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Putin und Trump in ChinaChina wird zur Weltmacht und die Demokratien schauen zu

Fabian Kretschmer

Kommentar von

Fabian Kretschmer

Nicht nur wegen Trumps strategisch dummer Politik wird China immer einflussreicher. Das hat auch Folgen für Europa.

E s läuft gerade ausgesprochen gut für Xi Jinping. In nur wenigen Tagen hat der chinesische Staatschef die Präsidenten der USA und Russlands empfangen. Und beide wirkten in der Großen Halle des Volkes wie Bittsteller, die um die Gunst des mittlerweile wohl mächtigsten Mannes der Welt buhlen mussten.

Während Trump seinen chinesischen Amtskollegen mit Komplimenten überhäufte, zeigte dieser seinem Gast – trotz pompöser Jubelkulisse – unmissverständlich die politischen roten Linien auf: Sollten die USA die Taiwanfrage „falsch“ managen, würde dies zu einem Konflikt führen, warnte Xi wenig subtil.

Auch Wladimir Putin musste das neue Machtgefälle stillschweigend akzeptieren. Zwar fiel der Staatsbesuch des „alten Freundes“ herzlicher aus. Doch schlussendlich ließ Xi keinen Zweifel daran aufkommen, wer in dieser strategischen Partnerschaft die Hosen anhat. Die erhoffte Gaspipeline „Kraft Sibiriens 2“, die der russische Präsident bereits seit Jahren möchte, hat er auch bei seinem 25. Chinabesuch nicht durchgewunken bekommen.

So offen wie seit Jahrzehnten nicht mehr gilt wieder das Recht des Stärkeren

Zweifelsohne weitet Chinas Staatsführung ihren internationalen Einfluss rasant aus. Das hat weniger mit der eigenen Stärke zu tun als mit einem US-Präsidenten auf Kamikazemission, dessen einziges Ziel es zu sein scheint, den politischen Westen in den Abgrund zu stürzen.

Doch Schadenfreude ist unangebracht. Für die demokratische Staatengemeinschaft ist der diplomatische Aufstieg der Volksrepublik kein Grund zum Jubeln. Zwar muss man Xi zugutehalten, dass er im Gegensatz zu Trump und Putin die multilaterale Weltordnung mit all ihren Institutionen nicht stürzen möchte.

Indirekte Unterstützung für Iran

Doch legt er die internationalen Regeln stets nach eigener Interpretation aus: Eine Eroberung Taiwans wäre aus seiner Sicht Chinas „innere Angelegenheit“. Auch bei den Kriegen in Iran und der Ukraine spielt Peking keine neutrale Rolle als „Friedensmacht“, wie es propagandistisch heißt. China macht Putins Kriegsmaschinerie als mit Abstand größter Energielieferant groß.

Indirekt unterstützt China auch das Regime in Teheran. Aktivisten aus der Diaspora beschuldigen chinesische Staatsunternehmen etwa seit Jahren, dass sie die iranische Regierung mit jener Überwachungstechnik versorgen, mit der diese die Demonstranten ausspäht und Dissidenten verfolgt. Dabei könnten die Kommunisten in Peking den Mullahs in Teheran ideologisch kaum ferner stehen. Doch was die Achse China–Russland–Iran eint, ist eine Ablehnung des Westens unter Führung der USA.

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Dementsprechend sollte man auch den freundlich inszenierten Gipfel zwischen Trump und Xi nicht missverstehen. Wer hinter die Propagandafassade blickt, vernimmt dieser Tage alarmierende Zeichen. So argumentieren etliche chinesische Politkommentatoren, dass die Beziehung zwischen den USA und China „in eine neue Phase eines strategischen Patts eingetreten“ sei, wie es in einer aktuellen Analyse von Liu Weidong von der Chinesischen Akademie für Sozialwissenschaften heißt.

Damit wird jener historische Begriff verwendet, den Staatsgründer Mao Zedong einst als zweite Phase eines „verlängerten Kriegs“ definiert hat: Beim „strategischen Patt“ sammelt man die eigenen Kräfte, ehe es in die „strategische Gegenoffensive“ geht. Die Strategie, die Mao 1938 gegen ein scheinbar übermächtiges Japan entworfen hat, wird nun auf die USA umgemünzt. Insofern sollte sich Trump zweimal fragen, mit wem er sich da gerade zusammentut.

