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EU-Bericht zum nachhaltigen PendelnStädte unternehmen zu wenig gegen Autos

Nachhaltiges Pendeln wird EU-weit gefördert. Der Europäische Rechnungshof kritisiert, dass Kommunen nicht genug daraus machen.

Leipziger Straße in Berlin: Auch wenn PendlerInnen oft im Stau stehen, fahren sie lieber mit dem Auto als mit Bus oder Bahn Foto: Soeren Stache/dpa

Europäische Städte haben für PendlerInnen Bahn und Radwege ausgebaut, zögern aber, Autos zurückzudrängen. Das ist das Ergebnis eines Berichts des Europäischen Rechnungshofs, der am Mittwoch veröffentlicht wurde. Der Rechnungshof hat überprüft, wie attraktiv der Umstieg vom Auto auf alternative Verkehrsmittel für PendlerInnen in europäischen Ballungsräumen ist. Die Bilanz: Besonders auf lokaler Ebene tun Städte nicht genug, damit PendlerInnen vom Auto aufs Rad, in die Regional- oder Straßenbahn umsteigen.

Der Rechnungshof hat Pläne für nachhaltige Mobilität der EU-Kommission mit Stichproben in den sechs Ballungsräumen Budapest, Katowice, Lissabon, Prag, Sevilla und Lille überprüft. Das Ergebnis fällt gemischt aus. Einerseits sei der Umstieg zwischen Rad, Bahn, Leihauto einfacher geworden, die CO2-Emissionen hätten sich reduziert. Die AutorInnen kritisieren aber die lokalen Behörden. Sie müssten ambitionierter den Autoverkehr in den Städten stärker eindämmen und Informationen zu Alternativen zugänglicher bereitstellen.

Die Europäische Union fördert von 2014 bis 2027 den Umstieg von Autos auf alternative Verkehrsmittel im Pendlerverkehr. Das Geld fließt in bessere Regionalzüge, den Ausbau des Straßenbahnnetzes, den Bau von Radwegen zwischen Umland und Zentrum und in die Installation von Verkehrknotenpunkten, an denen PendlerInnen nahtlos von einem Verkehrsmittel ins andere wechseln können. 2024 hat die EU-Kommission 431 Städten Pläne für eine nachhaltige Mobilität vorgeschrieben. „Sustainable urban mobility planning and monitoring“ nennt sie das.

„Viele EU-Bürger nutzen im städtischen Raum täglich das Auto, häufig weil es keine attraktiven Alternativen gibt“, sagt Carlo Alberto Manfredi Selvaggi, zuständig für die Prüfung beim Europäischen Rechnungshof. „Nur dann können wir auf weniger Staus, eine bessere Luftqualität und eine insgesamt bessere Lebensqualität hoffen.“

Auto schnellstes Verkehrsmittel

In Vororten mit einer Dreiviertelstunde Fahrtzeit mit dem Auto zum Zentrum seien PendlerInnen selbst zu Stoßzeiten immer noch schneller am Ziel als mit den Alternativen, heißt es im Bericht des Rechnungshofs. Die AutorInnen monieren, dass Zuständigkeiten oft an kommunalen Grenzen enden oder Behörden nicht genug tun, um Autos unattraktiver zu machen, indem sie etwa autofreie Zonen schaffen oder Parken verteuern.

Auch hierzulande hat das Auto noch immer einen großen Anteil am Pendelverkehr. „In Deutschland fahren sechs von zehn Personen mit dem Auto zur Arbeit“, sagt Philipp Kosok vom Think Tank Agora Verkehrswende. Das Thema Pendeln fände inzwischen mehr Beachtung. „Eine konsequente Politik zugunsten von Alternativen zum Auto fehlt jedoch in den meisten Regionen.“

