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Niedrigwasser in Mittel- und Osteuropa Stromkrise mit Ansage

Florian Bayer

Kommentar von

Florian Bayer

Die Trockenheit zeigt Europa die neue Realität in Zeiten des Klimawandels. Es muss dringend gehandelt werden, nicht nur bei der Energiepolitik.

D ie Trockenheit in Mittel- und Osteuropa bricht alle Rekorde. Das zeigt sich besonders drastisch an der Donau, Europas zweitlängstem Fluss. In Serbien ist der Pegel so niedrig wie seit 1909 nicht mehr, auch in Österreich ist der Schiffsverkehr stark eingeschränkt. In Rumänien mussten Autowerke vorläufig schließen, weil das AKW Cernavodă wegen fehlenden Kühlwassers nur mehr mit einem statt zwei Reaktoren läuft und Stromengpässe drohen.

Noch dramatischer trifft es Ungarn, dessen einziges AKW Paks aus demselben Grund fast komplett heruntergefahren werden musste. Die Auswirkungen sind enorm, denn Paks erzeugt etwa die Hälfte des ungarischen Stroms. Ersatz kommt vor allem aus den Nachbarländern, was die Preise hochtreibt: Die Notimporte kosten laut Regierung etwa 275 bis 550 Millionen Euro.

Wie teuer die Krise insgesamt kommt, ist offen. Ebenso, ob es zu großflächigen Stromausfällen kommt. Premier Péter Magyar rief die Un­ga­r:in­nen nun eindringlich zum Strom- und Wassersparen auf. Die Warnung kam reichlich spät. Ebenso wie die Androhung staatlicher Eingriffe, sollten die Aufforderungen nicht fruchten.

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Viel schwerer wiegen die Versäumnisse von Magyars Vorgänger Viktor Orbán, der von 2010 bis Mai 2026 durchregierte. Zwar baute Ungarn dank massiver Förderungen die Photovoltaik massiv aus. Windkraft dagegen blockierte Orbán konsequent: Spätestens ab 2016 wurde keine einzige Windturbine mehr genehmigt. Der Solarstrom fließt nur tagsüber, weshalb Ungarn auf die Atomenergie angewiesen blieb, statt die Lücke mit Windkraft zu schließen.

Orbán beschloss gar noch, das AKW Paks von vier auf sechs Blöcke zu erweitern. Damit wird Ungarns Stromversorgung noch verwundbarer, zumal die AKW-Brennstäbe aus Russland kommen. Orbán nutzte das Thema Klimaschutz, um gegen die EU zu wettern und für nationale Souveränität einzutreten.

Genau die ist in Ungarn nun aber gefährdet. Statt Milliarden für Folgekosten zu zahlen, wäre es vernünftiger, endlich massiv in den Klimaschutz zu investieren. Die Probleme betreffen schließlich nicht nur Ungarn, sondern ganz Europa. Auch der Rhein sank etwa auf einen neuen Tiefststand, was Kohlentransporte und die Kühlung deutscher Kraftwerke zunehmend erschwert.

Dieser Tage zeigt sich, dass es Anpassungen an die neue „Normalität“ bedarf. Städte brauchen Bäume, Wasserflächen und offene Böden statt Beton, damit sie nicht zu Hitzefallen werden. Der Wasserverbrauch muss sinken, der fossile Autoverkehr eingeschränkt werden. Und es braucht endlich den konsequenten Ausbau erneuerbarer Energien. Sonst steckt bald nicht nur Ungarn, sondern halb Europa in der Energiekrise.

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

Florian Bayer

Florian Bayer Korrespondent Wien

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14 Kommentare

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  • Fakt ist:



    Wir zahlen die höchsten Energiepreise, die Bürger sind extrem belastet, also läuft bei uns etwas verkehrt, nicht bei den anderen Ländern mit AKWs. Das verstehen aber nur die, die die "Scheuklappen" abnehmen...

    • @Tanja Seedorf:

      Russland zahlt tausende unschätzbarer Leben junger Männer, um Atomkraftwerke zu erobern und zu halten (Saporischia). Ukraine und Weißrussland haben gewaltige Preise an Menschenleben und Menschrengesundheit gezahlt nur für einen einzigen Reaktor in Tschernobyl! Im Übrigen frage ich mich, aus welcher Luft Ihre Behauptung "D hat höchste Energiekosten" wohl gegriffen ist ...

  • Windkraft ubd Photovoltaik werden die Dürre nicht beseitigen. Viel wichtiger ist, dass wieder mehr Niederschläge ins Grundwasser gelangen, anstatt zur Ertragsoptimierung von Feldern und Wäldern auf dem schnellsten Wege in Flüsse und Meere wegdrainiert und abgeleitet zu werden!

