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Ulrike Herrmann über Krieg und Ökonomie„Europa muss fähig sein, sich allein zu verteidigen“

Die Wirtschaft ist ein unterbelichteter Faktor im Krieg, sagt taz-Redakteurin und Buchautorin Ulrike Herrmann. Sie plädiert für Aufrüstung.

Großer Bedarf: Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) vor einem Patriot-Luftabwehrsystem Foto: Kay Nietfeld/dpa
Nadine Conti

Interview von

Nadine Conti

taz: Ulrike Herrmann, Dein neues Buch heißt „Geld als Waffe. Wie die Wirtschaft über Krieg und Frieden entscheidet.“ Kannst Du Dich noch erinnern, wie die Idee entstand?

Ulrike Herrmann: Die Buchidee entstand im Frühjahr 2022 – direkt nach dem Angriff Russlands auf die Ukraine. Ich konnte es gar nicht fassen, dass Putin einen so großen Krieg beginnt, denn Russland ist zu arm für diesen Konflikt. Aber in der Berichterstattung tauchten ökonomische Aspekte fast gar nicht auf. Es ging vor allem um Militär, Diplomatie, Politik. Die Wirtschaft fehlte.

taz: Jetzt steht aktuell ein Kriegsherd im Fokus, der im Buch noch gar nicht auftaucht: Der Iran. Wie passt der zu Deinen Thesen?

Herrmann: Auch im Iran wird die Wirtschaft den Krieg entscheiden – weil Teheran das Öl zur Waffe macht, indem es die Straße von Hormus schließt. Jetzt fehlen zwanzig Prozent der globalen Ölförderung. Trump hat diese Gefahr offenbar vorher nicht gesehen, was nochmal zeigt, wie oft die Wirtschaft ignoriert wird.

taz salon

Im taz Salon „Geld als Waffe“ stellt Ulrike Herrmann ihr neues Buch vor. Und zwar am

12. 5. 2026, 19 Uhr im Kulturzentrum Faust in Hannover und im Livestream

9. 6. 2026, 17 Uhr und 20 Uhr im hansa 48 in Kiel

11. 6. 2026, 19 Uhr im Kulturzentrum Lagerhaus in Bremen

Tickets unter taz.de/taz-Salon-ueber-Kriegswirtschaft/. Dort findet sich auch der Link zum Livestream.

Im Buch beschäftigst Du Dich intensiv mit Russland und China. Warum diese beiden?

Momentan fehlen uns in Europa fast alle wichtigen Waffen, um uns zu verteidigen

Herrmann: Diese Konstellation ist für uns in Europa am gefährlichsten. China und Russland wollen andere Länder erobern – und arbeiten dabei indirekt zusammen. Russland attackiert die Ukraine und könnte auch Nato-Gebiet angreifen, China bedroht Taiwan. Dieses Szenario erinnert entfernt an den Zweiten Weltkrieg. Damals führten das Deutsche Reich und Japan gleichzeitig Krieg, was die USA geschwächt hat, weil sie auf zwei Kriegsschauplätzen präsent sein musste. Dieses Problem wiederholt sich jetzt. Da sich die USA vor allem auf China konzentrieren, muss Europa fähig sein, sich allein gegen Russland zu verteidigen. Das gilt auch, wenn Trump nicht mehr US-Präsident ist.

taz: Du unternimmst auch einen großen Ritt durch die russische und die chinesische Geschichte. Warum ist Dir der wichtig?

Herrmann: Das heutige Russland und China versteht man gar nicht ohne ihre historische Entwicklung. Ein Beispiel: Russland ist das größte Land der Erde und hat enorme Mengen an Rohstoffen – trotzdem war es immer rückständig. Wie kann das sein?

taz: Was mir vorher nicht klar war: Wie sehr die Kriegsschauplätze alle vernetzt sind.