Wie der Rechnungshof fordert Ann-Kathrin Schneider, Geschäftsführerin des Vereins Deutsche Plattform für Mobilitätsmanagement (Depomm), einen ganzheitlichen Ansatz. Es brauche sowohl die Förderung eines nachhaltigen öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) wie auch die strengere Reglementierung von Autos in Ballungszentren, etwa durch höhere, sozialverträgliche Parkgebühren. „Wir kritisieren an der Verkehrspolitik, dass sie in einzelnen Verkehrsmitteln, Fahrzeugen und Maßnahmen gedacht wird. Dabei sollten wir Mobilität vom Menschen aus denken.“ Eine Frage sei zum Beispiel: Welche Verkehrsmittel, Tarifsysteme und Apps brauchen die Menschen, sodass sie die Alternativen zum Auto nutzen?

Anders als der Bericht sieht Schneider das Problem eher an anderer Stelle als den Behörden: „Wir erleben, dass in den Verwaltungen deutscher Städte die Bereitschaft für alternative Mobilität hoch ist. Doch leider erleben wir gerade politisch Gegenwind, indem Finanzierungen teilweise wieder gestrichen werden.“

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49 Kommentare

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  • Die Öffentlichen Verkehrsmittel sind je nach Linie gerade für Frauen und sexuelle Minderheiten kaum benutzbar abends/nachts



    Das Sicherheitsrisiko ist es nicht mehr wert.



    Wenn man im Büro im Anzug erwartet wird, sind manche Linien auch unmöglich



    Bringt eine sinnvolle alternative in guter Qualität und der Autoverkehr geht zurück, und ja das würde Geld kosten....

    • @Todesfister:

      Ich gehöre zu keiner der beiden beschriebenen Gruppen, aber in Zügen bin ich auch immer in Alarmbereitschaft.



      Für mein ernstlich bedrohlichstes Erlebnis waren keine Zeitgenossen verantwortliche, für die "wir es schaffen", sondern offensichtlich ganz normale arbeitende und steuerzahlende Mitbewohner unseres besten Landes - blöd, dass ihr Verein gerade verloren hatte. Aber hätte er gewonnen, wäre wohl nichts anders verlaufen.

    • @Todesfister:

      Sie fahren um diese Uhrzeit also und haben das so interpretiert, bei "den" Öffentlichen Verkehrsmitteln?

      Wir sind aber vermutlich eins: Geld weg vom miiliardenteuren Auto-Bezuschussen wie seit 93 Jahren und wieder hin zum ÖPNV für alle. Beim gegenwärtigen Schnieder sehe ich eher das Gegenteil.

  • Ich bin als Arbeitnehmer dafür verantw dass ich pünktlich ankomme



    Mit den öffentlichen Verkehrsmitteln ist das mehrheitlich nicht möglich



    Egal wie viel CO2 er ausstösst, ich nehme das Auto, nicht weil ich will...

    • @Todesfister:

      Keine Ahnung wo du wohnst, in Dortmund geht das wunderbar. Die Öffis sind wesentlich pünktlicher als die DB.

    • @Todesfister:

      Staus gibt es bei Ihnen nicht?

    • @Todesfister:

      In Hamburg ist man mit dem ÖPNV deutlich bequemer und pünktlicher unterwegs als mit dem Auto. Zudem noch deutlich schneller, wenn das Ziel in der Nähe einer U oder S-Bahn liegt. Auch mit dem Bus relativiert sich die langsamere Fahrzeit durch entfallende Parkplatzsuche, zumindest wenn man Wert darauf legt, regelhaft zu parken.



      Es gibt ein attraktives und reichhaltiges Angebot an P+R Plätzen, aber natürlich wird das alles nicht genutzt denn: Es ist ja nicht kostenlos! Lieber stellt man die Blechkiste illegal irgendwo auf den Fahrradweg, man muss ja zur Arbeit und ist schließlich ein wertvoller Pendler.



