Verbrennerkampagne der Auto-Lobby: Es braucht feste Regeln für den Umstieg
Einfach bizarr: Die deutsche Autobranche gefährdet mit ihrer Lobby-Arbeit für Verbrenner nicht nur das Klima, sondern auch sich selbst.
D ie deutsche Autolobby spielt ein gefährliches Spiel. Die Hersteller und Industrieverbände beteuern immer wieder, hinter den Pariser Klimazielen zu stehen – wettern aber vehement gegen die europäischen CO2-Regeln. Frei nach dem Motto: Die Klimaziele wollen wir schon einhalten, doch von der EU lassen wir uns dafür nichts vorschreiben. Diese Argumentation ist nicht nur unlogisch, sondern auch extrem perfide.
Köpfe der Autobranche wie Hildegard Müller, Präsidentin des Verbands der Automobilindustrie (VDA), oder Ola Källenius, Mercedes-Chef und Präsident des Europäischen Autoverbands ACEA, verstehen sich inzwischen gut darauf, ihren klimakundigen Kritiker:innen den Wind aus den Segeln zu nehmen. Sie bekennen sich einfach ständig zu den Zielen, die im Pariser Klimaabkommen stehen, kein Problem. Dabei unterschlagen sie gerne, dass die Ziele angesichts der immer noch hohen Verkaufszahlen von Verbrennern kaum mehr einzuhalten sind. Und dann kommen sie doch mit der Forderung um die Ecke, die EU müsse neue Diesel und Benziner auch nach 2035 noch erlauben.
Källenius richtete diese Forderung am Mittwoch in einem offenen Brief direkt an Ursula von der Leyen, die als Präsidentin der Kommission einen der höchsten Posten in der EU bekleidet. Der VDA warb in seinem 10-Punkte-Plan für „Technologieoffenheit“ und „Wettbewerbsfähigkeit“ – also letztlich auch dafür, das Verbrenner-Aus zu kippen. Diesen Plan legte Müllers Verband erst im Juni der Politik in Brüssel und Berlin vor.
Industrie und Verbände lobbyieren, das lässt sich kurzfristig kaum ändern. Die deutsche Autobranche aber gefährdet mit ihrem Treiben nicht nur das Klima, sondern absurderweise auch sich selbst: Vielleicht sichert sie die gigantischen Gehälter einiger weniger Manager. Für eine nachhaltige, erfolgreiche Umstellung der Autoindustrie auf Elektromobilität aber braucht es feste Regeln und Planungssicherheit. Gut, dass es internationale Hersteller wie Kia gibt, die das verstanden haben. Fatal, dass die deutschen es nicht tun.
taz lesen kann jede:r
Als Genossenschaft gehören wir unseren Leser:innen. Und unser Journalismus ist nicht nur 100 % konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Texte, die es nicht allen recht machen und Stimmen, die man woanders nicht hört – immer aus Überzeugung und hier auf taz.de ohne Paywall. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass guter, kritischer Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung. Unser nächstes Ziel: 50.000 – und mit Ihrer Beteiligung können wir es schaffen. Setzen Sie ein Zeichen für die taz und für die Zukunft unseres Journalismus. Mit nur 5,- Euro sind Sie dabei! Jetzt unterstützen
meistkommentiert
Solidarität mit Palästina
Das Ringen um Palästina als globaler Kampf
Habeck gibt Bundestagsmandat ab
Her mit der neuen Idee
Bürgermeisterwahl in Ludwigshafen
Eine demokratische Farce
Kritik am Selbstbestimmungsgesetz
Kalkulierter Angriff
Robert Habeck tritt ab
„Ich will nicht wie ein Gespenst über die Flure laufen“
Kabinett für neues Wehrdienstgesetz
Freiwillige vor!