Herrmann: Stimmt. Diese engen Verflechtungen zeigen sich jetzt auch im Iran: Die Patriot-Luftabwehrraketen sind so knapp, dass die USA einige Systeme aus dem Pazifik in den Nahen Osten verlegen mussten. Das könnte einen chinesischen Angriff auf Taiwan wahrscheinlicher machen.

Bild: Sven Hoppe
Im Interview: Ulrike Herrmann

62, ist Wirtschaftsredakteurin der taz und Bestseller-Autorin.

taz: Die EU muss aufrüsten, sagst Du. Und zwar gemeinschaftlich. Was bedeutet das für unsere Wirtschaft?

Herrmann: Momentan fehlen in Europa fast alle wichtigen Waffen, um uns zu verteidigen. Wir haben keine Drohnen, keine Abwehrdrohnen, kaum Raketen und Marschflugkörper und auch viel zu wenig Luftabwehr. Wir müssen also nachrüsten, was wir uns aber mühelos leisten können. Um es etwas zynisch auszudrücken: Unser Glück ist, dass Russland vergleichsweise arm ist. Die Nato muss gar nicht viel Geld aufwenden, um Putin abzuschrecken. Bis 2035 sollen die Wehretats auf 3,5 Prozent der Wirtschaftsleistung steigen – so viel hat man unter Willy Brandt auch in die Bundeswehr gesteckt.

taz: Welche Deiner Thesen hat bisher den heftigsten Widerspruch ausgelöst?

Herrmann: Natürlich gibt es immer noch Menschen, die auf Verhandlungen mit Putin hoffen. Das kann ich verstehen, halte es aber für eine Illusion. Putin muss immer weiter Krieg führen, weil ein Frieden für ihn zu gefährlich wäre. Erst im Frieden würde sich zeigen, wie teuer der Krieg war. Die Inflation wäre weiterhin hoch, und zudem wären Millionen arbeitslos, weil sie an der Front und in der Rüstungsindustrie nicht mehr gebraucht würden. Dieses Chaos will Putin nicht riskieren.

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13 Kommentare

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  • "Dieses Chaos will Putin nicht riskieren."



    Er vielleicht nicht, aber es soll auch Gegenmeinungen geben.



    Vor wenigen Tagen:



    "Angst vor Putsch oder Attentat



    Putin soll massiv seine eigene Sicherheit verstärkt haben"



    Bei n-tv.de



    "Als Grund wird eine Welle von Attentaten auf hochrangige russische Militärs und die Angst vor einem Staatsstreich angegeben, wie der US-Sender CNN unter Berufung auf einen Bericht eines europäischen Geheimdienstes meldet.



    Putin verbringe "mehr Zeit in unterirdischen Bunkern, wo er den Krieg bis ins Detail lenkt,..."

  • Ein Buchtipp, der sich lohnen könnte...



    Es ist gut, wenn auch linke Positionen wirtschaftlich durchdacht werden.



    Heute befinden wir uns in einer Situation, in der die Demokratie verteidigt werden muss.



    Natürlich im Innern, wo rechte Kräfte an der Demontage der Demokratie arbeiten.



    Doch die Bedrohung ist größer: nicht nur direkt, durch einen möglichen Angriff Putins auf die EU, sondern auch die Bedrohung des gesamten demokratischen Systems.



    Wer da meint, von " Militarisierung" und "Zwangsdienst" quatschen zu können, hat die Lage noch nicht erkannt.

  • Alles logisch, konsequent und klar.

    Jetzt wird wieder in die Hände gespuckt,



    wir steigern das Kriegs-Verteidigung Produkt.

    In die Falle getappt.

    Auf der anderen Seite steht Russland vom Krieg in eine wirtschaftliche Achterbahn getrieben.



    Es ist schwer vorstellbar, dass Putin in der Situation mit der Ukraine Ambitionen hat, seinen Krieg auszuweiten.

    • @Andreas Flaig:

      "Auf der anderen Seite steht Russland vom Krieg in eine wirtschaftliche Achterbahn getrieben."

      Und warum? Weil genug Waffen vorhanden waren Russland lange genug abzuwehren, bis Sanktionen Wirkung zeigen.

