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Totalausfall bei der Deutschen BahnEine krisensichere Bahn bräuchte eine bessere Finanzierung

Gastkommentar von

Katja Diehl

Ein einziges fehlerhaftes IT-Update hat den gesamten Schienenverkehr der Bundesrepublik zum Erliegen gebracht. Solche Ausfälle ließen sich verhindern.

D ienstagnacht stand Deutschland still. Nicht wegen Schnee oder Streik und auch nicht wegen Sabotage, wie viele vermuteten – sondern wegen einer Störung im Zugfunksystem GSM-R. Ein einziges fehlerhaftes IT-Update reichte, um den gesamten Schienenverkehr der Bundesrepublik zum Erliegen zu bringen. Wie konnte das passieren? Und warum wurde nicht alles getan, um so ein flächendeckendes Versagen zu verhindern?

GSM-R ist das digitale Funksystem, über das Lok­füh­re­r*in­nen und Fahr­dienst­lei­te­r*in­nen kommunizieren. Ohne diese Verbindung darf kein Zug planmäßig fahren – denn nur über GSM-R können im Notfall alle Züge in einem Bereich gleichzeitig gestoppt werden. Als das System in der Nacht zum 24. Juni bundesweit ausfiel, blieben Hunderte von Zügen auf freier Strecke oder in Bahnhöfen stehen.

Als Backup soll eigentlich eine Variante des Telekom-Mobilfunknetzes einspringen. Doch auch sie versagte: Die SIM-Karten in den Bordcomputern der Züge konnten vom System nicht zuverlässig identifiziert werden. Wo trotzdem gefahren wurde, galt Sichtfahrt: Tempo 30 statt dreistellig. Nach etwa 90 Minuten war das akuteste Problem behoben.

Katja Diehl

Katja Diehl ist Bestsellerautorin und Podcasterin zur Mobilitätswende. Ihr Podcast „She Drives Mobility“ erscheint seit mehr als sechs Jahren alle zwei Wochen.

Das ist eine großartige Leistung jener Beschäftigten, die tagtäglich in diesem maroden System Übermenschliches leisten. Doch der Schaden für Hunderttausende Reisende und für das Vertrauen in die Bahn bleibt. Mal wieder. Dabei zeigen Umfragen und Studien, dass die Menschen umsteigen wollen, raus aus der Abhängigkeit vom Auto.

GSM-R wurde in den 90ern entwickelt und ist technisch seit Jahren am Ende seiner Lebenszeit. Der Nachfolger FRMCS (Future Railway Mobile Communication System) ist seit Jahren bekannt – aber die Umrüstung kostet Milliarden und wurde immer wieder verschoben. Dass auch die Rückfallebene (Telekom-Netz) nicht zuverlässig funktionierte, ist kein Zufall, sondern das Ergebnis einer Infrastruktur, die nicht ausreichend getestet, gewartet und finanziert wurde.

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Die taz ist eine unabhängige, linke und meinungsstarke Tageszeitung. In unseren Kommentaren, Essays und Debattentexten streiten wir seit der Gründung der taz im Jahr 1979. Oft können und wollen wir uns nicht auf eine Meinung einigen. Deshalb finden sich hier teils komplett gegenläufige Positionen – allesamt Teil des sehr breiten linken Meinungsspektrums.

Ein Vergleich mit der Luftfahrt macht das Versagen deutlich: Im Flugverkehr sind redundante Systeme für jede sicherheitskritische Komponente international verpflichtend. Als Eurocontrol 2018 einen Computerausfall erlebte, kam es zu Verspätungen – aber kein Flugzeug musste landen, weil das System robust genug gebaut war, um solche Fehler aufzufangen. Bei der Bahn kollabierte nicht nur das Hauptsystem, sondern auch die Rückfallebene. Das Ergebnis jahrzehntelang aufgeschobener Investitionen in Sicherheitsarchitektur.

Der Blick auf unsere Nachbarn

Deutschland hat sein Schienennetz über Jahrzehnte systematisch geschrumpft und unterfinanziert – es galt „Fokus Straße“. Zwischen 1995 und 2018 flossen 278 Milliarden Euro in Straßen – aber nur 132 Milliarden Euro in die Schiene.

