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Israel in Süd-LibanonIm Schatten des Krieges

Julia Neumann

Kommentar von

Julia Neumann

Den Großangriff auf Iran nutzt Israel, um zeitgleich in Libanon Fakten zu schaffen. Berlin zuckt mit den Schultern.

Israelisches Militär unterwegs im Grenzbereich zum Libanon Foto: Avi Ohayon/reuters

I srael kündigt an, Soldaten in den Süd-Libanon zu schicken und eine 15 Kilometer breite „Pufferzone“ zu errichten. Die israelische Armee redet von „Vorwärtsverteidigung“ – in Wahrheit heißt das: Einmarsch und Besatzung. Israels Militär veröffentlichte eine Karte, die das Gebiet zwischen Grenze und Litani-Fluss rot markiert. Alle Bewohner sollen ihre Häuser verlassen, sonst drohe Gefahr für ihr Leben.

Mit der Zerschlagung der Hisbollah lässt sich das kaum begründen. Die Miliz ist stark geschwächt. Über ein Jahr feuerte sie keine Raketen auf Israel. Ihre jüngsten Angriffe fängt die israelische Luftabwehr größtenteils ab. Die neue Regierung in Syrien blockiert den Landweg für Waffenlieferungen an die Hisbollah aus Iran.

Israels Militär ist seit 1978 sieben Mal in den Libanon einmarschiert. Zuletzt im Herbst 2024: Israelische Soldaten zerstörten und vermüllten Häuser. Ganze Grenzdörfer liegen in Trümmern. Mit weißem Phosphor und hochkonzentriertem Glyphosat wurden offenbar Agrarflächen verpestet. Trotz Waffenstillstand baute Israel fünf Posten – mit Überwachungstechnik, Betonmauern und Soldaten. Der Grundstein für Landnahme ist gelegt.

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Benjamin Netanjahus Ziel ist ein Großisrael. Nicht nur Teile Gazas hält Israel militärisch besetzt, Mitte Februar hatte die Regierung große Teile des Westjordanlands de facto annektiert. In Syrien nutzte Israel den Machtwechsel, um in eine von der UN überwachte, eigentlich neutrale Pufferzone einzudringen. Israels Soldaten bauten Straßen, Gebäude und Kontrollpunkte.

Im Schatten des Kriegs gegen Iran wird Libanon zum Nebenschauplatz. Das nutzt Israel für seine Expansionspolitik. Konsequenzen aus Washington oder Berlin? Keine. Keine Sanktionen, kein Stopp von Waffenlieferungen. Die Erfahrung zeigt: Israels Regierung ignoriert das Völkerrecht – und kommt damit durch.

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Julia Neumann
Korrespondentin Libanon
Auslandskorrespondentin für Westasien mit Sitz in Beirut. Hat 2013/14 bei der taz volontiert, Journalismus sowie Geschichte und Soziologie Westasiens studiert. Sie berichtet aus dem Libanon, Syrien, Iran und Irak, vor allem über Kultur und Gesellschaft, Gender und Fragen der sozialen Gerechtigkeit. Für das taz Wasserprojekt recherchierte sie im Libanon, Jordanien und Ägypten zu Entwicklungsgeldern.
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31 Kommentare

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  • Die schiitische Terrortruppe vom Iran gesteuerte Hisbollah-Miliz im Libanon hat Israel in der Nacht vom 2.3. zum 3.3. mit Raketen angegriffen - das erste Mal seit Beginn einer Waffenruhe 2024. Israel reagierte mit Luftangriffen. Im Libanon gibt es mehr als 30 Tote und zahlreiche Verletzte.



    =



    Die libanesische Hisbollah-Miliz beschoss in der Nacht Israel mit Raketen. Es ist das erste Mal seit Beginn einer Waffenruhe im November 2024, dass die Terrortruppe der libanesischen Hizbollah Israel mit Raketen angreift.