      "Es ist schwer vorstellbar, dass Putin in der Situation mit der Ukraine Ambitionen hat, seinen Krieg auszuweiten"

      Zitat aus dem Interview:



      "Erst im Frieden würde sich zeigen, wie teuer der Krieg war. Die Inflation wäre weiterhin hoch, und zudem wären Millionen arbeitslos, weil sie an der Front und in der Rüstungsindustrie nicht mehr gebraucht würden"

      Wenn es "Frieden" gibt, dann nur um Kräfte für den erneuten Schlag zu sammeln.

    • @Andreas Flaig:

      "Es ist schwer vorstellbar, dass Putin in der Situation mit der Ukraine Ambitionen hat, seinen Krieg auszuweiten."



      Es war seinerzeit für eine Menge Leute auch schwer vorstellbar, dass Putin in die Ukraine einmarschieren würde. Hat er aber trotzdem getan.

  • Schon zur Definition von "Staat" gehört, das er in der Lage sein muss die Macht im Territorium auszuüben. Sowohl nach innen als auch nach aussen. Eine funktionierende Armee ist unabdingbar.



    Leider ist seit Jahrzehnten bekannt das die Finanzen völlig ineffizient (wie überall in Regierungsverantwortung) und teilweise sinnfrei verbrannt werden.



    Jetzt spielt der Trump auch noch mit seinen Androhungen und alles zittert vor den ökonomischen Folgen für die von den USA besetzten Regionen in Deutschland. Das er davon abhängig ist in D und EU Truppen vorzuhalten um seine Weltbeherrscherambitionen durchzuführen wird dann vor lauter zittern vergessen.



    Warum lassen sich die Menschen sogerne in beliebige Richtungen lenken. Es ist zu anstrengend zu denken oder mit denkenden und wissenden Menschen zu kommunizieren.



    Also beten wir weiter unsere unfähige Regierung an und zittern vor einem unmündigen Präsidenten auf der anderen Seite der Erde.

    • @Conrad:

      Ahem - Artikel nicht gelesen?

  • Wahrscheinlich ist das vielen nicht mehr in Erinnerung. Ein wenig Wehmut ist dabei.



    Rüstung kostet Ressourcen, die wir nicht haben.



    spiegel.de 1988



    "Noch in seiner ersten Amtsperiode hatte Reagan die Sowjet-Union zu Tode rüsten wollen, und noch während des ersten Gipfels, 1985 in Genf, schien es schwer vorstellbar, daß Moskau sein Afghanistan-Abenteuer tatsächlich abbrechen würde.



    Das aberwitzigste Wettrüsten der Weltgeschichte ließ jeden Gedanken an Rüstungskontrolle oder Supermacht-Gipfel lange als Hirngespinst erscheinen. Doch 1985 begann der wohl atemberaubendste Wandel der Weltpolitik seit der Entspannungsphase Ende der sechziger Jahre. Da er in der Innenpolitik auf ein ruhmträchtiges Finale seiner acht Amtsjahre nicht hoffen konnte, hatte Reagan den ihm von Frau Nancy nahegebrachten Plan gefaßt, als »Friedenspräsident« in die Geschichte einzugehen."



    /



    Weiter dort als Parallele zu unserer Zeit:



    "Hinzu kam: Das Totrüsten der Sowjet-Union, so herrlich es sich für manche Ohren angehört hatte, gestaltete sich mühsamer als erwartet - Amerikas riesige Defizite im Außenhandel führten der Welt vor, daß die USA, einst einer der größten Gläubigerstaaten, zum größten Schuldnerstaat..."

  • Ich finde Frau Herrmann fast immer sehr überzeugend.

    Von mir aus hätte das Interview durch länger und detaillereicher sein können.

