piwik no script img

Putin zu Besuch in ChinaBittsteller auf Betteltour

Kommentar von

Mathias Brüggmann

Vom russischen Riesenreich zur chinesischen Provinz – Putin macht sich zum Vasallen Pekings. Zu viel Häme aus Europa ist aber nicht angebracht.

Wird sich aus der Umklammerung Xis nicht mehr lösen können: Russlands Präsident Putin in Peking Foto: Maxim Shenetov/epa

P utins Strategie war es einmal, Europa durch russisches Öl und Gas vom Kreml abhängig zu machen, Warnungen davor wurden im Westen lange in den Wind geschlagen. Dass sein Plan nicht aufging, lag am Kremlherrn selbst: Sein Angriffskrieg gegen die Ukraine hat harte Sanktionen ausgelöst, mit denen er nicht gerechnet hat. Vor allem der Stopp der Importe von russischem Erdgas bis spätestens Ende September 2027 stellt Moskau vor ein riesiges wirtschaftliches Problem.

Statt Europa abhängig zu machen, hat sich Putin nun völlig an China gekettet. Eilig und mit riesigen Rabatten muss Putin versuchen, sein Gas beim östlichen Nachbarn loszuwerden. Xi quetscht Russland dabei wie eine Zitrone aus. Putin kann sich kaum wehren. Denn die Kreml-Kasse ist klamm. Schon jetzt bettelt Moskau um chinesische Milliarden für Infrastrukturprojekte. Und Russland ist bei Lieferungen von Technik oder Glasfaserkabeln für seine Drohnen fast vollständig auf „Made in China“ angewiesen. 36 Prozent aller seiner Importe bezieht Russland inzwischen aus China.

„Unerschütterliche Beziehungen“ nannte der chinesische Staats- und Parteichef Xi Jinping das Verhältnis zum nachbarlichen Riesenland. In der Tat wird sich Putin aus der Umklammerung Xis nicht mehr lösen können. Chinesische Pkws, Lastwagen und Busse dominieren schon jetzt die Neuwagenverkäufe in Russland, haben russische Fabriken fast plattgemacht. Ähnlich ist es in anderen Branchen. Das ist viel mehr als „intensivierte wirtschaftliche Kooperation“, von der beide Seiten sprechen.

Das Logo der taz: Weißer Schriftzung t a z und weiße Tatze auf rotem Grund.
taz debatte

Die taz ist eine unabhängige, linke und meinungsstarke Tageszeitung. In unseren Kommentaren, Essays und Debattentexten streiten wir seit der Gründung der taz im Jahr 1979. Oft können und wollen wir uns nicht auf eine Meinung einigen. Deshalb finden sich hier teils komplett gegenläufige Positionen – allesamt Teil des sehr breiten linken Meinungsspektrums.

Seine expansionistischen Ambitionen am Westrand des Reichs kann sich Putin nur leisten, wenn Peking ihm nicht die Unterstützung entzieht. Würde Peking seine Lieferungen an Russland einstellen – Moskau müsste seinen Ukrainekrieg beenden.

Von Allmachtsfantasie zur Ohnmachtsrealität

China lässt sich dafür fürstlich entlohnen, will nun einen Gaspreis wie im russischen Inland. Immer mehr Chinesinnen und Chinesen siedeln sich im Fernen Osten an, wo bisher kaum Menschen leben. Chinesische Firmen roden ohne Rücksicht auf die Umwelt sibirische Urwälder. Putin macht durch seine imperialistische Politik das Riesenreich zu einer chinesischen Provinz und ist nun als Bittsteller auf Betteltour in Peking. Der Drang nach Allmacht ist für Putin fast schon in Ohnmacht geendet.

Häme ist indes unangebracht. Chinas Herrscher hat sich nicht nur das noch unter Mao Zedong als Rivale angesehene Russland zum Vasallen gemacht. Er macht auch den USA und Europa klar, wie übermächtig China inzwischen ist. Und zu Chinas bisherigem De-facto-Monopol bei seltenen Erden kommt nun auch noch das Absaugen billiger russischer Rohstoffe.

Nur noch 460 – dann sind wir 50.000

Als Genossenschaft gehören wir unseren Leser:innen. Und unser Journalismus ist nicht nur 100 % konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung. Unser nächstes Ziel: 50.000 – wir brauchen nur noch 460 Freiwillge, dann haben wir es geschafft! Setzen Sie jetzt ein Zeichen für die taz und machen Sie mit. Mit nur 5,- Euro sind Sie dabei! Jetzt unterstützen

Mehr zum Thema

0 Kommentare