Wer wissen will, wie Bahn geht, muss nicht weit schauen. Schweiz und Österreich zeigen seit Jahrzehnten, dass ein verlässliches Schienennetz kein Wunschdenken ist – sondern eine Frage politischen Willens und konsequenter Investition. Die Schweizer Bundesbahnen (SBB) erreichten 2025 eine Pünktlichkeitsquote von 94,1 Prozent – und das, obwohl ein Zug dort bereits als verspätet gilt, wenn er mehr als drei Minuten zu spät ist. Die Deutsche Bahn kämpft im Fernverkehr mit Quoten von über 50 Prozent.

Die Schweiz investiert 480 Euro pro Kopf und Jahr in ihre Schieneninfrastruktur (2024), finanziert durch einen langfristigen Bahninfrastrukturfonds aus Mehrwertsteuer und Straßennutzungsgebühren. 99,98 Prozent des Streckennetzes sind elektrifiziert. Das gesamte Netz ist vollständig mit dem europäischen Zugsicherungssystem ERTMS ausgestattet – als einziges Land Europas. Die Schweiz denkt in Jahrzehnten, nicht in Legislaturperioden.

Österreich investiert 352 Euro pro Kopf in seine Bahn (2024) – fast doppelt so viel wie Deutschland. Die ÖBB gilt europaweit als Musterbeispiel für gut verwalteten Bahnbetrieb: pünktlich, bezahlbar, dicht getaktet. Österreich hat verstanden: Die Bahn ist kein Luxus, sondern essenzieller Teil von Daseinsvorsorge.

Deutschland erreichte 2024 mit 198 Euro pro Kopf zwar ein neues Rekordniveau – ein Sprung von 70 Prozent gegenüber den 115 Euro des Vorjahres. Doch erst seit 2022 wird etwas mehr in die Schiene als in die Straße investiert. Nach Jahrzehnten der Unterfinanzierung.

Weniger Netz, mehr Fahrgäste

Das vielleicht deutlichste Symptom des Systemversagens: Während die Nachfrage nach Bahnreisen dramatisch gestiegen ist, wurde das Netz kontinuierlich kleiner. In den vergangenen 70 Jahren wurden in Deutschland über 15.000 Kilometer Bahnstrecken abgebaut. Das Netz schrumpfte von ehemals 40.800 auf heute rund 33.470 Kilometer.

Gleichzeitig stieg die Verkehrsleistung auf der Schiene von 1992 bis 2022 um 75 Prozent – auf fast 110 Milliarden Personenkilometer im Jahr 2024. Viele der noch verbliebenen Strecken fahren dauerhaft über ihrer Kapazitätsgrenze. Jede Störung pflanzt sich wie in einem verstopften Rohr durch das gesamte Netz fort. Der Ausfall dieser Nacht war kein Zufall – er war Zeichen eines Systems, das schon lange kollabiert.

Selbst der Auto Club Europa (ACE) – ja, ein Autoclub – hat gemeinsam mit dem BUND und der Klima-Allianz Deutschland Bundesverkehrsminister Schnieder aufgefordert, den Neubau von Autobahnen und Bundesstraßen sofort zu stoppen. Eine Untersuchung des Forums Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft belegt: Der Verzicht auf neue Autobahnen und Bundesstraßen würde 20 Milliarden Euro freisetzen – Geld, das dringend für den Erhalt maroder Brücken, Straßen und des Schienennetzes gebraucht wird.

Echte Alternativen

Die Menschen wollen umsteigen. Das Potenzial ist riesig. Aber es kann sich nicht entfalten, wenn das System nicht funktioniert. Echte Verkehrswende bedeutet: Die Bahn muss so verlässlich sein, dass das Auto zur zweiten Wahl wird – nicht umgekehrt. Dafür braucht es neben dem massiven Ausbau der Schieneninfrastruktur auch eine Modernisierung der Sicherheitstechnik: Das aktuelle GSM-R muss durch das modernere FRMCS abgelöst werden, schnell und vollständig.

Für solche Investitionen braucht es langfristige Finanzierungsgarantien, wie in der Schweiz. Die Nacht zum 24. Juni 2026 war ein Weckruf. Er könnte der erste sein, der nicht verschlafen wird.