  • So ein gutes Interview. Frau Herrmann bringt es auf den Punkt, besonders mit dem letzten Absatz:

    "...Putin muss immer weiter Krieg führen, weil ein Frieden für ihn zu gefährlich wäre. Erst im Frieden würde sich zeigen, wie teuer der Krieg war. Die Inflation wäre weiterhin hoch, und zudem wären Millionen arbeitslos, weil sie an der Front und in der Rüstungsindustrie nicht mehr gebraucht würden. Dieses Chaos will Putin nicht riskieren."

    Am sichersten für Deutschland ist noch immer eine starke Ukraine. Diese verfügt schon über das Know How die Russen abzuwehren, es fehlen nur ausreichend Mittel.

  • ""....j.etzt fehlen zwanzig Prozent der globalen Ölförderung. Trump hat diese Gefahr offenbar vorher nicht gesehen, was nochmal zeigt, wie oft die Wirtschaft ignoriert wird.""



    =



    Trumps Entscheidungen sind keine Pleiten, Pech und Pannen- sondern weitaus schlimmer:



    Laut Berichten des Guardian, der New York Times und anderer Medien wurde die Entscheidung für einen Militärschlag gegen den Iran als ein streng gehütetes Geheimnis beschrieben wobei Trump von einem engen Kreis ahnungsloser Loyalisten unterstützt wurde und traditionelle Experten (Geheimdienste, Wirtschaftsexperten, Militärs. etc.) (!!!) und wichtige Verbündete umgangen wurden.



    =



    Gerade die strategischen, wirtschaftlichen und logistischen Berater wurden umgangen die den Krieg gegen den Iran infrage stellten - genauso wie US-Militärs die Trumps Pläne skeptisch betrachteten.



    =



    Trump hat ausdrücklich Experten in der Beratung ausgeschlossen die sich in der Komplexität eines Krieges im Nahen Osten auskennen - und die wussten welche Probleme



    nach einer Schliessung von Hormus folgen.



    Wie dumm muss ein Präsident sein wenn er vorhandenes Wissen in derEntscheidungsfindung ausschliesst?

    • @zartbitter:

      Entschuldigung, ich glaube Sie unterschätzen Trump. Trump nutzt jetzt nur noch den Rest seiner Amtszeit um möglichst viel Geld für sich, seine Familie und seine Vertrauten zu machen. Zuerst sichert man sich das Öl aus Venezuela, einem der größten Lieferanten Weltweit, um dann einen Krieg zu beginnen der den Öl-Preis in die höhe treibt, ein Schelm der dabei böses denkt. In Krimis heißt es immer bei Verbrechen, folgt der Spur des Geldes, hier würde sie zu Trump führen.

      • @Günter Witte:

        Trump hat in seiner bisherigen geerbten Tätigkeit als Immobilienhändler 6 Versuche vor die Wand gefahren eine Immobilienfirma erfolgreich zu führen - was nicht unbedingt für Trumps Fähigkeiten als Geschäftsmann spricht.



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        Trump nutzt seinen Status als Präsident in verschiedenen Geschäftsfeldern Geld zu verdienen: Trump hat sich als "Krypto-Präsident" positioniert und erzielt hohe Einnahmen durch eigene Krypto-Geschäfte,



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        Das Fundament bildet die Trump Organisation, die weltweit Immobilienprojekte/Golfplätze betreibt.



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        Darüber hinaus vermarktet Trump seinen Namen intensiv. Dazu gehören Verkäufe von Produkten wie SCHUHE, BIBELN und Parfums.



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        Trumps Media & Technology Group --Betreiber von Truth Social) -- generiert Einnahmen durch Aktienkursgewinne.



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        In einer Zeitschrift die Sie und ich auch nicht lesen wird über den Verdacht von Insiderhandel geschrieben, weil Kreise um das weisse Haus herum (Leute die Trump nahe stehen) Infos genutzt haben sollen um mit Ölderivaten auf steigende Ölpreise zu setzen.



        =



        Politisches Handeln auf seltsame Vorurteile aus der seltsamen Gedankenwelt von deitschen Kriminalfilmen



        abzuleiten klingt lustig - mehr aber auch nicht.