Europas Exporte gehen zurück

Denn aus Sicht der Autokraten, die sich die Welt in ihre Einflusssphären einteilen, können schließlich auch die großen Fische irgendwann einmal auf der Speisekarte landen. Und Europa? Schaut bislang nur von der Zuschauertribüne zu. Es muss mit ansehen, wie man ökonomisch von der chinesischen Industriepolitik zerrieben wird.

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Während Chinas Exporte in die EU konstant steigen, gehen die europäischen Warenverkäufe ins Reich der Mitte zurück. Europas Exportniveau nach China befindet sich mittlerweile unter dem vorpandemischen Niveau von 2019 – Tendenz weiter sinkend. Doch sobald die EU die Wettbewerbsverzerrungen ins Visier nimmt, reagiert Peking stets mit resoluten Gegenmaßnahmen.

Ob geopolitisch oder ökonomisch: So offen wie seit Jahrzehnten nicht mehr gilt wieder das Recht des Stärkeren. Und China ist in die Schwergewichtsklasse aufgerückt.

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Fabian Kretschmer

Fabian Kretschmer Korrespondent in Südkorea

Seit 2024 Korrespondent für die koreanische Halbinsel und China mit Sitz in Seoul. Berichtete zuvor fünf Jahre lang von Peking aus. Seit 2014 als freier Journalist in Ostasien tätig. 2015 folgte die erste Buchveröffentlichung "So etwas wie Glück" (erschienen im Rowohlt Verlag), das die Fluchtgeschichte der Nordkoreanerin Choi Yeong Ok nacherzählt. Betreibt nebenbei den Podcast "Beijing Briefing". Geboren in Berlin, Studium in Wien, Shanghai und Seoul.
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10 Kommentare

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  • "China wird zur Weltmacht und die Demokratien können nur zuschauen" müsste es heißen. Es ist nicht so dass die Demokratien, insbesondere nicht die europäischen, die Mittel hätten diesen Zustand zu ändern.

    Es gibt nun mal harte Machtfaktoren die systemunabhängig sind.

    • @Chris McZott:

      @ Chris MCZott



      Sehr gut beobachtet / festgestellt aber was wollen Sie machen, eine unfähige Regierung wie zur Zeit wieder einmal, beschäftigt sich lieber - wie gewohnt mit klein klein, in der ihren - mit unseren Steuergeldern bezahlten Arbeitszeit.

  • "China wird zur Weltmacht und die Demokratien schauen zu"



    Die derzeitigen politischen Führer*innen schauen zu, zu den Demokratien gehören auch die Medien als vierte Macht (oder Gewalt).



    Alles wird im Westen gerne so dargestellt, als sei China monolithisch seine Führung. Korruption, Umweltverschmutzung, demografischer Wandel, das gibt es doch in China auch. Außerdem kann man durchaus noch gewissermaßen von Feudalismus sprechen:



    www.spiegel.de/aus...-a5de-ea7816ebd4d7

  • Die Chinesen haben tatsächlich einen langfristigen Plan, wogegen die Europäer und insbesondere die EU mit ihrer fähigen Kommissionspräsidentin nicht mal wissen was ein Plan ist. Ich erinnere nur an die schwangerentauglichen Panzer - das alleine zeigt doch wie kompetent U vdL tatsächlich ist.



    Egal. Ich Hochschullehrer Ingenieurswissenschaften, habe Angebote aus China bekommen dort befristet zu lehren, entweder online oder für 6 - 12 Monate in China, für einen höheren 6-stelligen Betrag. Die Angebote sind genuin, ich habe nachgeforscht. China hat auch hier den Plan das up-to-date Wissen aus dem Westen sich anzueignen. Die Ausgaben hierfür erscheinen hoch, sind aber wenn man den tatsächlichen Wert des Wissens betrachtet, peanuts.



    Ich bezweifle dass unsere Bildungs- und Forschungsministerin jemals von diesem Programm der VRC-Regierung gehört hat. Und die Idee dass deutsche Hochschulen z.B. amerikanischen Wissenschaftllern hohe Summen anbieten um in D zu lehren um hier Expertise aufzubauen erscheint sicherlich nicht in ihren Träumen. Hier werden Hochschulgebäude baufällig und sogar geschlossen ohne dass es irgendjemand in der Regierung interessiert. Das ist beschämend.

