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Waldbrände in Südeuropa Zusehen, wie der Green Deal brennt

Eva Fischer

Kommentar von

Eva Fischer

Südeuropa steht in Flammen, eine Folge der globalen Erwärmung. Und Brüssel? Die EU-Kommission versucht es weiter mit Strategiepapieren.

A ls EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen Ende 2019 an die Spitze der europäischen Politik rückte, sollte die Rettung des Klimas ihr politisches Vermächtnis werden. Als „europäische Mondlandung“ bezeichnete sie ihren Green Deal, einen politischen Fahrplan, mit dem bis 2050 eine klimaneutrale Wirtschaft entstehen sollte. Doch über die Jahre wurden Vorhaben des Green Deal peu à peu zurückgenommen. Lobbyinteressen setzten sich durch sowie die Angst, auf dem internationalen Markt endgültig abzuschmieren und rechten Parteien weiteren Zulauf zu verschaffen.

Und nun, bald sieben Jahre später, steht Südeuropa in Flammen. Frankreich, Spanien, Portugal, Italien, überall brennen großflächig Wälder, ebenso in den Beitrittskandidatenländern Montenegro und Nordmazedonien.

Besonders fatal ist die Lage in Spanien und Frankreich, mit Waldbränden in einem noch nie dagewesenen Ausmaß. Die Einsatzkräfte dort kommen an ihre Grenzen, Hunderttausende Menschen müssen evakuiert werden, Orte werden zu verkohlten Ruinen, Wis­sen­schaft­le­r:in­nen gehen von tausend zusätzlichen Todesfällen aufgrund der Rauchbelastung aus. Immer wieder gibt es Meldungen, dass ein Brand nicht mehr zu löschen sei. Die Feuerwehrleute kapitulieren, können nicht mehr lösen, wofür Ignoranz und eine gescheiterte Klimapolitik gesorgt haben.

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Und Brüssel? Die EU koordiniert und finanziert ihren größten Einsatz gegen Waldbrände. Krisenmechanismen werden aktiviert, wie es auf Bürokratisch so schön heißt. Eine eigene Löschflotte von 22 Flugzeugen und fünf Hubschraubern soll aufgebaut werden. Die Kommission kündigt an, über eine neue Präventionsstrategie nachzudenken.

Im August, also in wenigen Tagen, verschwindet der Brüsseler Politikbetrieb aber erst mal in die Sommerpause. Genau zu dem Zeitpunkt, an dem die Waldbrandsaison erst so richtig losgeht.

Erst im September geht es in Brüssel wieder weiter, während die Brände noch bis Oktober oder gar November wüten werden. Die EU-Kommission wird unterdessen Strategiepapiere schreiben und Gesetzesvorhaben aufgrund von wirtschaftlichem Druck wieder umschreiben. Also alles wie gehabt. Egal, wie sehr es brennt.

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Eva Fischer

Eva Fischer Themenchefin

Jahrgang 1989; seit Anfang 2025 bei der taz, derzeit als Themenchefin, Nachrichtenchefin und CvD bei taz.de. Vorherige Stationen: u.a. EU- und Nato-Korrespondentin in Brüssel beim Handelsblatt, Redakteurin für Internationale Politik beim Tagesspiegel, Redakteurin bei der ZDF-Talkshow "Markus Lanz". Wirtschaftspsychologie-Studium mit Schwerpunkt Arbeits- und Organisationspsychologie und dem Nebenfach Politikwissenschaft, Besuch der Holtzbrinck-Journalistenschule, gelernte Medienkauffrau Digital und Print beim Spiegel-Verlag. Und auch ausgebildete Yogalehrerin.
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9 Kommentare

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  • Man sollte doch mal über den großen Teich schauen. Auch dort sind Waldbrände ein Riesenthema. Man hat in den USA allerdings die Rolle der Biberdämme, Biberteiche und die dadurch geschaffenen Feuchtgebiete bei der Verringerung der Waldbrandgefahr erkannt, hier ein Artikel vom "Ntional Geographic"



    www.nationalgeogra...-california-oregon



    Der stark erhöhte Wasserückhalt bewirkt dass Bäche und kleine Flüsse auch in trockenen Sommern Wasser führen. Die Biberkanäle schaffen Feuchtgebiete die als Brandsperre und auch als Rückzugsraum für Tiere wirken. Nach einem Brand dienen die Biberfeuchtgebiete als Initiator der Wiederbesiedlung und auch zur Klärung des aschebelasteten Regenwassers.

