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Krieg im Nahen OstenIran sollte das Existenzrecht Israels anerkennen

Sven Hansen

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Sven Hansen

Ob es zu einem Waffenstillstand im Nahen Osten kommt, hängt von vielen Faktoren ab. Schon jetzt steht fest: Das Mullah-Regime wird aus dem Krieg gestärkt hervorgehen.

Mit der Sperrung der Straße von Hormus hat der Iran die Weltwirtschaft als Geisel genommen Foto: Stringer/reuters

U nmittelbar vor den Gesprächen zwischen den USA und Iran in Islamabad, die am Samstag offiziell beginnen sollen, streiten die beiden darüber, worauf sie sich bei ihrem von Pakistan jüngst vermittelten Waffenstillstand geeinigt hatten. Gilt der auch für den Libanon? Darauf bestehen Iran und Pakistan, was Israels Premier Benjamin Netanjahu aber mit Unterstützung des US-Präsidenten ablehnt und dort massive Angriffe auf von Iran finanzierte Hisbollah-Stellungen veranlasste.

Umgekehrt warf US-Präsident Donald Trump Iran vor, weiter die für die globale Ölversorgung wichtige Straße von Hormus zu blockieren. Das begründet Teheran mit Israels fortgesetzten Angriffen auf den Libanon. Irans Präsident Massud Peseschkian nannte die in Islamabad geplanten Verhandlungen deshalb schon „sinnlos“.

War es zeitweilig unklar, ob die Gespräche stattfinden, sieht es jetzt danach aus. Mutmaßlich auf Druck Washingtons bot Netanjahu dem Libanon Gespräche für nächste Woche an. Wenngleich er weiter darauf besteht, die Hisbollah anzugreifen. Trump beschwichtigte, Netanjahu habe zugesagt, die Angriffe zu reduzieren. Das könnte reichen, dass Irans Verhandlungsdelegation nach Pakistan reist. Das maximal zu erwartende Ergebnis ist ein stabilerer und langfristigerer Waffenstillstand, sofern man sich darauf einigen kann, was er genau beinhaltet: vor allem die Öffnung der Straße von Hormus im Tausch gegen ein Ende von Israels Angriffen auf den Libanon. Schon das klingt nach Mission Impossible.

Eine Schwäche des Waffenstillstands wie der Verhandlungen ist zweifellos, dass Israel nicht daran beteiligt ist – wie auch nicht der Libanon oder andere betroffene Länder mit Ausnahme Saudi-Arabiens. Netanjahu hatte laut Recherchen der New York Times Trump zum Iran-Angriff angestiftet und war wohl von der Kehrtwende des US-Präsidenten überrascht, die hauptsächlich aus innenpolitischen Gründen stattfand. Der Krieg ist in den USA unbeliebt, widerspricht Trumps Wahlversprechen und könnte seinen Republikanern im November bei den Midterms eine Wahlniederlage bescheren.

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Trump hat sich verkalkuliert

Trump hat sich mit dem Angriff auf Iran, das sich nicht wie Venezuela nach dem Enthauptungsschlag seinem Diktat fügte, verkalkuliert. Nur mit Luftangriffen ist das Regime nicht zu besiegen. Doch beim Einsatz von Bodentruppen drohen Verluste, die der US-Bevölkerung kaum zu vermitteln sind. Trump hat Teherans Widerstandsfähigkeit und asymmetrische Kriegsführung unterschätzt. Für die vom Regime mutmaßlich angestrebten, aber noch nicht verfügbaren Atomwaffen hat es einen effektiven Ersatz gefunden. Die Sperrung der Straße von Hormus ist jetzt Irans „Atombombe“, mit der die Weltwirtschaft als Geisel genommen und die USA vorgeführt werden können.

