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Umgang mit SchrottimmobilienProblemhaus in Göttingen gehört jetzt der Stadt

Nach drei Jahren gelingt es der Stadt Göttingen, eine verwahrloste Immobilie aufzukaufen. Die Oberbürgermeisterin spricht von einem Kraftakt.

Ungeziefer, Ratten und Verfall, Müllberge in den Fluren und vor dem Gebäude – und Kriminalität: Seitdem eine Fernsehdokumentation dem Haus Nr. 20 im Göttinger Hagenweg im Jahr 2005 erstmals bundesweite Aufmerksamkeit bescherte, schaffte es die in den 1970er Jahren errichtete und seitdem nicht sanierte Immobilie immer wieder auch in überregionale Schlagzeilen.

In der Lokalpresse und in den vergangenen Kommunalwahlkämpfen war das marode Gebäude in der niedersächsischen Universitätsstadt durchgängig ein großes Thema. Stets prangerten nahezu alle im Rat vertretenen Fraktionen von CDU bis Linke die Zustände in dem Apartmenthaus an und versprachen Verbesserungen, sollten sie gewählt werden. Trotzdem geschah nichts oder nur wenig, teilweise auch wegen der undurchsichtigen und verschachtelten Besitzverhältnisse im Hagenweg 20.

Erst 2023 kam Bewegung in die Sache. Im Juni jenes Jahres kaufte die Stadt erste Wohnungen auf. Damals hielten 21 Eigentümer, darunter ein Mehrheitsbesitzer, Anteile an der Immobilie. Das Ziel der Göttinger Verwaltung war zunächst, als neue Mehrheitseigentümerin auf die weiteren Besitzer einzuwirken und so eine Sanierung des Gebäudes voranzutreiben.

„Riesiger Erfolg für die Stadtverwaltung“

Einstimmig beschloss der Stadtrat im November 2023 dann, die Kommune solle die Immobilie komplett erwerben, um sie abreißen und das Gelände neu bebauen zu können. Die damals noch rund 200 Bewohner sollten in besseren Quartieren untergebracht werden. Und die Verwaltung lieferte: Sukzessive gelang es, die heruntergekommenen Wohnungen nach und nach aufzukaufen. Jetzt meldete Oberbürgermeisterin Petra Broistedt (SPD) Vollzug: Am 25. Juni habe der letzte noch in Privatbesitz befindliche Stellplatz erworben werden können.

„Das ist ein riesiger Erfolg für die Stadtverwaltung und eine gute Nachricht für Göttingen“, lobte Broistedt sich und die Verwaltung. Mit „Geduld und Beharrlichkeit“ sei es gelungen, die insgesamt 165 Wohnungen und 63 Stellplätze zu kaufen. Broistedt sprach von einem Kraftakt. „Dass er nach fast drei Jahren gelungen ist, freut mich sehr.“

Der Fall in Göttingen zeigt beispielhaft, wie schwierig der Umgang für Kommunen mit sogenannten Schrottimmobilien ist. Erst kürzlich wurde im Bundeskabinett ein Gesetzentwurf beschlossen, der Kommunen künftig in solchen Fällen eine bessere Handhabe verspricht. Wenn Eigentümer sich trotz mehrfacher Aufforderungen weigern, ihre Immobilien instand zu setzen, darf sogar enteignet werden.

Teurer Kauf für eine klamme Kommune

In Göttingen waren 119 Wohnungen im Sommer 2024 vom Mehrheitseigentümer über ein Onlineportal zum Kauf angeboten worden. Der Kaufpreis wurde mit 2,6 Millionen Euro angegeben. Die jährlichen Mieteinnahmen für die zum Verkauf stehenden Wohnungen sollten den Angaben zufolge bei 212.000 Euro liegen – in den meisten Fällen zahlte die Stadt selbst die Miete als Transferleistung für die Bewohner. Später lag der aufgerufene Kaufpreis für das 119-Wohnungen-Paket noch bei 2,26 Millionen Euro. Wie viel Geld die notorisch klamme Kommune tatsächlich für diese und alle weiteren Wohnungen bezahlt hat, ist nicht bekannt.

Klar ist: Das Vorhaben gestaltete sich schwierig. Wohnung für Wohnung mussten Eigentumsverhältnisse und Grundbucheinträge recherchiert und geklärt werden – zum Teil im Ausland. Vertrauliche Verhandlungen wurden geführt, zahlreiche Zwangsversteigerungsverfahren begleitet und Alternativwohnraum für Mieter gefunden. Zurzeit leben noch etwa zehn Personen in der Immobilie. „Wir werden auch für diese Menschen neue Wohnungen finden“, sagte Broistedt. Das Großprojekt habe teilweise einer „Detektivarbeit“ geglichen, betonte Göttingens Oberbürgermeisterin.

Am Ende ist die Geschichte aber noch nicht. Vielmehr, so die Stadtverwaltung, sei jetzt erst mal ein wichtiger Meilenstein erreicht. Die eigentliche Zukunftsentscheidung stehe noch bevor. „Der Erwerb ist kein Abschluss, sondern der Beginn eines neuen Kapitels“, so Broistedt. Die Verwaltung werde dem Rat der Stadt Göttingen nun vorschlagen, die Immobilie an die Städtische Wohnungsbau-Gesellschaft zu übertragen. Möglich seien sowohl eine Sanierung des Gebäudes als auch dessen Abriss nebst Neubau von bezahlbarem Wohnraum.

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Taugt das Vorgehen der Stadtverwaltung im Hagenweg als ein Modell für zwei andere berüchtigte „Problemimmobilien“ in Göttingen, die in der Groner Landstraße und im Iduna-Zentrum? „Nein, erst mal nicht“, sagte Bürgermeisterin Broistedt. In diesen beiden Gebäudekomplexen gebe es deutlich mehr Wohneinheiten und auch viel mehr Eigentümer: „Wir würden uns als Stadt finanziell und personell übernehmen, wenn wir das jetzt in der Form angehen.“

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3 Kommentare

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  • Und wie geht es den ehemaligen Bewohnern jetzt? Wieso kommen die nicht zu Wort?

  • "Erst kürzlich wurde im Bundeskabinett ein Gesetzentwurf beschlossen, der Kommunen künftig in solchen Fällen eine bessere Handhabe verspricht. Wenn Eigentümer sich trotz mehrfacher Aufforderungen weigern, ihre Immobilien instand zu setzen, darf sogar enteignet werden."

    Na, ob das nun noch so opportun ist, nachdem doch der Bund explizit Enteignungen verbietet?

    • @nihilist:

      Ich hoffe doch schwer, dass das möglich ist. Eigentum verpflichtet. Und wer diesen nicht nachtkommt, sollte dann wenn nix anderes mehr geht auch mit dem Eigentumsverlust rechnen müssen.