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28 Kommentare

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  • Die deutsche Bahn AG ist ein Privatunternehmen. Man hat sich jahrelang kaputt gespart und aus der Substanz gelebt nut um gute zahlen für die Aktionäre zu haben. Jetzt zu behaupten die sind unterfinanziert ist eigentlich nicht die Wahrheit. Allerdings hat es in Deutschland ja Tradition das gewinne an reiche Investoren ausgeschüttet werden und Verluste an den Steuerzahler weitergegeben werden. Und im übrigen ist es auch absolut egal wie alt die Kommunikationstechnik ist die Verwendung findet, sie funktioniert und sie wird solange funktionieren wie sie gebraucht wird. Der fehler lag in einem strukturellen Designerfehler den auch ein neues System haben kann. Und das kann man beheben.

    • @My2cents:

      DIE Aktionäre der DB sind genau ein einziger: der Bund. Jener Bund, der nur deshalb die DB privatisiert hat, um nicht mehr für den Zustand verantwortlich gemacht zu werden, nachdem man den Laden bereits 30 Jahre vor der Privatisierung auf Verschleiß gefahren hat (betriebswirtschaftlich optimiertes Netz als Grundlage für das Budget wegen "Bundeswehr oder Bundesbahn").

      Was haben wir uns damals über diesen politischen Hütchenspielertrick amüsiert - aber dass immer noch wie auf Kommando kapitalismuskritische Phrasendrescherei kommt, zeigt wie hoch erfolgreich dieser Trick von Helmut Kohl und Co. ist...

  • Ich gehe nicht konform mit der Überschrift.



    Es ist hinlänglich widerlegt, dass Geld allein Probleme löst.



    Österreich und die Schweiz kann man mit Deutschland schwer vergleichen. Die Topographie ist eine völlig andere.



    Österreich und Schweiz bohren Tunnel ohne Ende, haben hochalpines Gebirge. In Deutschland ist bis auf südlichsten 50 Kilometer das Land recht flach.



    Die 'Mittelgebirge' sind meist Hügelchen von wenigen hundert Metern Höhenunterschied. Und die norddeutsche Tiefebene heißt norddeutsche Tiefebene weil sie flach ist.



    Eine Bahnstrecke Berlin Hamburg oder Berlin Hannover Köln darf niemals so viel kosten wie eine Strecke von Wien nach Basel oder ein Brennerbasistunnel.



    Zudem sind die Entfernungen in den Alpenländern deutlich kürzer und es fehlt an echten Ballungsräumen.



    Das bei ÖBB und SBB deutlich mehr richtig läuft als bei der Deutschen Bahn - keine Frage.



    Aber Geld allein hilft bei dem Trümmerhaufen Deutsche Bahn null. Weil Geld pumpen wir ohne Ende rein...



    Bevor es mehr Geld für die Bahn gibt, muss erörtert werden, warum sich Baustellen vervierfachen in den Kosten und 10 Jahre verzögern - Stichwort Stuttgart 21.



    Es liegt nicht am Geld, der Fisch stinkt vom Kopf.

    • @Astrid Sehnefeld:

      "Weil Geld pumpen wir ohne Ende rein..."

      Ich fürchte, Sie meinen das ernst...



      Aktuell 1/6 dessen, was die Schweiz pro Streckenkilometer in ihre Bahn steckt. Wir haben aber noch Nachholbedarf aus der Zeit, als der Faktor bis auf 1/12 gefallen war (über die gesamte Kanzlerschaft von Helmut Kohl wurde das Budget nicht einmal an die Inflation angepasst). Das bedeutet bei einem Größenverhältnis der Netze von 1:10 sogar in absoluten Zahlen weniger als die Schweiz...

  • Es wäre wünschenswert einige erfahrene Fachkräfte aus den Ländern in denen der Schienenverkehr funktioniert dazu zu holen.

