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Zwischen Profeminismus und Weiber-QuarkTreffen sich zwei Männer

Wie beweist Mann, dass er einer von den Guten ist? Oder ist das eh obsolet, weil, mal unter uns, eh keiner immer alles so ganz richtig gemacht hat?

Deeptalk unter Männern: Ey komm, hast du nicht auch irgendwie Dreck am Stecken? Foto: Gary Bates/imago

H ast du irgendwas zu der ganzen Sache gepostet?“, fragt der eine mittelalte Typ den anderen bei Bier und Kippe vorm Restaurant im Nieselregen.

„Nee, du?“

„Nullkommanix.“

„Mir fällt auch irgendwie nix dazu ein.“

„Ist ja auch schon alles gesagt, mehr oder weniger.“

„Zu viel! Würd ich jetzt mal so sagen.“

„Aber da is jetzt ja schon irgendwie so Druck im Raum. Ich wär froh, wenn das bald wieder vorbei ist.“

„Volle Kante, meinst du, das fällt auf, dass wir gar nix dazu gepostet haben?“

„Ey, ich lass mich jetzt nicht kirre machen.“

„Mich stresst das langsam schon, auf so ner ganz ätzenden Generalverdachtsebene.“

„Du meinst, dass man beweisen soll, dass man einer von den Guten ist?“

„Ja, und weißt du, Thomas, jetzt mal unter uns, also so von Mann zu Mann, ich weiß nicht, ob ich immer alles so ganz richtig gemacht hab.“

„Ach komm Stefan, wer macht schon alles richtig?!“

„Aber ich mein, auch so in meinem Kopf.“

„Was meinst du denn genau?“

Es ging bloß um den Marktwert

„Na, also bei Simone ging mir das echt nur um den Marktwert, die war ne Trophäe für mich, geliebt hab ich die nie.“

„Echt jetzt? Ihr wart doch Jahre zusammen, sogar verheiratet.“

„Eben.“

„Und du hast die nie geliebt.“

„Nee.“

„Aber was sollte das dann? Die war ja jetzt keine Tradwive, die dir die Füße geküsst und alles für dich gemacht hat.“

„Aber alle Typen hatten Bock auf die.“

„Stimmt, Simone war echt ne Sahneschnitte, so ein richtig scharfes Püppchen, sogar noch jenseits ihrer Zwanziger.“

„Jeder wollte mit der.“

„Und nur deshalb bist du mit ihr zusammengekommen? Da war kein romantischer Funke ansonsten?“

„Null.“

„Meinst du, die hat das gemerkt?“

„Möglich. Im Lauf der Jahre wurde sie zur Furie, hat immer geschrien, ich würd sie gar nicht sehn, wertschätzen und noch so anderen Weiber-Quark.“

„Bei der Scheidung hat sie dich dann ja auch richtig gefickt.“

„Zum Glück hab ich sie nie geschwängert.“

„Wars denn wenigstens gut im Bett?“

„Nur, wenn ich mir vorgestellt hab, dass andere Typen mich beneiden würden.“

„Du hast also beim Sex an andere Männer gedacht?“

„Ja, irgendwie schon.“

„Dann ging es eigentlich um Männer?“

„Mhm.“

„Hast du dabei auch an mich gedacht?“

„Ich sag jetzt mal nichts.“

„…“

„…“

Dreck am Stecken

„Ey komm, hast du nicht auch irgendwie Dreck am Stecken?“

„Weiß nicht, ich steh im Bett auf Schlampen, am besten so bossy Schlampen, gern auch was älter, also so Frauen, die garantiert kein Wifey-Material sind.“

„Aber so wirkte keine deiner Freundinnen.“

„Stimmt, meine Freundinnen waren alle so liebe Perlen, ich brauch das auch zum Andocken, dass ne Frau immer so ein bisschen verlegen wirkt.“

„Und wie ist da dann der Sex?“

„Verlier schnell das Interesse. Das hol ich mir dann woanders, da zahl ich auch gern für, ich mein, wofür hab ich mir den Arsch abgearbeitet und so hammergut verdient die letzten zwanzig Jahre.“

Ey, was solls, die Emanzen haben recht, unterm Strich sind wir doch alle nur kleine Motherfucker

„Um dir den Hintern versohlen zu lassen!?“

„Erlaubt ist, was gefällt.“

„Ey, was solls, die Emanzen haben recht, unterm Strich sind wir doch alle nur kleine Motherfucker.“

„Hahaha.“

„Hahahahaha.“

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Jasmin Ramadan
Jasmin Ramadan ist Schriftstellerin in Hamburg. Ihr neuer Roman Roman „Reality“ ist 2025 im im Weissbooks Verlag erschienen. 2020 war sie für den Bachmann-Preis nominiert. In der taz verdichtet sie im Zwei-Wochen-Takt tatsächlich Erlebtes literarisch.
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18 Kommentare

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  • Liest sich authentisch, halt richtig Bro-mäßig. Vermutlich keine typischen taz-Leser. Schade nur, dass es darin bloß um Irrelevantes geht.

  • Liest sich sehr theoretisch und ausgedacht, ahnungslos nach Form und Inhalt.



    Frauen spielen, wie hier auch andere Foristen bereits anmerkten, in Männergesprächen eine weitaus geringere Rolle, als Frauen sich das vorstellen können (oder vielleicht gern hätten). Wenn ich es recht überlege, sind sie sogar erst durch die aktuelle Debatte zu einem Thema geworden...