Trumps schrille Drohungen der Auslöschung von Irans Zivilisation sind verpufft. Die Waffenruhe ermöglicht ihm jetzt, verbal abzurüsten. Doch je näher die US-Wahlen kommen, desto schwieriger wird es für ihn, den Krieg bei einem Scheitern des Waffenstillstands wieder zu eskalieren. Die Zeit arbeitet für Irans Diktatur. Für sie ist jeder Tag ein Gewinn. Netanjahu dagegen braucht die Fortsetzung des Krieges für den eigenen Machterhalt, solange seine Kriegsziele nicht erreicht sind. Beim Südlibanon favorisiert er ein mit Gaza vergleichbares Vorgehen, das schon dort Israel keine nachhaltige Sicherheit gebracht hat.

Die Waffenruhe ist kein Frieden, sondern nur eine Pause, in der verhandelt werden kann. Nachhaltigen Frieden kann es erst geben, wenn Iran das Existenzrecht Israels anerkennt und Israel seinerseits nicht den Nahen Osten unter Umgehung des Völkerrechts zu seinen Gunsten verändern will. Doch dafür bräuchte es die Bereitschaft Israels und Irans, berechtigte Interessen der Gegenseite anzuerkennen. Das ist bei Israels rechtsradikaler Regierung, die immerhin noch abgewählt werden kann, so wenig vorstellbar wie bei Irans Mullah-Diktatur.

Die wurde durch den jetzigen Krieg politisch gestärkt, in dem sie jetzt mit der Straße von Hormus die Kontrolle über 20 Prozent der Weltölexporte bekam. Der Krieg hat wieder bestätigt, dass ein Regimechange nicht von außen herbei gebombt werden kann. Die Chance des Waffenstillstands liegt allein darin, den Irrweg des Krieges zu beenden. Dauerhafter Frieden ist nicht in Sicht, Gewalteskalationen sind hingegen jederzeit möglich.

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Sven Hansen
Auslandsredakteur (Asien)
Asienredakteur seit 1997, studierte Politologie in Berlin und Communication for Development in Malmö. Organisiert taz-Reisen in die Zivilgesellschaft, Workshops mit JournalistInnen aus Südostasien und Han Sens ASIENTALK. Herausgeber der Editionen Le Monde diplomatique zu Südostasien (2023), China (2018, 2007), Afghanistan (2015) und Indien (2010). Schreibt manchmal auch über Segeln. www.fb.com/HanSensAsientalk @SHansenBerlin
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19 Kommentare

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  • Natürlich sollten alle Beteiligten dem Gegenüber und Nachbarn ein Exstenzrecht zubilligen, zumindest einen Status Quo als Voraussetzung für einen Friedensvertrag anerkennen (auch wenn es sich bei dem Mullah-Regime um ein System handelt, das unseren Demokratie und Menschenrechtsvorstellungen extrem widerspricht!). Aber das kann nur funktionieren, wenn auch von Seiten Israels die Kriegsverbrechen dieser Regierung beendet werden und Palästinensern in Arabern gleiche Rechte zuerkannt werden (und 'westliche' Regierungen in ihren Unterstützungsmassnahmen/Waffenlieferungen nicht einseitig vorgehen, schon aus eigenem Interesse, weil die Fluchtbewegungen letztlich ja auch ihre Gesellschaften herausfordern, wenn sie berechtigten Asylsuchenden Schutz und Hilfe geben müssen). Wie gelingt es uns -und wir sollten uns da trotz des von unseren Vorfahren einmal begangenen Unrechts nicht zurückhalten (eher im Gegenteil)- auf die aufgeschlosenen Israeli und unseren jüdischen Mitbürgern hierzulande Einfluss zu nehmen und Einsicht zu fordern, um demokratische und den Freiden absichernde Bedingungen im Nahen Osten hinzubekommen? Netanyahu und militante Siedler dürfen nicht unterstützt werden!

  • Gerade habe ich den Artikel über den Beginn der Verhandlungen gelesen. Kann mir vielleicht jemand erklären, warum Israel an diesen Gesprächen nicht teilnimmt?