    Man muss sich nur einmal die Bauprojekte der DB von der Ausschreibung startend ansehen und diese verfolgen, das tut teilweise richtig weh

    • @Sole Mio:

      "Man muss sich nur einmal die Bauprojekte der DB von der Ausschreibung startend ansehen und diese verfolgen, das tut teilweise richtig weh"

      Die richtig schmerzhaften Erkenntnisse gewinnt man nur, wenn man die Bauprojekte von der Aufgabenstellung durch das Verkehrsministerium über die Aufnahme in den Bundesverkehrswegeplan und die großzügige Gewährung sogenannter übergesetzlicher Forderungen der Regional- und Lokalpolitik bis zur Ausschreibung verfolgt - so die Projekte jemals soweit kommen. Ich sage nur Hamburg - Hannover und das handverlesene "Dialogforum Schiene Nord", das beinahe noch beschlossen hätte, dass die Erde eine Scheibe ist - aber von unserem Vizekanzler bis aufs Messer verteidigt wird.

    • @Sole Mio:

      Die derzeitige Chefin ist m.W. Italienerin und hat ihre Ausbildung in Österreich gemacht. Sie meint, dass das in Detuschland abehbar nichts wird, so ca. 10 Jahre meint sie, bräuchte die Deutsche Bahn bis sie einigermaßen sicher auf dem Gleis steht (Das ist ungefähr ihre Altersgrenze).



      Delirare (Latein) heißt auf Deutsch : Aus der Spur (dem Gleis) geraten.

      • @Hans - Friedrich Bär:

        Das ist mir bekannt, die Dame kommt aus Südtirol.



        Ich wünsche ihr gute erfahrene Experten aus den Ländern in denen es klappt an ihrer Seite.

        Stuttgart 21 und jetzt auch München zeigen viele Probleme und Milliardengräber auf.

        Daher ist es für mich nicht in erster Linie ein Problem der Menge des Geldes, sondern dass man vernünftig damit umgeht!

        • @Sole Mio:

          Danke für die Zuschrift.



          Die Bahn hat 330.000 Mitarbeiter aus 100 Nationen, da müssten doch einige dabei (gewesen) sein.



          "Länder, in denen es klappt" : Die Diskussion hier zeigt doch, dass man die Länder schwer vergleichen kann.



          Am ehesten Frankreich :



          KI Antworten :



          Die französische Staatsbahn SNCF kämpft vor allem mit historisch vernachlässigten Regionalstrecken, hohen Schulden und häufigen Streiks. Hinzu kommen massive infrastrukturelle Schwachstellen, die sich in Verspätungen, Zugausfällen und punktuellen, großflächigen Störungen im Fernverkehr äußern.



          Spanien :



          Auch die spanische Staatsbahn RENFE hat mit mehreren strukturellen Problemen zu kämpfen....



          Sie können über "Welche Probleme hat die *Name der Bahngesellschaft* ? in der Abfragezeile des Browsers problemlos die KI Antworten bekommen.

          Ich würde sagen, dann weiß man etwas mehr. Lösungsimport finde ich grundsätzlich nicht schlecht, es ist aber wie dem Geld : Man muss vernünftig damit umgehen.

  • Yeah! Nachrichten aus dem Ende des letzten Jahrtausends. Denn damals, als Deutschland wie viele andere Staaten zu religiös fundamentalistisch geführten Staaten unter den Priestern der neu erstarkten Religion des Neoliberalismus wurden, begann es in etwa. Davor kamen die Züge pünktlich, wenn man arbeitslos wurde, geriet man nicht in Armut, man ging zum Arzt (der Arzt kam sogar), man bekam Medikamente ohne sie auch noch ein zweites Mal bezahlen zu müssen, und der verdiente Lebensabend endete nicht zu einem großen Teil in Altersarmut. Und die Züge waren pünktlich. Das ging soweit, dass selbst heute noch in manchen Ländern zum Klischee-Bild Deutschlands eben das gehört.

  • Der Fisch fängt doch am Kopf an zu stinken. An der Spitze eines solchen Unternehmens, egal welcher Rechtsform, sollte auch jemand stehen, der aus dem Unternehmen kommt. Ein Eigengewächs also, und nicht irgendein dummer Jurist oder BWL er, der als Kind wahrscheinlich das letzte Mal mit der Bahn gefahren ist. Und vor allem niemand, der jedem neuen Trend hinterherhechelt. Die Bahn hatte mit Basa mal das modernste Kommunikationssystem der Welt. Das würde auch heute noch funktionieren, aber es ist ja hip, alles digital zu betreiben. Die Folgen konnte man vor wenigen tagen sehen.

