganisation auch steht. Die Zahl 60 Millionen stammt von Höcke, und wird u.a. von Frau Kotre seit langem als Ziel genannt.



    Man wird sehen, ob die Union sich nur aus taktischen Gründen aktuell vor den Wahlen im Osten nicht positiv zu einem Verbotsverfahren äußert, oder ob das nach den Wahlen so bleibt.

  • Sikasuu

    AfD-Jugend liefert Verbotsgründe



    ----



    Parteiverbot JETZT!



    Wir haben einmal "Fünf Jahre Zeit gegeben (1) & danach Deutschland nicht wiedererkannt"! :-(

    (1) Für Leute mit manifester "Geschichtsamnesie" hier eine Quelle:



    de.wikipedia.org/w...24._M%C3%A4rz_1933

    • Flix

      @Sikasuu:

      Solange die AfD der Union dahingehend dienlich ist, die dort vorhandenen rechtsradikalen Vorstellungen durchzusetzen, wird es kein Verbot geben. Dass das schon mal gründlich schief gegangen ist, wird dank der der Union so eigenen Hybris gerne vergessen.

  • Andreas_2020

    Das ist jetzt nicht mehr ein rein rechts-extremer, nationalistischer Jugendverband, sondern in Teilen aktivistisch, rechts-extrem und nationalistisch-rassistischer Jugendverband geworden.



    Da gibt es nur noch wenig Trennendes zur Wiking Jugend oder anderen echten, originären Neonazi-Organisationen.



    Die AfD-Jugend zeigt eindeutig einen Trend zur aktiven rechtsextremen-rassistischen Szene.



    Im Grunde genommen, würde eine rechts-konservative Partei wahrscheinlich gegen die Funktionäre dieser Strömung vorgehen, die AfD hingegen befördert diese 'Kader'. Das ist m.M. eigentlich eine Art Bankrotterklärung der Parteiführung. Fragt sich nur, was kommt zuerst, ein Putsch durch solche Kader oder ein Verbot seitens der demokratischen Parteien.

    • Ricky-13

      @Andreas_2020:

      Fanatische junge Männer hatten schon einmal in Deutschland für "Ordnung" auf den Straßen gesorgt. Man fragt sich auch langsam, warum der Verfassungsschutz und unsere demokratischen Politiker nicht endlich mal handeln.

    • Flix

      @Andreas_2020:

      Das ist beileibe keine Bankrotterklärung der Parteispitze sondern deren ausdrückliches Programm und Wunsch. Die AfD ist nicht rechts-konservativ sondern durch und durch rechtsextrem.

  • Il_Leopardo

    Wenn die die zukünftige Elite in Sachsen-Anhalt werden, kann ein anständiger Mensch eigentlich nur ....

  • amigo

    Wenn der braune Nachwuchs der AfD in Magdeburg aufmarschiert, wird dem letzten Zweifler der Blick freigelegt: Was sich hier im feinen Zwirn und mit akkurat gestutzten Frisuren präsentiert, ist die moderne Neuauflage eines altbekannten Grauens.



    ​Die ideologische Schnittmenge zwischen der Parteijugend und den Mustern der Hitlerjugend springt ins Auge: Das Ersetzen von Vielfalt durch den Zwang zum „völkischen Kollektiv“, das absolute Unterordnen des Einzelnen unter den Erhalt der „ethnokulturellen Identität“ und die unverhohlene Verachtung für den Rechtsstaat. Genau wie vor 90 Jahren dient die Jugend als Kaderschmiede, um Radikalismus zu normalisieren und den Nährboden für ein autoritäres Regime zu bereiten.



    ​Wer glaubt, diese Truppe repräsentiere „konservative Werte“, blendet die Geschichte aus. Hier wird nicht Zukunft gestaltet, sondern der geistige Marschtritt in die Diktatur geprobt. Sachsen-Anhalt darf sich diesem historischen Verhängnis nicht beugen!

    • Andreas_2020

      @amigo:

      Die AfD-Jugend ist inzwischen viel eher an der HJ, BDM oder anderen Organisationen dran - jedenfalls thematisch. Das Bild der heilen deutschen Familien kommt dort nicht mehr aus der Handreichung der Landjungen oder der Landfrauen oder vom Opus Dei, sondern es klingt und liest sich immer mehr wie eine Neuformulierung von NS-Ideen, bzw. Handreichungen aus 1933-45. Das liegt vor allem am Rassismus, der immer stärker in den Vordergrund gestellt wird. Beim Nationalismus konnte das mit dem GG und der Definition, wer Deutscher ist, noch kaschiert werden, wenn es allerdings um Vater, Mutter, Großvater etc. geht, dann wird das rassisch begründet. Und das schafft eine Parallele zu echten Nazis und Neonazis.

  • apfelkern

    Mir wird schlecht.