      Ich bin dafür, dass die Vorstadtbewohner die Kosten ihres Verhaltens tragen dürfen: City-Maut, Abschaffung sämtlicher kostenloser Abstellplätze für nicht-Anwohnende und Verdreifachung der Sätze fürs Falschparken bei ständiger Kontrolle durch Scan-Cars. Und dann sehen wir mal, wie viel vom Bequemlichkeitsargument übrig bleibt und ob die P+R Plätze leer bleiben.

  • Der Staat versagt bei der Mobilität und die Autofahrer verkaufen die Tatsache, dass sie das mit Ihrem Geldbeutel ausgleichen müssen noch als Freiheit.



    Ich lebe in Bonn ohne Auto, bewusst etwas teurer verkehrsgünstig aber das gleichen die gesparten Kosten aus, selbst wenn ich ab und zu einen Mietwagen brauche.



    Natürlich geht es noch nicht überall, aber da wo es geht muss das Auto weg. zB durch Reduzierung billiger Anwohnerparkplätze. Da stehen die Autos oft tagelang ungenutzt

    • @Charlie Foxtrot:

      Ja ja, die Freiheit - darüber gabs auch beim Thema Social-Media-Verbot für Jugendliche abstruse Ansichten zu lesen.



      Was Freiheit bedeutet, wissen anscheinend immer weniger.

  • Der ÖPNV ist durchaus attraktiv, wenn man mit dem eigenen Leben abschließen will. Siehe die Toten in HH und in der Pfalz binnen weniger Tage. So etwas wird auch in den europäischen Medien kommuniziert. Und in Frankreich gab es zuletzt speziell in der Metro ebenfalls üble Vorfälle.

    • @Gast100100:

      Mit genügend Sarkasmus betrachtet ist es eigentlich egal, ob man auf dem Zebrastreifen von einem gesellschaftsunverträglichen Selbstdarsteller in einem teuren Renneisen überfahren oder im Zug von einem Fahrkostensparer erschlagen wird.



      Ich bin weiß Gott - durch Erfahrungen geprägt - kein Freund von China im Allgemeinen, aber dort bin ich immer entspannter in Zügen und Bussen gefahren als irgendwo sonst, wenn sie auch noch so voll waren. Die Alarmglocken hatten Pause, und pünktlich waren sie obendrein auch noch.

    • @Gast100100:

      Werden denn auch Autounfälle europaweit in den Medien kommentiert? Nein, denn es gilt doch immernoch: Wenn über Unfälle in den Medien informiert wird, sind sie selten.

    • @Gast100100:

      Und jetzt noch mal die Räuberpistole ganz ruhig wieder einpacken und die täglichen Unfallzahlen auf deutschen Straßen referieren, im oder durch Auto.



      Bitte machen Sie doch mal!

  • "Doch leider erleben wir gerade politisch Gegenwind, indem Finanzierungen teilweise wieder gestrichen werden.“"

    Das beobachte auch ich bei den Kommunen. Trotz Förderung der EU oder des Bundes fließt das Geld dann doch nicht in die Verkehrswende. Und das unabhängig von der politischen Zusammensetzung in den Kommunen. Auch grün-regierte Kommunen verharren in Projekten, die Augenwischerei sind. Statt hier anzudocken wird auf die Pendler eingedroschen. Oder

  • Die neue Friedensbewegung:



    öffentlich-rechtlich organisierte Sammeltaxis, um die Pkws zu ersetzen.



    Finanziert durch monatliche Gebühren, gestaffelt nach Einkommen, zirkulieren genügend 5-, 7-, 9-Sitzer durch Stadt und Land und holen und bringen die Menschen bei jedem Wetter überallhin. Die Fahrziele werden durch elektron. Kommunikation erfahren und kombiniert, so dass mehrere Sammeltaxis in Richtung eines Stadtteils aufbrechen, und unterwegs jemanden aufnehmen, nach einer Strecke jemanden absetzen, aufnehmen usw. querfeldein. In die Stadtränder und auf dem Land genauso.