    =



    Die Hisbollah begründete die Angriffe auf Israel mit der Tötung von Ajatollah Chamenei, bei einem israelischen Luftangriff am Samstag in Teheran.



    =



    Israel reagiert mit Gegenangriffen



    =



    Israels Armee fing nach eigenen Angaben ein Geschoss ab, andere seien in offenem Gelände niedergegangen. Die Hisbollah trage "die volle Verantwortung für jede Eskalation", erklärte der israelische Generalstabschef.



    =



    Für Freunde der iramischen Massaker - Mullahs und ihrem ehemaligen Oberindianer Chamenei - auch genannt der Schlächter von Teheran - ist das ein schwerer Schlag.



    =

  • "Über ein Jahr feuerte sie keine Raketen auf Israel. Ihre jüngsten Angriffe fängt die israelische Luftabwehr größtenteils ab".

    -Ist schon interessant, was hier für Israel der aktzeptierte Standard und Normalzustand sein soll.



    Kleiner fiktiver Spiegel:



    " Über ein Jahr feuerte die dänische Terrororganisation keine Raketen mehr auf Norddeutschland. Ihre jüngsten Angriffe fängt die Luftabwehr größtenteils ab( bis auf ein paar zerstörte Häuser in Flensburg also nicht weiter nennenswert).



    Wäre fraglich wie entspannt, das in diesem Fall in Deutschland gesehen werden würde.

    Nebenbei steckt der Teufel im Detail, denn die Hisbollah feuert nun wieder Raketen ab, weil sie Verbündete des iranischen Regimes sind.

    Die vielen gemäßigten und unbeteiligten Zivilist/innen, die es gerade im Libanon tatsächlich zuhauf gibt, tun mir selbstverständlich leid. Diese Menschen leiden schon lange unter der Hisbollah und geraten zwischen die Fronten, wie die ganze Region unter dem Einfluss des iranischen Regimes leidet.

  • Offenbar der nächste Schritt bei der Verwirklichung der feuchten Träume der Rechtsradikalen in Israel von einem Eretz Israel.

  • Ein Gedankenspiel:



    Man stelle sich vor, im Grenzgebiet zwischen Deutschland und den Niederlanden hätte sich auf niederländischer Seite eine Miliz eingenistet, die immer wieder Raketen auf Deutschland abschießt. Es existieren zwar Resolutionen, dass diese Miliz unschädlich gemacht werden soll, aber die niederländische Regierung ist entweder nicht willens oder in der Lage sicherzustellen, dass dieser Beschuss aufhört. Wie sollte Deutschland dann auf erneuten Beschuss reagieren? Ein "Ach die wollen nur spielen, es kommt eh nichts durch" wäre kaum eine angemessene Reaktion.

    Auf die aktuelle Situation kann man natürlich die Frage stellen, ob die israelischen Angriffe der libanesischen Regierung helfen, das Hisbollah-Problem in den Griff zu bekommen. Wahrscheinlich eher nicht, da sicherlich der Rückhalt in der Bevölkerung sinkt, wenn ein Land angegriffen wird und die Staatsmacht offensichtlich nicht in der Lage ist, seine Bevölkerung zu verteidigen. Aber die Frage nach den Alternativen für Israel bleibt. Die Zerschlagung der Hisbollah ist für Israel die beste Option und perspektivisch für den Libanon ebenso.

  • Pufferzone im eigenen Land ist Innenpolitik. Pufferzone im Nachbarland ist Eroberung und Besatzung. Was soll man sonst dazu sagen?

  • Auf Kosten der Zivil-und Landbevölkerung?



    "Mit weißem Phosphor und hochkonzentriertem Glyphosat wurden offenbar Agrarflächen verpestet."



    Vor zwanzig Jahren:



    "In nur wenigen Tagen warf Israel im Jahr 2006 Millionen von Streubomben über dem Libanon ab. Unzählige blieben als Blindgänger liegen. Die Entminer befreien seitdem mühsam Felder und Olivenhaine - denn jedes geräumte Feld hilft den Menschen vor Ort."