    • @Oleg Fedotov:

      BASA heißt : Bahnselbstanschlussanlage (internes Telefonnetz deutschsprachiger Eisenbahnverwaltungen).



      "...aber es ist ja hip, alles digital zu betreiben."



      So ähnlich stelle ich mir das vor.



      "Was du ererbt von deinen Vätern hast, erwirb es um es zu besitzen...." hieß für mich : Wenn man etwas erbt muss man lernen damit richtig umzugehen.

  • Die Bahn hat eine andere Vorstellung von Sicherheit:



    www.s-bahn-muenche...ssen/db-sicherheit



    ARIANE V ist trotz viel Geld auch softwaremäßig abgestürzt , weil die bewährte ARIANE IV Software eingesetzt worden war, obwohl sie nicht zur Steuerung der ARIANE V passte. Ironie : Redundande Struktur erkannte den Fehler nicht, da Rechner 2, der Rechner 1 kontrolieren sollte den gleichen Fehler hatte. So ähnlich stelle ich mir das hier vor.



    Eschede ist die größte Katastrophe in der neueren Eisenbahngeschichte, es gab zwar Möglichkeiten das Unglück noch zu vermeiden, die wurden aber nicht ergriffen, im Prozess war niemand schuld.



    Österreich Schweiz Luxemburg Norwegen . Man muss Deutschland mit gleich großen Ländern vergleichen. Zugegeben schaut der Vergleich auch nicht besonders gut aus.



    Die Bahn ist ein Bundesunternehmen, letzten Endes hat der Verkehrsausschuss die Kontrolle. Das sind die gewählten Volksvertreter. Wenn von diesen nichts nützliches ausgeht oder ausgegangen ist brauchen wir uns keine Gedanken machen.

    • @Hans - Friedrich Bär:

      Um sicherzustellen, was man darunter versteht, wenn man von "Sicherheit" spricht, wird hierzulande gerne englisch von "safety" und "security" gesprochen. Heißt auf deutsch beides "Sicherheit" und wird dann - wie in Ihrem Beitrag - hemmunglos durcheinandergewürfelt...

  • Das Problem, und nicht nur bei der bahn, ist doch nicht das Geld. Die Probleme sind endlose Planung - auch durch Klagen der Anlieger und fehlende Fachkräfte.



    Gleisbauer ist ein Ausbildungsberuf. Aber wer hat den schon Lust immer auf Montage zu sein, bei Wind und Wetter draußen körperlich schwer zu arbeiten?

    • @Bernd Simon:

      Ich wohne im Rhein-Main-Gebiet. Die schon lange vorhandenen Strecken (Gleise und sonstige Technik) müssen nicht geplant werden und man braucht auch keine Zustimmungen von Anwohnern. Die Technik ist schlicht marode weil man es jahrzehntelang wegen Geldmangels (danke auch für den Gang an die Börse) hat verkommen lassen. Eine der beliebtesten Gründe für Ausfälle und Verspätungen hier: Fehler in der Oberleitung, Fehler im Stellwerk. Ich rede hier natürlich von ÖPNV, nicht vom Fernverkehr. Aber die defekten Klimaanlagen und Züge dort klingen für mich auch eher nach Geldmangel.

      • @Jalella:

        Die Technik im Rhein-Main-Gebiet ist marode, weil nur geflickschustert wird. Die meisten Arbeiten fanden jahrzehntelang in den verkehrsschwachen Zeiten nachts statt. Das ist wie ein 60 Jahre altes Auto, das man nicht länger als einen Vormittag in die Werkstatt stellt. Öl, Zündkerzen und Bremsbeläge einigermaßen in Ordnung - aber die Zylinderkopfdichtung am Ende und die Karosserie komplett durchgerostet.

        Alles, was mehr als 5 Stunden Netto im Gleis bräuchte, wird man vor der Bundesnetzagentur von RMV, VIAS und Co beklagt. Und die Mannstärke ist unter diesen Voraussetzungen auch reduziert. Wer tut sich schon einen Job ab, bei dem man immer in Wind und Wetter, großteils nachts und unter Zeitdruck arbeitet - und nach einer 5-Tage-Woche auf einer S-Bahn-Strecke wegen der kurzen Streckenruhe mit 28 bezahlten Arbeitsstunden nach Hause geht? Gruß von einem, der sich das zwei Jahre lang angetan hat...