    Der Vorteil: gegenüber Fahrrädern bei schlechtem Wetter, mit Gepäck, für längere Strecken; gegenüber Straßenbahnen: diese sind viel zu sperrig, um ein dichtes Netz zu realisieren.



    elektrische Sammeltaxis gefahren und gewartet von Menschen,



    um endlich die Pkw-Flut zu beenden. Alles ist zugeparkt, der Gestank. Auf Geh- und Radwegen kein Durchkommen mehr. Geparkt wird in Kurven, Kreuzungen.



    Finanziert von den Geldern, die die Menschen bisher für Autos ausgeben.

  • Der Ansatz, den MIV immer unattraktiver zu machen und sich davon zu versprechen, dass mehr Leute auf den unattraktiven ÖPNV umsteigen, ist einfach grundlegend falsch.



    Sorgt dafür, dass der ÖPNV sicher, zuverlässig und angenehm ist, dann wird es klappen.



    Ich nutze zum Pendeln fast ausschließlich den ÖPNV. Ich habe aber auch eine attraktive Anbindung mit einer gewissen Ausfallresilenz. Viele andere haben das nicht und da kann ich verstehen, wenn man sich lieber in die saubere Bubble des eigenen Autos begibt.

  • Schade, dass der Artikel nur an der Oberfläche kratzt. Ich war in Lille vom ÖPNV und vor allem vom P+R Angebot begeistert. Gebaut 1983 von Siemens.



    Die Metro von Lille war die erste vollautomatische U-Bahn der Welt. Sie wurde 1983 eröffnet und verbindet 60 Stationen auf einer Länge von 45 km.

  • "Welche Verkehrsmittel, Tarifsysteme und Apps brauchen die Menschen, sodass sie die Alternativen zum Auto nutzen?"

    ...................

    Pünktlichkeit.

    Meine aktuelle Lieblingsdurchsage: " Die nächste S7 nach X fällt aus. Grund dafür ist eine Verspätung des vorausfahrenden Zuges."

    Millionen Menschen in Deutschland warten täglich auf ihre verspäteten Züge.

    Auch das "Sondervermögen" (das Wort wurde kürzlich um "Unwort des Jahres" 2025 gewählt), also zusätzliche Schulden für 2026 von 600 Milliarden Euro, werden daran nichts ändern.

    Wirtschaftszeitungen gehen davon aus, dass die Politik es gar nicht mehr kann den Bundesbahnladen Deutschland auf die Reihe zu kriegen. Die Bahn wird auch in 20 Jahren nicht besser sein.

    Die Fahrgäste und ihr Verhalten dagegen immer abtörnender.

    Im letzten Jahr war ich in Japan.

    Wahrhaftig eine ganz andere Zivilisation.

  • Der ganz große Vorteil des Autos ist die eigene Bubble, in der man sich bewegt. Ich finde die Mitfahrenden gerade im unterirdischen ÖPNV häufig unterirdisch. Wenn ich ab und an meine Kinder mitnehme sind sie entsetzt.

    • @DiMa:

      "wir schaffen das"

    • @DiMa:

      Bzw. Sie nehmen die Kinder so wahr.



      Ich finde Bubble eher einen Fluch.



      Und studiere auch mal gerne "andere" ein wenig. Es könnten Schaupieler sein, so überdreht ist es zuweilen in Bussen, Bahnen, Trams.

  • Wenn ich mir das Chaos im ÖPNV bei diesem Wetter in Deutschland anschaue, braucht es keine Werbung mehr für Autos.



    Kaum liegt etwas Schnee bleiben bei uns die Busse stehen. In der Schweiz und Österreich ist Schnee kein Problem.

    • @Bernd Simon:

      Hätten die Schweiz und Österreich sich ebenfalls von der Autoindustrie dermaßen wirtschaftlich abhängig gemacht, wäre es dort vielleicht auch anders.

  • Zwei Zitate aus dem Artikel:



    „Viele EU-Bürger nutzen im städtischen Raum täglich das Auto, häufig weil es keine attraktiven Alternativen gibt.“



    „ Die AutorInnen monieren, dass (…) Behörden nicht genug tun, um Autos unattraktiver zu machen.

