piwik no script img

Weltmeisterschaft und WeltpolitikEin Trikot ist nicht das letzte Hemd

Der Bundeskanzler hat Donald Trump unbeholfen ein Fußballtrikot überreicht. Peinlich! Sonst aber lief es diese Woche recht gut für Friedrich Merz.

A ls der deutsche Bundeskanzler dem amerikanischen Präsidenten am Rande des G7-Gipfels ein Trikot der deutschen Fußballnationalmannschaft übergab, als er es ihm hinhielt wie ein unbeholfener Verkäufer, waren Spott und die Scham mal wieder XXL.

Ehrenlos!, hieß es, wie kann er sich nur so kleinmachen? Kritisiert wurde auch, dass Friedrich Merz die Bilder der Geschenkübergabe auf seinen Kanälen mit dem Satz garnierte: „After all, we are on the same team.“

Tatsächlich könnte die Nationalmannschaft einen energischeren Rechtsaußen vertragen, aber darum soll es hier nicht gehen. Denn diese Woche lief für Friedrich Merz ausnahmsweise ziemlich gut – was in der Häme über sein Geschenk beinahe unterging.

Da steht über allem das Rahmenabkommen zwischen den USA und Iran. Das Abkommen, unterzeichnet in Versailles, ist fatal für die USA und stärkt das iranische Terrorregime. Die Kriegsziele der USA, ein Regime-Change und ein Ende des Atomprogramms, wurden verfehlt. Für die Bundesregierung ist das Abkommen trotzdem ein Glück. Denn es hat direkte ökonomische und indirekte politische Folgen, von denen Deutschland profitieren könnte.

Vielleicht einfach nur eine peinliche Geste

Die direkte ökonomische Folge: Der Ölpreis sinkt, die Straße von Hormus ist befahrbar. Davon profitieren die Weltwirtschaft, aber auch Unternehmen und Menschen in Deutschland. Dass die Bundesregierung innenpolitisch so schlecht dasteht, dass die extreme Rechte in Umfragen so erfolgreich ist, liegt wesentlich an den hohen Preisen, der Verunsicherung und dem Gefühl, dass es bergab geht. Sollte das Abkommen halten, die Preise in den Supermärkten und an den Tankstellen sinken und die Wirtschaft so wachsen, wie es sich vor Beginn des Irankriegs abzeichnete, wäre das wohl das beste Mittel, um die Regierung zu stabilisieren und die Umfrageerfolge der extrem Rechten einzudämmen.

Eine weitere Folge könnte die Stärkung Europas sein. Das Abkommen mit Iran zeigt, dass sich Großmächte nicht die Welt unterwerfen können, wie es ihnen gefällt. USA und Israel haben ihre Ziele nicht erreicht. Das stärkt jene Staaten des Westens, die auf Verhandlungen, auf ein gemeinsames Vorgehen und Regeln setzen.

Zeitgleich, und das ist die andere gute Nachricht für Friedrich Merz in dieser Woche, wird deutlich wie nie, dass auch Russlands Krieg in der Ukraine nicht erfolgreich ist. Die Ukraine hat die russische Hauptstadt angegriffen, eine Ölraffinerie wurde getroffen. Die Bewohner Moskaus müssten im Wortsinne die Augen verschließen, wenn sie die Rauchschwaden und diesen Krieg weiterhin ignorieren wollten. Und in den russisch besetzten Gebieten wird schon das Benzin knapp.

wochentaz

Dieser Text erschien zuerst in der wochentaz, unserer Wochenzeitung von links!

In der wochentaz geht es jede Woche um die Welt, wie sie ist – und wie sie sein könnte. Eine linke Wochenzeitung mit Stimme, Haltung und dem besonderen taz-Blick auf die Welt. Jeden Samstag neu am Kiosk und natürlich im Abo.

Friedrich Merz und seine Verbündeten haben es vermieden, Trump sein schlechtes Abkommen mit Iran unter die Nase zu reiben. Sie haben sogar ihre Bereitschaft für eine Minenräumungsmission in der Straße von Hormus bekräftigt; auch wenn nicht absehbar ist, ob es dazu kommt, ob es ein UN-Mandat und eine Mehrheit im Bundestag dafür geben wird.

Aber die Bundesregierung hat die Bereitschaft signalisiert, den USA zu helfen, aus dem selbst angerichteten Schlamassel herauszukommen. Sie tut das nicht aus Selbstlosigkeit, sondern weil sie Trump nun in der Ukrainefrage unter Druck setzen kann. Trumps Verteidigungsminister mag zwar mit dem Abzug der Truppen aus Europa drohen. Aber das ist eine leere Geste. Die USA brauchen ihre Soldaten in Deutschland.

Das Geschenk für Trump mag eine peinliche Geste gewesen sein. Aber Deutschland und Europa sind nach dieser Woche selbstbewusster und stärker, als es dieses Bild vermittelt.