    Nur so am Rande: Die Erläuterung neben dem Bild im anderen Artikel lautet: "Gerade gelandet: JD Vance in Pakistan"



    Und ich las: "Gerade gestrandet: JD Vance in Pakistan"



    Wie konnte mir das passieren!

  • Und was hat der Krieg gegen den Iran jetzt eigentlich gebracht. Ja, die Flotte des Iran ist eliminiert und die Raketensilos offensichtlich fast leer. Na, dann werden sie halt mit Hilfe gewisser Staaten neue Bauen. Und dann beginnt das ganze Tauziehen um die Macht in dieser Region auf's neue.



    Die Welt war bis zur Kündigung des Atomabkommens durch Trump schon mal weiter.

  • "Nachhaltigen Frieden kann es erst geben, wenn Iran das Existenzrecht Israels anerkennt und Israel seinerseits nicht den Nahen Osten unter Umgehung des Völkerrechts zu seinen Gunsten verändern will"

    Und die Palästinenser endlich menschliche Lebensbedingungen in einem eigenen Staat oder in einem gemeinsamen Staat mit den Israelis haben.



    Es geht nichts ohne eine Zukunft für die Palästinenser - aber das wird gerne bewusst nicht erwähnt.

  • Ich glaube, wenn die Akzeptanz des Existenzrechts Israels gekoppelt wäre an eine historische und rechtliche Aufarbeitung der Nakba, nebst Entschädigung (oder Rückzugsrecht) für die Palistinenser für annektiertes Land, sofortiger Rückzug der Siedler und des Militärs aus besetztem Land (nicht nur West Jordanland) und last but not least eine Garantie für eine Zwei Staaten Lösung, dann würde es Iran auch leichter fallen.

    Ohnehin müsste dies geschehen, warum nicht jetzt?

    • @Whying_Dutchman:

      Warum nicht jetzt? Weil es faschistische Strömungen in der Regierung Netanjahu gibt, die eher die Palästinenser ausrotten wollen als ihnen auch nur das Geringste zuzugestehen.



      Alle Israelis/Juden haben ein Recht auf ihren Staat und sie sollen dort bleiben und leben können, wo sie sind. Niemnad hat das Recht diesen Menschen das abzustreiten. Niemand. Doch das gleiche Recht steht auch den palästinensischen Menschen zu und auch das ist unbestreitbar.

    • @Whying_Dutchman:

      Weil den Iran die Siedler, die Nakba und das Rückkehrrecht nicht interessieren, genausowenig wie eine Zweistaatenlösung. Der Iran hat die Vernichtung Israels zum Ziel, und hat da nie einen Hehl draus gemacht. Zu glauben, man könnte den Iran jemals zu einer Zweistaatenlösung überreden, ist nicht nur jetzt, sondern auch perspektivisch illusorisch. In Israel ginge es mit der jetzigen Regierung auch nicht - aber dort könnte es zumindest zukünftig entsprechende Perspektiven geben.

  • Es ist müßig sich den Kopf darüber zu zerbrechen, welche Entscheidungen die aktuellen Regierungen des Irans, Israels oder der USA treffen sollten um das Erpressen, Zerstören und Morden zu beenden.



    Auf das radikale zum Teil irrationale Denken der Beteiligten und ihrer Verbündeten wird Deutschland und Europa mit der gegenwärtig eher duckmäuserischen Haltung wohl wenig Einfluss haben.



    Da lohnt es schon eher über die feige und wenig zukunftsorientierte Politik unserer eigenen Regierung innerhalb Europas nachzudenken.



    Die aktuelle spanische Regierung zeigt, in welche Richtung es dabei gehen könnte.



    Solange wir die wirtschaftliche- und sicherheitspolitische Abhängigkeit von den USA nicht hinterfragen und verändern, wird unsere Stimme zu Fragen von Krieg und Frieden keine Rolle spielen.



    Solange die unbestrittenen und durch nichts wieder gutzumachenden Deutschen Verbrechen an Juden dazu herhalten müssen, die Unterstützung der aktuellen Israelischen Politik um jeden Preis zu begründen, werden wir darauf keinerlei Einfluss haben.