    Es kann nicht sein, man versucht bei fehlenden attraktiven Alternativen, Autos unattraktiver zu machen.



    Das ist Politik gegen die Menschen in den Autos. Für Bürokraten mg es in Ordnung sein, dass man Pendlern das Leben schwer macht.



    Natürlich gibt es dafür keine Rückendeckung von der Politik, denn das ist Politik gegen die arbeitende Bevölkerung, die mit ihrer Erwerbsarbeit, Steuern und Abgaben das Gemeinwesen finanzieren und weiterhin eine wichtige Wählergruppe darstellen.



    Wir brauchen stattdessen Höchstleistungen in den Behörden, attraktive Alternativen zum Auto zu schaffen. Wenn man das richtig macht, bleibt keine Zeit und Energie mehr, um Maßnahmen gegen das Auto und dessen Passagiere umzusetzen. Es mag sein, dass Maßnahmen gegen Autos einfacher umzusetzen. Einfach reicht einfach nicht. Hier trifft Merz Aussage zu: wir müssen uns alle mehr anstrengen.

    • @MK:

      Es ist wie mit der Energiewende! Man zerstört erst mal alles was funktioniert und die alternativen sind nicht da oder nicht ausreichend da! So wollen die das nun auch im Verkehrssektor machen! Das Auto muss weg aber der ÖPNV gibt es in vielen Orten gar nicht oder ist extrem schlecht!

      • @Marcelo:

        Würdest du gern weiter mit Uran spielen, oder worauf spielst du an? Der Ausbau der Erneuerbaren kam gerade in Schwung, bedank dich bei unserer Gasministerin.

    • @MK:

      Ihre 'Meinung' steht in krassem Gegensatz zur verkehrswissenschaftlichen Empirie.



      Nirgendwo auf der Welt hat die bloße Förderung von Umweltverbundverkehr (ÖPV, Rad, Fuß) zu einer Verringerung des MIV geführt.



      Ergebnis war und ist stets, dass diese 'Stärkung der Alternativen' auf den weiter wachsenden Autoverkehr oben drauf kommt.



      Ohne wirksame Restriktionen gegen den MIV ist eine Reduktion des MIV komplett ausgeschlossen. Beispiele wie die Niederlande mit ihrem Jahr für Jahr ansteigenden MIV zeigen das eindrucksvoll.



      Wohltuend am verlinkten EU-Sonderbericht 05/2026 ist, dass endlich mal expliziert wird, dass es fachlich falsch ist, Erfolge anhand zunehmender Radwegelängen messen zu wollen (wie es leider zB von den 'Radentscheiden' praktiziert wird).



      Stattdessen gilt es die realen THG-Reduktionen zu ermitteln und einzusehen, dass nicht die Binnenverkehre, sondern die Stadt-Umland Pendelverkehre das zentrale Problem darstellen.



      Auch die Verwendung des Messwertes 'Einwohner-Wege-modalsplit' gehört somit in die Papierkörbe und muss ersetzt werden durch Reduktionsgrad von Dichte und Fahrleistung des MIV (und ggf. Straßengüterverkehr).

  • Mein Vorschlag wäre: beispielsweise 1000 € jährlich als einmalige Abgabe und damit kann man dann entweder kostenfrei parken oder kostenfrei den öffentlichen Nahverkehr nutzen. Ich möchte wetten, dass dann viele, die normalerweise immer autofahren zumindest zeitweise mal auf die Bahn umsteigen. Und man könnte die riesigen verwaltungskosten für Parksünder einsparen. Das wäre schnell umgesetzt und würde bei den Bürgern nicht zu einer verweigerungshaltung führen wie es Verbote tun.

    • @Horst Sörens:

      Sie wissen aber schon, das es das Deutschlandticket gibt? Und das Kostet im Jahr 756 €,

  • In unserer "Auto"kratie wird man auch nichts anderes erwarten können.