    Daher vor gut 10 Jahren:



    "Im Jahr 2014 räumte jedes Teammitglied durchschnittlich 25 m2 pro Tag. „Die unebene Topographie des Geländes führt dazu, dass keine Hunde oder Maschinen eingesetzt werden können, “ erläutert Mohammed Kaakour, Programmdirektor von Handicap International im Libanon. „ Alles muss manuell gemacht werden.“



    Die meisten Regionen in denen Handicap International arbeitet, sind ehemalig landwirtschaftlich genutzte Flächen, hauptsächlich Olivenhaine und Obstgärten, die wegen der explosiven Kriegsreste nicht bewirtschaftet werden können. Sobald das Land geräumt ist, kann es für seine ursprünglichen Zwecke wieder genutzt werden, und die Eigentümer können wieder von einem Einkommen profitieren, das ihnen all die Jahre vorenthalten wurde."



    Quelle landmine.de



    Sisyphos...

  • Die Leserbriefe zeigen, wie naiv man in Deutschland immer noch das israelische Storytelling schluckt. Es wäre einfach mal angebracht, zur Kenntnis zu nehmen, was für eine Background Netanjahu hat und wovon er träumt. "From the river to the river", vom Euphrat bis zum Nil. Aber nicht sofort sondern in ganz kleinen Schritten, die niemand merkt. Hier mal eine Pufferzone, dann Siedlungen ... der territoriale Appetit ist nicht gestillt, solange es noch irgendeinen Hinweis auf biblisch erwähnte Gebiete gibt, die nicht zum Staatsgebiet gehören. Gaza und das Westjordanland sind nur ein kleiner Teil davon.

    Manchmal kann man auch in Europa das Gejammer über verlorene Größe hören. Die verlorenen Kolonialreiche werden in Großbritannien und Frankreich bedauert, das Deutsche Reich in früheren Grenzen, Großpolen, Großrussland, natürlich nicht gleichzeitig! All diese Gebietsverluste sind Jahrzehnte, manchmal Jahrhunderte her. Der Unterschied ist, das Netanjahu und Co. meinen, ein wage definiertes historisches Reich sei in seiner Maximalexpansion irgendwie von Gott versprochen worden und dieses Versprechen gelte noch heute.

    Da kann man doch gar nicht diskutieren!

    • @Deutschfranzose:

      " Es wäre einfach mal angebracht, zur Kenntnis zu nehmen, was für eine Background Netanjahu hat und wovon er träumt. "From the river to the river", vom Euphrat bis zum Nil. Aber nicht sofort sondern in ganz kleinen Schritten "

      - Wahnsinn, was hier für Verschwörungstheorien am Start sind. Israel ist ein Land von der Größe Hessens, was von allen Seiten angegriffen wird.



      Selbst wenn Israel tatsächlich das machen würde, was dem Land ständig vorgeworfen wird und den Gazastreifen und das Westjordanland vollständig annektieren würde, dann hätte Israel eine Staatsfläche von Mecklenburg-Vorpommern. Das ist nicht gerade ein imperiales Reich, aber nichtmal das wird in der Realität passieren; denn die Person Netanjahu und seine angeblichen Fantasien hin oder her; sind ebenfalls auf Bündnisse in der Region angewiesen.

      Sie sind wirklich ganz nahe dran, an der typischen antisemitischen Erzählweise vom " allmächtigen und verschlagenen Juden, der die Fäden zieht"

      • @R. Mc'Novgorod:

        Er schreibt nix vom "allmächtigen und verschlagenen Juden..." und er ist auch nicht nahe dran.



        Er schreibt von Benjamin Netanjahu. Und dessen geistige Programmierung ist seit Jahrzehnten durch diverse Äußerungen belegt...



        Was Ereignisse im Libanon betrifft: In Sabra und Schatila hat Israel "die Drecksarbeit" (Merz?) 1982 noch von anderen machen lassen. Das war damals freilich noch Ariel Scharon...