    • @Dr. Liselotte Kornstaedt:

      "Windkraft ubd Photovoltaik werden die Dürre nicht beseitigen."

      Das behauptet auch niemand. Aber dass wir es immer häufiger aufgrund fehlender Niederschläge mit Niedrigwasser zu tun bekommen werden, steht wohl außer Frage. Und da AKW mit Flusswasser gekühlt werden, gibt es folglich ein Problem.

  • Was wir uns alle bewusstmachen müssen: Das wird nicht mehr besser werden, sondern nur noch schlimmer. Die Jahre mit Regen im Sommer werden eher die Ausnahme.



    Leider berichten Journalisten noch immer über die Katastrophe als wenn es sich um ein einzigartiges Ereignis handelt (historischer Tiefstand und so)

  • Das Thema/Problem "Dürre" ist leider nicht neu. In der Vergangenheit mussten schon mehrfach AKW wegen fehlendem Kühlwasser runterfahren. Die Rechten stellen sich lieber blind und taub. Weg mit den Windrädern, her mit den AKW, ist ihr Motto. Eine Partei die nur nörgelt und alles schlecht redet, aber keinerlei Lösungen bietet ist klar: unwählbar.

  • AKW-Befürworter so: Wir brauchen wieder mehr AKWs. Weil Solar und Wind und mittlerweile auch Wasserkraft ungenügend sind und uns der Wassermangel egal ist, den das AKW eigentlich drigend braucht.

    Baut mehr AKWs!

  • Nu wird das Schauermärchen, dass wir bei "Dunkelflauten" massenweise Strom aus Atomkraftwerken importieren müssten, in sein Gegenteil verkehrt. Ohne die deutschen Exporte von Solarstrom würde jetzt z.B. auch die französische Energiewirschaft recht alt aussehen.



    Aber Märchenerzähler waren eben schon immer beliebter als Rechner.

    • @Hartmut Haas-Hyronimus:

      Stimmt, Wärmepumpenheizer sollten sich keine Sorgen machen. Im Winter gibt es wieder Kühlwasser für die AKW, und die liefern ihnen dann auch bei Dunkelflaute Strom :-)



      Auch halbe Wahrheiten sind Märchen.

  • Der aktuelle, extreme Wassermangel führt es vor Augen: Die Atom- und Fossil-Lobby hat keine wirklichen Lösungen und an Erneuerbaren kein Weg dran vorbei führt ..

    • @Christian Lange:

      FALSCH:



      Ein Mix aus ALLEM ist die Lösung, so wie es außer der Bundesrepublik auch alle Industrienationen handhaben.



      Deutschland hat sich einfach verrannt und in der Welt kann man darüber nur den Kopf schütteln...

  • AKW sind keineswegs die zuverlässige Energieform, als die sie von ihren Apologeten angepriesen werden, auch wenn man von der Gefahr eines GAU oder den ungelösten Problemen der atomaren Endlager einmal absieht.

    Da Niedrigwasser an Flüssen absehbar häufiger werden wird, ist es Zeit, auch die letzten verbliebenen AKW endlich abzuschalten. Vorneweg Frankreich (57 AKW) sollte da endlich tätig werden.

    Pegelstand an der Rhône heute 11:00 Uhr:



    - Pierrelatte (AKW Tricastin): 0,336 m, Durchfluss 87,5 m³/s



    - Viviers bei Montélimar (AKW Cruas): 0,625 m, Durchfluss 568 m³/s

  • Wenn Hitze und v.a. damit verbundene Sonneneinstrahlung die Aushängeschilder des ausgehenden "Atomzeitalters" ausnocken und das mit steigender Regelmäßigkeit, gibt es nur Eines: Solarstromeinspeisevergütung erhöhen, während Dürreperioden für alle Einspeiser! Außerhalb Dürreperioden für Betreiber nachhaltiger Solaranlagen, die Mindestqualitätsanforderungen in Sachen Solarpanelqualität sowie wie Anlagen-Konzept- und -Wartungs-Qualität erfüllen.

    Ich fürchte, Frau Reiche braucht eigens dafür eineN kompetenteN StaatssekretärIn für wirtschaftsstandortsichernde ökologische Infrastrukturfördermaßnahmen - sie selbst würde so eine wirklich sinnvolle Politik allein niemalsnicht übers Herz bringen.

  • "der fossile Autoverkehr eingeschränkt werden" - nicht nur der fossile, der gesamte motorisierte Individualverkehr muss eingeschränkt werden auf das Notwendigste. Öffis und Bahn fahren ist die Devise, deshalb Priorität für den Ausbau der Bahn-Infrastruktur.