    Allerdings gibt es gerade in den betroffenen Ländern kaum Biber. In Griechenland z.B. gibt es überhaupt keine obwohl ein recht großer See (Limnis Kastoria, etwa 90 km W Thessaloniki) nach Bibern benannt ist. Es gab sie also mal..

    Bevor man also "den Kilmawandel" usw als Hauptschuldigen heranzieht sollte man erstmal schauen ob es andere menschengemachte Gründe gibt die wir tatsächlich schnell addressieren können.

  • Vielleicht hilft beim Unverständnis über die Klima- und Umweltpolitik der EU der Hinweis auf den großen Einfluß des größten EU-Mitglieds und -Beitragszahlers Deutschland.



    Dieser Einfluß ist verheerend.



    Neben der Union und Ursula v.d. Leyen wirkt hier auch die EVP mit Manfred Weber, die gerne mal mit den Rechten stimmt, um Klima- und Umweltschutz auszuhebeln.



    Es sind nicht alle EU-Länder leuchtende Vorbilder in Sachen Klimaschutz.



    Aber es gibt auch viele Länder, die uns hier deutlich voraus sind.



    Und die werden ausgebremst.

  • Kommst du nicht mehr aus der Suppe, bilde eine Arbeitsgruppe! (Das ist übrigens DDR-Folklore. 😁)



    Und sonst, es ist nichts Neues, daß Kapitalinteressen vor allem anderen rangieren, auch wenn es zuweilen grün angestrichen wird.

    • @Wurstfinger Joe:

      Auch im Westen wussten sie schon:



      Atempause bringt Kommission;



      Ist mit klugem Rat dann Schluss,



      Gibt's vielleicht noch den Ausschuss.



      /



      Das "Original" einer Volkspartei:



      "„Wenn ich nicht mehr weiter weiß, gründe ich nen Arbeitskreis ...“ - SPD..."



      Quelle



      www.spd-rhade.de/m...-nen-arbeitskreis/



      😅

  • Ich kann mich erinnern, daß es seit den 1970er/80er Jahren rund um Athen jährlich und in schöner Regelmäßigkeit gebrannt hat. Einer der Gründe:

    "Griechenland / Brandstiftung wegen Bauland / Nach der neuen Katastrophe sitzt der Schock bei der Bevölkerung tief. Jeder weiß, dass Brandstiftung im Spiel ist - aus Interesse an Bauland. Der Staat macht dabei mit." (TAZ 25.8.2009, 2:00 Uhr, Niels Kadritzke).

    Auch solche Dinge sollten nicht aus den Augen verloren werden.

  • Dann kann man den Kommissionsmitglieder ja nur Urlaubsorte in der Nähe der Brandherde empfehlen.

    Aber immerhin: Strategiepapiere brennen auch gut.

    • @Aurego:

      ..und könnten Wald entzünden, das wollen wir doch nicht.. 😬

  • Dann kommen sie ja rechtzeitig, wenn die großen Überschwemmungen einsetzen. Siehe z.B. Valencia im letzten Jahr.

  • Die Politik ist offensichtlich unfähig, reale Probleme zu lösen, sowohk in Europa als auch in Deutschland.

    Und was sie machen, machen sie auf Kosten der kleinen Leute, während sie Milliardäre und Superreicge schonen.

    Das wird mit tödlicher Sicherheit in einer Katastrophe enden.