Die taz gehört zu 100 Prozent ihren Leser:innen und ist damit nicht nur konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung für taz zahl ich. Unser nächstes Ziel: 50.000 – wir brauchen nur noch 180 Freiwillige, dann haben wir es geschafft! Setzen Sie jetzt ein Zeichen für die taz und machen Sie mit. Mit nur 5,- Euro sind Sie dabei! Jetzt unterstützen

Kersten Augustin

Kersten Augustin Ressortleiter Inland

Kersten Augustin leitet das innenpolitische Ressort der taz. Geboren 1988 in Hamburg. Er studierte in Berlin, Jerusalem und Ramallah und wurde an der Deutschen Journalistenschule (DJS) in München ausgebildet. 2015 wurde er Redakteur der taz.am wochenende. 2022 wurde er stellvertretender Ressortleiter der neu gegründeten wochentaz und leitete das Politikteam der Wochenzeitung. In der wochentaz schreibt er die Kolumne „Materie“. Seine Recherchen wurden mit dem Otto-Brenner-Preis, dem Langem Atem und dem Wächterpreis der Tagespresse ausgezeichnet.
Mehr zum Thema

12 Kommentare

 / 
  • Man braucht schon sehr viel Wohlwollen um diese positiven Akzente- wie im Artikel- herauszuarbeiten.



    Oder ist das dieser berühmte Pragmatismus- im Sinne von Gutfinden was schlecht ist? Aus Angst der "schwierige" US Präsident könnte seine NATO Unterstützung einstellen und (wieder) willkürliche, politische Strafzölle erfinden?



    Ein schmaler, taktischer Pfad von dem Merz schnell herunterpurzeln kann.

  • Wie schmeichelt man Trump, wenn man der Meinung ist, man müsste?

    Das geht mit Stil. Dinner auf dem Eifelturm und in Versailles.



    Oder eben nach Dorftrottelart. Man schenkt das Trikot einer Sportart, von der der Beschenkte keine Ahnung hat und die ihm egal ist.

    "Sie tut das nicht aus Selbstlosigkeit, sondern weil sie Trump nun in der Ukrainefrage unter Druck setzen kann. "

    Wieso kommt man darauf, dass das ein Druckmittel wäre? Trump nimmt zur Kenntnis und macht trotzdem, was er will. Das Wort Dankbarkeit gehört nicht zu seinem Wortschatz.

  • Was soll an dem Versuch das Verhältnis zu verbessern peinlich sein?Sieht man sich das Foto an, hat Trump sich offenbar sogar gefreut. Es geht hier um Diplomatie. Es geht nicht um persönliche Gefühle - genau denen hatte Merz zuvor unprofessionell seinen Lauf gelassen.

  • Gib dem Affen Zucker...

    Jeder hat seine persönliche Schmerzgrenze beim Verbiegen.



    Ich find's noch nicht schlimm..

  • Immerhin: Keine Extra-Beflockung mit Firlefanz und kein Name mit V🤓



    www.spiegel.de/spo...-b4a4-e9e5b2bd9a17

  • Aber wenigstens hat Merz Trump nicht um ein gemeinsames Foto angebettelt ......

    • @Günter Witte:

      Sind doch beide auf dem Foto oben drauf. Sogar in der richtigen Rangordnung 😁

  • Der Bundeskanzler hat Donald Trump unbeholfen ein Fußballtrikot überreicht. Peinlich! Sonst aber lief es diese Woche recht gut für Friedrich Merz.



    ----



    Der Aufdruck liegt VOLL daneben!



    Wenn D. in der "Altherrenmanschaft" mitspielen soll, auch wenn nur 5 Minuten, hätter ER eine "NR. ONE" verdient.



    Denn Nr. 47 für die beste Persilente die die U-SA je hatte, ist eine Beleidigung!



    Real müsste ER auf eine Stufe mit Washington, oder wenigstens mit Lincoln gestellt werden! (Wenigstens der Eigeneinschätzung nach!)

  • "Das Geschenk für Trump mag eine peinliche Geste gewesen sein. Aber Deutschland und Europa sind nach dieser Woche selbstbewusster und stärker, als es dieses Bild vermittelt."



    Dann sagen wir heut' zum Verhältnis BK u. POTUS:



    "Lo scopo santifica i mezzi"



    Der geehrte amerikanische Ex-Amateursportler will ja nach eigenem Bekunden in d. Akademie-Zeit kurz vor d. Durchbruch gestanden haben.



    Jetzt offensichtlich eine späte Ehrung für...



    (Fairness?).



    "Eigentlich sollte er, so betonte er, Profi-Baseballspieler werden: „Ich war Kapitän des Baseballteams an der New Yorker Militärakademie (NYMA).“ Er habe genauso hart wie alle anderen trainiert, „aber ich hatte großes Talent!“ Trump erinnert sich in seinem Text auch an „das erste Mal, als ich meinen Namen in der Zeitung las“. 1964 sei das gewesen, in seinem letzten Jahr an der NYMA. Damals habe er in einem Spiel gegen die Cornwall Highschool den entscheidenden Homerun geschlagen."



    Quelle



    taz.de/Sport-im-US-Wahlkampf/!6044500/



    "Eine vom späteren Präsidenten gern erzählte Anekdote über das Ende seiner Profi-Ambitionen entspricht wohl auch nicht den Tatsachen: Trump schrieb, dass ein gemeinsam mit einem anderen Spieler"



    Hatte er d. No 47?

  • Ist doch nicht peinlich, wenn ein so sportlicher PRÄSIDENT ein sportliches shirt geschenkt bekommt und mit der nummer 46 wird er bestimmt auch bald eingesetzt. da muss man sportlich mit Ironie nehmen. Was sonst...? weinen?

    • @Kai Kraatz:

      47. Oder 45. 46 wäre Joe Biden, hätte er ein Trikot bekommen. Auch als kleiner Hinweis an die, denen das Detail entgangen ist.

  • Und ich dachte - Rechtsaußen hättmer mehr als genug - wa!