piwik no script img

Trumps Vorwürfe gegen WHODer unglaubwürdigste Kritiker

Andreas Zumach

Kommentar von

Andreas Zumach

Trumps Kritik an der Weltgesundheitsorganisation ist ein durchsichtiges Ablenkungsmanöver – mit falschen Fakten und Unterstellungen.

E s gibt durchaus Anlass zur Kritik an der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Bevor sie am 30. Januar eine „internationale Gesundheitsnotlage“ ausrief, war sie zu gutgläubig gegenüber der Informationspolitik der chinesischen Regierung, deren „Vertuschungsmanöver“ damals schon von Ärzt*innen des Landes offengelegt wurde. Der Präsident der USA ist allerdings aus aktuellen wie historischen Gründen der denkbar unglaubwürdigste Kritiker der WHO: Wer wie Trump die Coronapandemie noch Mitte März als „harmlose Erkältungskrankheit“ oder „Wahlkampf-Erfindung“ der Demokratischen Partei abtat, der sollte schweigen zu Fehlern der WHO im Januar, als gerade einmal 15 Länder von dem Virus betroffen waren.

Für seine Unterstellung, die WHO habe zu Beginn der Pandemie „mehr gewusst, als sie offenlegte“, blieb der US-Präsident jeden Beweis schuldig. Falsch ist auch Trumps mit der Drohung von Beitragskürzungen verbundene Behauptung, die USA seien der „größte Finanzier“ der WHO. Größter Finanzier ist die private Stiftung von Bill und Melinda Gates. Deren Vermögen besteht überwiegend aus Aktien der zehn weltgrößten Pharmakonzerne, darunter vier aus den USA. Das Budget der WHO stammt heute kaum noch aus demokratisch kontrollierten Beiträgen der Mitgliedsregierungen, sondern zu 80 Prozent von privaten Stiftungen oder unmittelbar aus der Pharma- und der Nahrungmittelindustrie.

Ursache dieser fatalen Privatisierung der WHO und anderer Organisationen des UNO-Systems ist die politisch motivierte finanzielle Strangulation der UNO durch Trumps drei republikanische Vorgänger seit den 80er Jahren: Ronald Reagan, George Busch und George W. Bush.

Mit ihrem erheblichen Einfluss bewirkten die Wirtschaftskonzerne in den letzten 30 Jahren die weitgehende Abkehr der WHO von der Förderung von Basisgesundheitssystemen in den ärmsten Ländern. Sie sabotierten auch Empfehlungen für Gesundheitsversorgung und Ernährung in den reichen Industriestaaten.

50.000 Menschen beteiligen sich bei taz zahl ich – weil unabhängiger, kritischer Journalismus in diesen Zeiten gebraucht wird. Weil es die taz braucht. Dafür möchten wir uns herzlich bedanken! Ihre Solidarität sorgt dafür, dass taz.de für alle frei zugänglich bleibt. Denn wir verstehen Journalismus nicht nur als Ware, sondern als öffentliches Gut. Zahlen muss niemand, aber guter Journalismus hat seinen Preis. Und immer mehr Leser*innen machen mit und entscheiden sich für eine freiwillige Unterstützung der taz! Dieser Schub trägt uns gemeinsam in die Zukunft. Denn wir suchen wir auch weiterhin Ihre Unterstützung. Setzen auch Sie jetzt ein Zeichen für kritischen Journalismus und unterstützen Sie die taz – schon ab 5 Euro. Jetzt unterstützen

Andreas Zumach

Andreas Zumach Autor

Journalist und Buchautor, Experte für internationale Beziehungen und Konflikte. Von 1988-2020 UNO- und Schweizkorrespondent der taz mit Sitz in Genf und freier Korrespondent für andere Printmedien, Rundfunk-und Fernsehanstalten in Deutschland, Schweiz,Österreich, USA und Großbritannien; zudem tätig als Vortragsreferent, Diskutant und Moderator zu zahlreichen Themen der internationalen Politik, insbesondere:UNO, Menschenrechte, Rüstung und Abrüstung, Kriege, Nahost, Ressourcenkonflikte (Energie, Wasser, Nahrung), Afghanistan... BÜCHER: Reform oder Blockade-welche Zukunft hat die UNO? (2021); Globales Chaos-Machtlose UNO-ist die Weltorganisation überflüssig geworden? (2015), Die kommenden Kriege (2005), Irak-Chronik eines gewollten Krieges (2003); Vereinte Nationen (1995) AUSZEICHNUNGEN: 2009: Göttinger Friedenspreis 2004:Kant-Weltbürgerpreis, Freiburg 1997:Goldpreis "Excellenz im Journalismus" des Verbandes der UNO-KorrespondentInnen in New York (UNCA) für DLF-Radiofeature "UNO: Reform oder Kollaps" geb. 1954 in Köln, nach zweijährigem Zivildienst in den USA 1975-1979 Studium der Sozialarbeit, Volkswirtschaft und Journalismus in Köln; 1979-81 Redakteur bei der 1978 parallel zur taz gegründeten Westberliner Zeitung "Die Neue"; 1981-87 Referent bei der Aktion Sühnezeichen/Friedensdienste, verantwortlich für die Organisation der Bonner Friedensdemonstrationen 1981 ff.; Sprecher des Bonner Koordinationsausschuss der bundesweiten Friedensbewegung.
Mehr zum Thema

3 Kommentare

 / 
  • In der ZEIT gibt es einen sehr guten Artikel über Trump alias Prinz Prospero

    www.zeit.de/2020/1...urce=pocket-newtab

  • Hmm- ich bin auch gegen eine von Bill Gates etc. finanzierte Stiftung, die in Gesundheit macht. Bin ich jetzt ein Trumperer?

  • Ich weiss auch nicht, wie wir diese Geisel der Menschheit verdient haben. Oder... warte mal. Ich weiss es doch.

    "Wer wie Trump die Coronapandemie noch Mitte März [...] der sollte schweigen"

    Trump wird erst schweigen, wenn irgendjemand ihm Twitter aus der Hand schlägt [1].



    Oder: "was interessiert mich mein Geschwätz von gestern", wie es dazumal diesseits des Teichs hiess.