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Protest bei den GrammysDie Stimme der Kunst

Carolina Schwarz

Kommentar von

Carolina Schwarz

Bei der Grammy-Verleihung kritisieren Stars die Trump-Regierung und ICE aufs Schärfste. Zeit, dass auch hier Promis gegen die AfD laut werden.

Bad Bunny während der 68. Grammy Awards am Sonntag in Los Angeles Foto: Chris Pizzello/invision/ap/dpa

E s klingt wie eine energiegeladene Rede einer Aktivist_in bei den Protesten in Minneapolis: „Wir sind keine Wilden, wir sind keine Tiere, wir sind keine Außerirdischen. Wir sind Menschen und wir sind Amerikaner.“ Doch die Worte entstammen der Dankesrede des US-Rappers Bad Bunny bei der Grammy-Verleihung.

Beim wichtigsten Musikpreis der USA wurde sein Album „DeBÍ TiRAR MáS FOToS“ als bestes des Jahres ausgezeichnet. Dass erstmalig ein spanischsprachiges Album in der Kategorie abgeräumt hat, blieb an diesem Abend fast eine Randnotiz. Denn im Zentrum der Verleihung stand dieses Jahr das Politische und Widerständige.

Denn nicht nur Bad Bunny, der sich seit Langem gegen Donald Trumps Migrationspolitik positioniert, schimpfte an diesem Abend gegen ICE, die Einwanderungs- und Grenzschutzbehörde der USA, die ein ganzes Land terrorisiert. Auch Billie Eilish, die für „Wildflower“ mit dem besten Song des Jahres ausgezeichnet wurde, kommentierte die aktuelle politische Lage: „Niemand ist illegal auf gestohlenem Land.“ Und fügte hinzu: „Fuck ICE“. Die Newcomer-Gewinnerin Olivia Dean wurde in ihrer Kritik an Trumps Politik persönlich, als sie sagte: „Ich stehe hier als Enkelin einer Einwanderin. Ich bin das Ergebnis von Mut und ich finde, dass diese Menschen es verdienen, gefeiert zu werden.“

Dass Prominente in den USA sich öffentlich politisch äußern – sich beispielsweise für queere Rechte oder gegen Gewalt gegen Frauen aussprechen –, ist kein Novum. Seit der Präsidentschaft Trumps haben die politischen Kommentare zugenommen, seit den brutalen Einsätzen des ICE in den vergangenen Wochen haben sie vermutlich einen neuen Höhepunkt erreicht.

Ihre Stimme hat Gewicht

Kein Wunder angesichts der grausamen Bilder, die in diesen Tagen um die Welt gehen. Schweigen und wie gewohnt weitermachen ist keine Option, wenn ICE-Agent_innen jegliches Gefühl für menschliches Verhalten verloren haben: Wenn sie Kinder festnehmen, Menschen brutal aus ihren Häusern zerren oder auf offener Straße hinrichten. Der Einsatz in Minneapolis versetzt eine Stadt – ja, ein ganzes Land – in Angst. Menschen verbarrikadieren sich in ihren Häusern, Kinder werden nicht mehr zur Schule geschickt. Da ist es nur folgerichtig, dass diejenigen, die eine Stimme haben, davon Gebrauch machen.

In Zeiten zunehmender Faschisierung braucht es nicht nur Kunst als Eskapismus und Bewältigungsstrategie, sondern auch die Stimme der Künstler_innen zum Aufbegehren gegen die Verhältnisse. Und zwar nicht nur, weil es Trump, wie jetzt bei der Grammy-Verleihung, ärgert, sondern weil ihre Stimmen Gewicht haben. Sie werden gehört und hallen nach, sie geben denjenigen Gehör, die Angst haben müssen zu sprechen. Und je stärker die faschistischen Tendenzen und je lauter die autoritären Stimmen werden, desto größer muss auch der Widerstand dagegen wachsen.

Auch in Deutschland brauchen wir dieses Widerständige dringend. Denn nur weil bei uns (noch) nicht solche Zustände wie in den USA herrschen, sollten uns die Entwicklungen nicht kaltlassen. Vergangene Woche ist das Wahlprogramm der AfD Sachsen-Anhalt bekannt geworden. Es liest sich wie der feuchte Traum von Trumps kleinem Bruder. Eine Kampfansage gegen Migrant_innen und für mehr Patriotismus. Da ist von einer „Abschiebe- und Remigrationsoffensive“ ebenso zu lesen wie von einer „perversen Regenbogenagenda.“

Überraschend liest sich das Programm nicht, schockierend aber schon – gerade wenn die rechtsextreme Partei bei den Wahlen im September die absolute Mehrheit erreichen könnte. Und dann in Sachsen-Anhalt einen autoritären Umbau des Landes beginnen könnte. Doch Deutschland scheint in einem Zustand des Desinteresses und der Schockstarre zu verweilen.

Um uns aus diesem Zustand zu befreien, könnten prominente Stimmen helfen. Könnten aufrufen und unterstützen beim Widerstand der Vielen. Denn noch ist es nicht zu spät. Noch lässt sich eine absolute Mehrheit der Rechtsextremen verhindern. Aber das wird nicht passieren, wenn es so leise bleibt.

