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Sudankonferenz in BerlinDie richtigen Worte, aber keine Taten

Dominic Johnson

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Dominic Johnson

Die internationale Sudankonferenz in Berlin fand den richtigen Ton. Aber die wichtigste Frage zur Beendigung des Sudankrieges ließ sie unbeantwortet.

Auf der internationalen Sudankonferenz wurden wichtige Hilfszusagen und Appelle getätigt: Doch der erste Schritt im Friedensprozess fehlt Foto: Michael Kappeler/dpa

D ie internationale Sudankonferenz in Berlin am Kriegsjahrestag, dem 15. April, hat vieles richtig gemacht. Wichtige Hilfszusagen und Appelle wurden getätigt, die nötigen Schritte für einen Friedensprozess wurden besprochen und zivile sudanesische Stimmen bekamen Gelegenheit zur Positionierung und Teilnahme.

Und dass Sudans Kriegsparteien und die international anerkannte Regierung des Landes nicht eingeladen waren, war kein Fehler. Dies war keine Friedenskonferenz der Kriegsbeteiligten, die einen Friedensprozess voranbringen soll. Es war eine Konferenz der Nichtbeteiligten, um gemeinsame Positionen im Hinblick auf einen möglichen zukünftigen Friedensprozess auszuloten.

Gemessen am desaströsen Zustand der internationalen Diplomatie bei sonstigen Kriegen auf der Welt, wo meistens nicht einmal Einigkeit über das Gesprächsthema besteht, kann sich das sehen lassen. Und zugleich zeigt es auf, warum diese Konferenz folgenlos bleiben dürfte, so wie die Sudankonferenzen in Paris und London in den Jahren zuvor.

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Denn alle die vielen sinnvollen und vernünftigen Friedensschritte für Sudan, die in Berlin besprochen wurden, hängen davon ab, dass Sudans Kriegsparteien die Waffen schweigen lassen. Freier Zugang für humanitäre Hilfe, Schutz für die Zivilbevölkerung und ein sudanesisch geführter politischer Prozess – all das sind die Schritte zwei und drei. Bei Schritt eins sind die Warlords am Zug. Und die denken gar nicht daran.

Auch auf der Konferenz wussten es alle, und manche sagten es auch: Eine sofortige humanitäre Feuerpause ist die Voraussetzung für alles andere. Wo soll die herkommen? Die Kriegsparteien genießen zwar auswärtige Unterstützung, aber sie sind keine Marionetten fremder Mächte. Sie sind zwei mächtige Flügel derselben allmächtigen autoritären Staatsmacht, die Sudan schon seit Jahrzehnten beherrscht und kujoniert. Und sie kämpfen erbarmungslos auf Sieg, egal was Diplomaten in Berlin sagen.

Vor sieben Jahren erlebte Sudan einen einzigartig mutigen revolutionären Aufstand gegen das Militärregime. Er wurde von den Generälen im Keim erstickt. Sudans Demokratiebewegung kann sich zu Recht fragen, wieso sich die Welt nicht damals stärker um Sudan bemühte, also vor dem Krieg, in den Jahren des demokratischen Aufbruchs. Die Chance wurde verpasst. Jetzt verwüsten die Militärs im Machtkampf untereinander das Land.

Um vom Krieg abzulassen, bräuchten Sudans Kriegsparteien ein verlockendes Angebot. Welche Gegenleistungen müssten ihnen gewährt werden, damit sie die Gewehre schweigen lassen? Diese Frage ist unappetitlich, denn jede Antwort würde vermutlich auf Kosten der sudanesischen Bevölkerung gehen. Aber solange darauf niemand eine Antwort findet, geht der Krieg weiter. Den 15. April 2027 können sich die Sudandiplomaten der Welt schon mal im Kalender für die nächste internationale Sudankonferenz vormerken.

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Dominic Johnson
Ressortleiter Ausland
Seit 2011 Co-Leiter des taz-Auslandsressorts und seit 1990 Afrikaredakteur der taz.
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1 Kommentar

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  • Warum greifen Länder nicht in anderen Ländern ein, bevor die in einen Bürgerkrieg rutschen?

    Das ist eine verdammt schwierige, gefährliche und vielleicht nötige Frage.

    Um die Komplexität zu sehen, würde ich vorschlagen, diese Frage in Bezug auf Libanon zu stellen.