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Wohnungspreise in Berlin sinken Am Ende der Spekulationsspirale

Jonas Wahmkow

Kommentar von

Jonas Wahmkow

Die Verkaufspreise auf dem Berliner Wohnungsmarkt gehen zurück – weil stärkere Regulierung droht. Das sollte Anlass genug sein, sie auch umzusetzen.

I n­ves­to­r*in­nen sind scheue Rehe: Kaum braut sich am Horizont die Möglichkeit staatlicher Regulierung zusammen, schrecken sie zurück, ihr wertvolles Geld in den Berliner Immobilienmarkt zu pumpen. Das macht sich an den Angebotspreisen für Wohnimmobilien bemerkbar, die laut dem aktuellen Marktbericht der Immobilienmakler Engel & Völkers im vergangenen Jahr um 0,6 Prozent gesunken sind. In Zukunft soll sich der Abwärtstrend noch weiter verschärfen.

Der Grund, warum es Ei­gen­tü­me­r:in­nen immer schwerer fällt, ihre Immobilien loszuwerden, ist laut einem Bericht der Berliner Morgenpost, dass das angekündigte Durchgreifen auf dem Mietmarkt die Gewinnaussichten der In­ves­to­r:in­nen schmälert. Laut in dem Bericht zitierten Immobilienexperten zögerten derzeit viele Groß­in­ves­to­r:in­nen wie Pensionsfonds, in den Berliner Markt zu investieren, kleinere und mittlere Ei­gen­tü­me­r:in­nen würden ihre Bestände verkaufen. „Die Ertragssituation hat sich mit Fragezeichen versehen“, so ein Experte in der Morgenpost.

Das Fragezeichen sind in diesem Fall die Ideen der potenziellen Regierungsparteien SPD, Linke und Grüne, Berlins Mie­te­r:in­nen vor den Auswüchsen des Immobilienmarkts zu schützen: Sozialwohnungsquote, Vermieterführerschein, Mietendeckel 2.0.

Selbst die CDU pocht auf die Durchführung geltender Gesetze, ergo der Mietpreisbremse. Mit der SPD verabschiedete sie kurz vor der Wahl das Mietenkataster, das erstmals die Grundlage für die systematische Erfassung von Wuchermieten bieten soll.

Überangebot überteuerter Wohnungen

Doch die Verkaufspreise von Wohnimmobilien sind mittlerweile so hoch, dass sie durch gesetzeskonforme Mieten gar nicht mehr reinzuholen sind. Das wissen auch die Banken und lehnen mittlerweile immer häufiger Kredite für Immobilienkäufe ab, deren Kalkulation auf überhöhten Mieten basieren, heißt es in dem Zeitungsbericht. Immer mehr Verkäufe scheitern, die Preise sinken.

Für Berlins Mie­te­r:in­nen ist das eine gute Nachricht. Je höher die Verkaufspreise, desto höher auch die Mieten, die sie refinanzieren müssen. Jeder Verkauf geht mit einer Renditeerwartung einher. Die lässt sich nur realisieren, indem man die Mieten steigert und die Kosten senkt, indem man die Instandhaltung vernachlässigt. So oder so zahlen am Ende die Mieter:innen.

Dass In­ves­to­r:in­nen nun in Panik geraten, weil sie sich in Zukunft eventuell an geltende Gesetze halten müssen, zeigt vor allem, dass der Markt dazu völlig ungeeignet ist, die Wohnungskrise in Großstädten wie Berlin zu lösen.

Am vorläufigen Ende der Spekulationsspirale, an dem der Berliner Wohnungsmarkt angelangt ist, stehen nur überhöhte Mieten, die sich kaum noch jemand leisten kann, und verfallende Bestände. Auch das Wohnungsbarometer der Investitionsbank Berlin kommt zu dem Schluss, dass es mittlerweile ein Überangebot an Wohnungen im oberen Preissegment gibt.

Für die Berliner Politik ist es ein ermutigendes Signal, dass Regulierung wirkt, bevor sie überhaupt in Kraft tritt. Angst vor einer plötzlichen Flucht der In­ves­to­r:in­nen sollte der kommende Senat indes nicht haben. Wenn Berlins Woh­nungs­ei­gen­tü­me­r:in­nen unbedingt verkaufen wollen, könnten sie ja auch zu einem fairen Preis an das Land Berlin verkaufen. So vergesellschaftet sich der Wohnungsbestand womöglich ganz von selbst.