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Carolina Schwarz
Ressortleiterin taz zwei
Ressortleiterin bei taz zwei - dem Ressort für Gesellschaft und Medien. Schreibt hauptsächlich über intersektionalen Feminismus, (digitale) Gewalt gegen Frauen und Popphänomene. Studium der Literatur- und Kulturwisseschaften in Dresden und Berlin. Seit 2017 bei der taz.
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7 Kommentare

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  • „Niemand ist illegal auf gestohlenem Land.“ kommentierte Bille Eilish. Wenn sie das ernst meinte, müsste sie eigentlich jeden als "illegal" betrachten, der kein Native American ist. Und sie könnte ihren Anteil am "gestohlenen" Land zurückgeben, indem sie in eines der Herkunftsländer ihrer Vorfahren (Irland und Schottland) übersiedelt. Das Geld dafür hätte sie ja. Aber natürlich war diese Aussage nicht ernst gemeint, sondern reines Virtue Signalling.

  • Abgrenzung zu Rechtsextremen funktioniert weder in dem man sie inhaltlich ausschließt ("Brandmauer"), noch indem man ihren populistischen Forderungen voraus eilt. Die Politik von Merz & Co tut aber genau das..







    Das es auch anders geht zeigt Hendrik Wüst:







    www.msn.com/de-de/...n-1933/ar-AA1VjriN







    www.land.nrw/media/31447







    Wenn wir also zurecht fordern, auch Promis sollten sich gegen die afd positionieren, dann sollten wir solch kluge Einlassungen nicht übersehen. Denn es gibt sie, auch in der Politik: Menschen mit Rückgrat.







    90% der Menschen im Osten halten die Demokratie für die bessere Staatsform. Wieso will dann eine Mehrheit dieser Menschen eine Partei wählen die, die Demokratie offen verachtet..???



    Wie erreicht man die Ostdeutschen (-afd Sympathisanten)..? Wie holt man sie aus ihrem reaktionären Selbstbestrafungsmodus..?







    Vlt braucht es dafür dann wirklich noch viel mehr prominente Stimmen von überall her und am besten aus dem Osten..

    Wo ist dt. Bruce Springsteen wo sind die Konzerte *Rock gegen Rechts.?*. Und vlt kann ja auch ein Olaf Schubert mal mehr als nur Witze machen..

  • taz: "Zeit, dass auch hier Promis gegen die AfD laut werden."

    **Hannes Jaenicke (Schauspieler, Hörbuchsprecher und Umweltaktivist): Boykottiert Amazon, Trump, ICE und die AFD** www.youtube.com/watch?v=9Mg5o-oToYw

  • Mit wenigen Ausnahmen wie Grönemeyer und Kerkeling, die sich gegen die AFD positionieren, sieht es eher mau aus in deutschen Landen. Die Kunst- und Filmschaffenden, hatten sich lieber den Querdenkern in der Pandemiezeit angebiedert, darunter Bruch, Liefers, Folkerts, Müller, Turku, Proll, Brambach u.s.w., und schrille Videos unter dem hashtag/Slogan: 'allesdichtmachen' mit abseitigen Aussagen zur Coronapolitik gedreht.



    Da hab ich wenig Hoffnung, dass die Aufforderung von Frau Schwarz große Resonanz findet.

    • @Klaus Waldhans:

      Wer bei allesdichtmachen dabei war, ist nicht automatisch ein Freund der AFD. Vorsicht mit voreiligen Zuschreibungen.

  • Bambi, Goldene Henne, Grimme Preis, Berlinale, Goldener Bär, Deutscher Kurzfilmpreis, Sportler des Jahres. Das sind nur einige ausgewählte Gelegenheiten, bei denen Prominente sich politisch äußeren könnten. Stattdessen lobhudeln sie ihrem Team, ihrem Regisseur oder der Juri. Typisch deutsch!

  • Der Gegner führt einen Antielitenwahlkampf und das soll unsere Antwort sein? Hier wäre erstmal zu klären was hier eigentlich erreicht werden soll. Geht es darum beim geneigten Leser des Feuilleton einen wohligen Schauer der Selbstgewissheit und der eigenen moralischen Überlegenheit am sonntäglichen Frühstückstisch zu erzeugen, mag das Rezept ja funktionieren.



    In der Zielgruppe die wir aber eigentlich erreichen müssten, haben auch die Briefe der Kulturschaffenden schon zu DDR-Zeiten keinerlei Resonnanz erzeugt. Besonders im Osten wo die kulturellen Eliten zumeist als externe Entitäten wahrgenommen werden, ist damit jedenfalls kein Blumentopf zu gewinnen.



    Wenn die Rechtspopulisten geschlagen werden sollen, müssen wir wieder die Sprache des Volkes sprechen. Leider hat die AfD ja einen Alleinanspruch auf alle ostdeutschen Narrative reklamiert inzwischen. Die sollten wir lieber mal zurückerobern wenn wir die Blauen hier im Osten wirklich schlagen wollen.