Drei Jahre Krieg in Sudan: Deutschland muss sich für die Revolution starkmachen
In Berlin startet die Sudan-Geberkonferenz. Doch Frieden herrscht in dem Land erst, wenn afrikanische und arabische Sudaner genauso mitbestimmen wie die Eliten in Khartum.
D rei Jahre Krieg in Sudan: Das sind knapp 20 Millionen hungernde Menschen, Hunderttausende zivile Tote und zahllose Kriegsverbrechen. Von einem Bürgerkrieg kann dabei keine Rede sein – nicht die Bürgerinnen und Bürger dieses Landes bekämpfen sich, sondern vor allem zwei militärische Machthaber. Zwei Lager, die sich in ein Patt gekämpft haben, aus dem kein Ausweg möglich scheint. Doch den gibt es: Als Teil der internationalen Gemeinschaft muss die Bundesregierung jene Zivilgesellschaft stärken, die schon 2019 den Diktator Omar al-Baschir stürzte.
Niklas Pfeiffer wuchs als Kind konvertierter Eltern muslimisch auf. Recherchiert und schreibt zu bewaffneten Konflikten und der Rüstungsindustrie. Studierte Politikwissenschaft und Philosophie in Leipzig, aktuell Journalismus in München.
Deutschland schaut seit Beginn des Krieges dabei zu, wie die sudanesische Armee unter Abdel Fattah al-Burhan und die RSF-Miliz unter Mohammed Hamdan Dagalo brandschatzen und töten. Ägypten und die Vereinigten Arabischen Emirate unterstützen sie finanziell und militärisch. Die Bundesregierung setzt vor allem auf humanitäre Hilfe und Dialog. Zum Jahrestag des Kriegsbeginns veranstaltet sie eine Geberkonferenz in Berlin. Öffentlichen Druck auf Kairo und Abu Dhabi übt sie nicht aus.
Gewiss, nur Verhandlungen bringen einen Waffenstillstand. Ohne ihn ist Frieden unmöglich. Doch die Militärs werden Sudan niemals Stabilität bringen. Jeder Versuch, die Macht zwischen den rivalisierenden Lagern zu teilen, wird scheitern. Entweder endet er in einem Putsch, weil eine Fraktion zu mächtig wird – oder in einem Krieg, weil eine Partei unzufrieden mit ihrem Machtanteil ist.
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Friedensprozesse dürfen sich nicht länger um die Aufteilung der Macht zwischen den Kriegsparteien drehen. Frieden herrscht in Sudan erst, wenn afrikanische und arabische Sudaner aus den historisch vernachlässigten Provinzen genauso mitbestimmen wie die Eliten in der Hauptstadt Khartum. Nur eine gerechte politische Ordnung beendet die Gewalt. Das war das Projekt der Revolution von 2019. Sie scheiterte an einem Militärputsch unter General al-Burhan, unterstützt von seinem damaligen Verbündeten Dagalo. Höchste Zeit, dass die Bundesregierung die Verantwortlichen für diesen Krieg benennt und sich für die Revolution starkmacht.
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