Jonas Wahmkow

Jonas Wahmkow

Schreibt Geschichten aus dem Spätkapitalismus. Redakteur für Arbeit, Wirtschaft und Care im Berlin Ressort.
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9 Kommentare

  • Franz Hofer

    Laut Google KI sind in München seit dem Höchsstand 2022 die Wohnungspreise um 11% gefallen. Ob die in dem Kommentar vermuteten Gründe für den Rückgang in Berlin zutreffen, erscheint mir daher zweifelhaft.



    Selbst wenn sie zuträfen, wäre das nicht unbedingt ein gutes Zeichen: Wenn durch Vermieten weniger zu verdienen ist, wird weniger gebaut bzw. saniert, was es nur noch schwieriger macht, eine Wohnung zu finden.

  • Ricky-13

    taz: *Für die Berliner Politik ist es ein ermutigendes Signal, dass Regulierung wirkt, bevor sie überhaupt in Kraft tritt.*

    Nur die Springerpresse - also das Sprachrohr der Überreichen - schäumt weiterhin vor Wut, weil 'Die Linke' in Berlin jetzt Politik für das einfache Volk machen möchte.

    • rero

      @Ricky-13:

      Die Linke macht bis jetzt gar keine Politik, weil sie sich erstmal Koalitionspartner suchen muss.

      Ich habe übrigens letzten Monat eine Mieterhöhung bekommen.

      Eine städtische Wohnungsbaugesellschaft.

      War damals unter Rot-Grün-Rot auch so.

      Noch schnell was abgreifen, bevor die Regulierung kommt.

      • Ricky-13

        @rero:

        *Ich habe übrigens letzten Monat eine Mieterhöhung bekommen.*

        Und was hat das jetzt mit 'Die Linke' zu tun, wenn die doch - wie Sie richtig sagen - noch gar keine Politik macht?

        • Alex_der_Wunderer

          @Ricky-13:

          @ Ricky-13



          Freunde von uns hatten neulich auch eine Erhöhung bekommen, ihre Reaktion - so erzählten sie uns, gleich am nächsten Tag wurden von unseren Freunden per Einschreiben, 2,5 Quadratmeter mehr Wohnfläche , eine neue Duschtür für's Badezimmer und eine neue Lakierung für die Heizkörper, von unseren Freunden bei ihrem Vermieter, mit Fristsetzung der Erfüllung ihrer Forderungen, innerhalb von vier Wochen eingefordert. Unsere Freunde sind aber auch immer äußerst genau, - so vom Gerechtigskeitsempfinden...



          🤭 🤗 😉

  • mumba

    Es könnte jedoch auch sein, daß viele private und institutionelle sowie Finanzinstitute ihre Objekte abstoßen aus Angst vor den Regulierungen. Das wäre dann ein kurzfristiger Effekt, der weder die Mieten senkt noch mehr Wohnraum schafft.

  • Thomas Dormund

    Es ist wohl viel banale. Die Zinsen sind massiv gestiegen und dadurch Käufe noch teurer, bei negativem Ausblick.



    Das ist kein Grund zu feiern, denn das wird die Bautätigkeit ebenfalls beeinflussen und die Krise bald wieder verschärfen.

    • Desdur Nahe

      @Thomas Dormund:

      Korrekt. Wir haben einen Zinssatz wie seit fast 20 Jahren nicht mehr, das wirkt sich logischerweise sofort auf die Kaufpreise aus.



      Das Problem ist nur: Dieser Mechanismus funktioniert, weil die Marktmechanismen funktionieren. Und das ist etwas, das nicht sein kann, weil es nicht sein darf.

  • uwe

    "Dass In­ves­to­r:in­nen nun in Panik geraten, weil sie sich in Zukunft eventuell an geltende Gesetze halten müssen"

    Seltsame Logik. Was genau lässt auf Panik von Investoren schließen? Doch wohl kaum irgendwelche minimalen Preisschwankungen für Berliner Immos, die genauso in anderen Großstädten auftreten, z.B. in Köln, und eher den Kreditzinsen zuzuschreiben sind.

    Und an Gesetze müssen sich die Investoren auch in der Vergangenheit halten - sofern sie jemand einfordert. Sollte für jeden Mieter spätestens beim Auszug möglich sein - da gibt es doch länger schon Geschäftsmodelle zu, die die Arbeit übernehmen.

    Insofern ist dieses Kataster eher ein politisches show program for customer. Ok, kostet mal wieder Geld und schafft zusätzliche Behördenstellen.

    PS: Die neuen Mitarbeiter brauchen auch Wohnraum.



    ;-)