        Momentan sehe ich in Israel auch gerade kein Land, das "von allen Seiten angegriffen wird", sondern einen Agressor, der, wo immer es ihm nützlich erscheint, Trümmerwüsten errichtet.



        Unbestritten hat es solche Zeiten gegeben, da ringsum nur feindliche Staaten drohten.



        Aber noch nicht so lange her, da standen die Zeichen weitgehend eher auf Entspannung..

  • "Im Schatten des Kriegs gegen Iran wird Libanon zum Nebenschauplatz. Das nutzt Israel für seine Expansionspolitik."

    Auch auf die Gefahr hin, des Antisemitismus bezichtigt zu werden, sollte vielleicht noch erwähnt werden, dass auf Westbank derweil rechtsradikale israelische Siedler die Gunst Stunde zu nutzen, um auch dort Fakten zu schaffen und Expansion Israels vorzutreiben.



    Gleichen war bereits während des Gaza-Kriegs zu beobachten.

    Dies zu kritisieren, verbietet freilich die deutsche Staatsräson.

    • @NormalNull:

      Wie kommen Sie darauf, dass es verboten sei, das zu kritisieren? Verliert man dafür seinen Job? Kommt man dafür ins Gefängnis?



      Nicht jede Kritik am Vorgehen Israel ist antisemitisch und wird auch nicht als solche diffamiert. Es kommt aber eben häufig vor, dass Antisemitismus als "Israelkritik" getarnt wird.



      Man sollte sich nicht in eine "Das wird man doch noch sagen dürfen"-Rhetorik flüchten.

  • Imperialismus ohne Grenzen. Weil ein Frieden so nie gelingen kann, spiralt man sich bombend, tötend und vertreibend, durch ein "Vorfeld" nach dem anderen. Netanyahu würde ich eine krachende Wahlniederlage wünschen und danach den anderweitig verdienten Knast. Ob Den Haag oder Tel Aviv, Hauptsache Spanien.

    Deutschland unter Merz sollte einfach mal Völkerrecht bei Wikipedia nachschlagen und außer U-Booten erst mal gar nichts liefern.

    • @Janix:

      Als ich Kind war, gehörten die Golanhöhen noch zu Syrien, damals war auch schon der limitierte Vorrat an Wasser erkennbar !überlebenswichtig und Bewässerung eine Maßnahme zu Verbesserung der landwirtschaftlichen Erträge.



      2024 b. tagesschau.de:



      "Die Golanhöhen gehören laut internationalem Recht zu Syrien. Seit Jahrzehnten hält Israel das Gebiet besetzt. Nun hat die Regierung angekündigt, seine Bevölkerung auf dem Plateau verdoppeln..."

      Im Mittelmeer liegt ein riesiges Gasfeld, das auch an Gaza grenzt:

      "12.08.2024



      Erdgashandel



      Das Gas vor Gazas Küste



      Israel ist dabei, eine der wichtigsten Erdgas-Exportnationen zu werden. Eine politisch sensible Sonderrolle spielt dabei ein kleines Gasfeld vor der Küste des Gazastreifens."



      Weiter dort:



      "Eine sensible Sonderrolle in der ganzen Geschichte spielt Gaza Marine – ein Gasfeld zwischen 17 und 21 Seemeilen vor der Küste Gazas. Im Oslo‑II-Abkommen ist geregelt, dass Palästina in den 20 Seemeilen vor der eigenen Küste exklusive Nutzungsrechte hat.



      Tatsächlich unterschrieb die Palästinensische Autonomiebehörde bereits 1999 einen Vertrag zur Förderung der Ressourcen mit dem damaligen britischen Mineralölkonzern BG Group."