  • "Doch legt er die internationalen Regeln stets nach eigener Interpretation aus"



    Nun, das machen wir leider auch. Die Doppelmoral des Westens und insbesondere der EU ist doch fast schon sprichwörtlich! Sonst hätten wir die USA und Israel schon längst sanktionieren müssen.



    Und eine vernünftigere Industriepolitik à la China wäre schon längst angebracht (z.B. der erzwungene Technologietransfer bei Firmenübernahmen). Sie scheitert nur immer daran, dass man gleiche Regeln für alle anbieten will, und wenn man den USA (aus irgendwelchen Zwängen heraus) freie Bahn in der EU-Wirtschaft erlaubt, kann man es anderen rechtlich schwer verwehren. Die Lösung ist aber natürlich einfach Souveränität gegenüber China UND USA.

  • Gut beobachtet.



    Der amerikanische Markt bricht weg, weil trump mit seinen Zöllen die Amerikaner künstlich verarmen lässt.



    Trumps Iran Krieg trifft letztlich Alle, doch China kann es verschmerzen, nur Putin profitiert.



    Während Chinesen nur noch national handeln und die eigenen Waren einkaufen, spricht sich unser Möchtegernkanzler gegen innereuropäische Werbestrategieen aus. Ganz so, als ob davon Verkaufszahlen in China abhingen .



    In den letzten 20 Jahren ist der Anteil deutscher Autos auf dem chinesischen Markt von 20% auf unter 1% gesunken.



    Der Zug ist abgefahren!



    Wir müssen uns auf unseren heimischen Markt konzentrieren und unsere eigenen, guten europäischen Produkte kaufen.



    Das gilt aber auch für die Kommune - wer billig billig kauft gefährdet Wirtschaft und Arbeitsplätze zu Hause!



    Seltsam, dass sich "Geiz ist geil", so tief eingebrannt hat, dass simple Überlegungen nicht mehr möglich sind.



    Es ist gut, mit anderen demokratischen Ländern Handelsabkommen zu schließen.



    Der Verbraucher darf dann aber nicht Querschießen!

  • "Die Strategie, die Mao 1938 gegen ein scheinbar übermächtiges Japan entworfen hat, wird nun auf die USA umgemünzt. Insofern sollte sich Trump zweimal fragen, mit wem er sich da gerade zusammentut."

    Also wird Nationalchina gegen Trump in Stellung gebracht? Wäre ja ironisch, wenn Trump in Taiwan einmarschieren muss

  • Das Problem in Europa ist vor allem, dass es uns schon seit Jahrzehnten nicht gelingt eine nachhaltige und langfristig orientierte Industriepolitik zu betreiben.



    Viele moderne Industriebereiche werden zwar in Europa entwickelt, allerdings fehlt es an langfristigen Strategien, die auch die gesamte Wertschöpfungsketten abdecken.



    Und so trudeln wir von einer Abhängigkeit - etwa billiges Gas und Öl von Putin in andere LNG u.a. von Trump PV Panels aus China usw.



    Die zaghaften Versuche etwa im PV Bereich in Europa etwas zu wuppen sind viel zu kleinteilig und werden auch nicht weit genügt "europäisch gedacht", wie zuletzt das französische Projekt "Carbon" für 5GW PV Fabrik.



    So schicken uns Atom-Macron und Gas-Kathi die immer weiter ins industrielle Abseits.



    Gut, dass bald die Fussball WM und die Tour dr France kommen.



    Da ist das Volk beschäftigt...

    • @Andre Marg:

      Man könnte ja auch aus eigenen Bedarf produzieren, sodass wir unabhängig von Diktaturen werden.

      Die Qualität kostet aber dreimal mehr im Supermarkt, im Fachmarkt oder im Internet. Weil der Lohn sollte fair sein, der Sozialstaat soll finanzierbar bleiben, usw.

      Da hat der Konsument keine Lust drauf. Dann lieber billig von Kinderhänden produziert. Und die Politik lobbyiert auch fleißig dafür, bevor die Wirtschaft vor die Hunde geht, weil keiner mehr kaufen will.

  • Trump wird mal als der Präsident in die Geschichtsbücher eingehen, der die amerikanische Vormachtstellung mit atemberaubendem Tempo ruiniert hat. Wer in den USA und im Rest der Welt noch bei Verstand war, konnte das auch schon vorher erkennen.

    So viel zum Thema "Make America Great Again".