  • Den letzten Satz kann ich auch bestätigen. Die Verwaltungen sind oft bereit, mehr für eine Verkehrswende zu tun, werden aber von der Politik ausgebremst.



    Und dann ist es schwierig, wenn schon der Wille fehlt, etwas zu ändern.

  • Höhere, sozialverträgliche Parkgebühren?



    Ärmere Autofahrer haben verloren, aber wir reden es ihnen schön?

  • Auf großstädtische Fahrspuren müssen möglichst statt platzfressender, abgasiger, teurer Autos: Trams, Busse, Räder.



    Auf Parkplätze im öffentlichen Raum: Wohnungen, Büros, Parks, Vorgärten, Bäume.



    Wer das nicht raffen kann, kann sich ja einen anderen Job suchen. Wer sagt's Kai Wegner und diversen OBs mal?

    • @Janix:

      Da haben die Wähler natürlich auch ein Wörtchen mitzureden. Sie können Herrn Wegner oder diversen anderen OBs germe Ihre Mainung sagen, aber am Ende wird in der Regel dass passieren, was die Mehrheit möchte. Und ich glaube nicht, dass Ihre oben geäußerten Wünsche die Wünsche der Mehrheit sind.

  • Schaut man sich nur an wie unterirdisch schlecht der ÖPNV in vielen deutschen Städten ist...

  • Ob mit oder ohne Subventionen das Auto gewinnt in den meisten Fällen immer! Der Zeitfaktor ist immer noch das größte Argument fürs Auto

    • @Marcelo:

      Und leider auch der Egoismus: Man will mit niemanden den Raum teilen, außer der Familie oder Freunde.



      Und auch leider die Arroganz: Man kauft sich ein teures Auto, man will das Statussymbol überall herumzeigen.

      Da kann die Bahn sogar schneller sein, einem direkt vor die Haustüre oder vor der Arbeit absetzen. Wie also negative Tugenden wie Egoismus verbieten?

      • @Troll Eulenspiegel:

        Was ist mit (gefühlter) Sicherheit? Hygienebedürfnis? Alles Egoismus?

        Selbst ich als großer und nicht besonders pingeliger Mann habe ich nicht immer Bock auf Junkies, Jugendliche und Rassisten.

      • @Troll Eulenspiegel:

        Nennen Sie mal bitte ein Beispiel wo die Bahn schneller ist als das Auto? Die Bahn ist nur schneller wenn man in einer Großstadt lebt und die Stadt nicht den inneren Ve4rkehrsring verlässt für Arbeit und wohnen

        • @Marcelo:

          Park & Ride in einer Großstadt dieses Landes, wo ich bis zum Parkplatz fahre, und dann die U-Bahn nehme, gegen exklusive Nutzung des Autos, mit dem man durchschnittlich zwischen 40 und 60 Minuten nach einem Parkplatz sucht?



          Da lach ich doch über!

        • @Marcelo:

          Das ist eine Gretchenfrage, die darauf abzielt, das Auto besser dastehen zu lassen.



          Dabei brauchen wir Strategien, wie das Auto im Durchschnitt langsamer als die Bahn wird. Vorschläge werden immer entgegengenommen.

          Einen großen Verkehrsstau durch Reiseverkehr können wir nicht jeden Tag haben. Aber ich habe das ein oder andere mal eine bestimmte Strecke in 3,5h zurückgelegt mit zwei Regionalbahnen, für die der PKW genauso lange gebraucht hätte, was aber damit zu tun hat, dass die Autobahn chronisch verstopft ist. Erfolgsquote der Bahn vs. PKW: 30%. Da geht noch mehr.

          Außerdem sollten wir den Menschen zu mehr Entschleunigung erziehen. Vielleicht nicht per Gesetz, weil der Mensch offenbar keine Lust hat, aufs Gesetz zu achten. Vielleicht aber einfach mal aus Mitmenschlichkeit.