      Quelle klimareporter.de

  • "Der Libanon" hat ein striktes Angriffs- und Eingriffsverbot an die Hisbollah ausgesprochen. Die hält sich nicht daran. Seit dem amerikanischen Angriff liegt der gesamte israelische Norden unter einer pausenlosen Raketen- und Drohnenwelle aus dem Libanon heraus. Das betrifft auch auch und vor allem dessen demilitarisierten Südrand, in dem die Hisbollah nach internationalem und libanesischem Recht keine Waffen bereithalten darf. Das ist ein klarer Verstoß und berechtigt ohne jeden Zweifel zur Verteidigung und zum Gegenangriff.

  • Danke. Was soll man da noch sagen wenn man nicht als Israelpatriot oder im verkehrt deutschen Wiedergutmachungsmodus durch die Welt taumelt?



    Nahezu alle Länder um Israel herum siechen zum Teil als Failed States nach Bürgerkriegen vor sich hin. Dass es so kam, dafür haben Israel und die USA einen gewissen Einfluss geübt, den man aber nicht übertreiben sollte. Aber dafür, dass es so bleibt, darauf haben beide Staaten einen großen Einfluss. Und Israel ist aktuell wieder voll dabei die Nachbarn zu verheeren und zu destabilisieren. Das Sicherheitsdenken ist zwar ein Grund, aber wie die Autorin darlegt nicht der einzige und er ist auch nicht dazu angetan, präventiv und ohne konkrete Bedrohung Völkerrechtsbrüche gegen Staaten zu begehen. NAtürlich zieht Netanjahu gleich wieder ein Argument aus dem Hut: Weil die Staaten destabilisiert sind können sie die Sicherheitsrisiken für Israel nicht selbst beseitigen also muss es Israel auf ihrem Land machen. Das aber ist - abgesehen davon dass es schlicht Unrecht ist - eine selbsterfüllende Prophezeiung weil mit jeder solchen Aktion Israels die Stabilität der Nachbarstaaten ja untergraben wird.



    Wir werden das noch spüren, dass wir das alles decken.

  • "Den Großangriff auf Iran nutzt Israel, um zeitgleich in Libanon Fakten zu schaffen." Eine ausgeschaltete Hisbollah wäre allerdings ein gutes Faktum.

  • "Mit der Zerschlagung der Hisbollah lässt sich das kaum begründen. Die Miliz ist stark geschwächt."



    Es ist genau umgekehrt: Eben weil Hisbollah geschwächt, gibt es jetzt eine echte Chance, diese Terrorbande zu zerschlagen. Und genau deshalb positioniert sich jetzt auch die libanesische Regierung so eindeutig wie nie zuvor gegen die Hisbollah. Jetzt gibt es endlich eine Hoffnung, daß sich der Libanon von der Hisbollah befreien kann und der Weg geöffnet wird für eine friedliches gutnachbarschaftliches Verhältmnis zwischen Libanon und Israel - zum Wohle der Menschen in beiden Ländern.

  • Der Kommentar unterschlägt den zentralen Kontext: Südlibanon ist seit Jahrzehnten eine militärische Aufmarschzone der Hisbollah, die laut UN-Resolution 1701 eigentlich nördlich des Litani entwaffnet sein müsste - eine Resolution, die der Libanon und die Miliz systematisch ignorieren.

    Dass Israel auf eine dauerhaft bewaffnete Terrororganisation direkt an seiner Grenze reagiert, ist sicherheitspolitisch und historisch kein Selbstzweck "expansiver" Politik - zumal die Hisbollah den Krieg erklärt hat.

    Anscheinend ist Israel das einzige Land dieser Erde, das gefälligst permanenten Raketenbeschuss und Terroranschläge zu akzeptieren hat.

    • @Heike 1975:

      Ah. die 1701. Die war kurz nach der 242, die Israel seit 1967 ignoriert, nicht?

  • "Den Großangriff auf Iran nutzt Israel, um zeitgleich in Libanon Fakten zu schaffen. Berlin zuckt mit den Schultern."



    'Ist dann jetzt auch egal...'

  • Wie hat sich eigentlich die Libanesische Regierung zum Vorgehen der Hizbollah geäußert?