  • Weitere Spitzenreiter bei den Pro-Kopf-Investitionen sind in Europa - neben Österreich und der Schweiz - auch Luxemburg und Norwegen.

    • @Il_Leopardo:

      Und daran sieht man, dass die Pro-Kopf-Investitionen kein guter Indikator sind. Bei Luxemburg greift das Kleine-Land-Problem: Die Kosten sind überproportional aufgebläht, weil sie stark von Fixkosten dominiert sind, die nicht besonders mit der Größe/Einwohnerzahl skalieren. Und Norwegen, das Land der Vielflieger, hat eines der weitmaschigsten und unterentwickeltsten Schienennetze Europas, das von Erdrutschen und Brückeneinstürzen zuletzt arg gebeutelt wurde. Dazu kommt noch akuter Fahrzeugmangel. Das führt u.a. dazu, dass auf der Nordlandbahn (Trondheim–Bodø) seit Jahren kein geregelter Verkehr mehr herrscht.

      • @Sebastian Wilken:

        OK. Die Norweger stehen bei der enormen Ausdehnung, der geographischen Besonderheiten des Landes und der niedrigen Einwohnerzahl (5,6 Millionen) sicher vor ganz anderen Problemen als wir hier.

        • @Il_Leopardo:

          Norwegen hat 2017 eine Bahnreform namens "Jernbanerevolusjon" ins Leben gerufen in der die Zuständigkeiten auf mehrere Gesellschaften in der Region verteilt wurden.

          Das hat zur Ineffizienz beigetragen und die Ungleichheit innerhalb des Landes verstärkt.

          Während der Verkehr in der Region Oslo profitabel und zu 90% pünktlich verläuft sind andere Strecken wie die Bergenbahn für den Personenverkehr weniger rentabel und entsprechend wurden auch Modernisierungen der Infrastruktur vernachlässigt und das wirkt sich wiederum negativ auf die Beförderung aus.

          Das geht vor allem zu Lasten des Güterverkehrs der auf Langstrecken angewiesen ist, während Norweger bei größeren Distanzen auf das Flugzeug zurückgreifen.

          Oftmals auch notgedrungen. Teile des Nordens sind z.B. gar nicht an das Schienennetz angebunden.

          Bei mir Tromsø gibt es keinen Bahnhof dafür einen hochmodernen Flughafen mit hochgetackteten Inlandsflügen in alle Regionen Norwegens.

          Aufgrund der Witterungsverhältnisse und der geografischen Lage, stellen auch Fernbusse keine befriedigende Alternative dar, besonders nicht im Winter.

          Wir setzen hier im Norden daher lieber auf das E-Plane als Transportmittel der Zukunft.

  • Es wird immer nach mehr Geld gerufen. Das Geld muss auch sinnvoll eingesetzt werden. Nachdem die Bahn und die Politik Jahrzehnte geschlafen hat, kann man das nicht alles in 5 Jahren nachholen.



    Es gibt gründe, warum z.B. einige gefüllte Töpfe nicht komplett abgerufen werden können, weil man nicht in der Lage ist, die Gelder auszugeben. Das gilt auch häufig für Städte und Gemeinden. Bei uns im Unternehmen kursierte mal eine Zahl, dass bei Projekten pro Mitarbeiter maximal 50.000€ pro Jahr ausgegeben werden könnte. Also ein Projekt mit 50 Mitarbeitern kann max. 2,5 Mio ausgeben. Selbst, wenn man dem Projekt 10 Mio zur Verfügung stellen würde. Keine Ahnung ob die Zahlen akkurat sind, aber für mich war das nachvollziehbar.

  • Am Beispiel der Bahn zeigt sich, wo unser Land nach Jahrzehnten der Schuldenbremse und Austeritätspolitik steht.



    Leider lässt sich „Bahn“ auch als Platzhalter für so jeden anderen Bereich unserer Gesellschaft nutzen.



    Zu Recht ist so mancher genervt von derlei dystopischen Einschätzungen.