          • @Troll Eulenspiegel:

            3,5h ist aber keine übliche Pendlerstrecke. Also hier erst mal nicht vergleichbar. Wenn das Auto langsamer als die Bahn/der ÖPNV werden soll, kann ich optimistisch bleiben. Weg zur Arbeit mit dem Pkw bei mir 12 Minuten, eventuell im Winter mal 20 Minuten. Mit dem ÖPNV (Bus und Umsteigen in die Tram) 50 Minuten. Kein Argument und kein "Umweltjünger" kann mich hier überzeugen. Dazu kommen noch zwei weitere Punkte. -Ich habe wegen Schichtbetrieb und Ablösung der Kollegen keine Teilzeit. Bin als darauf angewiesen pünktlich zu sein. -Parken auf dem Firmengelände ist kostenlos, und wenn ich das eigene Auto mal für dienstliche Fahrten nutzen muß, bekomme ich im Personalbüro eine Flottenkarte und kann auf Kosten des Arbeitgebers tanken. Und ich möchte auf dem Weg zur Arbeit auch keine Mitmenschen "studieren" sondern nur ohne Gedränge und ohne Lärm/Gerede und Musik die ich nicht bestellt habe meinen Weg zurücklegen.

          • @Troll Eulenspiegel:

            Interessante Logik, ich mache etwas funktionierendes so schlecht, dass alle auf das nicht-funktionierende wechseln.

      • @Troll Eulenspiegel:

        Äh, ja. Der Zeitfaktor ist reiner Egoismus.



        Der Tag hat ja 24 Stunden. Und wenn die nicht reichen, dann neben wir eben die Nacht dazu.

      • @Troll Eulenspiegel:

        Ich glaube dass ich wenige den Stress freiwillig antun mit dem Auto durch eine total verstopfte Stadt zu fahren. Es ist eher die Not, weil von außerhalb in die Stadt der öffentlichen Nahverkehr einfach vollkommen unzuverlässig und viel zu langsam ist

        • @Horst Sörens:

          Wer definiert unzuverlässig oder langsam? Sogar bei einem 10-Minuten-Takt mit einem BRT-System wie in Südamerika oft zu sehen, wird es Menschen geben, die das System kritisieren.

          Welchen Standard also verwenden, damit weder der eine noch der andere etwas auszusetzen hat? Und somit auch den Horst Sörens?

          • @Troll Eulenspiegel:

            Der Zeitfaktor spielt eine Rolle, dazu kein Warten auf kalten und zugigen Bahnsteigen, kein hektisches Umsteigen, Klimatisierung nach den eigenen Wünschen und vor allem Dingen keine Körper- Geräusch- und Geruchsbelästigungen durch nervige Passagiere, wie Trolle oder andere merkwürdige Gestalten. Alles spricht fürs Auto.

            • @Die_Mitte_machts:

              Eine schöne Auflistung hast du da, und einen Teil habe ich bereits selbst gesagt.



              Dann hast du bestimmt auch eine gute Strategie, wie der ÖPNV so gut wird, dass Die Mitte (die macht es ja) freiwillig aufs Auto verzichtet.



              Hardcore-Modus: Die Politik will nichts investieren (heute eine Meldung gelesen, dass die Bahn keine Gelder gestellt bekommt).

              Oder soll ich das Zukunftszenario auspacken und du möchtest dem Kind mit traurigen Augen, in einer Welt mit verbrannter Erde und extremen Temperaturen, direkt ins Gesicht sagen, dass das Auto trotzdem Nummer 1 ist?

  • Die Politik hat anscheinend vereinzelt gelernt, dass es sich nicht positiv auf ihre Wahlergebnisse auswirkt, den Autoverkehr einzuschraenken, obwohl es oft keine Alternative gibt.



    Ich wuerde auch keinen waehlen, der mir taeglich 2-3 Stunden meiner Lebenszeit stiehlt.