  • Zur Erinnerung: Am 8. Oktober 2023 begann Hisbollah mit Raketenangriffen auf Israel. Das taucht im Artikel nicht auf.

    Ebenso wird der aktuelle massive Raketenangriff der Hisbollah auf das peinlichste relativiert: " Ihre jüngsten Angriffe fängt die israelische Luftabwehr größtenteils ab." Ist es für den Libananon völkerrechtlich ok seinen Nachbarstaat anzugreifen? So wie im Oktober 2023 ...

    • @Gesunder Menschenverstand:

      Gesunder Menschenverstand denkt aber auch immer die Entwicklung die zu historischen Wendpunkten geführt hat mit. Oder?

  • Man fragt sich ja schon was die Hisbollah geritten hat, Israel so eine Steilvorlage zu geben und Raketen über die Grenze zu schießen. Und dann wurde wohl auch noch der britische Stützpunkt mit einer im Libanon abgeschickten Drohne attackiert und der libanesischen Regierung die Gefolgschaft gleich wieder verweigert. So ein Gegner ist wohl genau nach den Wünschen von Bibi, daran würde europäische Betroffenheitsrethorik sicher wenig ändern. Klug wäre es gewesen, wenn die Hisbollahführung sich dem Drängen der Teheraner Berufsrevolutionäre jetzt mal widersetzt und such stattdessen in einer neuen Rolle als staatstragende Gemeinschaft für den Libanon gezeigt hätte.

  • Dabei haben unsere Politiker uns doch erzählt, dass das Verschieben von Grenzen mit militärischen Mitteln gar nicht geht! Aber das gilt wahrscheinlich nur für Staaten, die wir nicht mögen.

  • "Berlin zuckt mit den Schultern. "



    Deutschland ist ein Nichts in der Weltpolitik. Wir glauben zwar, wir seinen der Nabel der Welt, sind aber völlig unwichtig. Ob wir nun mit den Schultern zucken oder Kontra geben, ändert rein gar nichts am Verhalten Israels.

    • @Hans Dampf:

      Trump und Netanjahu sind Verbrecher. Es macht einen gewaltigen Unterschied ob Deutschland diese Verbrecher moralisch unterstützt oder die Verbrechen verurteilt.

      Der Unterschied ist kriminelle Regierung oder nicht kriminelle - deutsche - Regierung.

      Mag sein, dass die Mullahs auch Verbrecher sind - Trump und Netanjahu sind jedenfalls nicht zu Richtern darüber berufen.

  • Sorry, aber wenn ein Land auch nur mit einer einzigen militärischen Rakete vom Territorium eines anderen Landes aus beschossen wird, und dieses Ausgangsland nicht sofort mit aller Macht dagegen vorgeht, wenn es sich um nichtstaatliche Akteure handelt, stellt das nach meiner Sicht absolut eine Legitimation für ein militärisches Vorgehen des Angegriffenen dar, egal, ob die Rakete abgefangen wurde oder nicht. Die Hisbollah hat ja völlig unverfroren die libanesischen Parlamentsbeschüsse zur Haltung des Friedens ignoriert, und die staatlichen libanesischen Institutionen sind ja offensichtlich komplett machtlos, oder Schlimmeres. Das Israel dann einfach die andere Backe hinhält kann man nicht verlangen.

    • @TheBox:

      Was war denn der Hisbollah nach den Anschlägen auf ihre Funktionäre erlaubt? Wäre da Massenmord eine von Ihnen gebilligte Reaktion gewesen?

  • Wer Krieg anfängt und ihn dann verliert, ist nun mal nicht automatisch das Opfer. Niemand hat die Hisbollah zu ihrem Terror gegen Israel gezwungen.

  • Man sollte vielleicht auch noch erwähnen, dass Israel seit der Waffenruhe den Libanon jeden Tag bombadiert hat. Auch am 28. Februar, dem Beginn des Irankrieges, gab es massive Bombardements im Libanon. Frau Neumann thematisiert das auch gut in ihrem anderen heute erschienenen Artikel auf taz.de.