    Das „nach-vorne-Schauen“ dieser Zweckoptimisten ist dann leider meist ein „Weiter so“. Und hilft nicht wirklich.

    Es macht eigentlich auch wenig Sinn, sich auf einen einzigen Bereich zu fokussieren, die Probleme sind ja strukureller Natur.

    Eine Lösung aus dem deutschen Politik-Betrieb ist leider nicht zu erwarten. Der ganze Bereich ist bis auf wenige Ausnahmen machtpolitisch korrumpiert und unfähig zur Lösung dieser gigantischen Herausforderung.

    Vielleicht könnten hier Bürgerräte helfen, die der Politik verbindliche Vorschläge in allen relevanten Bereichen machen.

    • @hsqmyp:

      "Vielleicht könnten hier Bürgerräte helfen, die der Politik verbindliche Vorschläge in allen relevanten Bereichen machen."



      KI Antwort



      "Ein Bürgerrat ist eine Form der Bürgerbeteiligung, bei der zufällig aus der Bevölkerung ausgewählte Personen Lösungsvorschläge für politische oder gesellschaftliche Probleme erarbeiten. Ziel ist es, ein repräsentatives Abbild der Gesellschaft ("Mini-Publik") zu schaffen, das unabhängig von Parteipolitik konkrete Empfehlungen an die Politik richtet."

      "Zufällig aus der Bevölkerung ausgewählte Personen" wäre dann richtig , wenn "nicht zufällig aus der Bevölkerung ausgewählte Personen" die Ursache des Problems wären . Vielleicht ist das so.



      Bürgerräte können keine v e r b i n d l i c h e n Vorschläge machen weil sie nicht gewählt sind.

      Es gibt ja die Meinung, dass Bürgerräte deswegen überflüssig sind weil wir ein Bundes- plus sechzehn Länderparlamente mit 630 plus 1.889 = 2.519 Abgeordneten haben.

      Diese Meinung bin ich eigentlich auch.

      Der Verkehrsausschuss des Bundestages hat 30 Mitglieder. Wenn man diese durch Los aus den Reihen der BT-Abgeordneten bestimmen würde, wären diese legitimiert . Das würde ich für eine Lösung halten.

  • Ohne Digitalisierung/Zentralisierung wäre das nicht passiert. Die Konsequenz kann eigentlich nur lauten die Strukturen zu diversifizieren und dadurch resilienter zu machen. Sprich nicht ein zentrales Update, sondern erst ein Test lokal, wenn dieser erfolgreich sukzessive Ausweitung. Dann kann man auch backups regelmäßig testen.

    • @Dodoist:

      GSM-R *ist* digital und hat den analogen Zugfunk abgelöst.

      • @Sebastian Wilken:

        Am Beispiel: ADA ist eine hochrangige Programmiersprache. Der britische Informatiker und Turing-Preisträger Sir Tony Hoare (C. A. R. Hoare) hat sich 1980 in seiner berühmten Turing-Award-Rede sehr kritisch und warnend über die Komplexität und Gefährlichkeit der Programmiersprache Ada geäußert.



        Er appellierte eindringlich an die Programmierergemeinschaft und die US-Regierung, Ada nicht in Bereichen einzusetzen, in denen Zuverlässigkeit lebenswichtig ist. Konkret nannte er Kernkraftwerke, Raketen, Frühwarnsysteme.



        MPG und KIT finden ADA sicher.

        Wer irgendwann selbst programmieren gelernt hat weiß, dass es mühsam ist fehlerfreie Programme zu schreiben und grundsätzlich betrachtet eigentlich nicht gibt.

        Meine Meinung dazu ist, dass Analogtechnik insgesamt sicherer, aber umständlicher ist.

        Digitalisierung gilt als "hip" hat Oleg Fedotov in der Diskussion geschrieben, und darin steckt die Gefahr. Es wird über Digitalisierung entschieden von Entscheidungsträgern, die selbst nicht programmieren können und sich daher auf "Nachrangige" verlassen, die sich hüten werden den "Vorgesetzten" zu widersprechen.

    • @Dodoist:

      Ja , das stimmt. Das Arpanet wurde mal erfunden, um die Folgen eines Bombeneinschlags in einer Zentrale zu mindern.