    Solange wir unsere Abhängigkeit von fossiler Energie nicht beenden,



    wird uns in der Golfregion niemand wirklich ernst nehmen.

    Also lassen wir es bei uns beginnen

    • @Bürger L.:

      "Die aktuelle spanische Regierung zeigt, in welche Richtung es dabei gehen könnte."

      Ok.

      Das heißt, die Interessen des eigenen Landes über alles stellen, Völkerrecht beiseite schieben und 180-Grad-Wendungen hinlegen, wenn es einem nützt.

      Wie bei den Sahraouis und Marokko.

      Den Maulhelden spielen, so lange es nicht viel kostet und die inländischen Lobbygruppen nicht verärgert.

      Man könnte mit einer einleuchtend Argumentation auch das als feige bezeichnen.

      Könnte Merz auch noch schaffen.

      Auch wenn "wir" keine fossilen Energieträger mehr benötigen - warum sollte "uns" in der Golfregion jemand ernstnehmen?

      Haben Sie das Gefühl, man braucht dort noch zusätzlichen Moralismus?

      Was wollen Sie sonst bieten?

      • @rero:

        Was Spanien betrifft geht es mir lediglich darum, völkerrechtwidrige Kriege - in diesem Fall der USA - nicht durch Überflugsrechte oder Nutzung amerikanischer Infrastruktur in Europa zu unterstützen. Ramstein sei da nur als ein Deutsches Beispiel genannt.

        "Haben Sie das Gefühl, man braucht dort noch zusätzlichen Moralismus?



        Was wollen Sie sonst bieten?"

        Was heißt "Moralismus"? Es würde genügen, wenn wir unsere eigenen humanistischen Werte klar definieren und unsere Haltung - egal wem gegenüber - auch eindeutig vertreten würden.



        Das mag auch für uns z.B. wirtschaftliche Konsequenzen haben. Die Anwendung verlogener Doppelstandards - je nach eigener Interessenlage - führen letztendlich uns selbst in eine moralische Sackgasse.

  • Die Artikelüberschrift ist eine nur unzulänglich verkürzte Version des Resümees.

    > "Nachhaltigen Frieden kann es erst geben, wenn Iran das Existenzrecht Israels anerkennt und Israel seinerseits nicht den Nahen Osten unter Umgehung des Völkerrechts zu seinen Gunsten verändern will."

  • ich warte die ganze zeit auf den regimechange in israel, wann kommt der und wer machts?

    • @the real günni:

      Wenn es der Mehrheitsmeinung entspricht: Die Wähler*innen, das ist in einer Demokratie nämlich so üblich.

  • Es wäre ein grosser Fortschritt wenn Israel das Existenzrecht und die Grenzen der anderen Länder auch mal anerkennt

    • @Todesfister:

      Absolut !

  • Innerhalb welcher Grenzen denn ?

  • Was ich fürchte und nur anzudeuten wage: Irgendjemand in den USA oder Israel kommt aus Kostengründen auf die Idee, die Kapitulation des Iran wie in Japan 1945 zu erzwingen.

    • @XXX:

      Daran habe ich auch schon gedacht, als Trump die Auslöschung der persischen Zivilisation androhte.

  • Der Spuk wäre schneller vorbei, wenn Europa sich eindeutig positionieren würde und bspw. den Angehörigen und Nutznießern des Regimes endlich den Boden entziehen würden.

    Frieden im Nahen Osten würde in greifbare Nähe rücken, wenn das Steinzeitregime nicht auf Glückwunschtelegramme deutscher Bundespräsidenten, Mehrheitsbeteiligungen in europäischen Supermärkten, zehntausendfachen Immobilienbesitz und das Verständnis bzw. die Relativierungen in manchen politischen Spektren setzen könnte - und nebenbei Frauen steinigt und Schwule an Baukränen erhängt.