  • Ich finde die Kunstfiguren unrund konstruiert. Einerseits wirken sie 50+ anderseits U30.

  • Eine Unterhaltung, die ich mit einem Freund zum aktuellen prominenten Fall führte, ging etwa so:



    "Hast du das von dem U gehört?"



    "Ja, das kannst du dir nicht ausdenken. Wie kann man sowas abziehen, mit der eigenen Partnerin?"



    "Die Welt ist echt krank."

    Posten tun wir beide nichts. Wir leben nicht auf Social Media. Mann befragt seinen Freundeskreis zu dem Fall, um die schlechten Leute auszusortieren oder, wenn nicht möglich, auf Abstand zu gehen.

  • Gibt's. Auch, wenn es hier überspitzt dargestellt ist. Werte Herren und Geschlechtsgenossen: Solche Haltung mag in Ihrem Umfeld nicht vorkommen. Aber zu reklamieren, dass es solche Gespräche unter Männern nicht gibt, entspricht einfach nicht den Tatsachen.

    • @tiefer_atmen:

      Gibt es nun diese Gespräche so, oder ist das überspitzt?

    • @tiefer_atmen:

      Naja.... bei einfach gestrickten Gemütern wäre die aufblitzende Selbstreflexion aber nicht vorhanden....

    • @tiefer_atmen:

      Es gibt Leute mit Haltungen unter jeder Sau. Das bestreitet ja auch keiner. Aber auch die reden nicht so wie die Beiden in dem Artikel.

  • Ich weiß liebe Frauen ihr könnt dieses reflexhafte verteidigen von uns Männern nicht mehr hören aber dieser Artikel löst bei mir genau diesen Wunsch ganz stark aus: mich reflexhaft zu verteidigen! Was soll das, ist das Satire, ist das Ernst, hat man ein echtes Gespräch belauscht oder ist das frei erfunden, wird hier etwas verarbeitet? Man weiß es nicht, aber der Text ist voller Klischees und ich persönlich habe so ein "Gespräch unter Männern" in der Form noch nie gehört oder geführt.



    Was der Artikel genau bezwecken oder bewirken soll außer genau solche Reaktionen zu bekommen weiß ich ehrlich gesagt auch nicht.

    "Weiß nicht, ich steh im Bett auf Schlampen, am besten so bossy Schlampen, gern auch was älter, also so Frauen, die garantiert kein Wifey-Material sind."

    Sorry aber wer redet denn so? Was sind denn bossy Schlampen und was ist bitte Wifey-Material :D ich weiß schon was gemeint ist aber nochmal: wer redet denn so? :D

  • Ein tiefes ungeklärtes Abhängigkeitsgefühl der Autorin von uns Männern spricht aus diesen bösen Worten. Vorwurf, Generalisierung, Sexismus und Polarisierung werden ihr nicht wirklich helfen mit der aktuellen Realität konstruktiv und verändernd umzugehen. Aber wenn es erstmal hilft den Druck abzulassen. Wegen mir ..,

  • Aua.



    Gibt schon schlimme Männer-Klischees.



    Manche/Viele/Einige Männer erfüllen die auch.



    Schreibt doch mal ein Script für Pro7 oder so... da passt das auch ganz gut hin.

  • Hä? Das, vermutet die Autorin, wäre ein Gespräch "unter Männern"? So'n Beziehungszeugs statt wirklich wichtiger Dinge wie Lieblingsklub, Lieblingsmusik, Arbeit, Auto und großer Politik? Wurde hier womöglich dann arg zurechtgeschoben oder doch ersonnen?

  • So reden Männer nicht. Jedenfalls keine, die ich kenne. So stelle sich Frauen vor Männer wurden unter sich reden.

  • Woow, da bleibt einem das Lachen im Halse stecken... und geht nahtlos in einen Würgereiz über!



    Danke für diesen tiefen Einblick in die Gedankenwelt von "ganz normal" sozialisierten Männern.

    • @Katrina:

      Komisch, ich halte mich für einen normal sozialisierten Mann, und meine letzten Gespräche in der Kneipe drehten sich um die Irrenhäuser, in denen man seinen Lebensunterhalt verdient, um Verhaltensauffälligkeiten von Hunden und wie man diese positiv beeinflussen kann, um Trichoderma im Dachstuhl, die "siegreiche" deutsche Autoindustrie samt der damit verbundenen Qualitätsoffensive und um die allgemeine Politik. Ich habe eher den Eindruck, der Autorin ist ein wenig die Phantasie durchgegangen bei dem Gedanken, was Männer so denken könnten. Natürlich ist es allein anhand der Normalverteilung sicher, daß es solche kaputten Charaktere gibt, aber die sind mit Sicherheit nicht nur bei einem Geschlecht zu finden.

      • @Wurstfinger Joe:

        Patriarchat ist wie die siegreiche deutsche Autoindustrie: Es produziert viele zukunftsuntaugliche (Rollen) Modelle verschiedener Art.

    • @Katrina:

      Glauben Sie mir. Das ist KEINE normale Unterhaltung zwischen Männern. Das ist schlecht Phantasie.

    • @Katrina:

      "Danke für diesen tiefen Einblick in die Gedankenwelt von "ganz normal" sozialisierten Männern."



      Das ist ein Einblick in die Gedankenwelt einer Person, die sich in die Gedankenwelt von Männern einzudenken versucht.



      Das ist was anderes, und wie erfolgreich sie damit ist, lasse ich einfach mal offen.